Annabel Abbs Die Tänzerin von Paris

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Inhaltsangabe zu „Die Tänzerin von Paris“ von Annabel Abbs

Tanz war meine Antwort – auf alles, was das Leben mir abverlangte. James Joyce war ihr Vater. Samuel Beckett war ihr Geliebter. Dies ist ihre Geschichte. Paris, 1928: Die junge, talentierte Lucia Joyce steht vor ihrem Durchbruch als Tänzerin. Doch ihr Vater – ein Wegbereiter der literarischen Moderne – beobachtet das Streben seiner Tochter nach einem selbstbestimmten Leben mit Argwohn. Als Lucia dem Schriftsteller Samuel Beckett begegnet, verliebt sie sich leidenschaftlich, wird jedoch schon bald bitter enttäuscht. Als dann ein lange verborgenes Geheimnis ihrer Familie ans Licht kommt, droht Lucias Hoffnung, sich aus dem Schatten des übermächtigen Vaters zu befreien, dramatisch zu scheitern. Nach der wahren Geschichte von Lucia Joyce.

Mitreißend - Niederschmetternd- Großartig! (Leider sind Coverdesign & Titel der deutschen Ausgabe ein vollkommener Fehlgriff)

— Absentha

Wenn ein berühmter Vater zum Fluch wird - toll geschrieben!

— Isaopera

Lucia Joyce, Tocher einer Legende der Literatur, Geliebte eines legendären Autoren, selbst aber niemals das was sie wirklich will

— Sturmherz

Eine sehr bewegende Geschichte...

— MalaikaSanddoller

Lucias Geschichte hat mich sehr bewegt. Es war erschreckend mit zu verfolgen, wie aus einer talentierten Frau ein psychisches Wrack wird.

— hasirasi2

Streckenweise langatmige Analyse der Lucia Joyce zwischen Fiktion und Wahrheit.

— SinjeB

Wahre Geschichte, Cover thematisch irreführend

— nicekingandqueen

Ein steter Bilder- und Gefühlsrausch!

— Monika58097

Ergreifende Geschichte der Lucia Joyce.

— ClaraOswald

Freud'sche Psychoanalyse meets Geschichte der Tochter James Joyces. Interessanter Aufbau, aber altmodiches Thema. Vintage-Charme!

— MrsFraser

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Kukolka

Hammerharte Realität, hammerhart erzählt. aber Umsetzung + Stil waren leider nicht so mein Fall. Sehr distanziert. Dennoch grausame Realität

Yuyun

Lauter gute Absichten

Kurzweilige Geschichte um einen angry young man, der sich gegen die Familie auflehnt - und an den eigenen Ansprüchen scheitert.

Marina_Nordbreze

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  • Wenn ein berühmter Vater zum Fluch wird

    Die Tänzerin von Paris

    Isaopera

    17. September 2017 um 23:08

    "Die Tänzerin von Paris" ist vor einiger Zeit im Rahmen der Künstlerinnen-Reihe im Aufbau-Verlag erschienen, in der jedes einzelne Buch einen Blick wert ist. Die Geschichte der jungen Lucia Joyce ist unheimlich spannend, aber auch tragisch - das Schicksal einer jungen Frau, die selbst große Ziele im Leben hat, aber zwischen einem berühmten Vater und kaum weniger berühmten Liebhaberin schließlich den Wahnsinn findet. Ich selbst bin mit dem Werk von James Joyce nicht wirklich vertraut, interessiere mich aber seit der Lektüre dieses Buches noch mehr dafür. Toll finde ich es, dass man im Internet selbst Fotos und Zusammenhänge dieser Geschichte recherchieren kann - dabei hilft auch das ausführliche Nachwort.Besonders hervorzuheben ist für mich der wunderbare Schreibstil von Annabel Abbs. Ich war wirklich sofort von der Geschichte gefangen - von dieser Autorin würde ich alles lesen! Obwohl die Geschichte zunehmend düsterer wurde und mir der fröhlichere Anfang vielleicht tatsächlich noch ein wenig mehr zugesagt hat, ist es unglaublich, wie intensiv man die Handlungsentwicklungen mitfühlt und was für eine Wut ich als Leserin auf meine Mitglieder von Lucias Familie entwickelt habe. Wirklich ein emotional intensives und authentisches Buch vor einer spannenden historischen Kulisse - Leseempfehlung!

