Der Pilz am Ende der Welt: Über das Leben in den Ruinen des Kapitalismus

von Anna Lowenhaupt Tsing 
4,0 Sterne bei2 Bewertungen
Der Pilz am Ende der Welt: Über das Leben in den Ruinen des Kapitalismus
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Inhaltsangabe zu "Der Pilz am Ende der Welt: Über das Leben in den Ruinen des Kapitalismus"

Über das Leben in den Ruinen des Kapitalismus
Gebundenes Buch
Das erste neue Leben, das sich nach der nuklearen Katastrope in Hiroshima wieder regte, war ein Pilz. Ein Matsutake, der auf den verseuchten Trümmern der Stadt wuchs - einer der wertvollsten Speisepilze Asiens, der nicht nur in Japan, wo er Spitzenpreise aufruft, vorkommt, sondern auf der gesamten Nordhalbkugel verbreitet ist. Dieser stark riechende Pilz wächst bevorzugt auf von der Industrialisierung verwüsten und ruinierten Böden und ist nicht kultivierbar.
In ihrem faszinierenden kaleidoskopischen Essay geht die Anthropologin Anna Lowenhaupt-Tsing den Spuren dieses Pilzes sowie seiner biologischen und kulturellen Verbreitung nach und begibt sich damit auch auf die Suche nach den Möglichkeiten von Leben in einer vom Menschen zerstörten Umwelt. Sie erzählt Geschichten von Pilzsammlern, Wissenschaftlern und Matsutake-Händlern und öffnet einen neuen und ungewohnten Blick auf unsere kapitalistische Gegenwart. Denn eigentlicher Gegenstand ihrer preisgekrönten und in viele Sprachen übersetzten Erzählung ist die Ökologie des Matsutake, das Beziehungsgeflecht um den Pilz herum, als pars pro toto des Lebens auf den Ruinen des Kapitalismus, das ein Leben in Beziehungen sein - oder aber nicht sein wird.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783957575326
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:448 Seiten
Verlag:Matthes & Seitz Berlin
Erscheinungsdatum:02.02.2018

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    Sikals avatar
    Sikalvor 5 Monaten
    Was haben Kapitalismus und Pilze miteinander zu tun?

    Dieser Frage geht die Autorin Ann Lownhaupt Tsing auf knapp 450 Seiten nach. Die Professorin für Anthropologie wurde bereits mehrfach für ihre Arbeiten ausgezeichnet und ihr Buch „Der Pilz am Ende der Welt“ wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.

    Aber was haben Kapitalismus und Pilze – genauer gesagt, einer der teuersten Pilze der Welt – nun wirklich miteinander zu tun?

    Wenn hier die Sprache auf einen der teuersten Pilze kommt, so wird ein Bezug zum Kapitalismus schon wahrscheinlicher, bleibt aber dennoch sehr vage. Und genauso vage bleiben die Erzählungen der Autorin, wenn sie von Pilzsuchern in prekären Lebensverhältnissen in den unterschiedlichsten Ecken der Welt erzählt.

     

    „Einem Wirbel von Geschichten zuzuhören und sie zu erzählen kann man als Methode bezeichnen.“ [Seite 57]

     

    Genau einem solchen Wirbel von Geschichten ist man als Leser dieses Buches ausgesetzt – am Anfang scheint dieses Buch wie ein Konvolut unzusammenhängender Erzählungen. Erzählungen aus Japan, China und Oregon. Wild zusammengewürfelte Erzählungen von Pilzsammlern, Händlern und Lieferketten aus den unterschiedlichsten Ländern der Erde in Richtung Japan.

     

    Aber wo bleibt nun der wirkliche Zusammenhang mit dem Kapitalismus? Wer nämlich jetzt denkt, der Pilz mit seinem hohem Preis würde den Kapitalismus stützen oder zumindest einige seiner Nutznießer, liegt nur teilweise richtig – eher ist es umgekehrt: der Pilz profitiert vom Kapitalismus, indem er in Gegenden zu wachsen beginnt, die vom frühen kapitalistischen Holzhandel völlig zerstört wurden.

    Und so wie in Hiroshima das erste neue Leben noch der nuklearen Katastrophe ein Matsutake war, wachsen diese Pilze eben auch in den abgeholzten Wäldern Oregons, wo sich die Sammler zu tausenden in die erstarkten Kieferwälder aufmachen, um ihre Körbe zu füllen.

    Deren Geschichten sowie die Geschichte des Pilzes im Zusammenhang mit dessen Wirtsbaum – der Kiefer – erzählt die Autorin in diesem Buch in unzähligen kleinen mehr oder weniger zusammenhängenden Beiträgen. Aber auch wie der Kapitalismus es fertig brachte, die Gegenden in denen der Pilz vorkommt in kürzester Zeit herunterzuwirtschaften und eben die Sammler in deren prekären Lebensverhältnisse zurückzulassen.

    Der Autorin ist es trotz der widrig scheinenden Verhältnisse dennoch gelungen, das Leben der Sammler als etwas Positives und Gewinnbringendes darzustellen, was die erzählten Geschichten der Sammler auch so untermauern. Dieses Buch zeigt, dass es auch in Gegenden und Zeiten des „Postkapitalismus“ positive Hinterlassenschaften des unbedachten Handelns gibt.

    Am Anfang schwierig zu lesen, da die Geschichten wirr und unzusammenhängend erscheinen – mit zunehmender Lektüre lösen sich die Fragen jedoch auf, um am Ende wieder geballt daherzukommen.

    Eine zentrale Antwort auf die Fragen in diesem Buch lässt sich aber bereits auf der ersten Seite finden: „Der Mensch kann nicht überleben, wenn er auf allem anderen herumtrampelt.“

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    Kaivais avatar
    Kaivaivor 6 Tagen

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