Cover des Buches Wirf dein Herz voraus und spring hinterher (ISBN: 9783328103158)Anteks avatar
Rezension zu Wirf dein Herz voraus und spring hinterher von Anna Paulsen

Das Leben leben, bevor es zu spät ist

von Antek vor 3 Jahren

Review

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Antekvor 3 Jahren

Anna Paulsen hat mich mit ihrem „Liebe M. du bringst mein Herz zum Überlaufen“ mit einer berührenden, romantisch, verträumten Geschichte wirklich verzaubert und bestens unterhalten, deshalb habe ich mich sehr auf den neuen Roman aus ihrer Feder gefreut.


„Ich habe jeden Morgen meine Übungen gemacht, etwas Gesundes gefrühstückt, mich dezent geschminkt,,,, war tüchtig und produktiv, … Das war´s. Keine Freundschaften, keine Liebesgeschichten , keine aufregenden Erlebnisse. Es wäre also nicht viel verloren, wenn ich bald sterben würde. Jedenfalls wenn ich so weitermachen würde, wie bisher.“ Sind Gedanken, die Liane, ende dreißig, durch den Kopf gehen, nachdem sie nach einem Arztbesuch fest davon überzeugt ist, dass sie Kehlkopfkrebs hat. Ihr Leben muss sich ändern, einigeln bringt nichts nd plötzlich heißt es für sie „Aber ich habe mich viel zu lange von meinen Ängsten einschränken lassen. Deshalb werde ich sie dieses Mal einfach ignorieren und versuchen das Ganze zu genießen.“


Als Leser lernt man Liane in ihrem Alltagstrott kennen, darf anschließend die Hypochonderin in Perfektion zuerst zum Arzt begleiten und erfährt dann, was sie aus ihrem Leben macht. Bei der Entwicklung von „Fräulein Rottenmeier, das sich ins falsche Jahrhundert verirrt“ hat bis hin zu erlebnishungrigen Survival Meisterin, ist jede Menge geboten, beim Tokiotrip angefangen bis zum Fallschirmsprung. Man lernt mit ihr Menschen kennen, die ihr wie Norma unter die Arme greifen, die ihre Stärken erkennen, wie Künstler Greg oder solche, die auch erst einen Burn-Out erleben mussten, um zu erkennen, was im Leben zählt, wie Lorenz. Zudem gilt es noch den Zwist mit ihrer Adoptivmutter aufzuarbeiten und auch in Herzensdingen muss sich Liane entscheiden.


Ich mag den lässig, lockeren Schreibstil der Autorin, die mich unter anderen Pseudonymen auch schon mehrfach ganz wunderbar unterhalten hat unheimlich gerne. Vielleicht bin ich mit meiner Begeisterung für Mathilda aus dem Vorgängerwerk mit zu hohen Erwartungen ans Lesen ran gegangen. Aber auch wenn Anna Paulsen mich mit diesem Roman nicht ganz so einnehmen konnte, wie gewohnt, hatte ich ein kurzweiliges Lesevergnügen. Unter anderem ist ihr Name für mich eine kleine Schmuzelgarantie, und auch das fehlt hier nicht ganz. Für Vergnügen sorgt vor allem die taffe Nachbarin Erna Ritter, die als Seniorin noch manchem Tennie an Lebensenergie etwas vormachen kann. Als Leser bekommt man die Geschichte von einem Erzähler aus Lianes Sicht geboten, ist ihr daher am nächsten. Man darf in ihren Kopf blicken, erfährt in kursiven Einschüben ihre Gedanken und zahlreiche wörtliche Reden lassen die Geschichte lebendig werden.


Warum konnte mich die Autorin nicht wie gewohnt absolut einfangen? Mein größtes Problem war wohl, dass ich mich einfach nicht mit Liane identifizieren und mich auch nicht wirklich in sie hineindenken konnte. Als Hypochonderin höchsten Grades, vielleicht auch ein wenig überzeichnet, jedoch nicht so sehr, dass ich es schon wieder als amüsant empfunden hätte, ist sie das krasse Gegenteil von mir. Ganz besonders negativ aufgestoßen ist mir ihr Verhalten gegenüber ihrer Adoptivmutter Ruth, mit der ich alles Mitgefühl der Welt hatte und deshalb bin ich wohl nie so richtig warm geworden mit der Hauptfigur. Auch wenn Liane sich wirklich toll entwickelt, konnte ich mich einfach nicht mehr so von tiefstem Inneren mit ihr freuen, wie ich mir das gewünscht hätte. Es mag sein, dass, wenn man den Tod so vor Augen hat wie sie, plötzlich alles anders ist, für mich persönlich wäre eine Veränderung in kleinen Schritten nachvollziehbarer gewesen, vielleicht auch nicht so eine radikale, die bessere Wahl. Auch ein, zwei Zufälle weniger, die ihr in die Hände spielen und ein weniger an Männer hin und her, wäre eher mein Ding gewesen. Aber nichtsdestotrotz hatte ich gute Unterhaltung, dafür haben ja auch so tolle Mitspieler, wie die super sympathische, selbstlose Altenpflegerin Norma und die taffe alte Nachbarin Erna gesorgt. Auch die Geschichte rund um die Adoption hat mich bewegt.


„Noch nie hat sich jemand gewünscht mehr geputzt, gearbeitet oder aufgeräumt zu haben. Die meisten fragen sich, warum sie nicht öfter am Meer spazieren gegangen sind, in der Sonne gesessen, oder mehr wertvolle Zeit mit lieben Menschen verbracht haben.“ Das Leben mehr genießen, bevor es zu spät ist, ist sicher eine wichtige Botschaft, die sich in diesem locker, leichten Roman, der die Geschichte einer außergewöhnlichen Hauptprotagonistin erzählt, versteckt. Für alle, die auch zu oft im Alltagstrott gefangen sind und Unterhaltung zum Abschalten suchen, sicher eine Leseempfehlung, auch wenn es für mich für fünf Sterne dieses Mal nicht ganz reicht.



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