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  • Ich will richtig tanzen, nicht nur so als ob

    Die Tänzerin von Paris

    Sturmherz

    13. September 2017 um 12:27

    Phuuu, wo soll ich nur anfangen, nach langem hin und her habe ich dann das gewonnene Buch trotzdem noch vom Aufbau Verlag bekommen und mich waaaahnsinnig gefreut es beginnen zu lesen. Habs immer Abends gelesen, dann wenn ich Ruhe hatte, die Geschichte verlangt das meiner Meinung nach. Jetzt habe ich das Buch beendet und bin noch immer sprachlos, schockiert und höchst irritiert.Lucia Joyce, die Tochter des grosses, legendären Autoren James Joyce bekommt in diesem Roman die Möglichkeit dem Leser zu erzählen was ihr in ihrem Leben wiederfahren ist.Wohlbehütet im engen Kreis der Joyce-Familie wächst Lucia in den 20er Jahren in Paris auf. Die Familie ist streng katholische und legt viel auf Anstand und Moral. Lucia ist ihres Vaters Augenstern und packt an wo sie nur kann. Ihre eigenen Bedürfnisse stellt sie hinten an, das Wohl der Familie ist wichtiger. Bis zum Tag an dem sie merkt das Tanz ihre grosse Leidenschaft ist. Dieser Leidenschaft möchte sie nachgehen. Begabt wie sie ist stürzt sie sich mit grossem Eifer in ihre neue Leidenschaft, merkt aber bald das diese Leidenschaft nicht von ihren Eltern unterstützt wird. Im Gegenteil, der Wunsch das Lucia gerne öffentlich auftreten möchte als Tänzerin ist ihren Eltern peinlich. Gerade ihr Vater, ein Wegbegleiter der modernen Literatur stellt sich ihr in den Weg und möchte ihr das Tanzen verbieten. Wenn, dann soll sie nur für ihn alleine tanzen, als Inspiration. Die Mutter wiederum versucht Lucia fast zu erpressen, sie soll lieber dem Vater helfen, mit Bücher binden, etc. nicht so sehr auf sich selbst fixiert sein. Die Gesundheit der Mutter wird da gerne als Druckmittel genommen. Dann ist da noch Samuel Beckett ein junger, aufstrebender Autor, ebenfalls im illustren Kreis der Joyce-Familie. Zu ihm fühlt sich Lucia hingezogen, verliebt sich Hals über Kopf in ihn und merkt dabei nicht das er nur vordergründig ihre Gefühle erwidert. In Wahrheit sie aber nur benützt.Zunehmend leidet Lucias geistige Gesundheit unter der belastenden Situation in der Familie und dem Verbot nach eigener Verwirklichung. Es kommt wie es kommen muss und Lucia wird als Schizophren in eine Klinik für geistesgestörte Menschen eingeliefert. Das wahre Gefängnis hat sie also doch noch eingeholt, sie wird bis zu ihrem Tod in Anstalten für geistig beeinträchtige Personen bleiben.Ich hab mich wirklich auf die Geschichte gefreut muss aber ehrlich sagen, ich bin nicht zu 100% überzogen von der Geschichte. Die Autorin hat sich zwar redlich Mühe gegeben und mehr oder weniger gut recherchiert, trotzdem ist einiges für mich noch nicht fertig erzählt oder nur kurz gestreift. Trotzdem DANKE an den Aufbau Verlag das ich das Buch doch noch bekommen habe! Ich freue mich schon auf andere Bücher aus dem Verlag.

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  • Bedrückende Geschichte über Lucia Joyce

