Anna Katharina Hahn Am Schwarzen Berg

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Inhaltsangabe zu „Am Schwarzen Berg“ von Anna Katharina Hahn

Emil Bub, ein Lehrer kurz vor der Pensionierung, beobachtet von seinem Balkon aus, wie Peter, der Sohn seiner Nachbarn, in sein Elternhaus zurückkehrt. Peter ist krank und verwahrlost, seine Freundin Mia ist mit den gemeinsamen Kindern verschwunden. Der Verlust hat ihn völlig aus der Bahn geworfen. Seit den siebziger Jahren leben Emil und seine Frau Veronika, eine Bibliothekarin, am ‚Schwarzen Berg‘. Die kinderlosen Bubs bekommen plötzlich einen Wahlverwandten, als Peter mit seinen Eltern Hajo und Carla ins Nebenhaus einzieht. Hajo Rau verschreibt sich ganz der Arbeit in seiner Arztpraxis, seine Frau unterstützt ihn. So wird besonders Emil zur prägenden Gestalt für den sensiblen Nachbarsjungen. Er zieht Peter tief hinein in seinen Kosmos aus Dichtung und Leistungsverweigerung. Der Sommer in den einsamen Häusern am Rande des Stuttgarter Kessels vergeht mit den hilflosen Versuchen der beiden älteren Paare, den Verzweifelten wieder aufzurichten. Auf der Suche nach Mia und den Kindern durchstreift Emil mit Peter die überhitzte Großstadt, und Hajo entwirft eine Therapie. Aber was hilft das jetzt noch? Anna Katharina Hahn erzählt auf unnachahmliche Weise von verzweifelter Liebe in all ihren Spielarten und davon, daß im entscheidenden Augenblick selbst die nächsten Menschen einander ein Rätsel bleiben.

das Leben und die Verstrickungen zweier Mittelklasse Familien in Stuttgart

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  • Leise schwäbische Melancholie

    Am Schwarzen Berg
    UteSeiberth

    UteSeiberth

    08. June 2013 um 18:47

    Was macht man wenn man in Schwaben als verzweifelter Vater heutzutage zwischen den Stühlen der Erwartungen sitzt? Der Junge Peter Rau wächst zwischen zwei Gegensätzen in Stuttgart auf, die sich schwer kombinieren lassen: Zum einen die leistungsorientierten akademischen Eltern und zum anderen dem an Mörike und der deutschen Romatik geschulten Nachbarn. Wie verkraftet man da die plötzliche Trennung von seinen Kindern und seiner Frau, wo die Jungen doch das wichtigste im Leben des Vaters sind? Ich fand es rührend wie sich beide Paare um den aus der Bahn geworfenen Vater kümmern in der Hoffnung, dass alles wieder gut werden wird , einfach weil es gut werden muss - doch die Mühe war leider umsonst. Trotzdem musste ich immer wieder schmunzeln über die typischen schwäbischen Ausdrücke und Redewendungen, die mich sehr an meine Jugendzeit in Schwaben erinnern.

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  • Rezension zu "Am Schwarzen Berg" von Anna Katharina Hahn

    Am Schwarzen Berg
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    12. September 2012 um 11:21

