Anna Reid Blokada. Die Belagerung von Leningrad

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Inhaltsangabe zu „Blokada. Die Belagerung von Leningrad“ von Anna Reid

872 Tage - von September 1941 bis Januar 1944 - kämpfte die Leningrader Bevölkerung gegen die deutsche Wehrmacht, die die Stadt eingeschlossen hatte. Weit über eine Million Menschen kamen in dieser Zeit ums Leben. Nach russischer Lesart steht die Geschichte der Belagerung Leningrads bis heute beispielhaft für den unbeugsamen Willen und die heroische Leidensfähigkeit der russischen Bevölkerung. Sie ist ein Mythos geworden. Anna Reid liefert mit ihrem Buch eine differenziertere Sicht der Ereignisse. Vor allem lässt sie die Betroffenen selbst zu Wort kommen und zeichnet so ein neues, vielschichtigeres Bild, häufig auf der Basis bislang unbekannter Quellen, offizieller Dokumente ebenso wie Tagebücher, Erinnerungen oder Gespräche mit Überlebenden. Reid erzählt von der erschütternden Inkompetenz, mit der die politisch-militärische Führung in Moskau und Leningrad auf den deutschen Vormarsch reagiert. Von dem jungen Mädchen, das in seinem Tagebuch festhält, wie ein Mitglied der Familie nach dem anderen verhungert. Oder von den Musikern des städtischen Orchesters, die, selbst dem Hungertod nahe, weiterspielen, um die Moral der Menschen zu stärken. Anna Reid rückt den Mythos in ein neues, realistischeres Licht. Wie Orlando Figes' Die Flüsterer ist Blokada ein Meisterwerk der modernen Geschichtsschreibung, ein Buch von großer Souveränität, erzählerischer Brillanz und tiefer Menschlichkeit.

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  • Rezension zu "Blokada. Die Belagerung von Leningrad, 1941-1944" von Anna Reid

    Blokada. Die Belagerung von Leningrad

    michael_lehmann-pape

    10. June 2011 um 16:16

    Ein fast vergessenes Stück erschreckender Geschichte Anna Reid hat Recht, wenn sie jenen „dunklen Abschnitt unter vielen“ der damaligen jüngeren russischen Geschichte als einen kennzeichnet, der im Gedächtnis der Völker stark an den Rand geschoben wurde (bewusst und unbewusst), dass manche Zeitgenossen gar „Leningrad“ mit „Stalingrad“ gleichsetzen. Dabei ist das Geschen um die heute wieder St. Petersburg genannte Stadt ein durchaus besonderes Kapitel der Weltkrieg 2 Geschichte (und der nachgehenden politisch gewollten Verdrängung im Russland Stalins). Aufgrund er Nähe zur Westgrenze Russlands der damaligen Zeit hat Leningrad in ganz besonderem Maße die Krieg Hitlers gegen Russlands erdulden und bezahlen müssen. Als eine der ersten, russischen Städte unter Belagerung und (wiederum aufgrund der Nähe zur deutschen Grenze) als eine der letzten, die noch unter Belagerung standen. Erobert hat Hitler Leningrad nicht. Aber 750.000 tote Zivilisten hinterlassen. Verhungert, erfroren, getötet in der Zeit von September 1941 bis Januar 1944. Zudem eine Stadt, die einen ungeheuren Blutzoll an Soldaten beiderseits forderte. Die einen, die einnehmen wollten, die andern, die dies erbittert zu verhindern gedachten und einen Korridor schlugen, auf dem Leningrad, wenn auch nur notdürftig, mit Lebensmitteln versorgt werden konnte. Allein der finale Kampf um Leningrad forderte auf russischer Seite über 150.000 Gefallene. Was übrigens auch mit schwerwiegend materiellen und taktischen Mängeln der roten Armee zusammenhing, wie Anna Reid fundiert und breit dargestellt erläutert. Auf dieses Leningrad nun konzentriert sich die Autorin im Buch, versäumt es aber nicht, größere Zusammenhänge herzustellen, die politische Führung beider Lager zu charakterisieren und, natürlich, die militärischen Operationen, Strategien, Kämpfe in ihrem Hintergrund, ihrer Auswirkung und ihren Folgen sachlich darzustellen. So stellt sie in ihrem gut lesbaren, unprätentiösen Stil durchaus die „Politik der verbrannten Erde“ und den Hintergrund des Überfalls auf Russland mitsamt seinen weitreichenden Plänen mit dar. Vor allem aber die Stadt selbst ist es, die sie in den Mittelpunkt ihres Berichtes stellt. Wenn sie mitten in größter Not von einer Sowjet angeordneten Tanzaufführung in einer Schule erzählt, bei der sich die unter Zwang teilnehmenden Kinder kaum auf den Beinen halten konnten vor Entkräftung, die zuständige Kommissarin aber auf das Fest pochte, um nach oben hin den Kampfeswillen Leningrads zu demonstrieren. Wenn sie fast schmerzlich sachlich-nüchtern von der Ausweglosigkeit berichtet, nachdem die letzte Katze (und anderes Getier) gegessen waren und die russische Führung außerstande war, zu evakuieren oder die Stadt zu versorgen. Aber auch, wenn sie von den 25 Jahren Gulag erzählt, die späterhin jenem Stadtoberen zu Teil wurden, der ein kleines Museum erlaubte, in dem die Realität gezeigt wurde und der große Stalin damit indirekt als einer erschien, der die Stadt nicht versorgen und die Menschen nicht retten konnte. Momente, die besonders verstärkt und vertieft werden durch die Vielzahl von Berichten aus erster Hand von Überlebenden, welche die Autorin vielfach in ihren Text einfließen lässt. Wissenschaftlich und sachlich-nüchtern berichtet Anna Reid von jenem traumatischen Geschehen in und um Leningrad mitsamt der vielfachen Herleitungen und Folgen in russischer und deutscher Kriegsführung und späterer Politik, ergänzt durch einen übersichtlichen, dennoch aber eindrucksvollen Bildteil in der Mitte des Buches. Kenntnisreich und unaufgeregt entnimmt die Autorin damit einen fast vergessenen bis gewollt an den Rand gedrängten Teil der Geschichte des letzten großen europäischen Krieges dem Vergessen und bietet eine fundierte und gründlich recherchierte Darstellung der Geschichte jener Jahre in und um Leningrad, die überaus lesenswert, über weite Strecken aber nicht leicht verdaulich im Raum steht. Kein einfaches, aber ein wichtiges Buch, dass nicht zuletzt aufgrund der schnörkellosen Berichtsform nachhaltig Eindruck hinterlässt.

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