    Die Tänzerin von Paris

    LuluCookBakeBook

    10. September 2017 um 11:51

    „Tragisches Schicksal“ – ja, so kann man das nennen. Hätte ich vorher gewusst, was mich bei diesem Buch erwartet, hätte ich es vielleicht nicht gelesen. Lucia, die Tochter von James Joyce, ist eine talentierte Tänzerin, wird jedoch von ihrer Familie stark eingeschränkt und geht daran zugrunde.Die Gestaltung des Buches finde ich sehr gelungen. Es wird gut erkennbar, dass es sich um einen historischen Roman handelt und das Cover fügt sich schön in die Reihe der anderen „Mutigen Frauen zwischen Liebe und Kunst“ ein. Der Eiffelturm ist natürlich Pflicht, wenn die Geschichte in Paris spielt. „Ja, Tanz war meine Antwort. Was immer das Leben mir abverlangte, ich musste weitertanzen.“ (S. 40)Annabel Abbs‘ Schreibstil fand ich für einen historischen Roman typisch und passend. Zum Teil eher umständliche Sätze und viele ausschweifende Gedanken der Protagonistin. Nach dem ersten Kapiteln hatte ich mich gut eingelesen und verfolgte gespannt das Geschehen.Die Autorin erzählt die Geschichte in zwei Zeitebenen: Zum einen befindet sich Lucia 1934 in Zürich bei einem Arzt. Dort erleben wir die gemeinsamen Sitzungen der beiden. Deutlich ausführlicher gibt es Einblicke in Lucias Leben von 1928-1932, hauptsächlich in Paris. Man weiß also von Beginn an, dass sich Lucia am Ende in psychologischer Behandlung befinden wird und erlebt in der zweiten Ebene, wie es dazu kommt.Lucia ist ein schwieriger Charakter. Ihre Liebe zum Tanzen spürt man deutlich. Von ihrer Familie bekommt sie jedoch keine Unterstützung dafür. Sie ist die Muse für ihren Vater, der es jedoch lieber hätte, sie würde nur für ihn tanzen. Ihre Mutter begegnet ihr mit viel Verachtung, was ich überhaupt nicht verstehen konnte. In Bezug auf Männer wirkte Lucia sehr naiv auf mich. Stets erträumt sie sich nach wenigen Begegnungen sofort eine glückliche Ehe, in der sie endlich auf eigenen Beinen stehen und dem Tanzen nachgehen kann. Dass sie immer wieder abgewiesen wird, belastet sie natürlich. „Sie sollten mehr aus dem Haus gehen. Alle sind hier in Paris, um frei zu sein und sich zu amüsieren, und Sie leben wie eine Nonne im Kloster.“ (S. 313)Annabel Abbs hat eine Geschichte über Lucia Joyce geschrieben, die von einer jungen lebensfrohen Frau erzählt, die immer mehr in einen psychischen Abgrund stürzt. Das ist sehr bedrückend und erzeugt viel Mitgefühl. Wäre es eine fiktive Figur gewesen, hätte die Autorin sicherlich einiges anders gemacht und alles zu einem besseren Ende geführt. Was passiert ist, ist aber eben leider passiert. Insgesamt wirkten die Hintergründe und Fakten gut recherchiert.FazitLucia Joyce hatte kein einfaches Leben, was „Die Tänzerin von Paris“ zu einer recht bedrückenden Geschichte macht. Annabel Abbs ist ein guter historischer Roman gelungen, der sicher nicht für jeden etwas ist. Auf diese Geschichte muss man sich mit ein bisschen Zeit einlassen.

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  • Eine sehr bewegende Geschichte...

    Die Tänzerin von Paris

    MalaikaSanddoller

    31. August 2017 um 21:36

    Die Idee des Buches - um einmal nicht über den Superstar zu schreiben sondern über die Menschen in seinem Umfeld - gefällt mir sehr. Auch die Kapitel, die abwechselnd einmal im Behandlungszimmer von Doktor Jung und dann wieder in Lucias Vergangenheit spielen, finde ich sehr gelungen. Das gibt dem ganzen Buch eine gewisse Tiefe, ohne die das Buch nicht dasselbe wäre.Aber leider konnte mich Lucia als Protagonistin nicht überzeugen. Sie wirkte im grössten Teil des Buches irrsinnig naiv und das hat mir das Lesen sehr erschwert. Ich konnte sie nicht als unsympathisch abstempeln, da sie durch ihre Kindheit geprägt und in einem sehr schwierigen Familienverhältnis aufgewachsen ist - im Schatten ihres Vaters, dem berühmten Schriftsteller, im fast schon hassgleichen Verhältnis zu ihrer Mutter und mit einem Bruder, der eigentlich selbst in eine Heilanstalt gehen müsste.Für mich war es daher sehr schwer, eine Meinung über Lucia zu bilden, da ihre Geschichte so vielschichtig ist und die Autorin eine historische Figur beschrieben hat und daher ihre schriftstellerische Freiheit begrenzt war.Trotzdem empfehle ich das Buch an alle weiter, die in Lucia Joyce interessiert sind und denen es nichts ausmacht, dass sie ziemlich naiv ist und denjenigen, die über ein Mädchen lesen wollen, das durch ihre Eltern in einen Käfig gezwungen wird und nicht mehr hinaus kommt.

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  • Ein Buch mit Stärken und Schwächen

    Die Tänzerin von Paris

    sagall

    31. August 2017 um 19:02

    Teilweise etwas langatmig. Die Geschichte der Lucia Joyce hat mich aber sehr bewegt.

