So wie das Romanische Café in Berlin vor 1933 ist das Café du Dôme (wie das Deux Magots) am Pariser Montparnasse nach der Machtergreifung ein zentraler Treffpunkt für Künstler und Intellektuelle. Im Deux Magots sei gerade „Deutsch die offizielle Sprache. Jeden Abend wird Hitler da gestürzt und eine neue deutsche Regierung gebildet“, erzählt ein Pariser der Hauptfigur Nadia Schumacher.
Anna Gmeyner hat den Roman über Menschen im Exil zu Beginn der 1940er Jahre geschrieben. Der ist – ein Kuriosum – erst jetzt auf Deutsch erschienen, rückübersetzt aus dem Englischen. Das deutsche Manuskript ist verschollen.
Gmeyner setzt ihre Protagonistin an einen Tisch im Dôme. Es ist der 14. Juli und Paris in Feststimmung. Die Protagonistin Nadia Schumacher trinkt einen Café crème, beobachtet das Treiben rundherum, hört die Klänge konkurrierender Kapellen und das Sprachengewirr der Menschen an den nahen Marmortischen. Sie denkt an ihren Mann, den Kommunisten Peter Schumacher, den die Gestapo verhaftet und nach Dachau gebracht hat.
Zufällig trifft sie im Café einen Genossen ihres Mannes. Martin Schmidt arbeitet in Paris in einer kommunistischen Zelle im Untergrund und kümmert sich auch darum, Schumacher aus Dachau herauszubringen. Schumacher taucht tatsächlich in Paris auf. Das Wiedersehen gestaltet sich allerdings anders als erhofft. Peter ist von der Haft gezeichnet, agiert lieblos und rücksichtslos. Nadia versucht verzweifelt, sein Verhalten zu verstehen und ihre Ehe zu retten.
Das alles passiert in einem Paris, in dem es vor Geflüchteten wimmelt, in dem Untergrundkämpfer sich gegen den Faschismus aufbäumen, Freiwillige für den Spanischen Bürgerkrieg rekrutiert werden, deutsche Spione die Netzwerke der Exilanten zu infiltrieren versuchen, Ideologien aufeinandertreffen. Melancholie, Verzweiflung und Selbstbetrug sitzen als Stammgäste im Café du Dôme mit am Tisch.
Gmeyner hat einen atmosphärischen, bewegenden und spannenden Zeitroman (samt Spionagegeschichte) geschrieben – voller unkonventioneller Bilder und Metaphern, lebendiger Szenen im Café, in den Gassen und Parks von Paris, auf den Boulevards, in dreckigen Hinterzimmern und kümmerlichen Hotelzimmern. Ein Panorama des von Entwurzelten bevölkerten Paris über ein ganzes Jahr: vom 14. Juli bis zum 15. Juli des folgenden Jahres.
Herausgeber und Übersetzer: Armin Strohmeyr
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