Anna Gmeyner Manja

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Inhaltsangabe zu „Manja“ von Anna Gmeyner

Eines der wichtigsten Werke der Exilliteratur erzählt so berührend wie poetisch die Geschichte von fünf Kindern, die 1920 in derselben Nacht gezeugt werden, aber in unterschiedlichen sozialen Verhältnissen aufwachsen. Die fünf verbindet eine innige Freundschaft, die aufgrund der politischen Ansichten ihrer Eltern in Feindschaft umzuschlagen droht. Heini, Franz, Harry, Karl und Manja sind in derselben Stadt geboren und leben doch in unterschiedlichen Welten. Die Väter der Jungen sind ein klassenbewusster Arbeiter, ein kleinbürgerlicher Faschist, ein liberal-intellektueller Arzt und ein großbürgerlich-jüdischer Kommerzienrat. Manja, deren Mutter aus armen ostjüdischen Verhältnissen stammt, steht im Zentrum der Freundschaft: Die Zuneigung zu ihr bestärkt die vier, Konflikte in Kauf zu nehmen - mit den Eltern, der Schule, der Hitlerjugend. Letztlich aber bleiben die fünf Gefangene ihrer Zeit, an der Manja tragisch zerbricht und mit ihr die Hoffnung der Jungen auf eine menschenwürdige Zukunft.

Ein unglaublich eindringliches und poetisches Buch, das den schleichenden Schrecken des Nationalsozialismus spürbar werden lässt.

— parden

Ein sehr poetisch, aber nicht so einfach zu lesendes Buch, geschrieben von einer Autorin, die bereits 1933 ahnte, was auf die Welt zukommt.

— tinstamp

Ein Buch, das weh tut, das bis ins Innerste dringt, entsetzt und die Augen öffnet. Kein Gute-Laune-Buch, aber eines, das extrem wichtig ist.

— TochterAlice

Erschütternd und erhellend!

— Himmelfarb

Unbedingt lesen! Dieser kluge Roman der Exilliteratur sollte sich in möglichst vielen Köpfern verankern!

— freiegedanken

Klarsichtiger, berührender Roman über fünf Kinder von 1920 bis 1934. Ein großes Stück Exilliteratur!

— Buecherschmaus

100 % Leseempfehlung ! Ein Buch, das fesselt und unter die Haut geht.

— vielleser18

Ein wundervolles und poetisches Buch, dass mich sehr berührt hat, jedoch traurig, fassungslos, wütend und nachdenklich zurück lässt ... ♥♥♥

— 19angelika63

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  • Eindringlich und poetisch - ein Buch, das unter die Haut geht...

    Manja

    parden

    EINDRINGLICH UND POETISCH - EIN BUCH, DAS UNTER DIE HAUT GEHT.... Eines der wichtigsten Werke der Exilliteratur erzählt so berührend wie poetisch die Geschichte von fünf Kindern, die 1920 in derselben Nacht gezeugt werden, aber in unterschiedlichen sozialen Verhältnissen aufwachsen. Die fünf verbindet eine innige Freundschaft, die aufgrund der politischen Ansichten ihrer Eltern in Feindschaft umzuschlagen droht. Heini, Franz, Harry, Karl und Manja sind in derselben Stadt geboren und leben doch in unterschiedlichen Welten. Die Väter der Jungen sind ein klassenbewusster Arbeiter, ein kleinbürgerlicher Faschist, ein liberal-intellektueller Arzt und ein großbürgerlich-jüdischer Kommerzienrat. Manja, deren Mutter aus armen ostjüdischen Verhältnissen stammt, steht im Zentrum der Freundschaft: Die Zuneigung zu ihr bestärkt die vier, Konflikte in Kauf zu nehmen - mit den Eltern, der Schule, der Hitlerjugend. Letztlich aber bleiben die fünf Gefangene ihrer Zeit, an der Manja tragisch zerbricht und mit ihr die Hoffnung der Jungen auf eine menschenwürdige Zukunft. Dieses Buch gehört zu denjenigen, bei denen mir das Verfassen einer Rezension nicht leicht fällt. Zu groß der Eindruck, den das Geschriebene hinterlassen hat, zu gewaltig das Werk, als dass eine Rezension dem wirklich gerecht werden könnte. Und doch will ich versuchen zu vermitteln, weshalb dies ein Buch ist, das unbedingt entdeckt werden will, sollte, muss. Von Anfang an schafft Anna Gmeyner hier das Verbindende zwischen den Familien, um deren Kinder es hier geht - die Nacht der Zeugung ist es, mit der dieser Roman beginnt. Und schon hier wird deutlich, wes Geistes Kind die verschiedenen Eltern sind und ob die Kinder zukünftig in einem liebevollen oder aber in einem strengen und angstbesetzten Zuhause aufwachsen werden. Von einem Liebesakt bis hin zur Vergewaltigung reicht das Spektrum der Zeugung - und hier ahnt noch niemand, wie eng das Leben der dabei entstandenen Kinder einmal miteinander verknüpft sein wird. 1920 ist das Jahr, in dem die Kinder gezeugt werden - und so wachsen sie aus der Weimarer Republik nach Kriegsende langsam in den Nationalsozialismus hinein, wobei der Leser die Möglichkeit erhält, sie vierzehn Jahre lang auf diesem Weg zu begleiten. "Nach dem Krieg, verstehst du, als wir wiederkamen, da habe ich geglaubt, was man da erlebt hat, was keiner überlebt hat, das wird nie wiederkommen, das war das letzte Mal (...) eine Zeit sah es aus, als ob das Land anders geworden wäre, weiter, menschlicher. Stimmt nicht. (...) Und jetzt, langsam, von allem Seiten schleicht sich´s wieder ein..." Vier Jungen und ein Mädchen - und eine große, tiefe Freundschaft, trotz aller Unterschiede, das ist es, was die fünf Kinder auszeichnet. Anna Gmeyner gelingt es hier gekonnt, gleichzeitig das Trennende und das Verbindende der Einzelschicksale zu präsentieren und dabei einen Einblick in einen Querschnitt der gesellschaftlichen Schichten zu gewähren. Heini Heidemann ist der Sohn einer bildungsbürgerlichen, humanistisch gesinnten Arztfamilie und wächst liebevoll und ohne Vorurteile auf. Karli Müller ist das Kind einer Arbeiterfamilie, der Vater aktiver Kommunist und frühzeitig inhaftiert, die Mutter hält die Familie mit viel Energie und Arbeitsamkeit zusammen. Harry ist der Sohn des jüdischen Großindustriellen Hartung und wächst in wohlhabenden Verhältnissen auf, jedoch einsam und ohne die Liebe seiner Eltern. Franz Meißner wächst in einer kleinbürgerlichen Familie auf, in der alle unter dem patriarchalischen und gewaltbereiten Vater leiden, der frühzeitig auf den Zug des Nationalsozialismus aufspringt und so einen sozialen Aufstieg erfährt, der sonst nicht möglich gewesen wäre. Manja schließlich ist das Kind einer ostjüdischen Mutter, alleinerziehend, mittellos und lebensuntüchtig, jedes Kind von einem anderen Vater. Früh muss Manja Verantwortung übernehmen für den Haushalt und ihre Geschwister, und doch ist sie es, die in aller Leben einen Sonnenstrahl zaubert. "Wenn man nicht ein bisschen Distanz zu den Dingen hätte, könnte man es manchmal wirklich nicht aushalten. Ich sitze jeden freien Augenblick bei den Büchern. Telefon und Radio abgestellt. Das ist meine Insel." Was hier an den geschilderten Familien klischeemäßig und konstruiert wirken könnte - verstärkt noch durch die scharfzüngige und bösartige Hausverwalterin, den verarmten Adligen, den schmierigen und dummdreisten Hitlerjungen - löst Anna Gmeyner geschickt auf, indem sie allen Personen ein wahres Gesicht gibt, eine Persönlichkeit mit Stärken und Schwächen, individuelle Nuancen, die sie dem Leser greifbar machen. Zunehmend verweben sich die Schicksale der Kinder und mit ihnen auch die ihrer Familien. Zunächst unbeeindruckt von dem Geschehen um sie herum, leben die Fünf ihre Freundschaft, schaffen sich ihre Insel, Manja mit ihrem hellen Gemüt und immer das Gute annehmend als Lichtgestalt unter ihnen. Sie lehrt die Jungen mit ihren Augen zu sehen und pflanzt eine tiefe Sehnsucht in ihnen. Doch die gesellschaftlichen Veränderungen hinterlassen allmählich ihre Spuren, graben Gräben, die immer schwieriger zu überwinden sind, die Lawine reißt alle mit und trotz aller Widerstände lässt sich die sich anbahnende Katastrophe nicht aufhalten... "Einen Augenblick lang hatte die Kassiopeia deutlich mit ihren fünf strahlenden Endsternen über dem Kirchturm gestanden. Nun verschwand sie sehr schnell unter schwarzen, treibenden Wolken." Anna Gmeyner schafft hier sehr eindringliche Bilder, die sie auf eine unglaublich poetische Art und mit einer beeindruckenden Genauigkeit schildert. Oftmals saß ich da mit einem Kopfschütteln, weil das Gelesene derart zart und und gleichzeitig kraftvoll wirkte, so wunderschön konstruiert, dass es mich berührte allein schon durch die Art des Schreibens. Viele Sätze habe ich mehrfach gelesen, einfach um sie wiederholt auf mich wirken zu lassen. Auch die Symbolträchtigkeit der Sprache hat mich beeindrucken und bezaubern können. „Ich weiß, was du meinst Manja“, rief er lebhaft. „Bei uns in der Schule, vor langer Zeit, war einmal ein Käfer im auf dem Rücken. Ich habe ihn umgedreht, damit er kriechen kann, und da waren Jungs, die haben ihn immer wieder auf den Rücken gelegt, damit er zappelt. Das waren die anderen." --- „Es gibt viele andere“, sagt sie still. --- „Ja, nicht? Auf einmal schrecklich viele“, gab er zu. --- „Aber Manja, wenn wir feig sind und alle Menschen wie wir, dann müssen alle Käfer auf der Welt auf dem Rücken liegen.“ --- Manja schweigt und drückt seine Hand. „Einen Käfer hast du umgedreht“, sagt sie, „er krabbelt wieder.“ 1984 erschien das Buch erstmals in Deutschland. 1938 jedoch wurde es bereits vom Querido-Verlag in Amsterdam veröffentlicht. Anna Gmeyner schrieb diesen Roman, der es schafft, das schleichende Grauen und das allmähliche und unaufhaltsame Erstarken des Nationalsozialismus so (be-)greifbar werden zu lassen wie kaum etwas anderes, das ich bislang gelesen habe, im Exil in Paris. Der Zeitpunkt des Entstehens dieses Zeitzeugnisses zeigt, dass es sie gab, diejenigen, die das Unheil vorausgeahnt haben, das erst in den Jahren darauf zur vollen Größe wuchs. "Jeder Augenblick wächst wie eine Pflanze aus dem dunklen Boden des Gewesenen, das ihn unsichtbar und ungreifbar gestaltet und bestimmt, wächst mit verborgenen und verzweigten Wurzeln in der Erde des Vergangenen. Jedes Wort, jede Tat, jeder Schmerz geht einen langen Weg durch dunkle Schächte, bis er deutlich geformt und sichtbar vor uns steht. Was die Kinder nur erlitten und nicht verstanden, führte weiter zurück als ihr Erinnern, reichte in die Zeit, bevor sie waren und ehe ihr Leben begann. Und auch das war nicht der Anfang." Eindringlich und poetisch - ein Buch, das unter die Haut geht. Eine Erzählung, die berührt, durch den Schreibstil sowie durch das eigentiche Geschehen. Nichts, das man einfach so runterliest, sondern etwas, das man miterlebt, mitträgt. Zuweilen unerträglich, so dass man versucht ist zu rufen: 'Bitte nicht!' - und doch in dem Wissen, dass diese geschilderten Schicksale und die Geschichte einer Freundschaft, die von gesellschaftlichen Zwängen zerfleischt zu werden droht, nur für unzählige wahre Schicksale stehen. Überaus beeindruckend und für mich eine wahre Entdeckung, die ich noch vielen weiteren Lesern wünsche... © Parden

