Anna Kim Anatomie einer Nacht

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Inhaltsangabe zu „Anatomie einer Nacht“ von Anna Kim

In der Nacht vom 31. August auf den 1. September 2008 nehmen sich in einer kleinen Stadt im Osten Grönlands elf Menschen das Leben. Wie eine Epidemie breitet sich der Freitod in allen gesellschaftlichen Schichten und Altersgruppen des Ortes aus, dessen Bewohner sich »durch eine Berührung oder einen Blick infiziert« zu haben scheinen. Oberflächlich betrachtet, stehen diese Selbstmorde in keinerlei Zusammenhang, nur einige der Toten kannten sich flüchtig. Und doch fragt sich der außenstehende Beobachter: »Ist es nicht ein Trugschluss zu glauben, das Leben eines Einzelnen habe Bedeutung nur für sich betrachtet? Genauso wenig wie der Tod eines Einzelnen Sinn macht, isoliert vom Leben der anderen.« Der Roman »Anatomie einer Nacht« erzählt die letzten Stunden von elf Menschen, und er erzählt von Grönland, diesem Land der Extreme, über dem so viel Kälte und Einsamkeit und tröstlicher Zauber zugleich liegt. Behutsam und in eindringlichen Bildern folgt Anna Kim den lebensgeschichtlichen Verzweigungen und gibt Antwort darauf, warum diese eine Nacht nur so ablaufen konnte, wie sie ablief.

Ziemlich verwirrend durch den dauernden Wechsel an Perspektiven und Zeiten

— Mondschimmer
Mondschimmer

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  • Rezension zu "Anatomie einer Nacht" von Anna Kim

    Anatomie einer Nacht
    nr-verlag

    nr-verlag

    26. February 2013 um 00:43

    Innerhalb der fünf Stunden zwischen 22:00 und 3:00 Uhr nehmen sich in einem fiktiven Ort im Osten Grönlands elf Menschen das Leben. Die Ereignisse und Umstände ließen sich auf wenigen Seiten erzählen, doch die Autorin macht weit mehr daraus. Ausgehend von den letzten Lebensstunden dieser elf Menschen lässt sie das soziale Gefüge innerhalb des Ortes, die jüngere Geschichte der Grönländer und ihre Lebensbedingungen vor uns entstehen. Das Buch ist untergliedert in zweistündige Abschnitte, in denen in dichter Folge von den einzelnen Personen berichtet wird. Sehr hilfreich ist dabei eine dem Roman vorangestellte Liste der Hauptpersonen. Doch auch mit dieser Hilfestellung ist das Buch beiweitem keine leichte Kost, was nicht zuletzt der Sprache der Erzählerin zuzuschreiben ist: kühl, glatt und schnörkellos, wie eine in Speckstein geschnittene Jagdszene. Jeder Satz wirkt so ausgewogen, als hätte Anna Kim mit streng rationierten Worten haushalten müssen. Das Lesen ist dadurch nicht Entspannung, sondern Arbeit, es verlangt volle Konzentration, um auf den gerade mal 300 Seiten auch die wohl doppelte Menge Subtext zu erfassen. Obwohl immer wieder menschliche Leidenschaften die Handlungen bestimmen, wirken die Handelnden selbst merkwürdig emotionslos, vor allem, wenn es um's Sterben geht, das häufig fast beiläufiges geschieht, als würde Suizid zum Alltag gehören. Im Laufe der Nacht werden dank der eingestreuten Erinnerungen der Personen immer mehr Zusammenhänge offensichtlich. Die Lebensläufe der anfänglich isoliert wirkenden Charaktere werden zu einem Netz verwoben, das, vor dem Hintergrund der herrschenden Lebensbedingungen, die Ereignisse verständlich erscheinen lässt.

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  • Rezension zu "Anatomie einer Nacht" von Anna Kim

