Anna Seghers Die Entscheidung

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Inhaltsangabe zu „Die Entscheidung“ von Anna Seghers

413 S. N.-A. (Quelle:'Flexibler Einband/01.05.1994')
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  • Rezension zu "Die Entscheidung" von Anna Seghers

    Die Entscheidung
    Heike110566

    Heike110566

    22. January 2012 um 09:38

    Der Nazismus ist geschlagen, Deutschland in vier Besatzungsmächte geteilt. Auch der Konzern Bentheim ist von den Folgen der neuen Gliederung betroffen. Ein großes Werk liegt in Kossin, in der sowjetischen Besatzungszone, andere in den westlichen Besatzungszonen, wie das in Hardenberg. Das Werk in Kossin wird zum Volksbetrieb. Aber der Neubeginn ist schwierig, denn noch nie zuvor lag die Kontrolle über das Unternehmen in den Händen der Belegschaft. Sie muss dafür sorgen, dass der Betrieb läuft, aber die Erfahrung und auch die Kenntnisse fehlen, was zu Problemen führt. In den Westbetrieben hingegen läuft die Produktion unter der Ägide der alten Eigentümer wieder an. Und dies erfolgreich, weit erfolgreicher als im Kossiner Werk. Die Entwicklung der Jahre 1945 bis 1951 rund um die Unternehmen der Bentheims bilden den Handlungsrahmen für diesen Roman. Den personellen Rahmen bildet aber die Geschichte der drei Interbrigadisten des Spanien-Krieges Robert Lohse, Richard Hagen und Herbert Melzer, die zwar die Gemeinsamkeit des Widerstandes gegen den Franco-Faschismus verbindet, die aber danach doch recht unterschiedliche Wege genommen haben. Während Robert nur einfacher Schlosser in Kossin geworden ist, ist Richard kommunistischer Parteiarbeiter geworden und Herbert lebt als Schriftsteller und Journalist in den USA. Ein großer Teil des Romans sind Gespräche. Man lernt dabei die unterschiedlichsten Denkansätze kennen. Und es wird klar dabei auch, dass durchaus gar nicht unbedingt die Arbeiter in ihrer Gesamtheit so begeistert sind, dass sie nun die Eingentümer und Verantwortlichen der betriebe sind. Nach dem Motto "Schuster, bleib bei deinen Leisten" hat ein teil nicht das Zutrauen, dass sie die alten Herren ersetzen können. Sie wissen, dass sie arbeiten, hart arbeiten können, aber sie sind eben keine Strategen und großen Denker. Und viele sind auch frustriert: sie arbeiten unermüdlich, aber ihre Situation verbessert sich kaum. Ein besonderer Rückschlag kommt hinzu, als ein erheblicher Teil der Führung des Kossiner Volksbetriebes in den Westen geht. Anna Seghers glorifiziert nicht das Leben in der SBZ und in der daraus entstehenden der DDR. Vielmehr zeigt sie, wie schwierig es ist, die Menschen für die neuen sozialistischen Ideen zu gewinnen. (Dieses Problem blieb ja bis zum Ende der DDR 1989/90: der Großteil der Bevölkerung wollte einfach nur leben, sah sich nicht im Klassenkampf mit der Bourgeoisie. Und die Vordenker der Arbeitermacht waren leider oftnicht in der Lage, die Menschen argumentativ zu gewinnen, sondern versuchten es mit anderen, mit dirigistischen und repressiven Mitteln, was natürlich Unmut und Opposition hervorruft.) Und auch die Mangellage im Lebensstandard der Menschen in der SBZ und der DDR wird von der Autorin benannt und zudem kontrastiert durch die bessere Situation in den Westzonen und der späteren BRD. Sozialistischer Realismus, als künstlerischer Grundlagenbegriff, bedeutet nicht die Verherrlichung des Sozialismus und der DDR, wie heutzutage oft behauptet wird. Vielmehr, und dies wird einem klar, wenn man sich etwas intensiver mit diesem literarischen Epochenbegriff auseinandersetzt, dass es sich um eine bestimmte Erzählweise handelt, in der zB die einfachen Menschen (Arbeiter usw) im Mittelpunkt stehen, deren Lebenssituation erzählt wird: Menschen, die durchaus nicht immer heroische Übermenschen sind, Menschen, die Fehler machen, Menschen, die nicht das Leben einer abgehobenen fernen Schicht führen, sondern die Welt der Leser. Und da dies nunmal das Leben in der sozialistischen Gesellschaft war, sind solche Romane natürlich auch davon geprägt. Und viele der literarischen Werke, so auch dieses, sind dabei von einer großen Realität gekennzeichnet. Anna Seghers (1900-1983) ist eine herausragende Dichterin. Ihr Schreibstil ist von einer großen Poesie, was den Roman auch zu einen Lesegenuss macht. Hier mal als Abschluss zwei Beispiele: 1. "Es war Abend geworden. Er schlenderte in den Straßen umher. Das Gewimmel schluckte sein einzelnes Leben." 2. "Der Krieg hat auch in diese Stadt gehörig hineingebissen."

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  • Rezension zu "Die Entscheidung" von Anna Seghers

    Die Entscheidung
    Gert

    Gert

    30. December 2010 um 13:30

    Dieses gilt als ein Roman des sozialistischen Realismus und Anna Seghers ist natürlich eine recht bedeutende Schriftstellerin der Nachkriegszeit. Dieses Buch ist Ende der 50er geschrieben und beschreibt den Aufbau Deutschlands sowohl im Osten unter russischer als auch im Wester unter amerikanischer Ägide. Man macht es sich aber zu leicht, dieses Buch als ein DDR glorifizierendes Beispiel zu sehen. Die Protagonisten, und da gibt es sehr viele, kann man, je nach politischer Vergangenheit in der Nazi Zeit, schon in good boys und bad boys einreihen. Und die endlosen Beschreibungen der Diskussionen des Aufbau des DDR Stahlwerks Kossins und gleichzeitig die gesellschaftlichen Verhältnisse im Westen haben manchmal doch recht propagandistische Züge. Das ist aber bei der DDR Literatur aus den 50Jahren verständlich. Das Lesen ist doch etwas sehr mühsam und langatmig, daher habe ich dann ab der Mitte es beiseite gelegt. Es gab für mich keinen Spannungsbogen, auch wenn es verschiedenste Handlungsorte gab, der mich an der Lektüre weiter interessiert hätte.

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