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    • 14

    Cridilla

    08. February 2016 um 05:19
    NiWa schreibt Da präsentierst du mal wieder einen richtigen Leseschatz. Es kommt sofort auf die Wunschliste.

    Jawoll!

  • Wunder und Geschenk

    Manja

    Himmelfarb

    Anna Gmeyners Roman "Manja" ist ein Wunder und ein Geschenk! Ein Wunder, weil er überlebt hat - die Emigration, das Dritte Reich, das Vergessen - und ein Geschenk, welches wir nach all den Jahren seit seinem ersten Erscheinen nun wieder bekommen. Dafür sei Dank, dem Aufbau Verlag und Iris Berben, die 2007 eine Hörbuchfassung des Romans aufnahm und "Manja" damit wieder in den Fokus der Öffentlichkeit rückte. Ein literarisches Wunder und ein Geschenk für alle Leser. "Manja" erzählt die Geschichte von fünf Kindern, vier Jungen- Heini, Harry, Karli und Franz - und einem Mädchen, der titelgebenden Manja, die alle in derselben Frühlingsnacht des Jahres 1920 gezeugt werden. So teilen die Kinder, qua Geburt, ein Leben, beginnend in der Weimarer Republik, hineinwachsend ins Dritte Reich. Ihre Familien sind symptomatisch für diese Zeit: assimilierte Juden, Kommunisten, nationalistische Emporkömmlinge, arme Ostjuden und humanistische Akademiker. Trotz der Unterschiede sind die fünf Kinder beste Freunde. Aber wird die Freundschaft im Angesicht der rauhen Zeiten bestehen? Anna Gmeyners dichte, poetische Sprache, die dennoch die Sprache ihrer Zeit ist, beschreibt die Kinder, ihre Familien und deren schicksalhafte Verbindungen untereinander grandios. Sie webt mit der Kraft ihrer Sprache eine dramatische, für ihre Zeit typische Geschichte, mit einer Lichtgestalt: Manja. Manja personifiziert das Gute, ist eine fast Jesus-hafte Figur, die am Ende versucht, das Böse in der Gesellschaft, das Leid, zu tilgen. Ja, das hat fast eine religiöse Anmutung. Manja ist der Katalysator für alle übrigen Personen. An ihr und mit ihr müssen sie wachsen oder untergehen. Zuerst die vier Jungen, die, ganz kindlich-pubertär, um Manjas Gunst buhlen. Aber auch die Eltern müssen sich, durch Manja, ihren Söhnen gegenüber positionieren. Im Grunde erzählt Anna Gmeyner die ewig gültige Parabel von Gut und Böse, und deshalb kann man das auch heute noch mit Gewinn lesen. Warum Gmeyners Roman nicht schon längst, neben anderen Werken der deutschsprachigen Exilliteratur, seinen Platz gefunden hat, bleibt ein Geheimnis. Nicht nur begeistert "Manja" durch seine feine Personenzeichnung, auch der zutiefst humanistische Kern der Geschichte berührt. "Jeder Augenblick wächst wie eine Pflanze aus dem dunklen Boden des Gewesenen, das unsichtbar und angreifbar gestaltet und bestimmt, wächst mit verborgenen und verzweigten Wurzeln in der Erde des Vergangenen. Jedes Wort, jede Tat, jeder Schmerz geht einen langen Weg durch dunkle Schächte, bis er deutlich geformt und sichtbar vor uns steht." Selten habe ich einen Roman gelesen, der den Aufstieg der Nationalsozialisten so begreifbar, so nachvollziehbar beschrieben hat."Manja " sollte Pflichtlektüre an deutschen Schulen werden, denn dieses Buch ist wichtig! Manja steht stellvertretend für das Fremde, jedoch Anziehende, vor dem sich viele gleichwohl fürchten. Ist sie 1938 das ostjüdische Mädchen, kann sie heute 2014 ein syrisches Flüchtlingskind sein. Sehen wir in ihr das Fremde, oder den Menschen? So gesehen ist dieses Buch aktueller denn je!

