Anna Weidenholzer

 3.4 Sterne bei 31 Bewertungen
Anna Weidenholzer

Lebenslauf von Anna Weidenholzer

Anna Weidenholzer, geboren in Linz im Jahr 1984, studierte in Wien und Breslau "Vergleichende Literaturwissenschaft" und lebt auch in Wien seit 2002. Neben dem Studium arbeitete sie im Regionalressort einer Tageszeitung, danach als Journalistin für die Oberösterreichischen Nachrichten und ist seit 2010 freischaffende Schriftstellerin. Seit 2009 veröffentliche Weidenholzer bereits in Literaturzeitschriften und Anthologien, worauf 2010 der Erzählband "Der Platz des Hundes" folgte. Mit ihrem ersten Roman "Der Winter tut den Fischen gut" war sie für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Auch ihr zweiter Roman "Weshalb die Herren Seesterne tragen" wurde für den Deutschen Buchpreis 2016 nominiert.

Alle Bücher von Anna Weidenholzer

Der Winter tut den Fischen gut

Der Winter tut den Fischen gut

 (24)
Erschienen am 04.09.2012
Weshalb die Herren Seesterne tragen

Weshalb die Herren Seesterne tragen

 (7)
Erschienen am 29.08.2016
Der Platz des Hundes

Der Platz des Hundes

 (0)
Erschienen am 24.09.2010

Neue Rezensionen zu Anna Weidenholzer

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Xirxes avatar

Rezension zu "Weshalb die Herren Seesterne tragen" von Anna Weidenholzer

Ein toller Titel macht noch lange kein gutes Buch
Xirxevor 2 Jahren

Der Titel dieses schmalen Büchleins fiel mir gleich ins Auge: Ja weshalb tragen denn die Herren Seesterne? Wenn es dazu noch auf der Longlist des Deutschen Buchpreises steht, dann muss sich die Lektüre doch lohnen, oder ;-) ?
Um es kurz zu machen: eher nicht. Die Hauptfigur ist Karl, ein pensionierter Lehrer, der im Gegensatz zu seiner Ehefrau Margit nicht so recht etwas mit sich anzufangen weiß. Er möchte die Welt verstehen, die Menschen, "... woher diese Unzufriedenheit kommt, diese Angst, die manche in die falsche Richtung treibt." Auf der Grundlage des Fragebogens zum bhutanischen Bruttonationalglück will er seine eigene Befragung starten und fährt los, ohne Margit zu informieren. In einem kleinen Dorf quartiert er sich in einem Gasthof ein und versucht, sein Projekt umzusetzen. Doch es geht nur stockend voran...
Der Aufbau der Geschichte ist anders als meine Zusammenfassung es hier vermutlich suggeriert. Es wird konsequent Alles aus Karls Sicht berichtet und zwar nicht chronologisch, sondern mit Sprüngen in diverse Vergangenheiten. Zu Beginn ist Karl bereits wieder auf der Rückreise, auf der er sich das Geschehene nochmals durch den Kopf gehen lässt. Dabei springt er in seinen Erinnerungen auch in Zeiten davor, sodass man Margit und ihren Sohn Helmut kennenlernt (ohne ihnen im Buch als realistische Figuren zu begegnen), seine Nachbarn daheim, aber auch eine Jugendliebe.
Eine richtige Geschichte ist es eher nicht, denn der Aufenthalt im Dorf plätschert so dahin und die weiteren Erinnerungen sind eher Stückwerk. Auf mich wirkte es wie die Darstellung eines furchtsamen Mannes, der versucht zu erfahren, wie man glücklich, besser: zufrieden leben kann. Denn auch wenn er seine Frau Margit offensichtlich liebt, machte er auf mich während der ganzen Lektüre weder einen glücklichen noch zufriedenen Eindruck. Zwar ist es deutlich, dass sie die Dominante in der Ehe ist, es wird aber nie explizit dargestellt und Karl scheint nicht darunter zu leiden (oder wenn, dann nur still und leise). Vielmehr hatte ich das Gefühl, als hätte er stets Angst, seine Frau zu verärgern oder zu verlieren, ohne dass es dafür einen konkreten Hinweis gibt.
Die Autorin versteht es durchaus, eine Atmosphäre aufzubauen und schöne Sätze zu schreiben ("Ich möchte in einer Gesellschaft leben, die so gut ist, dass keine Hoffnungen auf ein Leben nach dem Tod aufgespart werden müssen."), doch sie alleine machen ein Buch noch nicht lesenswert. Es fehlt einfach eine Geschichte, ein Ansatz, an dem sich die eigene Phantasie entlanghangeln könnte. Karl, sein Umfeld und auch sein Projekt bleiben derart farblos, dass ich vermute, dass ich Alles beim nächsten Buch schon wieder vergessen haben werde.
Und weshalb tragen die Herren nun Seesterne? Hm, tja, ich befürchte, ich weiß es schon nicht mehr so genau. War auch nicht so wichtig.