    Anatomie einer Nacht
    Sarlascht

    Sarlascht

    19. December 2012 um 20:12

    Inhalt: Amarâq, ein fiktiver Ort in Grönland, ist der Schauplatz einer Nacht, in der sich elf Menschen umbringen. Elf Tote, die keinerlei Verbindungen aufweisen und doch irgendwie miteinander verknüpft sind, dadurch, dass sie alle selbst entscheiden aus dem Leben zu scheiden. Elf unterschiedliche Gründe, elf ganz unterschiedliche Leben, die doch zusammen gehören. . Meine Meinung: Was schreibt man zu einem Buch, welches irgendwie an einem vorbeizog und in keinerlei Erinnerung geblieben ist? Amarâq, es scheint eine trostlose Kleinstadt, in der ein Leben nahezu unmöglich erscheint, schön ausgeschmückt wird der Ort bis ins Detail beschrieben, bis man ihn bildlich vor Augen hat, aber ansonsten herrscht leer in diesem Bild. Die Protagonisten sind zwar vorhanden, aber nicht so, dass sie der Leser greifen könnte, mehr fließen sie einen durch die Finger und hinterlassen keinerlei bleibenden Eindruck. . Eine Vielzahl an Protagonisten kommt im Buch vor und obwohl man zu Beginn eine kleine Übersicht hat, ist es trotzdem ein einzig großes Verwirrspiel und immer wieder ein stätiges fragen, welchen Charakter, mit welcher Geschichte, man jetzt vor sich hat. Neben den Hauptdarstellern tauchen auch immer wieder Personen auf, die mit der Geschichte nicht sonderlich viel zu tun haben, sondern einfach nur als Randfigur auftreten, dadurch aber noch einmal alles durcheinandermischen, bis man dann irgendwann daran verzweifelt. . Doch darin liegt die Grausamkeit und Gefahr dieser Nächte. Sie federn nicht ab, sie gleichen nicht aus, sondern sie intensivieren, richten den Fokus auf dem Schmerz und betonen ihn, indem sie die Zeit ausradieren, das Vergangene und Zukünftige, und es mit einem Mal ausschließlich die Gegenwart gibt, das Hier und Jetzt. (Seite 235) . Mit 303 Seiten ist das Buch jetzt nicht dünn, aber durch die Vielzahl der Protagonisten, durch die ganzen Erzählungen der einzelnen Geschichten, sind die Seiten doch schnell aufgebraucht, ohne aber dass man wirklich einer Person nahe gekommen ist. Die Schicksale, von ihnen hatte ich mir kleine psychologische Feinheiten erwartet, aber sie sind wie das Buch selbst, wirr und nicht gleich nachvollziehbar, durch die wenigen Seiten, die man jeden einzelnen gewidmet hat, fühlt man auch mit niemanden mit. Der schnelle Wechsel zwischen den Personen macht es einfach unmöglich, einen emotional irgendwie verfolgen zu können, weshalb letztlich niemand von allen einen berührt, ihre Schicksale am Leser irgendwie vorbeiziehen. . Sprachlich fällt das Buch durchaus auf, weil es poetisch und verwinkelt ist, doch irgendwann, irgendwann war auch dieser Aspekt einfach nur noch nervig, weil man sich nicht mehr auf die Geschichte konzentrieren konnte, sondern die einzelnen Sätze zerpflücken musst, um irgendwie einen Sinn im Ganzen erkennen zu können. . Fazit: Die Autorin wollte so viel, vermutlich zu viel und konnte mich leider mit „Anatomie einer Nacht“ so gar nicht überzeugen.

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  • Rezension zu "Anatomie einer Nacht" von Anna Kim

    Anatomie einer Nacht
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    27. September 2012 um 08:46