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    • 3
  • Schwere Zeiten

    Manja

    TochterAlice

    sind es, in die die fünf Kinder - vier Jungen und ein Mädchen - um die es in diesem Buch geht, hineingeboren werden. Anna Gmeyner begleitet die fünf vom Tage - vielmehr der Nacht - ihrer Zeugung an und es wird schnell deutlich, dass es sehr unterschiedliche Verhältnisse sind, in die die Kinder, denen der Leser in den nächsten vierzehn Jahren folgen darf, hineingeboren werden: da gibt es die durch den Vater geprägte, stramm nationalistische Familie, die dann auch schnell den Nationalsozialisten die Stange hält, eine den kommunistischen Geist hoch haltende, sozial denkende Familie mit lebensuntauglichem Vater, die durch die Liebe aller und die Lebenskraft der Mutter zusammengehalten wird. Weiter geht es mit einem neureichen Herrn jüdischer Herkunft, der alles tut, um diese zu verleugnen, was aber letztendlich niemals gelingen wird. Ein einziger der vier Jungen wird in sogenannte stabile und glückliche Familienverhältnisse, in die einer Arztfamilie, hineingeboren. Doch auch diese verzweifelt an den politischen Entwicklungen und droht, daran zu zerbrechen: nicht zerfallen, sondern vereint als Familie. Aber trotz der gegenseitigen Unterstützung wird die Machtlosigkeit immer deutlicher. Schließlich Manja, das einzige Mädchen, Tochter einer leichtlebigen, lebensuntüchtigen Mutter: sie muss früh für die Familie, für die nachfolgenden Geschwister aus anderen Beziehungen sorgen, denn die Mutter schafft es nicht. Zudem stehen sie bald als sogenannte Ostjuden auf der niedrigsten sozialen Stufe. Doch schon als Kind entwickelt Manja eine Stärke, eine Lebensweisheit, die diejenigen, die bereit sind, sie näher anzuschauen, Respekt, ja Ehrfurcht vor ihr haben lässt, egal, ob groß oder klein. Die vier Jungs liegen ihr von Beginn an zu Füßen, alle lieben sie. Doch rasch zeigt sich, dass der Zahn der damaligen Zeit leider stärker ist, er nagt gar schmerzlich an jedem von ihnen und kann die drohende Katastrophe nicht aufhalten. Die Diktatur offenbart sich uns - nicht nur, aber an vielerlei Stellen - durch Kinderaugen, die vieles oft klarer sehen. Am bewegendsten empfand ich, dass das Buch im Exil entstanden ist, also während des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland: die Autorin hatte also genau im Blick, worüber sie schrieb, auch wenn sie dies mittlerweile aus der Ferne betrachtete. Doch war die Wienerin nach England emigriert, sie kannte die Umstände also aus eigener Erfahrung. Umso härter traf es mich innerlich, dass der Roman bereits 1938 erstmals veröffentlicht wurde - in Amsterdam. Da waren die meisten der grauenvollen Verbrechen der Nationalsozialisten noch gar nicht geschehen, doch die Autorin zeigt eine erstaunliche und mich tief berührende Weitsichtigkeit. Mein Fazit: Ein Buch, das weh tut, das bis ins Innerste dringt, erschüttert, entsetzt, aufrüttelt und die Augen öffnet. Kein Gute-Laune-Buch, aber eines, das extrem wichtig ist! Trotzdem empfehle ich es nur mutigen Lesern, die bereit sind, einen gewissen Schock zu erfahren - Nein mehrere! - und viel Kraft mitbringen: dies ist ein Roman, keine wahre Begebenheit, aber in Anbetracht der historischen Entwicklungen der 1920er und 30er Jahre könnte es ohne Weiteres eine sein! Und glauben sie mir, vieles ist härter und grausamer, als man es auch nur erahnen kann!

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    • 3
  • Leserunde zu "Manja" von Anna Gmeyner

    Manja

    aufbauverlag

    Wir möchten heute zu einer ganz besonderen Leserunde einladen und Euch mit Anna Gmeyners Roman »Manja« eines der wichtigsten Werke der Exilliteratur ans Herz legen. Berührend wie poetisch wird die Geschichte von fünf Kindern erzählt, die 1920 in derselben Nacht gezeugt werden, aber in unterschiedlichen sozialen Verhältnissen aufwachsen. Die Fünf verbindet eine innige Freundschaft, die aufgrund der politischen Ansichten der Eltern in Feindschaft umzuschlagen droht. Heini, Franz, Harry, Karl und Manja sind in derselben Stadt geboren und leben doch in unterschiedlichen Welten. Die Väter der Jungen sind ein klassenbewusster Arbeiter, ein kleinbürgerlicher Faschist, ein liberal-intellektueller Arzt und ein großbürgerlich-jüdischer Kommerzienrat. Manja, deren Mutter aus armen ostjüdischen Verhältnissen stammt, steht im Mittelpunkt der Freundschaft: Die Zuneigung zu ihr bestärkt die vier, Konflikte in Kauf zu nehmen - mit den Eltern, der Schule, der Hitlerjugend. Letztlich aber bleiben sie Gefangene ihrer Zeit.  »Einer der eindrucksvollsten Romane der Dreißigerjahre.« Klaus Harpprecht »Dieses Buch berührt mein Herz.« Iris Berben Hier findet Ihr eine Leseprobe. Zur Autorin: Anna Gmeyner, 1902 in Wien geboren, zählte zur literarischen Avantgarde der 1920er Jahre und arbeitete ab 1932 in Paris, wo sie Drehbücher u.a. für G. W. Papst schrieb. Nach ihrer Heirat emigrierte sie nach England. Dort entstand der Roman »Manja«, der 1938 bei Querido in Amsterdam erschien. Sie starb 1991 in York. Wer mit uns gemeinsam dieses bedeutende Werk der Exilliteratur entdecken und besprechen möchte, kann sich bis einschließlich 21.10. bewerben. Wir stellen 15 Freiexemplare zur Verfügung. Solltet Ihr zu den Mitlesenden zählen, setzen wir eine Teilnahme am Austausch in den Leseabschnitten und eine abschließende Rezension voraus. Wir freuen uns auf Euch! Brit vom Aufbau Verlag

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    • 311
  • Deutschland am Abgrund