  • Wundervoll bestürzend geschrieben

    Die Tänzerin von Paris

    Thoronris

    31. August 2017 um 14:23

    Dieser Roman hat aufgrund des Covers und des Titels mein Interesse geweckt. Da ich selbst Tänzerin bin und vor kurzem erst in Paris war, habe ich ohne zu zögern zugegriffen. James Joyce steht zwar in meinem Regal, doch gelesen habe ich ihn nie, entsprechend wusste ich nicht, worauf ich mich bei einem biografischen Roman über seine Tochter einlassen würde. Nach der Lektüre ihres tragischen Schicksals blieb ich mehr als verstört und betroffen zurück. Ich empfehle euch also, eine Decke und eine Tasse heißen Tees zu nehmen, denn auch eine Besprechung dieses Romans wird nicht leicht.   Segen und Fluch der Psychoanalyse Die Geschichte eröffnet mit einer Szene im Jahr 1934 in Zürich, also nach den Ereignissen, um die es im Buch größtenteils gehen wird. Wir sehen Lucia Joyce in einer Therapiesitzung bei C. G. Jung, einem ehemaligen Wegbegleiter von Sigmund Freud, der sich jedoch zum Zeitpunkt dieser Therapie bereits von ihm abgewandt hatte. Hier erscheint Lucia verwirrt und merkwürdig fixiert auf Kleinigkeiten, die für den Leser noch rätselhaft bleiben. Dieser Epilog führt auf gelungene Weise dazu, dass man sich während der gesamten Erzählung bewusst ist, dass die junge Frau an tiefgreifenden psychischen Problemen leidet oder leiden wird. Das Lesen geschieht also von Anfang an unter besonderen Vorzeichen. Jung ist von Beginn an darauf fokussiert, Lucia von ihrem Vater James Joyce zu lösen. Er nimmt in einer Szene, die es mir kalt den Rücken runter laufen ließ, das Wort der Übertragung in den Mund und erklärte ihr, nur wenn ihr Vater Zürich (und damit sie) verlässt, kann eine Übertragung ihrer Gefühle für den Vater auf ihn, den Therapeuten stattfinden. Aus meinem Verständnis der Psychologie heraus ist eine Übertragung, insbesondere auf den Therapeuten, genau das Gegenteil dessen, was man erreichen will. Die Methoden der frühen Psychoanalyse scheinen mir mehr als ungeeignet für eine Heilung, entsprechend unwohl fühlte ich mich bei jeder Szene zwischen Lucia und Doktor Jung. Sie begleiten das Buch, da die eigentliche Geschichte die Erzählungen Lucias für Jung sind, und sie liefern auch wichtige Einblicke in das, was die tragischen Ereignisse ausgelöst hat. Dennoch wurde mir zunehmend übel, körperlich übel, wann immer eine Therapiesitzung eingebaut wurde.   Der lange Schatten des Vaters Die eigentliche Geschichte spielt im Paris Anfang der 1920er Jahre, erzählt aus der Ich-Perspektive von Lucia Joyce. Sie ist eine talentierte Tänzerin, hat ein stabiles, soziales Umfeld und hilft zu Hause aus, wo sie nur kann. Ihr berühmter Vater, James Joyce, hat ein Augenleiden, dass ihn zunehmenden erblinden lässt, so dass er auf die Hilfe seiner Tochter und einiger williger Schmeichler, wie Lucia sie nennt, angewiesen ist. Einer davon ist Samuel Beckett, ein ebenfalls aus Irland stammender Schriftsteller, der auf den ersten Blick ihre Liebe auf sich zieht. Obwohl das Paris der zwanziger Jahre eine freie, zügellose Stadt ist, wächst Lucia in einem strengen, irisch-katholischen Elternhaus auf, so dass sie emotional und sexuell völlig unerfahren ist. Während sie im Tanzen immer erfolgreicher wird, steigert sie sich zunehmend in ihre Liebe zu Beckett hinein, der ihr auch das ein oder andere Mal körperlich Nahe kommt. Hier zeigt sich die Macht eines unzuverlässigen Ich-Erzählers: Beinahe mühelos gelingt es Annabel Abbs, dem Leser vorzugaukeln, dass Beckett die Gefühle erwidert, während gleichzeitig stets unterschwellige Zweifel vorhanden sind, da man spürt, wie einseitig die Beobachtungen Lucias sind. Gleichzeitig kämpft sie mit ihrem berühmten Vater und der Mutter, die das ganze Leben nur auf das Wohlergehen des Vaters ausrichtet. Wo Lucia tanzen will, schlagen die Eltern vor, sie könnte das Bücherbinden lernen, um dem Vater zu helfen. Wenn sie tanzt, dann wünscht sich ihr Vater, dass sie es nur für ihn tut, nicht öffentlich, damit er von ihr inspiriert werden kann. Wann immer sie eigenständige Entscheidungen treffen will oder unabhängig von der Familie leben möchte, redet insbesondere ihre Mutter ihr ins Gewissen, dass sie den Vater nicht im Stich lassen kann, dass er sie braucht, sowohl pragmatisch als auch als Muse. Verzweifelt sieht man zu, wie sich darüber in Lucia ein immer größerer Hass auf die Mutter aufbaut, wie sie aber gleichzeitig immer wieder nachgibt und den Wünschen des Vaters nachkommt. Sie sieht sich selbst als Sprössling im Schatten einer uralten, mächtigen Platane.   