    Dunkel, poetisch, traurig, wundervoll ... Die 1977 in Seoul geborene österreichische Schriftstellering Anna Kim hat mit "Anatomie einer Nacht" einen neuen Roman vorgelegt. Es handelt sich, nach "Die Bilderspur" und "Gefrorene Zeit", um ihren dritten veröffentlichten Prosatext und auch ihren bislang eindrucksvollsten Text. Und es ist, dankenswerter Weise, ein Text fern von den modischen Befindlichkeitstexten, die derzeit so häufig und gerne geschrieben werden. Wie bereits in ihrem 2011 publizierten Essay "Invasionen des Privaten", befindet sich der Leser in Grönland. Er befindet sich in der fiktiven Stadt Amâraq, in der sich in der Nacht vom 31. August auf den 1. September elf Menschen das Leben nehmen. Schon die ersten Zeilen ziehen den Leser tief in die Stimmung dieses beeindruckenden Romans hinein. Anna Kim kreiert eine wundersam trostlose und echt anmutende Atmosphäre, die, gepaart mit der sprachlichen Finesse dieses Texts, für das Gelingen dieses doch recht riskanten Unterfangens verantwortlich ist. Elf Selbstmorde, die scheinbar in keinem Zusammenhang zueinander stehen. Alle in einer Nacht. Alle in einer Kleinstadt in Grönland, wo man sich gegenseitig keine Konkurrenz macht und es dementsprechend nur einen Automechaniker, ein Restaurant, einen Waschsalon und ein Kleidungsgeschäft gibt. Wieso treten elf hauptsächlich junge Menschen in einer Nacht, in der Zeitspanne von fünf Stunden, in Amâraq ihren jeweils letzten Weg per Suizid an? Diese Frage ist allgegenwärtig. Während Anna Kim die verschiedenen traurigen Protagonisten ihres Romans in ständig wechselnden Erzählperspektiven und unter Zuhilfenahme von unaufhörlichen Zeitsprüngen ihre Geschichten erzählen lässt, fügen sich die Puzzleteile langsam aber sicher zu einem Ganzen. Der komplette Text ist also so etwas wie eine Zusammenführung vieler kleiner Wahrheiten und Informationen zu einem Gesamtbild; ein Bild, das aus den verschiedenen Wunden besteht, die sich die Einwohner dieser grönländischen Kleinstadt im Laufe der Jahre zugefügt haben. Berauschend auch die Zeichnung der grönländischen Landschaft, die literarische Vermittlung der kalten, dunklen, trostlosen und trotz allem zauberhaften Farben einer archaisch schönen Natur. "Am Ende der Welt ist es selbstverständlich, dass alle Enden zusammenlaufen, und es ist natürlich, dass dies während der Nacht geschieht, denn die Nächte in Amâraq sind Abschlüsse, sie sind der Punkt, an dem das Unvermeidbare seine Unvermeidbarkeit einsieht und sich ihr ergibt, weil die Schwärze eine Endgültigkeit in sich trägt, aber auch etwas Trostreiches. Sie bietet Geborgenheit innerhalb einer Verborgenheit, die sich nur dann entwickelt, wenn das Sehen abgestellt wird." Formal eindrucksvoll gelöst, sprachlich brillant, beschreibt der Text immer größer werdende Kreise, die zielstrebig darauf bedacht sind, den Sinn und die Motivation dieser elf Selbstmorde aufzudecken. "Es muss so sein, denkt Sara, dass, wenn die Dinge zu Ende gehen, auch die Erinnerungen verschwinden, eine nach der anderen, denn im Grunde sind es die Erinnerungen, die die Dinge lebendig machen. Ohne Erinnerungen gäbe es sie nicht, sie verbessert sich, ohne Erinnerungen hätten sie nicht die Bedeutung, die sie haben und wären schon in dem Moment, in dem sie sich ereignen, ungültig -" Vom Lieben und vom erzwungenen Zustand der verweigerten Liebe, von der verweigerten Elternliebe, von der Kraft der Erinnerung, vom kontinuierlichen Rückzug in die Einsamkeit und von den damit verbundenen Konsequenzen erzählt dieser Roman, den der Rezensent zu den aufregendsten und sprachlich schönsten deutschsprachigen Texten der letzten Jahre zählt. (Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at Roland Freisitzer; 09/2012)

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  • Rezension zu "Anatomie einer Nacht" von Anna Kim

    Anatomie einer Nacht
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    25. September 2012 um 12:11

    Das vorliegende Buch „Anatomie einer Nacht“ ist der bislang dritte Roman der 1997in Seoul geborenen österreichischen Schriftstellerin Anna Kim. Das eindrucksvolle Buch beginnt seinen Leser schon nach den ersten Seiten zu fesseln. Mit einem ganz eigenen Stil, nüchtern und dennoch dicht, entführt Anna Kim den Leser nach Grönland in die erdachten Stadt Amaraq in ein Land der Extreme, über dem so viel Kälte und Einsamkeit und tröstlicher Zauber zugleich liegen. Dort nehmen sich vom 31. August auf den 1. September mitten in der Nacht elf Menschen das Leben. Elf Menschen haben sich umgebracht. Elf Tode, die zunächst in keinem Kontext miteinander stehen. Elf Suizide in einer kleinen Stadt, in der eigentlich alle gut miteinander leben. Geschickt lässt Anna Kim diese Menschen in permanent wechselnden Perspektiven und mit ebenso häufigen Zeitsprüngen ihre jeweilige Geschichte erzählen, eine Geschichte von der Kolonisation des Eigenen durch das Fremde. Immer mehr Zusammenhänge tun sich auf und werden klar und viele bislang völlig unpassende Teile des Puzzles fügen sich ineinander, indem die Autorin behutsam und in eindringlichen Bildern den lebensgeschichtlichen Verzweigungen ihrer Figuren folgt. Und immer mehr wird klar: die Selbstmorde sind Ergebnis all dessen, was sich im sozialen Leben der Menschen der erfundenen grönländischen Kleinstadt ereignet hat. Das gute Leben zeigt eine andere, bislang verdeckte Seite. Sprachlich auf allerhöchstem Niveau, atmosphärisch dicht wird hier von Liebe und ihrer Verweigerung, von Einsamkeit und Ausweglosigkeit erzählt.

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