    Manja

    Marapaya

    07. December 2014 um 22:49

    Der Frühling des Jahres 1920 stand ganz unter dem Einfluss des Kriegsendes. Nach entbehrungsreichen vier Jahren und einer nie gekannten Zahl an Kriegsopfern gab sich Deutschland für einige Zeit dem Rausch des Friedens hin. Doch die Probleme in Europa und die wirtschaftliche Not ließen sich nicht wegfeiern und so kam es in dieser einen Nacht im Frühling 1920 zu unterschiedlichen Begegnungen zwischen jeweils zweier Menschen, die zusammen ein Kind zeugten. Wenig Liebe war leider bei einigen im Spiel, viel Macht, Leid und Kummer. Unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Lebenswege und verschiedene Geschichten standen hinter den Begegnungen. Fünf Paare und fünfmal neues Leben. Die Lebenswege der Kinder sollten sich kreuzen und während für die Erwachsenen bereits eine neue, gefährliche Zeit anbrach, konnte sich die kleine Gruppe ihre kindliche Idylle einen Moment länger bewahren, bis auch ihre Welt die Veränderung in Deutschland erreichte und schließlich einfach unterging. Anna Gmeyners Roman ist ein brisantes Stück Literaturgeschichte, denn sie schrieb den Roman aus dem Exil noch bevor der 2. Weltkrieg ausbrach. Fünf Familien nimmt sie sich als Figurenensemble, welches exemplarisch die verschiedenen Haltungen, geistigen Strömungen und Weltanschauungen der Vorkriegsjahre in Deutschland darstellt. Stereotypisch geht sie vor und zwar als bewusst wirkendes Stilmittel. Wie ging es Deutschland nach dem verlorenen 1. Weltkrieg? Welche Stimmungen herrschten in der Bevölkerung? Wie konnte Hitler so viele Menschen von sich überzeugen? Was bedeutete es, ein Nazi zu sein? Wann spürten die Andersdenkenden den neuen Wind und wann gaben sie auf? All diesen Fragen geht Anna Gmeyner nach. Zeigt, wie die Männer die politische Gesinnung in die Familie trugen und sich Frauen und Kinder dem Mann unterzuordnen hatten. Zeigt ein Familienleben, in dem die Rollen klar verteilt lagen. Der Mann als Oberhaupt der Familie, der, der das Geld verdient oder eben nicht verdient und wütend verzweifelt, weil er seine Familie nicht zu ernähren vermag und die Schuldigen dafür sucht und auch diese schon in sich angelegt findet – die Juden, die Kommunisten, die Reichen, die Humanisten. Dieser Typ Mann jubelt Hitler zu, nimmt Rache am Juden, Kommunisten, Reichen und Humanisten. Es ist ein beeindruckendes wie erschreckendes Bild, welches Anna Gmeyner in ihren poetischen Worten malt. Mitten hinein schreibt sie diese Kindergruppe. Vier Buben um ein Mädchen, miteinander befreundet teilweise gegen den Wunsch der Eltern. Sie spielen, träumen und phantasieren zusammen, bauen sich eine eigene Welt, in der die Sorgen der Eltern verschwinden, die Hitlerjugend nur ein unangenehmer Traum ist und Väter nicht wegen der politischen Überzeugung weggesperrt werden oder den Job verlieren. Doch in diese Welt verschafft sich ein Fremder gewaltsam Zutritt und zerstört das letzte Fleckchen heile Welt. Entscheidungen werden getroffen, die nicht wieder zurück genommen werden können und die Kindheit ist für immer vorbei. Viel mehr könnte ich schreiben und gleichzeitig fällt es mir schwer, die richtigen Worte zu finden. „Manja. Ein Roman um fünf Kinder“ empfehle ich nachdrücklich weiter. Dieses Buch spricht die Sprache seiner Zeit und zeigt zugleich, dass die Entwicklungen in Deutschland sehr wohl für all jene, die in ihr lebten, deutlich zu erkennen waren. Als Nachgeborener ist die Lektüre aufschlussreich wie anstrengend. Mein heutiges Wissen über den damaligen Krieg und den Holocaust liest mit und lenkt, ob ich will oder nicht, zum Teil auch meine Gefühle. Es keine reine Fiktion, sondern ein Stück Zeitgeschichte und es erscheint mir sehr wichtig, dass der Roman auch in unserer Zeit gelesen werden sollte.

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  • Bewegend, berührend, poetisch...bedrückend, mahnend, nicht leicht zu lesen

    Manja

    tinstamp

    02. December 2014 um 19:03

    Die Autorin erzählt hier eine Geschichte aus dem Leben zwischen den beiden Weltkriegen. Die fünf Kinder, die bereits am Buchcover erwähnt werden, wurden alle in derselben Nacht im Jahre 1920 gezeugt. Die Idee diese Nacht als Ausgangspunkt zu nehmen, fand ich einfach großartig. So erkennt man als Leser auch sehr schnell, in welches soziales Gefüge die Kinder hineingeboren und wie unterschiedlich sie wahrscheinlich aufwachsen werden.  Zu Beginn hatte ich ein bisschen Schwierigkeiten mit der wunderschönen poetischen Sprache, die so gar nicht zum Inhalt passt. Doch mit der Zeit gewöhnte ich mich daran und fand den Stil der Autorin wunderbar. Was mir mehr Schwierigkeiten machte, waren die Namen und die Zuordnung zu den Paaren. Ich habe mir dann extra Notizen gemacht, wer zu wem gehört und welches Kind welchem Paar geboren wurde, da man von Kapiptel zu Kapitel bei einer anderen Familie verweilte. Die Geschichte selbst wurde aber chronolgisch von Beginn der 20 Jahre an bis in die Mitte der 30er Jahre erzählt. Die fünf Kinder Manja, Karli, Heini, Harry und Franz kommen alle aus verschiedenen Milieus. Während Manja aus armen jüdischen Verhältnissen stammt und ihr richtiger Vater Selbstmord begangen hat, kann sich ihre Mutter mehr recht als schlecht über Wasser halten. Sehr früh beginnen auch schon die Anfeindungen gegen die Juden und vorallem gegen arme Juden. Manja ist jedoch ein Mädchen, das die vier Jungen mit ihrem Charme und ihrer Weisheit verzaubert. Sie hält mit ihrer Art die Gruppe zusammen, selbst als die Jungen beginnen sich immer mehr zu entfremden. Manja, die nur das Gute im Menschen sieht, ist ihr aller Halt. Karli kommt ebenfalls aus einer armen, aber sozialistischen Familie, wobei seine Mutter Anna eine herzensgute Frau ist, die versucht die Familie zu ernähren. Ihr Mann verliert immer wieder seine Arbeit und eckt mit seinen Ansichten an.  Heini ist der Sohn von Hanna und Ernst, einer jüdischen Arzfamilie, die dem Jungen vorallem viel Liebe geben und der ohne Vorurteile aufwächst, seine Meinung kundtut und leider oft dafür bestraft wird.  Harry ist ein armer Junge, der zwar aus reichem Haus kommt, dessen Mutter aber nicht ganz bei Verstand ist und dessen Vater sich nicht um ihn kümmert und ihn auch nicht liebt.  Die Eltern von Franz sind Nazis und man sieht hier richtig an Franz Vater wie er aus dem Nichts aufsteigt. Einst ein geduldeter Angestellter, wird er mit der aufkommenden Macht zu dieser Zeit immer stärker, nützt diese maßlos aus und geht rigoros gegen Andersdenkende vor. Durch den anbahnenden Nationalsozialismus beginnen sich die Jungen zu entfremden. Bedingt durch die Vorgabe ihrer Eltern, die alle ihre eigene Ideologien leben, verändern sie sich immer mehr. Auch die Gesellschaft wandelt sich und als Leser kann man genau mitverfolgen, wie der Nationalsozialismus beginnt jeden Aspekt im Tagesablauf zu durchdringen. Die Freundschaft der Kinder ist der Kern dieser Geschichte, aber auch die Wege der Eltern werden immer wieder geschickt miteinander verknüpft. Die Stimmung im Buch wird immer bedrückender und für mich war es erstaunlich, wie die Autorin bereits 1933 erahnen konnte, wie der Nationalsozialismus die Welt verändern wird. Sie hat die Stimmung dieser Zeit einfach großartig eingefangen. Das Buch fordert die gesamte Aufmerksamkeit des Lesers. Ich musste es immer wieder aus der Hand legen, um einige Kapitel zu verarbeiten. Die sehr poetische Sprache lässt einem trotz der bedrückenden Grundstimmung länger bei einzelnen Zitaten verweilen und man greift bald wieder zu diesem Roman, um weiterzulesen. Anna Gmeyner wurde 1902 in Wien geboren und starb 1991 in York, Großbritannien. Während der Machtübergabe an die Nationalsozialisten  im Januar 1933 hielt sich Gmeyner in Paris auf, wo sie im Exil „Manja“ schrieb. In Deutschland wurde dieser Roman erstmals 1984 vom persona verlag in Mannheim verlegt. Der Aufbau Verlag hat hier ein wahres Schätzchen neu aufgelegt und ich habe mein erstes Buch von einer österreichischen Autorin gelesen, die im Exil eine anerkannte Schriftstellergröße wurde. Fazit: Ein Buch aus der Exilliteratur, das nicht so einfach zu lesen war, aber wunderschön und poetisch geschrieben wurde von einer Schriftstellerin, die bereits 1933 ahnte, was auf die Welt zukommen wird!