Vergiftete Familienbeziehungen Familienbande sind Segen und Fluch zugleich. Nichts kann einem mehr Halt geben als das Wissen, dass die Eltern und die Geschwister immer und vorbehaltlos da sind, wann immer man sie braucht. Sie spenden Geborgenheit, sie kennen die tiefsten seelischen Leiden, sie lieben ohne Vorurteil. Genauso leicht kann die Beziehung zur Familie jedoch umkippen. Das Beispiel von Lucia zeigt tragisch und verstörend, wie diese eigentlich durch Liebe geprägte Beziehung vollkommen vergiftet wird. Wenn die Familienmitglieder nicht ebenbürtig sind, wenn die Wünsche der Kinder den Ambitionen der Eltern geopfert werden, wenn die Kinder ihren Wert beweisen müssen, statt bedingungslose Liebe zu erfahren, dann wird die Familie zum Gefängnis. Der Gegensatz zwischen Pariser Bohème und dem strengen Leben der Familie Joyce sind drastisch. Immer wieder muss sich Lucia beispielsweise von ihrer Mutter anhören, dass in Irland nur Schlampen und Huren tanzen. Das Thema der Scham wird subtil immer wieder im Roman aufgegriffen, denn auch wenn Lucia es selbst selten so nennt, entspringt viel ihrer Wut aus einem für sie nicht fassbaren Schamgefühl heraus. Während ihre Eltern sehr daran interessiert sind, die öffentlichen Gesangsauftritte ihres Bruders Giorgio zu besuchen, schämen sie sich beinahe für die Tanzauftritte der Tochter. Es ist Lucia von Beginn an unmöglich, ein gesundes Selbstbewusstsein aufzubauen. Die unterdrückten Kindheitserinnerungen, die Jung auszugraben versucht, tun ihr Übriges, um Lucias Erwachsenenleben ins Dunkel zu werfen. Es ist bemerkenswert, wie eindringlich Abbs diesen problematischen Komplex beschreibt, ohne dass man sich von der Psychoanalyse-Keule erschlagen fühlt. Ihr Schreibstil – und die grandiose Übersetzung durch Ulrike Seeberger – sind angemessen glamourös und bildgewaltig, aber auch einfühlsam und leise, wenn es sein muss. Zunächst unbemerkt schleicht sich immer mehr das in Lucias Betrachtungen ein, was in der damaligen Zeit gerne als Neurose bei Frauen beschrieben wurde. Abbs Schreibstil erlaubt es, dass wir uns das lebendige Paris ebenso wie die beklemmende Enge der Joyce’schen Wohnung plastisch vorstellen können.   Ein paar Kritikpunkte zum Schluss Das Buch ist mir über 500 Seiten sehr lang, dennoch bekam ich zum Ende hin das Gefühl, dass die Autorin zu schnell vorging. Neue Personen tauchten auf und ehe ich sie einordnen konnte, waren sie schon wieder verschwunden. Das steht in einem deutlichen Kontrast zum Anfang, wo manche Passagen beinahe zu ausführlich wirkten. Zudem wirkte insbesondere eine Figur auf merkwürdige Weise unbeteiligt, obwohl der Charakter zentral war. Hier hätte ich mir zumindest Andeutungen einer Beteiligung gewünscht, damit die Aufklärung, was das Kindheitstrauma war, ein wenig schlüssiger gewirkt hätte. Die Autorin hat gekonnt eine falsche Spur gelegt, doch dabei scheint es beinahe, dass sie sämtliche Beziehungen gekappt hat, auch jene, die notwendig gewesen wären. Darüber hinaus finden sich einige kleinere Logikfehler, die leicht vermeidbar gewesen wären oder, falls sie absichtlich vorhanden waren, ein wenig besser erklärt hätten werden sollen. So erfahren wir beispielsweise auf der einen Seite, dass die Mutter kaum Lesen und Schreiben kann, während sie aber andererseits sehr wohl Briefe geschrieben hat – und zwar Briefe, die sie definitiv nicht von einem Schreiber hätte anfertigen lassen. Der Roman ist faszinierend tiefgründig recherchiert, da fallen solche Fehler leider besonders auf. Aber für den Genuss der Geschichte selbst ist es glücklicherweise nicht erheblich.   FAZIT: Der Roman „Die Tänzerin von Paris“ von Annabel Abbs ist die verstörende, tragische Lebensgeschichte von Lucia, der Tochter des großen James Joyce. Mit ihrer bildgewaltigen Sprache schafft die Autorin es, uns das wilde Leben im Paris der zwanziger Jahre, aber auch das strenge Leben in dem irisch-katholischen Haushalt der Joyce-Familie näherzubringen. Emotional aufwühlend und eindringlich erleben wir den seelischen Niedergang von Lucia mit. Am Ende dieses Buches war ich völlig verstört, aber auch nachdenklich und interessiert daran, mehr über alle auftretenden Personen zu erfahren. Man muss sich auf dieses Buch einlassen, um es genießen zu können, doch wer offen und interessiert ist, wird definitiv belohnt.

