Anna Prizkau

 4,3 Sterne bei 76 Bewertungen
Autor*in von Fast ein neues Leben, Frauen im Sanatorium und weiteren Büchern.
Autorenbild von Anna Prizkau (©Julia von Vietinghoff)

Lebenslauf

Anna Prizkau, 1986 in Moskau geboren, kam in den 90er-Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland. Sie hat in Hamburg und Berlin studiert und ist seit 2016 Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Prizkau lebt in Berlin.

Alle Bücher von Anna Prizkau

Cover des Buches Fast ein neues Leben (ISBN: 9783751806008)

Fast ein neues Leben

(56)
Erschienen am 02.09.2020
Cover des Buches Frauen im Sanatorium (ISBN: 9783498007324)

Frauen im Sanatorium

(17)
Erschienen am 15.07.2025
Cover des Buches Frauen im Sanatorium (ISBN: B0FC6YMH81)

Frauen im Sanatorium

(3)
Erschienen am 15.07.2025

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Neue Rezensionen zu Anna Prizkau

Cover des Buches Frauen im Sanatorium (ISBN: 9783498007324)
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Rezension zu "Frauen im Sanatorium" von Anna Prizkau

midnightreadwithlana
Pepik statt Happy End

Die Frauen im Sanatorium hat bei mir ein sehr zwiegespaltenes Gefühl hinterlassen: Grundsätzlich hat es mir gefallen – aber gleichzeitig auch nicht ganz.

Ich bin mit der Erwartung hineingegangen, ein Psychodrama mit mehr Handlung zu bekommen. Tatsächlich ist das Buch aber viel stärker eine Charakterstudie als eine klassische Story. Einen richtigen Plot gibt es kaum: Anna, die Protagonistin, hat versucht, sich das Leben zu nehmen, und ihr Vater organisiert ihr einen Platz im Sanatorium. Vieles spielt sich dann eher in Gesprächen, Momenten, Zigarettenrauch, Andeutungen und Figurenbeobachtungen ab – Pepik, der blasse Papagei, inklusive.

Was mich dabei oft verwirrt hat, war die Frage: Welche Geschichte ist wahr, und welche ist erfunden? Besonders bei Elif war das schwierig. Gerade wenn man beginnt, Mitgefühl für ihre Backstory zu entwickeln, stellt sich plötzlich wieder alles infrage. War es ehrlich? War es gelogen? Diese Unsicherheit war teils spannend, teils auch frustrierend, weil man emotional nie sicher landen konnte.

Mit Anna selbst konnte ich dagegen kaum eine Verbindung aufbauen. Sie war mir nicht unsympathisch, aber irgendwie schwer greifbar – fast wie eine leere Projektionsfläche. Vermutlich ist das genau so gewollt, trotzdem hat es mir den Einstieg erschwert.

Was das Buch für mich aber wirklich stark macht, sind die Charaktere. Jede Figur ist eigen, intensiv und trägt eine ganz eigene Vergangenheit mit sich: Veronika, Elif, David, Marija, Katharina… Besonders Elif ist mir hängen geblieben – herrlich grenzüberschreitend, gleichzeitig völlig ohne Grenzen sich selbst gegenüber. Diese Figuren haben dem Buch eine enorme Spannung gegeben, auch wenn vieles unausgesprochen bleibt.

Der Stil ist chaotisch und intensiv, aber trotzdem nicht völlig ungeordnet – eher wie ein kontrolliertes Durcheinander. Viele Dinge werden nicht aufgelöst, auch das Ende bleibt offen, was mich eher zum Nachdenken gebracht hat als zu ärgern.

Insgesamt ein interessantes Buch mit starken Charakteren und Atmosphäre, aber wenig erzählerischem Sog. Wer klare Handlung sucht, könnte enttäuscht sein – wer fragmentarische Psychologie und ungewöhnliche Figuren mag, findet hier definitiv etwas.

Cover des Buches Frauen im Sanatorium (ISBN: 9783498007324)
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Rezension zu "Frauen im Sanatorium" von Anna Prizkau

dunis-lesefutter
Was uns kaputt macht

Ich gebe zu, vor diesem Buch hatte ich großen Respekt. Ich hatte einige Rezensionen gelesen, Dieters Buch als schwer zugänglich, beschrieben, doch ich hatte es schon angefragt und dann ein bisschen gehofft, dass man mich vielleicht beim Verlag vergessen könnte. Aber es kam an und jetzt hab ich mich auch getraut.


Anna kommt nach einem Zusammenbruch in ein Sanatorium. Dort sitzt sie nun am Teich und füttert den relativ blassen Flamingo Pepik während sie ihm von sich und den Anderen erzählt. Da ist Marija, die sich in endlos langen Monologen über ihre Mutter auslässt und zur Annahme verleitet, das mit der Mutter etwas geschehen ist. Da ist Elif, die mit großer Kreativität Geschichten erfindet an denen wir auch teilhaben, und ihre psychischen Probleme damit zu bekämpfen scheint. Die Bundeswehrsoldatin Katharina ersäuft ihr Trauma mit Rotwein und Wodka, und mischt gemeinsam mit ihren Soldatenfreunden gerne mal den Laden auf. Anna hadert aber mit sich, weiß nicht ob sie noch mal gesund werden kann, ob sie Liebe fühlen kann. Sie versucht es zu spielen, mit David, einem jungen Mann der ambivalente Gefühle hat, Unsicherheit ausstrahlt, bei dem man nie genau weiß, woran man ist. Alle haben sie etwas gemeinsam: eine Vergangenheit, die ihnen Instabilität verliehen hat. Vieles liegt im Elternhaus begründet, auch in der Migration, denn es scheint so, als hätten alle Protagonist*innen Wurzeln in einem anderen Land, zumindest hab ich das aus den erzählten Zusammenhängen abgeleitet.