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  • „Manja“ – die Wiederentdeckung eines Stückes Exilliteratur

    Manja

    serendipity3012

    01. December 2014 um 18:03

    „Manja“ – die Wiederentdeckung eines Stückes Exilliteratur Manja ist eines von fünf Kindern, alle gezeugt in der gleichen Nacht zu Beginn der 20er Jahre kurz nach dem ersten Weltkrieg. „Manja“ ist auch der Titel des neu aufgelegten Romans der Anfang der 30er Jahre ins Exil gegangenen Schriftstellerin Anna Gmeyner. Manja, Karli, Heini, Harry und Franz kommen aus verschiedenen Milieus, aus armen und reichen Familien, bürgerlich und sozialistisch. Es bestehen tiefe Liebe und Zusammengehörigkeit bei den einen, Hass oder Gleichgültigkeit bei den anderen. Manja kommt aus armen, jüdischen Verhältnissen. Sie ist das einzige Mädchen im Kreis der fünf Kinder, die Freunde werden, obwohl ihre Herkunft jeweils so verschieden ist. Für die Kinder spielt das zunächst keine Rolle. Manja ist der Mittelpunkt, um den sich alles dreht. Sie hält die Freunde zusammen und macht die Jungen, je älter sie werden, immer mehr zu Rivalen um ihre Gunst. Manja ist etwas Besonderes: ein guter Charakter, ein Mädchen, das es nicht gelernt hat, an das Böse zu glauben, das keinen Hass kennt. Sie kann nicht verstehen, dass es Menschen gibt, die sie um ihrer Herkunft willen verabscheuen, die ihr schaden wollen, sie schlecht behandeln. Sie schwebt, scheint es, ein wenig über den Dingen. Anna Gmeyner erzählt die Geschichte um die fünf Familien chronologisch von Beginn der 20 Jahre an bis in die Mitte der 30er Jahre. In starken Bildern schildert sie zu Anfang ihres Romans die Umstände ihrer Zeugung und stellt so die Familien vor. Überzeugend, wie sie darstellt, dass sich alles ändert, dass jüdische Mitbürger mehr und mehr zu Außenseitern werden, schleichend ist der Prozess, zunächst nur an Kleinigkeiten abzulesen, dann immer deutlicher. „Wenn ich mir ein Sarggeschäft kauf, kein Mensch wird mehr sterben.“ So die Gedanken des Kaufmanns Meirowitz, nachdem dieser gezwungen wurde, einen abgetragenen, alten Anzug „umzutauschen“. Gmeyners Protagonisten sind allesamt Platzhalter für eine bestimmte Gesinnung, ein Milieu. Trotz ihres plastischen Stils lässt sich nicht komplett verbergen, dass hier ein Schema zugrunde liegt, und dass Gmeyners Roman klare Absichten hat: Die Konstruktion ist deutlich erkennbar. Dem Lesefluss tut dies keinen Abbruch, da der Roman so lebendig geschrieben ist und zu fesseln weiß. Auch sind die Protagonisten stark in Gut und Böse eingeteilt, vor allem die Erwachsenen, an einigen Stellen malt Gmeyner ein wenig zu sehr in Schwarz und Weiß. Nur die Kinder sind hiervon nicht so stark betroffen, sie suchen noch ihren Platz und verstehen nicht recht, dass die Gesellschaft ihnen bis hinein ins Private Vorschriften macht: Denn irgendwann ist es nicht mehr möglich, sich einfach so wie immer jeden Mittwoch und Samstag an der Mauer zu treffen. Mit der Jüdin, wohlgemerkt. Gmeyners Geschichte zeigt, dass es sie gab, diejenigen, die das Unheil vorausgeahnt haben, das erst nach Ende des Romans um Manja und auch nach dem erstmaligen Erscheinen im Jahr 1938, zur vollen Größe wuchs, auch wenn sie das Ausmaß nicht vorhersehen konnte. „Manja“ ist ein beeindruckendes Zeugnis jener Zeit. Danke an den Aufbau Verlag, dass er sich dieses Romans angenommen hat.

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  • Große Verlosung zum Leserpreis 2014: 5 Buchpakete mit je 50 Büchern!

    Die Seiten der Welt

    Daniliesing

    Lust auf eins von 5 riesigen Buchpaketen zum Leserpreis 2014? Bestimmt hat es der ein oder andere von euch schon entdeckt: Seit gestern suchen wir beim Leserpreis 2014 wieder eure Lieblingsbücher des Jahres. In insgesamt 16 Kategorien könnt ihr die Bücher und Autoren nominieren, die euch 2014 am meisten begeistert haben, ganz egal, ob euch das Buch vor Spannung bis mitten in die Nacht wachgehalten hat, ihr Tränen gelacht oder aber mitgefühlt und -gefiebert habt. Nominiert ab sofort eure persönlichen Lieblingsbücher & -autoren und ermöglicht es ihnen so, es auf unsere Shortlists für die Abstimmungsphase zu schaffen, die am 20. November beginnt. Die Bücher und Autoren, die dann wiederum die meisten Stimmen erhalten, bekommen den Leserpreis in Gold, Silber und Bronze, der am 28.11. vergeben wird! Also schnell nominieren / abstimmen / Gewinner anschauen! ---- Unsere große Verlosung für euch! Da der Leserpreis für uns jedes Jahr wieder etwas ganz Besonderes ist, möchten wir unsere Freude daran mit euch teilen. Wir werden nach der Bekanntgabe der Leserpreis-Gewinner insgesamt 5 Buchpakete mit jeweils 50 Neuerscheinungen verlosen. Fünf Gewinner dürfen sich also über eine ordentliche Ladung neuen Lesestoff freuen! Und wer kann nicht schöne neue Bücher gebrauchen? 1. Um an der Verlosung teilzunehmen, gibt es verschiedene Möglichkeiten - 3 der 5 Buchpakete verlosen wir unter allen Bloggern, die auf ihrem Blog über den Leserpreis berichten und darauf verlinken. Bitte teilt uns den Link zu eurem Blogbeitrag hier in einem Kommentar mit (wer mir schon eine E-Mail mit dem Link geschickt hat, muss dies nicht doppelt tun). http://www.lovelybooks.de/leserpreis/ Grafiken zum Einbinden in den Blog findet ihr hier. 2. Wenn ihr keinen Blog habt, könnt ihr alternativ auf den Social Media Kanälen wie Facebook, Twitter, Google + usw. auf den Leserpreis hinweisen. Unter allen, die das machen, verlosen wir noch mal 2 Buchpakete mit 50 Büchern. Wichtig ist hier, dass ihr euren Beitrag öffentlich teilt und ihn uns hier verlinkt. Bitte verlinkt in eurem Kommentar hier direkt auf eurer Posting und nicht auf euer gesamtes Profil. Außerdem müssen in eurem Social-Media-Posting unbedingt der und der Hashtag #Leserpreis enthalten sein. http://www.lovelybooks.de/leserpreis/ 3. Ihr habt weder einen Blog, noch seid ihr auf einem der Social Media Kanäle aktiv? Dann verratet uns hier in einem Kommentar das beste Buch, das ihr in diesem Jahr gelesen habt. Unter allen, die das machen, verlosen wir noch mal 5 einzelne Bücher, die die jeweiligen Gewinner auf ihren Wunschzetteln haben. Ihr dürft natürlich auch 1 & 2 oder 1, 2 & 3 kombinieren und so eure Chancen steigern :-) Wir wünschen euch ganz viel Spaß & bitte vergesst nicht, eure Lieblingsbücher zu nominieren & später abzustimmen! PS: Die angehängten Bücher und die auf dem Foto sind ein Beispiel, was sich im Buchpaket befinden könnte. Wir haben hier aber eine ganz bunte Auswahl und ihr könnt euch dann von einem riesigen Überraschungsbuchpaket begeistern lassen :)

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  • Anna Who?