    Stillleben in Stuttgart Wie schon in ihrem ersten Roman "Kürzere Tage", widmet sich Anna Katharina Hahn in ihrem zweiten Roman wieder ihrer Heimatstadt und ihren Einwohnern. "Am Schwarzen Berg" war für den "Leipziger Buchpreis" 2012 nominiert und sollte den Weg auf die Langliste des "Deutschen Buchpreises" finden. Im Mittelpunkt ihres Romans stehen zwei benachbarte Ehepaare und ein junger Mann mit seiner Familie. Emil und Veronika Bub, sie Bibliothekarin, er kurz vor der Pensionierung stehender Lehrer, dessen große Liebe das Werk Eduard Mörikes ist. Beide haben neben ihrer Liebe zu Büchern auch ein gemeinsames Problem, den Alkohol. Ohne dass sie es merken, versinken sie immer tiefer immer Sumpf des Alkoholismus, was so weit geht, dass Emil und Veronika morgens mit einem Flachmann außer Haus gehen. Da die Ehe kinderlos geblieben ist, hat sich Emil Bub immer um den kleinen Nachbarsjungen Peter Rau gekümmert, der mit seinen Eltern vor vielen Jahren in das Nebenhaus gezogen ist, die das eher schäbige Haus mittlerweile in eine schöne Villa um umgewandelt haben. Der Roman beginnt damit, dass Emil Bub beobachtet, wie der von seiner Frau und den beiden Söhnen verlassene Peter Rau in einem besonders vernachlässigten Zustand ins Elternhaus zurückkehrt. Engagiert als Parkschützer bei "Stuttgart 21" hat er seine Ehe hinten angestellt, was zum Bruch mit seiner Frau geführt hat. Emil Bub ist besorgt über den Zustand des Mannes, der ihm wie ein Sohn ist. Und so wirft Anna Katharina Hahn in Form von Rückblenden Licht auf die Beziehung zwischen Emil Bub und Peter Rau. Nicht ohne genügend Kritik an den verschiedenen Standpunkten der unterschiedlichen Lebensweisen seziert die Autorin die Lebensgeschichten ihrer Protagonisten. Peters Ehe ist daran gescheitert, dass er, der im gutbürgerlichen Haushalt aufgewachsen ist, sich diesem komplett verwehrt und ein Dasein sucht, das fern von Geldscheffeln und Statussymbolen ist. Seine Frau andererseits, aus armen Verhältnissen kommend, hat dafür wiederum wenig Verständnis. Die Atmosphäre, die Anna Katharina Hahn hier schafft, ist dem schwülen Wetter dieses Stuttgarter Hochsommers angepasst. Langsam, wie unter einer Lupe betrachtet, beleuchtet sie die Schwächen und Irrungen ihrer Figuren. Ehebruch, Alkoholismus, Depressionen und die Behandlung dieser mit Antidepressiva. "Emils rechter Arm verschwand bis über die Ellbogen im Wasser. Seine Hand wanderte auf dem Kiesgrund entlang wie eine große, bleiche Krabbe und griff nach dem Topfkratzer, der glitzernd im Schein der Neonleuchten lag. Mit kreisenden Bewegungen begann er, die Scheiben des Aquariums zu putzen, an denen die Algen wie winzige grüne Farbspritzer klebten. Das Wasser schwappte in dem Glaskasten hin und her, die Fische schossen ängstlich über den Kiesboden. Es gab keine Pflanzen, hinter denen sie sich hätten verstecken können, nur ein paar Steine und ein Stücke Moorkienwurzel, auf deren rissiger Oberfläche büschelweise Fadenalgen wucherten ..." Eine große Schwäche dieses Romans ist allerdings das permanente Verzetteln in Beschreibungen, ja fast eine richtige Beschreibungswut, die über den Leser hereinbricht. Die oben zitierte Aquariumsreinigung dauert beispielsweise mehr als zwei voll bedruckte Seiten. Das stört den sowieso bereits eher zähen Lesefluss sofort und erstickt somit jeden Ansatz von Tempo. Warum versinkt Peter sofort in Depressionen, als seine Frau ihn verlässt? Warum sind die Bubs unfähig und unwillig, gegen den Alkohol anzukämpfen? Warum behandelt Peters Vater, der Arzt ist, ihn mit Antidepressiva, ohne sich im Klaren über die möglichen Auswirkungen zu sein? Warum braucht Peters Frau Mia so lange, um den so konträr denkenden Mann zu verlassen? Warum wird die Gier der Tochter einer Putzfrau so klischeehaft dargestellt, die unbedingt ein besseres Leben haben will und dafür den Mann und Vater ihrer beiden Söhne verlässt? "Schon immer hatte Mia bei Besuchen geklaut, systematisch und erfolgreich, wie ein diebisches Tier. Was die Mutter in den Wohnungen ihrer Damen mit Todesverachtung vermied (), trieb Mia bei Schulfreundinnen, Kaffeeeinladungen, im Müttertreff und bei Peters Familie zur Perfektion. Sie entwendete Parfüm, Kosmetika, Schmuck, Wäsche, Nippes, Bücher und Schreibgeräte und hatte die Frechheit, ihrem Opfer ins Gesicht zu sagen: 'Wie lustig, ich habe genau das gleiche!' ..." Irgendwie sind diese Fragen immer stärker geworden und die Vorgehensweisen der Figuren immer unsinniger und schwächer. So sehr, dass jegliche Empathie zu den Personen mit Verlauf der Seiten des Romans verloren gegangen ist. Obwohl der Roman "nur" 237 Seiten hat, hatte der Rezensent am Ende das Gefühl, sich durch mindestens tausend Seiten gekämpft zu haben ... (Roland Freisitzer; 06/2012) erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at