Mir hat es sehr gut gefallen, wie die Autorin die Leben der einzelnen Personen offen gelegt hat. Es passiert erzählerisch beinahe beiläufig, und man merkt gar nicht so sehr, wie man auf einmal Teil einer Biografie wird. Die Sprache ist leicht für ein solch schweres Thema. Ich war ein, um andere Mal schockiert über die Ereignisse, die über die Protagonist*innen herein, gebrochen sind, zum Teil auch wütend darüber, wie Familie mit diesen Menschen umgegangen ist. Aber die literarische Ausarbeitung von Prizkau hat diese schwere Masse fluffig aufgeschlagen. Ich fand es richtig interessant, wie sie Ursachen und Symptome verteilt und daraus Persönlichkeiten gestaltet hat, die in ihrer Unterschiedlichkeit den Roman zu einem interessanten Schauplatz machen.


Am Ende gab es dann doch noch einmal einen dicken Kloß im Hals. Eigentlich ein gutes Zeichen – denn so war mir noch mal mehr bewusst, wie tief mich dieses Buch berührt hat. Meine Sorge, es könnte mir überhaupt nicht gefallen hat sich also nicht bestätigt

Und da sieht man mal wieder, solange man nicht selber seine Nase ins Buch gesteckt hat, kann man gar nicht wirklich beurteilen, ob und wie es einem gefällt. 


Ich empfehle dieses Buch also allen, die sich mit schwierigen Persönlichkeiten beschäftigen möchten und eine literarisch einladende Art und Weise bevorzugen.

Cover des Buches Frauen im Sanatorium (ISBN: 9783498007324)
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Rezension zu "Frauen im Sanatorium" von Anna Prizkau

ancla_books4life
Leise, einfühlsam und nachdenklich

**** Mein Eindruck ****


Ein durchdachtes, zartes Buch, das leise Töne voller Menschlichkeit, Scham, Schmerz, Bedürftigkeit, Ehrlichkeit und Selbstreflexion anschlägt – und diese auf berührende Weise miteinander verbindet. Die Geschichte ist gut geschrieben und sehr nachvollziehbar. Besonders das Miteinander der Figuren und ihr Aufeinandertreffen an einem besonderen Ort habe ich mit großer Freude verfolgt.

Das Gefühl von Abgrund und zerbrechlichem Glück wird intensiv, aber niemals überzogen oder gar triggernd behandelt. Stattdessen bleibt der Ton ernst, respektvoll und einfühlsam – genau das hat dieses Buch für mich besonders gemacht. Für ein ganz großes Highlight fehlte mir an einigen Stellen etwas mehr Raffinesse und Feinschliff. Trotzdem lässt mich die Geschichte nachdenklich zurück. Gerade das Ende empfand ich als starkes Highlight und als gelungene Idee, die sicher viele Leserinnen und Leser auf ganz unterschiedliche Weise ansprechen wird.


**** Empfehlung ****


Wer Lust auf eine feinfühlige Auseinandersetzung mit Themen wie Verletzlichkeit, Hoffnung und Begegnungen auf Augenhöhe hat, wird hier eine bewegende und nachwirkende Lektüre finden. 

Gespräche aus der Community

Was macht uns aus? Herkunft, Vergangenheit, Familie, Erinnerungen? Können wir dagegen ankämpfen und aus uns ganz andere Menschen machen? Welchen Preis sind wir bereit zu zahlen, um unsere Träume wahr werden zu lassen? In ihrem fulminanten Debüt "Fast ein neues Leben" erzählt Anna Prizkau die Geschichte einer Frau, die ihren Platz in einem neuen Land sucht. Ankommen und dazugehören, darum geht es in unserer neuen Leserunde im Literatursalon!

1.147 BeiträgeVerlosung beendet

Am Donnerstag, 22. Oktober 2020, erwartet euch ab 19 Uhr auf unserem LovelyBooks Instagram Kanal ein spannendes Gespräch inklusive einer kurzen Lesung aus "Fast ein neues Leben" mit Autorin Anna Prizkau. Ihr habt bereits vorab die Möglichkeit, hier Fragen zu posten, von denen wir die spannendsten am Donnerstag live stellen werden!

43 BeiträgeVerlosung beendet
bookaddict10s avatar
Letzter Beitrag von  bookaddict10

Was hast du erlebt, als du nach Deutschland gekommen bist? Und wie sehr spielt deine eigene Geschichte in dem Buch eine Rolle?

Das Buch hört sich sehr spannend und nach einem wirklich wichtigen Thema an, welches öfter zur Sprache kommen sollte. Würde mich freuen das Buch lesen zu dürfen :)

Zusätzliche Informationen

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