Die Frauen im Sanatorium hat bei mir ein sehr zwiegespaltenes Gefühl hinterlassen: Grundsätzlich hat es mir gefallen – aber gleichzeitig auch nicht ganz.
Ich bin mit der Erwartung hineingegangen, ein Psychodrama mit mehr Handlung zu bekommen. Tatsächlich ist das Buch aber viel stärker eine Charakterstudie als eine klassische Story. Einen richtigen Plot gibt es kaum: Anna, die Protagonistin, hat versucht, sich das Leben zu nehmen, und ihr Vater organisiert ihr einen Platz im Sanatorium. Vieles spielt sich dann eher in Gesprächen, Momenten, Zigarettenrauch, Andeutungen und Figurenbeobachtungen ab – Pepik, der blasse Papagei, inklusive.
Was mich dabei oft verwirrt hat, war die Frage: Welche Geschichte ist wahr, und welche ist erfunden? Besonders bei Elif war das schwierig. Gerade wenn man beginnt, Mitgefühl für ihre Backstory zu entwickeln, stellt sich plötzlich wieder alles infrage. War es ehrlich? War es gelogen? Diese Unsicherheit war teils spannend, teils auch frustrierend, weil man emotional nie sicher landen konnte.
Mit Anna selbst konnte ich dagegen kaum eine Verbindung aufbauen. Sie war mir nicht unsympathisch, aber irgendwie schwer greifbar – fast wie eine leere Projektionsfläche. Vermutlich ist das genau so gewollt, trotzdem hat es mir den Einstieg erschwert.
Was das Buch für mich aber wirklich stark macht, sind die Charaktere. Jede Figur ist eigen, intensiv und trägt eine ganz eigene Vergangenheit mit sich: Veronika, Elif, David, Marija, Katharina… Besonders Elif ist mir hängen geblieben – herrlich grenzüberschreitend, gleichzeitig völlig ohne Grenzen sich selbst gegenüber. Diese Figuren haben dem Buch eine enorme Spannung gegeben, auch wenn vieles unausgesprochen bleibt.
Der Stil ist chaotisch und intensiv, aber trotzdem nicht völlig ungeordnet – eher wie ein kontrolliertes Durcheinander. Viele Dinge werden nicht aufgelöst, auch das Ende bleibt offen, was mich eher zum Nachdenken gebracht hat als zu ärgern.
Insgesamt ein interessantes Buch mit starken Charakteren und Atmosphäre, aber wenig erzählerischem Sog. Wer klare Handlung sucht, könnte enttäuscht sein – wer fragmentarische Psychologie und ungewöhnliche Figuren mag, findet hier definitiv etwas.