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Karin_Kehrers avatar

Rezension zu "Weshalb die Herren Seesterne tragen" von Anna Weidenholzer

Die ewige Suche nach dem Glück
Karin_Kehrervor 2 Jahren


Der pensionierte Lehrer Karl Hellmann macht sich spontan auf den Weg, die Frage nach dem Lebensglück zu erforschen. Dazu bedient er sich adaptierten Fragebögen, in denen das „Bruttonationalglück“ des Königreichs Bhutan ermittelt wurde. Er quartiert sich in einem Schiort ohne Schnee ein, in einem Hotel, dessen einziger Gast er ist. Von hier aus beginnt er seine Forschungen. Doch bald laufen die Befragungen aus dem Ruder. 

Das Buch von Anna Weidenholzer stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis und das hat mich neugierig gemacht, obwohl ich normalerweise anspruchsvollerer Literatur gegenüber skeptisch bin. Diese Skepsis hat mir auch diesmal wieder recht gegeben.
Die Thematik – Erforschung des Glücks – ist ja nun nicht unbedingt neu und wurde schon unter allen möglichen und unmöglichen Gesichtspunkten behandelt, wobei die esoterische Komponente oft eine Rolle spielt.
Das ist hier nicht der Fall. Karl Hellmann ist knochentrockener Realist, allerdings ein sehr unsicherer. So ist es kein Wunder, dass der Frager bald selbst zum Befragten und das ohnehin vage Konzept, das er sich zurechtgelegt hat, immer wieder umgestoßen wird. Die Befragungen führen am Ende zu nichts. Er hätte seine Frau Margit gebraucht, um eine Linie in sein Vorhaben zu bringen, aber die hat er ja Hals über Kopf verlassen. 
Die 190 Seiten sind zudem sperrig zu lesen. Unvermutete Zeitsprünge, Wechsel von dritter Person zu Ich-Erzähler, direkte Reden, die nicht als solche gekennzeichnet sind, zum Teil auch nur fragmentarisch. Dazwischen immer wieder kurze Abschnitte, aus dem Zusammenhang gerissen, die für mich überhaupt keinen Sinn ergaben, erschweren die Lektüre.
Bei manchen Dialogen kam allerdings schon eine eigene Dynamik zustande und es entstehen durchaus eindringliche Bilder von Menschen in ihrem Alltag.
Das Ende hat mich leider mit einem großen Fragezeichen zurückgelassen.

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sursulapitschis avatar

Rezension zu "Weshalb die Herren Seesterne tragen" von Anna Weidenholzer

Amüsant, originell und sperrig
sursulapitschivor 2 Jahren

Karl Hellmann ist frisch pensioniert und in so einer Situation befällt manch einen schon mal eine Lebenskrise. Er sucht nach neuen Herausforderungen und beschließt, in einem willkürlichen Ort, die Bevölkerung zu befragen, um herauszufinden, was Menschen glücklich macht.
Den Fragebogen für seine Glücksforschung hat er basierend auf dem buthanischen Formular zur Ermittlung des Bruttonationalglücks entwickelt, gemeinsam mit Margit, seiner Frau, die er dann einfach allein lässt, um seine Forschungsreise zu beginnen. Karl hat ein schlechtes Gewissen, aber auch eine Mission.

