Anna Ruchat Schattenflug

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Inhaltsangabe zu „Schattenflug“ von Anna Ruchat

In 'Schattenflug' geht Anna Ruchat dem Tod ihres Vaters nach, der als Militärpilot tödlich verunfallte, als sie noch ein Kind war. Sie tut dies aus drei Perspektiven, in einer Art Triptychon: Zuerst aus der Sicht des Mädchens von damals, danach erzählt der Vater seine Version, und schliesslich macht sich die erwachsene Sofia-Anna auf, von heute aus den 'Hunter'-Absturz zu erforschen. Das Mädchen lebt mit der Mutter zusammen. Nur ist da noch ein grosser Abwesender. Er scheint in den trockenen Zeilen eines militärischen Rapports über einen Flugunfall zu stecken. Aus diesem Rapport dringt die Stimme ihres Vaters, der erzählt, wie es zum Absturz kam. Schliesslich versucht die erwachsene Sofia-Anna die beiden Versionen zusammenzubringen. Sie folgt den einzelnen Stationen seines letzten Flugs, wühlt in Archiven, spricht mit Menschen, die ihn gekannt haben. Sie findet ein Wesen, das menschlich ist wie ein Geist und gespensterhaft wie ein Mensch.

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  • Rezension zu "Schattenflug/Volo in ombra" von Anna Ruchat

    Schattenflug

    Clari

    28. November 2012 um 18:05

    Eine Spurensuche.... Im Nebel versunken sind Zeit und Raum für ein kleines Mädchen. Sie lebt mit der Mutter und zuweilen bei der Großmutter und weiß, dass es da noch einen gab. An ihn aber hat sie keine Erinnerung. Mit Assoziationen und ungenauen Empfindungen plagt sich das kleine Mädchen Sofia. Sie wird von der Mutter umsorgt und gehütet. Die Mutter ist eine schöne Frau. Sie ist noch sehr jung, als der Vater mit dem Militärflugzeug verunglückt. Es sollte sein letzter Flug werden; er hatte es der Mutter versprochen. Doch da war das mechanische Unglück seiner Maschine, das ihn im Oktober 1960 in den Tod riss. In zahlreichen Bildern lässt uns die Autorin Anna Ruchat teilnehmen an ihrem eigenen Leben, in dem es für sie keinen Vater gab. Ihre Protagonistin Sofia ist ein liebes und stilles Kind, das sich gut zu beschäftigen weiß. Doch die Angst vor etwas Unbekanntem durchzieht ihr Leben. 53 Sekunden bis zum Aufschlag des Flugzeugs: ahnte der Vater noch, wie das Leben für Mutter und Tochter weitergehen würde? Diese Frage beschäftigt die verlassene Tochter noch Jahre nach dem Unglück, bei dem sie zu klein war, um zu wissen, was sein Tod für die Mutter und ihr Kind bedeuten könnte. Aus drei Perspektiven schaut Anna Ruchat auf den Unfall des Vaters: aus den Augen des Kindes Sofia, aus der fantasierten Perspektive des Vaters und aus ihrer eigenen als erwachsene Frau. In kurzen Sätzen, die wie Gedankenblitze das Leben von Sofia einfangen, gerät das Buch zu einer freien Assoziationskette, in der die Gefühle des Kindes emporschlagen, um schnell wieder im Nichts zu verschwinden. Sie sieht und hört alles, weiß es aber nicht einzuordnen. Die Mutter lebt ihr eigenes freies Leben. Sie hat Freunde und feiert Feste. Doch mit ihren Gefühlen bleibt sie dem Kinde fern. Es ist die Mischung aus literarischer Aufbereitung und Dokumentation, das den Reiz dieser kurzen Lektüre ausmacht. Jedes Teil steht für sich, denn die erwachsene Frau hat nur noch entfernt mit dem vereinsamten Kind von einst zu tun. Die Tragik des Geschehens zieht sich jedoch durch das ganze Buch. Eine junge Familie mit Hoffnungsplänen ist mit der Maschine des Vaters zerschellt. Hat sich der Vater am Ende sogar mit seinem Absturz den Unbilden des Lebens entzogen? Unterschwellig lebt diese Vorstellung in der Mutter fort. Anna Ruchat beendet ihre Suche nach dem Vater mit dieser Erzählung. Sie ist ihr gelungen! Die beiden Übersetzerinnen sind Gewähr für die einwandfreie Übersetzung aus dem Italienischen. Ist doch Maja Flug von vielen Übersetzungen und der Beschäftigung mit dem Werk von Natalia Ginzburg wohl bekannt.

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