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  • Eine tragische Geschichte

    Die Tänzerin von Paris

    zauberblume

    28. August 2017 um 17:37

    "Die Tänzerin von Paris" aus der Feder der Autorin Annabel Abbs ist ein äußerst gelungener Debütroman. Dieser Roman beruht auf der wahren Geschichte von Lucia Joyce und ihrem tragischen Schicksal. Die Autorin entführt und nach Paris und nach London und hier dürfen wir am Leben der Künstlerin teilhaben.Der Inhalt: Wir befinden uns in Paris im Jahr 1928. Die junge Lucia wird in der Behéme als Tänzerin gefeiert. Der neue Stern am Tanzhimmel. Doch wärde da nicht ihr Vater, der berühmte James Joyce, der als Schriftsteller seiner modernen Werke für manchen Wirbel sorgt. Lucia steht ständig im Schatten ihres Vater, dem auch das Streben seiner Tochter nach Selbstständigkeit nicht sonderlich gefällt. Lucia begegnet dem Schriftsteller Samuel Beckett, der ihre große Liebe wird. Doch ihre Hoffnungen, ihren eigenen Weg gehen zu können, drohen schon bald zu scheitern. Wieder ein toller Roman. Der Schreibstil der Autorin gefällt mir wirklich sehr gut. Man taucht sofort ein in die Geschichte von Lucia, die abwechseln von ihrer Zeit in Paris um 1928 erzählt und uns dann wieder nach Zürich entführt, hier befinden wir uns im Jahr 1934.Doch zuerst nach Paris. Hier wächst Lucia im Kreise ihrer Familie mit ihrem Bruder auf. Sie will eine berühmte Tänzerin werden und steht auch kurz vor ihrem Durchbruch als Ikone des Mondern Dance. Irgendwie fand ich es traurig, das Lucia nicht ihrern eigenen Weg gehen kann und ständig von ihren Eltern gebremst wird. Sie kann sich überhaupt nicht richtig entfalten, oft scheint es so, als würde ihr Vater ihr den Erfolg nicht gönnen. Ständig muss sie für ihn irgendwelche Aufgaben erledigen. Irgendwie habe ich mich für Lucia gefreut, als Sam in ihr Leben getreten ist. Aber das Schicksal schlägt oft andere Wege ein. Und dann ist da noch ihr Bruder, der eine ganz besondere Stellung in der Familie einnimmt und das hat mich manchmal geärgert. Ich denke, letztendlich ist es den ganzen Lebensumständen geschuldet, dass Lucia dann 1934 in Zürich landet. Aber ich will nicht zuviel verraten. Begeistert war ich auch von ganzen historischen Anmerkungen am Ende des Buches. Es war wirklich alles hochinteressant. Ein tolles Leseerlebnis, das mich begeistert hat. Auch das Cover ist für mich ein echter Hingucker. Gerne vergebe ich für dieses Lesehighlight 5 Sterne.

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  • Interessante Personen, leider zu langatmig erzählt

