Finn und Amelie sind Poetry Slammer. Beide stehen gerne auf der Bühne und tragen ihre Texte vor, von denen auch einige in diesem Buch zu lesen sind. Beide arbeiten auf den Sieg der Meisterschaft in Zürich hin, zu der sich letztlich auch beide in zahlreichen Wettbewerben qualifizieren. Auf dem Weg dorthin begegnen sich Finn und Amelie, sie fühlen sich voneinander angezogen, doch zunächst weiß Finn nicht, wen er vor sich hat. Die anfängliche Verliebtheit reibt sich an vielen Problemen auf, die die beiden mit sich tragen. Finn kommt aus "gutem Hause", aber dennoch ist die familiäre Situation unter der glatten Fassade schwierig. Er trägt in den Wettbewerben die Texte seiner Schwester vor, die sich nicht auf die Bühne traut. Die Eltern geben Finn die Schuld an der prekären Situation, an Verständnis und Entgegenkommen jedweder Art mangelt es und so sind die Fronten verhärtet. Amelie sorgt neben dem Studium für die kleinen Zwillingsgeschwister und kümmert sich auch liebevoll um die alleinerziehende Mutter, die am Leben und den Sorgen zu zerbrechen scheint. Sie verlässt sich etwas zu gerne auf ihre Älteste, die viel an Last und Sorge mit sich trägt.
Finn und Amelie werden sehr gut vorgestellt, sie sind vielschichtig, sympathisch und damit tolle Hauptfiguren, aber auch die Nebenfiguren wurden detailreich angelegt. Obwohl die Welten und damit die Voraussetzungen so unterschiedlich sind, eint sie Verletzungen und Dysfunktionalität. Amelie und Finn passen gut zueinander, aber so einfach funktioniert das nicht, denn keiner möchte über seine Geheimnisse oder die Vergangenheit reden. Trotz aller Probleme sind sie hilfsbereite zugewandt Menschen, was authentisch vermittelt wird.
Die Poetry Slam Texte - eine Gattung für dich ich mich normalerweise nicht begeistere - unterstützen die Geschichte wirkungsvoll und legen Gefühle auf besondere Weise offen. Hier habe ich das sehr gerne gelesen.
Die Figuren, auch die Nebendarsteller, entwickeln sich glaubhaft und nachvollziehbar weiter. Immer wieder kommt es zu Situationen, Enttäuschungen und Missverständnissen, die Finn und Amelie weiter auseinander treiben. Das hält den Spannungsbogen in der angenehm zu lesenden Geschichte hoch.
Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Die Figuren und ihre Probleme wirken real, ich habe sie gerne begleitet und mitgefiebert, sowohl was die Beziehung, als auch die Wettbewerbe angeht.