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  • Rezension zu "Am Schwarzen Berg" von Anna Katharina Hahn

    Am Schwarzen Berg
    Monsignore

    Monsignore

    23. May 2012 um 21:46

    Eine dünne Geschichte, die vor einer schwäbischen Kulisse geradezu vor sich hin gähnt. Da gibt es sogar einen Studienrat und Mörikekenner mit angetrauter Bibliothekarin und Alkoholproblem. Stuttgart 21 ragt thematisch kurz herein, ansonsten besteht ein viertel des Romans aus akribischen Natur-, Stimmungs- und Personenbeschreibungen. Ab und zu schimmert durch, dass die Autorin kritischen Abstand zu ihrem Stoff eingenommen hat, sogar etwas Ironie und Kritik ist spürbar. Zwischenmenschliche Phänomene sollen hier ausgeleuchtet werden, verspricht der Verlag. Ich konnte in dieser Hinsicht nichts Nennenswertes vorfinden. Die breit ausgebreiteten Kinder- und Schulwelten sind teilweise fernab der Wirklichkeit, der Sprachstil gedrechselt bis geschraubt. Ich rate ab.

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  • Rezension zu "Am Schwarzen Berg" von Anna Katharina Hahn

    Am Schwarzen Berg
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    28. March 2012 um 11:28