    Die Tänzerin von Paris

    Talitha

    25. August 2017 um 17:00

    Lucia Joyce, Tochter des berühmten modernen Schriftstellers James Joyce, erzählt die Jahre der Familie in Paris ihrem Psychoanalytiker C. G. Jung. Nach und nach wird dem Leser die Lebens- und Leidensgeschichte Lucias näher gebracht, ihre Leidenschaft und Begabung für den modernen Tanz und die Unmöglichkeit, sich aus der Umklammerung des Vaters zu befreien, der Lucia als Muse und Dienstbotin missbraucht, während Mutter und Bruder sie abgrundtief hassen...Die Geschichte begann sehr interessant und spannend. Lucia hat erste Erfolge beim Tanzen und träumt von einer großen Karriere. Schnell wird klar, dass der Vater ein sehr einnehmendes Wesen hat und Lucia als erwachsene Tochter in der Familie eigentlich mal flügge werden müsste, was aber immer wieder verhindert wird. Leider wiederholt sich dieses Muster immer und immer wieder, so dass es mit der Zeit doch etwas langweilig wurde. Einen durchgängigen Spannungsbogen gab es leider nicht. Dazu kam, dass mir die Figuren mit der Zeit immer unsympathischer wurden und ich ihre Motivationen nicht nachvollziehen konnte. Selbst Lucia als Hauptfigur nervte mich immer mehr, auch wenn ihr Werdegang wirklich tragisch ist.Nichtsdestotrotz ist es eine interessante Geschichte um eine historische Person, die es im Schatten ihres berühmten Vaters nicht leicht hatte und die gleichzeitig für eine ganze Frauengeneration steht, die noch im patriarchalischen Familiensystem gefangen waren.Mein Fazit: Wer sich für James Joyce und seine Umgebung und Zeit oder für historische Frauenschicksale interessiert ,sollte dem Buch eine Chance geben. Man erfährt wirklich viel, allerdings ist es halt auch etwas schwierig zu lesen und am Ball zu bleiben. 

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  • Traurige Geschichte um ein nicht gelebtes Leben

    Die Tänzerin von Paris

    Gelis

    24. August 2017 um 11:15

    Zürich 1934: Lucia Joyce, die Tochter des berühmten James Joyce, befindet sich bei Doktor Carl Jung in Behandlung. Als sie sich entscheidet, zu erzählen, schreibt sie aus ihrem Leben rückblickend ab dem Jahr 1928 ihre Geschichte auf. Der Großteil der Geschichte spielt in Paris. Dazwischen eingestreut werden die Behandlungstermine bei Doktor Jung. Lucia ist eine begabte junge Tänzerin und Choreographin. Sie beginnt ihre Geschichte bei ihrem gefeierten Auftritt in Paris 1928 und als sie ihre große Liebe Samuel Beckett kennenlernt. Leider ist sie alles andere als frei, denn in der Familie dreht sich alles um ihren berühmten Vater und sein aktuelles Buch. Außerdem wird sie von ihrer Mutter äußerst streng erzogen. Lucia ist zu schwach, um sich daraus zu befreien und sämtliche Fluchtwege, die sie durch eine Heirat sieht, entpuppen sich als Sackgasse. Als Leser beobachtet man, wie sich dieser ungünstige Dauerzustand auf Lucias Psyche auswirkt. Eigentlich eine sehr traurige Geschichte, die aber durch den lebendigen und flüssigen Schreibstil nicht so sehr runterzieht, wie sie es könnte. Für den Schreibstil würde ich auch 4 Sterne vergeben. Was mir leider gar nicht gefallen hat, ist der Eindruck, dass die Geschichte durch die berühmten Namen gefördert werden soll. Sämtliche beteiligten Personen haben allen Briefverkehr mit Lucia vernichtet. Auch die Patientenakte von Doktor Jung existiert nicht mehr.  Sämtliche Gedanken und Gefühle Lucias sind Fiktion. Ein paar Eckdaten sind zwar historisch belegt, aber was ist mit dem Rest? Gerade die „Bombe“, die die Autorin zum Ende des Buches platzen lässt, stößt mir dabei bitter auf. Das finde ich schade, denn ich habe das Buch hat gerne gelesen und ich habe mit Lucia mitgelitten, aber mir wäre diese Geschichte lieber gewesen ohne die berühmten Namen, wenn sich so wenig belegen lässt. Hierfür ziehe ich 1 Stern ab.