    Manja

    Buecherschmaus

    Anna Who? So ist das Nachwort zu Anna Gmeyners erstmals 1938 im Exil erschienenen Roman "Manja" betitelt und bezieht sich auf eine Aussage des sich in der Exilliteratur sehr gut auskennenden Autors und Journalist Klaus Harpprecht.  Auch ihm war bislang weder Autorin noch Werk bekannt, und so geht es sicher auch den meisten Lesern.  Um so erfreulicher ist es, dass der Aufbau-Verlag "Manja", nachdem die Neuauflage im kleinen Persona-Verlag 1984 erwartungsgemäß nur einen beschränkten Leserkreis erreichte und nach der hochgelobten Hörfassung mit Iris Berben 2007, erneut veröffentlicht.  Denn dass es sich hier um ein ganz wunderbares Stück Exilliteratur handelt, wird dem Leser sehr bald klar. Erzählt wird die Geschichte von fünf Kindern und ihren Familien von 1920 bis 1934 in einer nicht näher bezeichneten deutschen Stadt.  Die Autorin nimmt uns dabei mit zurück bis zur Zeugung der Kinder in einer einzigen oder doch in sehr eng beieinander liegenden Nächten. So nah sich die Kinder im Zeitpunkt ihrer Entstehung sind, so fern sind sich die Familien in denen sie aufwachsen. Anna Gmeyner schafft mit ihnen einen Querschnitt durch die damalige deutsche Gesellschaft.  Da ist der bildungsbürgerliche, humanistisch gesinnte Arzt Heidemann, seiner Frau in tiefer Liebe verbunden und finanziell recht gut gestellt.  Da ist die kleinbürgerliche Familie Meißner, von Existenzsorgen geplagt, Frau und Kinder unter dem patriarchalischen, gewaltbereiten Vater leidend, von ihm aber natürlich völlig abhängig. Da ist die Arbeiterfamilie Müller, der Vater ein tätiger Kommunist, die sich in ihr kleines, aber zufriedenes Leben fügen. Schließlich der Großindustrielle Hartung, aus kleinen jüdischen Verhältnissen geflohen, aus eigener Kraft zu enormem Reichtum und einer standesgemäßen Frau gekommen. Voller Hass auf seine Herkunft sucht er die Integration in die deutsche Gesellschaft, was ihm, wir wissen es, nicht gelingen wird. Und da ist noch Manja, ostjüdisches Mädchen, "die aus Polen", die sich mit ihrer alleinerziehenden Mutter, labil und lebensuntüchtig, und zwei Brüdern mehr schlecht als recht durchs Leben schlagen muss. Sie ist der geliebte Mittelpunkt der Freundesgruppe, bestehend aus den vier Söhnen der Familien und ihr. Auch der verarmte Adlige von Adrian darf nicht fehlen, die bösartige Hausverwalterin und die stramm nationale Oberschwester. Das könnte enorm konstruiert und künstlich wirken, würde es Anna Gmeyner nicht auf wunderbare Weise gelingen, allen diesen Personen ein ganz individuelles Leben einzuhauchen, sie gekonnt miteinander zu verknüpfen, ihnen neben ihrer Rolle auch ganz persönliche Nuancen zuzubilligen. Sie lässt sich, der Geschichte und ihren Figuren die nötige Zeit, um sich zu entwickeln. Natürlich fließen hier die Zeitereignisse in Deutschland ein. Man erlebt mit, wie sich mehr und mehr Intoleranz und Gewalt breit macht, der schlummernde Antisemitismus hellwach wird, während bürgerliche Werte und Ansichten mehr und mehr dahindämmern. Nach der Machtübernahme 1933 bricht dies alles offen aus.  Aber das Buch macht auch deutlich, das diese Entwicklung keineswegs über Nacht kam.  Dr. Heidemann, verwundet im Ersten Weltkrieg:  "Nach dem Krieg, verstehst du, als wir wiederkamen, da habe ich geglaubt, was man da erlebt hat, was keiner überlebt hat, das wird nie wiederkommen, das war das letzte Mal (...)eine Zeit sah es aus, als ob das Land anders geworden wäre, weiter, menschlicher. Stimmt nicht. (...)Und jetzt, langsam, von allem Seiten schleicht sich´s wieder ein..."  Der erfolgreiche jüdische Bankier Hartung wirft von Adrian zurecht vor  "Sie werden schießen, weil sie in Stulpenstiefeln zur Welt gekommen sind und ich mir erlaubt habe, aus eigener Kraft eine Stellung zu erobern, die Sie aus Schwäche nicht halten konnten."  Dr. Heidemann, und mit ihm Anna Gmeyner, versucht sich auch in der Analyse:  "Ich sehe die Rache, die das zwanzigste Jahrhundert am neunzehnten nimmt. Die Reaktion auf die Überschätzung der Menschheits- und Freiheitsidee, die zur Schablone geworden war, blind gegen die Wirklichkeit, dass die meisten keine andere Freiheit hatten als die zu sterben." Überhaupt beweist Anna Gmeyner in ihrem Text wie viele Exilautoren eine beeindruckende Klarsicht, eine mutige Offenheit gegenüber den Geschehnissen.  Fast alle der Figuren, mit Ausnahme vielleicht des stramm nationalsozialistischen Anton Meißner leiden unter dem "neuen Geist", der in Deutschland herrscht. Aber  "als ob das so leicht ginge, dass alle Einsamen sich ganz einfach vereinigten, als ob nicht zwischen dem einem und dem anderen die ganze Welt läge. Selbst der gleiche Stoß trifft jeden anders."  Und so sind auch die Auswege, die die Personen wählen jeweils andere: Flucht, Untergrund, Rückzug.  "Wenn man nicht ein bisschen Distanz zu den Dingen hätte, könnte man es manchmal wirklich nicht aushalten. Ich sitze jeden freien Augenblick bei den Büchern. Telefon und Radio abgestellt. Das ist meine Insel."  So Dr. Heidemann.  Zu dieser bedrückenden Welt der Erwachsenen schafft Anna Gmeyner aber eine Gegenwelt, fast eine kleine Utopie in der Welt der Kinder, ihrer großen Solidarität und Freundschaft zueinander, ihrem kleinen Reich an der Mauer, an der sie sich immer treffen. Um so bitterer, dass diese Utopie am Ende zu scheitern scheint - ein Sinnbild für die Menschlichkeit in Deutschland?   Anna Gmeyner schreibt in einem berührenden Ton, der auch das Pathos nicht scheut, bildreich, poetisch, berührend. Ein ganz wunderbares, sehr zu empfehlendes Stück Literatur. Das Ende ist traurig, wenn auch nicht ganz hoffnungslos. Und kein Leser wird in Zukunft das Sternbild der Kassiopeia mit ihren fünf, ein W oder eben ein M wie Manja bildenden Sternen einfach so betrachten. Steht es doch für die Freundschaft der Kinder und für den Beginn dieses schönen Romans:  "Einen Augenblick lang hatte die Kassiopeia deutlich mit ihren fünf strahlenden Endsternen über dem Kirchturm gestanden. Nun verschwand sie sehr schnell unter schwarzen, treibenden Wolken."

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    • 4
  • Ein wertvolles und wichtiges Buch der Exilliteratur!