    Auch in ihrem zweiten Roman „Am schwarzen Berg“, der für den Leipziger Buchpreis 2012 nominiert war, beschäftigt sich die Stuttgarterin Anna-Katharina Hahn mit den Menschen und der bürgerlichen Kultur in ihrer Stadt. Es ist die Geschichte zweier benachbarter Ehepaare und die Geschichte eines jungen Mannes und seiner Familie. Da sind die Bubs, Emil und Veronika, er seit Jahrzehnten Gymnasiallehrer mit einem Faible für Eduard Mörike, sie ebenso lang als Bibliothekarin arbeitend. Ihr Haus ist voller Bücher. Doch neben den Büchern mögen beide auch den Alkohol, dem sie, ohne dass es groß aufzufallen scheint, so zusprechen, dass jeder schon morgens einen Flachmann in der Tasche hat, wenn sie zur Arbeit gehen. Ihre Ehe ist kinderlos geblieben, was sie früh schon hingenommen haben. Umso intensiver widmet sich vor allem Emil den kleinen Nachbarsjungen Peter Rau, der mit seinen Eltern Hajo und Clara, einem Arzt und seiner ihm in der Praxis in der Stadt stundenweise assistierenden Frau in das Haus nebenan gezogen ist, nachdem die Vorbesitzerin verstorben ist. Während die Bubs an ihrem Haus am schwarzen Berg wenig investieren, haben die Raus das alte Haus der Vorbesitzerin in kurzer Zeit zu einer schönen Villa umgebaut. Das Buch beginnt damit, dass Peter Rau in einem erbärmlichen Zustand, schwer an Depression erkrankt, zu seinen Eltern nach Hause zurückkehrt, nachdem ihn seine Frau zusammen mit den beiden Söhnen verlassen hat. Peter Rau ist einer der Parkschützer bei Stuttgart 21, baut Baumhäuer und lebt nur noch für dieses Engagement, lässt dabei nicht nur sich selbst, sondern auch seine Söhne und seine Ehe so verwahrlosen, dass seine Frau Mia, deren Geschichte erst gegen Ende des Buches näher beleuchtet wird, ihn verlässt und ein eigenes Leben mit einem neuen Mann, der ihr und ihren Kindern wirtschaftlich und emotional eine Zukunft zu geben verspricht, beginnt. Auch Emil hat die Rückkehr von Peter beobachtet, und ist ganz besorgt um diesen jungen Mann, mit dem er seit Jahrzehnten ein Verhältnis hatte wie zu einem eigenen Sohn. In Rückblicken erzählt Anna Katharina Hahn nun nicht ohne Kritik von dieser Beziehung und von einer fast zur Manie werdenden Begeisterung Emils für das Leben und das Werk Eduard Mörikes, mit der er auch Peter ansteckt. Hahns Kritik ist stellenweise beißend und hart, wenn sie die unterschiedliche, in ihrer spieß- bzw. bildungsbürgerlichen Dumpfheit und Eindimensionalität doch sehr ähnliche Lebensweise der beiden benachbarten Ehepaare beschreibt. Doch auch den in Peter Rau wiederkehrenden schwäbischen Anarchismus überhäuft sie mit immanenter Kritik. Nachdem Peter halbtot nach Hause gekommen ist, versucht ihn sein Vater mit Medikamenten, Emil, Veronika und seine Mutter Carla eher mit Mutmachparolen wieder aufzurichten. Emil macht sich zusammen mit dem durch die Tabletten nach einigen Wochen wieder aktiveren Peter auf die Suche nach Mia und den Kindern. Sie ahnen aber nicht, dass die längst im Haus ihres neuen Partners Georg im Tessin untergekommen sind, und zusammen ein neues Leben in Stuttgart planen. Georg ist ein sehr sensibler Mann, der Mia dazu bringt, sich bei Peter zu melden. Dort am schwarzen Berg wird die eingetroffene Email von Mia gefeiert und alles scheint am Ende des Buches wieder in normale Bahnen zu geraten. Scheint… Anna Katharina Hahn ist es auch im neuen Roman hervorragend gelungen, mit einer kühlen und distanzierten Sprache den Tiefenschichten bürgerlichen Lebens auf die Spur zu kommen. Was sie dabei zu Tage fördert, ist für den Leser oft nur schwer zu ertragen. Denn bei aller oberflächlichen Freundlichkeit und allem gelehrten Engagement und Wissen – die Menschen in diesem Buch bleiben sich fremd, vor allen Dingen sich selbst gegenüber. Jeder findet seine eigene Weise, die Erkenntnis dieser Wahrheit, die sich dem Leser mit jeder Seite mehr aufdrängt, vor sich selbst zu verbergen. Vor allem mit Alkohol, aber auch mit Arbeit und im Falle von Peter mit einem seine ganze Familie und sich selbst zerstörenden wutbürgerlichen Engagement. Einzig Mia, die erst spät im Buch zu Wort kommt, scheint begriffen zu haben, dass sie die Möglichkeit hat, sich zu befreien zu einem neuen Leben jenseits des anarchischen Lebens ihres Mannes und der fassadenhaften Mustergültigkeit sowohl der Bubs als auch ihrer Schwiegereltern. Eine Rezensentin (Helga Kurz bei amazon) hat geschrieben: „Das letzte Stück bin ich, von bangen Vorahnungen getrieben, zwischen den Zeilen des Buches einbrechend, gerannt, um wenigstens mich selbst zu retten.“ Genauso habe ich es auch erlebt. Ein Roman, der fesselt, den ich nicht aus der Hand legen konnte, und der mich, obwohl ich Stuttgart nicht kenne, tief getroffen hat. Anna Katharina Hahn wagt sich mit ihrer Sprache hinter die Fassaden eines bürgerlichen Lebens, das seine Wurzeln zwar kennt, sie aber mitten im Alkohol und anderen Betäubungen vertrocknen lässt.

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