„ Ja, ich weiß, ja, das ist, aber wir hatten in nächster Zeit ohnehin nichts geplant. Ja, tatsächlich, dieses Vorhaben, von dem ich vor drei Tagen, Margit? Ja. Ich weiß. Aber mir genügt es nicht, einen Kurs zu besuchen, das hat nichts mit der Pensionierung zu tun. Margit? Ja, es hätte besser kommuniziert werden müssen. Ich weiß, du bist kein Mädchen mehr. Nein, das bin ich nicht, das könnte das größte – ja. Ja, ich weiß.“

Dieses Buch macht es dem Leser nicht leicht, auch wenn man anhand des Klappentextes eher Heiteres vermutet. Die Handlung springt zeitlich hin und her. Mal ist Karl auf der Rückreise, von Sorgen zerfressen, was Margit wohl sagen mag. Und dann ist er wieder in diesem schneelosen Skiort ohne Gäste, oder er erinnert sich an Begebenheiten aus seinem Leben, führt innere Monologe, hadert mit sich und seinem Leben. Zwischendurch telefoniert er mit Margit, wenn sie denn mal ans Telefon geht. Gelegentlich liest man auch nahezu Kryptisches.
Das Fehlen jeglicher Kennzeichnung für wörtliche Rede ist originell und kurios, erschwert aber sehr das Verständnis. An dieser Stelle hätte ich mir ein wenig Gnade mit dem Leser gewünscht, der ohnehin schon viel zu Knabbern hat.

Die Grundstimmung ist melancholisch, die Wirtin des Hotels mürrisch, Karl sehr grüblerisch, aber die Autorin zeigt überall einen grandiosen Humor, der das Lesen dieses eher sperrigen Textes dann doch wieder vergnüglich macht.

„Also, sagt M3: Kommst du zur Welt, hast du zwei Möglichkeiten: hier oder anderswo. Anderswo wäre gut für dich, kommst du hier zur Welt, hast du zwei Möglichkeiten: reiche Eltern oder nicht. Reiche Eltern wären gut für dich, bei armen Eltern hast du zwei Möglichkeiten: Du kommst zu einer Volksschullehrerin, die dich trotzdem fördert, oder nicht. Fördern wäre gut für dich, ist es nicht so, hast du zwei Möglichkeiten: Prammer oder Eder, Mechaniker oder Dachdecker, zumindest war das vor fünfzehn Jahren so. Prammer wäre gut für dich, bei Eder hast du zwei Möglichkeiten: gehen oder bleiben. Gehen wäre gut für dich, bleibst du, hast du zwei Möglichkeiten: durchhalten oder durchdrehen. Durchhalten wäre gut für dich, drehst du durch, hast du zwei Möglichkeiten: vollkommen oder die Eltern klären es.“

Ich bin ein wenig hin-und hergerissen, wie ich das bewerten soll. Anna Weidenholzer ist ganz sicher eine Meisterin ihrer Zunft. Ich hätte auch toleriert, dass ich mich hier und dort durch den Text beißen musste, weil an anderer Stelle genial komische Passagen das Durchhaltevermögen belohnen. Nur hätte ich mir dann doch eine fulminante Überraschung für den Schluss gewünscht, oder dass diese Reise Karl wenigstens zu bahnbrechenden Erkenntnissen verhilft. Möglichkeiten gäbe es da viele, aber das bleibt offen. So begleitet man eben einen Pensionär in seiner Sinnkrise. Er hat einiges gelernt, aber wird es sein Leben verändern?