    Manja

    19angelika63

    Rückentext Poetisch und berührend erzählt Anna Gmeyner die Geschichte von fünf Kindern, die in derselben Nacht im Frühjahr 1920 gezeugt werden, aber in ganz unterschiedlichen Milieus aufwachsen. Eigentlich trennen sie Welten, und dennoch sind sie Freunde geworden, verbunden durch eine innige Zuneigung zu Manja – dem Mädchen aus armen ostjüdischen Verhältnissen. Für diese Freundschaft müssen sie immer wieder kämpfen: zu Hause, in der Schule und in ihrer Freizeit. Doch letztendlich bleiben sie Gefangene ihrer Zeit, an der Maja zerbricht und mit ihr die Hoffnung auf eine menschwürdige Zukunft. Anna Gmeyner wurde 1902 in Wien geboren und starb 1991 in York. Während der Machtübergabe an die Nationalsozialisten im Januar 1933 hielt sich Gmeyner in Paris auf. Im Exil schrieb sie „Manja“ ein bedeutendes Stück der Exilliteratur, welches 1938 im Querido Verlag in Amsterdam veröffentlicht wurde. In Deutschland wurde dieser Roman erstmals 1984 verlegt, vom persona verlag in Mannheim und 2014 beim Aufbau Verlag neu verlegt. Die Geschichte beginnt in einer Frühjahrsnacht 1920. In dieser Nacht werden Heini, Franz, Harry, Karl und Manja gezeugt. Ich als Leserin erfahre wie ihre Eltern leben und unter welchen Umständen die Kinder gezeugt wurden. Was dabei absolut faszinierend für mich ist, ist die Verbindung der Eltern untereinander. Auch wenn die Kinder noch nicht geboren wurden, so gibt es jetzt schon Verbindungen zwischen den Eltern, von denen sie noch nichts wissen … sei es als Arzt, der bei der Geburt hilft und sich kümmert, oder eine Mutter, die genügend Milch hat, um noch ein Kind zu nähren. Oder der Vater der bei dem/ für den anderen Vater arbeitet. Gmeyner schafft es mit Sprache die unterschiedlichen Stellungen ihrer Protagonisten in der Gesellschaft darzustellen. Denn in den fünf Familien gibt es Arme und Reiche, Gewalt und Menschlichkeit, Liebe und Hass, Bürgerlichkeit und Proletarierstolz, Antifaschismus und Nationalsozialismus … aber das kümmert die fünf Kinder überhaupt nicht. Sie leben in ihrem eigenen Kosmos, leben ihre Freundschaft und die vier Jungen würden alles für Manja tun. Manja verkörpert Glück, Zusammengehörigkeit, Gerechtigkeit, Liebe, Unbefangenheit. Aber würden sie wirklich alles für Manja tun … „(…) „Ich weiß, was du meinst Manja“, rief er lebhaft. „Bei uns in der Schule, vor langer Zeit, war einmal ein Käfer im auf dem Rücken. Ich habe ihn umgedreht, damit er kriechen kann, und da waren Jungs, die haben ihn immer wieder auf den Rücken gelegt, damit er zappelt. Das waren die anderen. „Es gibt viele andere“, sagt sie still. „Ja, nicht? Auf einmal schrecklich viele“, gab er zu. „Aber Manja, wenn wir feig sind und alle Menschen wie wir, dann müssen alle Käfer auf der Welt auf dem Rücken liegen.“ Manja schweigt und drückt seine Hand. „Einen Käfer hast du umgedreht“, sagt sie, „er krabbelt wieder.“ (…)“ (Seite 392) Im weiteren Verlauf der Geschichte kippt die schon sehr bedrückende Stimmung komplett. Auch hier spielt Gmeyner wieder sehr mit Sprache und ihren Protagonisten. Die, die bisher das "Sagen" hatten (in dem Fall die Reichen, Juden etc.) werden jetzt verfolgt und eingesperrt. Die vormals "unterjochten" streben auf und spielen ihre Macht gegen die "ehemaligen Unterdrücker" aus. Auch Manja und ihre Freunde bekommen dies zu spüren. Es kommt zum äußersten. Manja, die nur das Gute im Menschen sieht muss erleben wie gemein, niederträchtig, rachsüchtig ... Menschen sein können. Für sie bricht eine Welt zusammen … "Jeder Augenblick wächst wie eine Pflanze aus dem dunklen Boden des Gewesenen, das ihn unsichtbar und ungreifbar gestaltet und bestimmt, wächst mit verborgenen und verzweigten Wurzeln in der Erde des Vergangenen. Jedes Wort, jede Tat, jeder Schmerz geht einen langen Weg durch dunkle Schächte, bis er deutlich geformt und sichtbar vor uns steht. Was die Kinder nur erlitten und nicht verstanden, führte weiter zurück als ihr Erinnern, reichte in die Zeit, bevor sie waren und ehe ihr Leben begann. Und auch das war nicht der Anfang." (Seite 9) Was für ein wundervoller Einstieg in ein phantastisches und poetisches Buch, das mir mit jeder Seite mehr immer tiefer unter die Haut und in mein Herz ging ♥♥♥ Dieses Buch macht mich traurig, fassungslos, wütend und lässt mich nachdenklich zurück … Manja ist ein Mädchen mit Visionen, von der wir uns alle eine Scheibe abschneiden können … … Manja bleibt für alle Zeit in meinem Herzen ♥♥♥. DANKE Anna Gmeyner für dieses wertvolle Stück Exilliteratur!!!

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    • 11
  • Eine Geschichte voller Gefühl und Tragik

    Manja

    vielleser18

    Eigentlich ist dies nur ein Versuch einer Rezension. Denn lange hat mich ein Buch nicht so berührt, ging so unter die Haut. Auch nach dem Ende hat es mich gedanklich noch nicht losgelassen und beschäftigt mich weiter. Es fällt mir gerade bei diesem Buch besonders schwer all meine Gefühle, die ich beim Lesen hatte, zu beschreiben. Aber erst einmal zum Inhalt: 1920, in einer einzigen Nacht werden von fünf verschiedenen Paaren fünf Kinder gezeugt. Manja, Heini, Harry, Franz und Karl. Sie alle werden hinterher in einer Stadt wohnen. Die Lebenswege ihrer Mütter oder Väter werden sich kreuzen und die fünf Kinder werden zusammenfinden. Sie sind verschieden, haben einen verschiedenen Hintergrund. Familär, religiös, politisch oder was das Einkommen der Väter betrifft. Doch Manja führt sie zusammen und hält sie zusammen. Gemeinsam wachsen sie heran. Doch dann kommt das Jahr 1933. Und alles ändert sich. Anna Gmeyner( 1902 – 1991 ), die Autorin, hat das Buch bereits 1938 im Exil veröffentlicht. 2014 ist das Buch in einer neuen gebunden Auflage im Aufbau Verlag erschienen. Meinung: Das Buch ist wahrlich keine leichte Kost. Es geht unter die Haut. Anna Gmeyner hat mich langsam, aber stetig, in die Welt von Manja entführt. Im ersten Drittel geht es hauptsächlich um die Elterngeneration. Hautnah erleben wir als Leser mit, in was für eine Zeit die fünf Kinder hinein geboren werden. Anschlaulich lässt uns Gmeyner hinter die Kulissen eines Arztes, eines jüdischen großbürgerlichen Kommerzienrates, einer Arbeiterfamilie, eines Arbeitslosen und einer jüdischen Familie aus Polen blicken. Geschickt werden hier Lebenswege und Schicksale verknüpft. Dann erleben wir die Zeit der Inflation und des Umbruchs. Immer mehr wird die Kluft zwischen den Familien deutlich. Immer mehr gewinnt der Nationalsozialismus Einfluss. Inzwischen sind die fünf Kinder fast dreizehn. Sie sehen die Gefahren, sie können sich nicht wehren. Gefangen in ihrem Umfeld, versuchen sie zu reagieren oder sich einzuordnen. Manja ist diejenige, die strahlend, lachend, optimistisch und vor Ideen sprühend die Gruppe zusammenhält. Bis..... Ohne spoilern zu wollen, der Druck, die Spannung wächst von Seite zu Seite. Die Ohnmacht oder die Macht – erfasst jeden. Ich kann Anna Gmeyners ganz besonderen Schreibstil nicht beschreiben. Ihr teils poetischer Stil vermittelt die Gedanken, die Gefühle der Protagonisten. Glückliche und ängstliche, gefahrvolle Momente werden beschrieben, so dass man mitfühlt. Wechselnde Sichtweisen erlauben uns hinter verschiedene Fassaden zu blicken. Immer beklemmender wird die Geschichte, man kann es sich ja denken. Obwohl alles fiktiv ist, genauso könnte es sich abgespielt haben. Am Ende bleiben die Gedanken. Ein Buch, das man nicht so schnell vergessen kann. Daher von mir : 100% Lesempfehlung !!!!!