„Weshalb die Herren Seesterne tragen“ ist ein originelles Buch. Es fordert den Leser, packt ihn aber nicht und die Botschaft ist entweder zu gut versteckt oder zu mager, um zu treffen.

Kommentare: 3
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Gespräche aus der Community

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TanjaMaFis avatar

Fragerunde mit Anna Weidenholzer zu "Weshalb die Herren Seesterne tragen"

Auch in diesem Jahr habt ihr wieder die Möglichkeit, Autoren der Longlist des Deutschen Buchpreises 2016 Fragen zu ihren Werken zu stellen und ihre Bücher zu gewinnen. Welches Buch ist euer Favorit? Hier könnt ihr abstimmen!

Zu unserer großen Freude ist auch Anna Weidenholzer bei unserer Fragerunden-Aktion zum Deutschen Buchpreis dabei. Ihr nominierter Roman "Weshalb die Herren Seesterne tragen" hinterfragt eindringlich was Glück ist und bringt dabei zu Tage, was tief in uns verborgen liegt – unsere Zweifel, Ängste und unser Unglück.

Mehr zum Inhalt
Karl, ein pensionierter Lehrer, macht sich eines Tages auf, herauszufinden, was das Glück sei. Einen nur leicht veränderten Fragebogen im Gepäck, mithilfe dessen das ›Bruttonationalglück‹ in Bhutan ermittelt wird, lässt sich der Glücksforscher in einem schneelosen Skiort nieder, dessen Bewohner er nun in unbekanntem Auftrag nach ihrer Lebenszufriedenheit befragen will. Das Hotel Post, in dem Karl als einziger Gast unterkommt, wird bewirtschaftet von einer namenlosen Frau und ihrer Hündin Annemarie. Von hier aus beginnt er seine Forschungen, unterbrochen von konfliktgeladenen Telefongesprächen mit seiner Frau Margit. Bald erhält seine Reise Züge einer Flucht, und der Fragende wird unmerklich zum Objekt der Befragung anderer.

Neugierig geworden? Hier geht es zur Leseprobe!

Mehr zur Autorin
Anna Weidenholzer, geboren in Linz im Jahr 1984, studierte in Wien und Breslau "Vergleichende Literaturwissenschaft" und lebt auch in Wien seit 2002. Neben dem Studium arbeitete sie im Regionalressort einer Tageszeitung, danach als Journalistin für die Oberösterreichischen Nachrichten und ist seit 2010 freischaffende Schriftstellerin. Seit 2009 veröffentliche Weidenholzer bereits in Literaturzeitschriften und Anthologien, worauf 2010 der Erzählband "Der Platz des Hundes" folgte. Mit ihrem ersten Roman "Der Winter tut den Fischen gut" war sie für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Auch ihr zweiter Roman "Weshalb die Herren Seesterne tragen" wurde für den Deutschen Buchpreis 2016 nominiert.

Zusammen mit dem Verlag Matthes und Seitz verlosen wir unter allen Fragestellern 2 Exemplare von "Weshalb die Herren Seesterne tragen". Außerdem haben alle, die an den Fragerunden teilnehmen, die Chance auf ein großes Buchpaket mit allen Titeln, die auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stehen!

Anna Weidenholzer wird am Montag, 12.09.2016 zwischen 15 und 19 Uhr eure Fragen beantworten. Bitte beachtet, dass wir die Fragerunde dementsprechend schließen werden.

Ich bin gespannt auf eure Fragen und wünsche euch viel Spaß!


Bitte beachtet auch unsere Richtlinien: http://www.lovelybooks.de/info/richtlinien-lr-bv/
Himmelfarbs avatar
Letzter Beitrag von  Himmelfarbvor 2 Jahren
Herzlichen Glückwunsch Euch beiden!!
Zur Buchverlosung

Zusätzliche Informationen

Anna Weidenholzer wurde am 01. Januar 1984 in Linz (Österreich) geboren.

Anna Weidenholzer im Netz:

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auf 5 Wunschlisten

von 3 Lesern gefolgt

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