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    • 3
  • Ein wichtiger Roman neu aufgelegt

    Manja

    freiegedanken

    Im diesjährigen Herbstprogramm des Aufbau-Verlags erschien der mutige Roman „Manja“, verfasst von der Österreicherin Anna Gmeyner. Es ist ein Glück, dass der Verlag dieses Werk der Exilliteratur wieder entdeckte und ihm eine neue Auflage verpasst hat, denn es ist eine sehr lohnenswerte, wenn auch schwere Lektüre. Berlin im Jahr 1920: In einem sehr geringen Abstand werden die Kinder Heini, Franz, Harry, Karl und Manja gezeugt. Die Familien, aus denen diese Kinder stammen, stehen repräsentativ für verschiedene Gesellschaftsgruppen, wie sie zur Zeit der Weimarer Republik in Deutschland existieren konnten: Heini stammt aus einem gebildeten, humanistischen Haus und Franz aus einer kleinbürgerlichen Familie mit nationalsozialistischer Orientierung. Harry´s Eltern dagegen sind jüdischer Abstammung, jedoch in Deutschland angekommen und reich geworden. Karl wuchs in einer kommunistisch angehauchter Arbeiterfamilie auf und schließlich Manja, die polnisch-jüdische Wurzeln hat. Diese Kinder freunden sich miteinander an, gehalten durch die Liebe zu diesem besonders feinsinnigen und reflektierten Mädchen Manja, die im Mittelpunkt des Fünfergespanns steht. Diese Freundschaft wird mit zunehmender Einflussnahme der Nationalsozialisten auf immer härtere Proben gestellt und findet ein trauriges Ende Gmeyner verknüpfte geschickt die Wege der Protagonisten miteinander und führt uns fünf sehr realistisch dargestellte Einblicke in das alltägliche Leben dieser Familien vor Augen. Sie bediente sich dabei eines ungewöhnlichen und klugen Roman-Aufbaus. Gleich zu Beginn erfahren wir einiges über die Eltern der fünf noch kleinen Kinder, wie lernen ihre Sorgen und ideologische Prägung kennen. Ab dem Kapitel „Zwischenspiel“ erleben wir dann diese Freunde, die Gmeyner mit ihren kindlichen Ansichten sehr gekonnt darstellte. Die Autorin schrieb in einer sehr „zeittypischen“ Sprache, zum Teil schuf sie phantastische Bilder, mit Poesie und Pathos untermalt. Aber es wirkt nie übertrieben oder unangebracht, im Gegenteil die Autorin wusste damit stimmungsvolle Szenen aufzubauen. Mit zunehmender Lektüre wird die Atmosphäre immer drückender. Gmeyner schilderte drastisch die gemeinen Repressalien der Nationalsozialisten gegen Juden und Andersdenkende, die das Leben der Kinder mehr und mehr durchziehen. Besonders aus der Liebe zu Manja heraus, beginnen die Jungs die Ideologie ihres Elternhauses zu hinterfragen. Ihre Unterschiede treten immer deutlicher hervor, die Freunde versuchen zu verstehen und eine Lösung gegen das Ungetüm zu finden, versuchen sich zu widersetzen, versuchen Manja zu schützen. Als Leser saugt man atemlos diese Szenen auf und rauft sich die Haare, weil man weiß, dass es keine Lösung geben wird. Und auch Anna Gmeyner schien es bereits 1934 gewusst zu haben, worauf Hitlers grausames Gedankengut hinaus laufen wird. Klug und mutig deutet sie es an, benennt es auch drastisch und das hat mich sehr beeindruckt. Gmeyner hat vor vielen Jahren ein sehr nachdenklich stimmendes Buch geschrieben und es ist gut, dass es uns ins Bewusstsein geholt wurde.

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    • 3
  • Beeindruckend.

    Manja

    Larischen

    Anna Gmeyner erzählt in „Manja“ die Geschichte von fünf Kindern, die alle in derselben Nacht 1920 gezeugt werden und im Laufe ihres Lebens zu Freunden werden. Und das obwohl sie vollkommen unterschiedlichen Familien und damit auch Lebensumständen entstammen. Im Zentrum der Freundschaft steht das einzige Mädchen Manja, die aus einer ostjüdischen Familie kommt. Sie hält die Gruppe zusammen, auch das der Nationalsozialismus immer stärker wird und die Jungen sich immer weiter entfremden. Manja bleibt ihr gemeinsamer Nenner. Gmeyner beschreibt die verschiedenen gesellschaftlichen Verhältnisse sehr präzise und poetisch. Im Laufe des Romans wird die Stimmung immer bedrückender und mir hat es an einigen Stellen die Kehle richtig zugeschnürt. Aber es gibt auch immer wieder kurze Momente der Hoffnung. Besonders beeindruckend ist, wie klar Anna Gmeyner schon vor dem zweiten Weltkrieg und aus dem Exil heraus die wahren Grauen des Nationalsozialismus erkannt hat. Sie hat eine sehr genaue Vorstellung davon, was passieren wird. Erstaunlich wenn man bedenkt, dass viele im Nachhinein nichts gewusst oder gar geahnt haben wollen. Ihre Erzählung hat mich von Anfang an mitgenommen. Die Geschichten der Kinder und ihren Familien verweben sich immer stärker miteinander, denn auch die Eltern sind auf verschiedene Art und Weise miteinander verbunden. Man merkt auch, wie sie sich im Laufe der Zeit und unter Einfluss des immer stärker werdendem Nationalsozialismus wandeln. Wie durch dessen Erstarken die komplette Gesellschaft verändert wird und die Ideologie wirklich jeden alltäglichen Aspekt durchdringt. Anna Gmeyner eröffnet dem Leser mit dem Buch einen richtigen Querschnitt durch die Gesellschaft und deren Wandel ab 1920. Das Buch fordert die gesamte Aufmerksamkeit des Lesers und bei mir hat es auch etwas gedauert, bis ich das komplette Personengeflecht überblicken konnte. An einigen Stellen musste ich kurz Pause machen um das Gelesene zu verarbeiten, aber wirklich lange aus der Hand legen konnte ich das Buch nicht, denn die Geschichte hat mich gepackt und auch nach der letzten Seite lange nicht losgelassen. Ergänzt wird die Geschichte rund um Manja durch ein sehr informatives Nachwort von Heike Klapdor. Ich kann „Manja“ von Anna Gmeyner nur empfehlen. Es ist ein Buch das nachwirkt und für mich sogar noch mal einen neuen Blick auf den Nationalsozialismus geworfen hat. Denn die Klarheit mit der Anna Gmeyner die Situation schon in diesem 1938 erstmals veröffentlichen Roman beschreibt ist sehr beeindruckend. Aber auch Gmeyners Sprache macht „Manja“ für mich zu etwas ganz Besonderem. Selten habe ich so viele passende Vergleiche und Zitate gefunden. Es ist wirklich ein Segen, dass der Aufbau Verlag dieses Buch neu aufgelegt hat und den heutigen Lesern zugänglich macht. Für mich ist es auch ein Ansporn, mich weiter mit Exilliteratur und besonders Anna Gmeyner zu beschäftigen. Danke, dass ich dieses Buch lesen durfte!

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    • 3
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