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  • Aschenputtel in Paris

    Die Tänzerin von Paris

    hasirasi2

    23. August 2017 um 16:07

     „Es geht um mich – mein Leben. Meine ... meine ... Unabhängigkeit. Ich will tanzen.“ (S. 268) Paris 1928: Lucia wird in der Paris Times gelobt, sie ist der kommende Star am Modern Dance Himmel und ihr Vater ist stolz auf sie. Aber kann er, der berühmte James Joyce, Verfasser von Ulysses, dulden, dass sie aus seinem Schatten tritt? Dass sie ihr eigenes Leben lebt und nicht nur sein Laufbursche, seine Vorleserin (er ist fast blind) und Vortänzerin ist? Denn für ihn darf sie natürlich weitertanzen, schließlich ist sie seine Anima („Personifikationen einer weiblichen Natur im Unbewussten des Mannes“ - nach Carl Gustav Jung). Er braucht sie wie die Luft zum Atmen. Sie ist seine Muse, wird auf jeder Seite des neuen Buches stehen ... Das muss sie sich natürlich „verdienen“.   Annabell Abbs zeigt in „Die Tänzerin von Paris“ das schreckliche und sehr bewegende Schicksal von Lucia Joyce auf. Ihr Vater vergöttert sie geradezu, scheint auf jeden anderen Mann eifersüchtig zu sein, ihre Mutter hasst sie aus dem gleichen Grund. Ihren Bruder, mit dem sie in der Kindheit unzertrennlich war, interessiert nur, dass sie – wenn sie schon heiraten muss – wenigstens einen reichen Mann nimmt. Und er ist sauer, als sie einen entsprechenden Antrag ablehnt: „Denk nur, wie die Familie Fernandez Vater helfen könnte! Èmiles Familie könnte uns allen auf so vielerlei Weise helfen.“ (S. 102) Lucia steht immer an letzter Stelle, hat sich dem Wohl der Familie unterzuordnen.   James scheint kein leichter Charakter gewesen zu sein, er verlangte unbedingte Bewunderung. Seine Frau Nora interessierte vor allem ihr Aus- und ihr Ansehen – schließlich war ihr Mann berühmt. Lucia nimmt die Stelle des Aschenputtels der Familie ein. Da ihre Eltern streng katholisch waren, kam ein Auszug auch mit Mitte 20 nur in Frage, wenn sie zu ihrem Ehemann zog – kein Wunder also, dass sie sich in Wunschvorstellungen bzw. Phantasie-Ehen mit z.B. James Beckett flüchtet, welcher für ihren Vater arbeitet. „Ich will mein eigenes Leben. Ich will unabhängiger werden.“ (S. 83) Als diese Seifenblase platzt, bricht Lucia zusammen. Später wird sie auch noch von Alexander Calder und Alex Ponisowski verlassen – sie verfällt, nach Ansicht ihres Bruders, dem Wahnsinn. Seine Lösung dafür ist die Unterbringung in einer Anstalt.   Küsnacht 1934: Seit ihrem Zusammenbruch ist Lucia bei diversen Psychologen in Behandlung gewesen, C. G. Jung ist bereits der 20.! Lucia hat sich in sich zurückgezogen, redet nicht, interessiert sich nur noch dafür, wann sie endlich wieder frei ist. „Das Tanzen erlaubte mir, ohne Worte zu sprechen. ... es war mein Rettungsring.“ (S. 409) Jung will ihr helfen, vermutet die Ursache ihrer Probleme in der Kindheit und dringt auch zu ihr durch. Doch als sie sich an das Geschehen aus ihrer Kindheit erinnert, welches sie so lange vor sich selbst verleugnet hat, verliert sie endgültig den Verstand. „War mein Vater wirklich ein perverser Irrer?“ (S. 11)   Das Buch ist sehr fesselnd geschrieben. Mir gefiel, wie der Flair dieser Zeit, die diversen Künstler und die Kunstszene im Allgemeinen in die Handlung integriert wurde. Dadurch ist es sehr anschaulich und lebendig. Am Anfang hab ich Lucia noch für eine etwas überspitzte, extrovertierte und egozentrische Persönlichkeit gehalten und gedacht, dass sie sich vieles selbst zuzuschreiben hatte. Aber je tiefer Dr. Jung (und der Leser) in ihre Vergangenheit eindringt, desto bemitleidenswerter wurde sie. Lucias Geschichte hat mich sehr bewegt. Es war erschreckend mit zu verfolgen, wie aus einer lebendigen talentierten jungen Frau nach und nach ein psychisches Wrack wird.

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    • 5
  • Lucia, die Tänzerin

    Die Tänzerin von Paris

    lieberlesen21

    19. August 2017 um 02:44

    „Die Tänzerin von Paris“ ist ein Roman von Annabel Abbs, der auf Tatsachen beruht. Im Mittelpunkt steht Lucia, die Tochter von James Joyes, der Geliebten von Samuel Beckett. **************************************************************** Der Roman fügt sich in eine Reihe von Künstlerromanen aus dem Aufbau-Taschenbuchverlag ein, die aber inhaltlich nicht miteinander verbunden sind. Sie stehen unter dem Mottto: Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe. ***************************************************************** Die Grundlage des Roman ist biographischer Natur und spielt im Paris der 20er und 30er Jahre. Lucia wird einerseits als Frau ermöglicht, eine eigenständige Ausbildung zur Tänzerin zu durchlaufen, andererseits ist sie im Gefüge ihrer Familie mit irischen Wurzeln gefangen. **************************************************************** Vom Schreibstil her lässt sich der Roman gut lesen, jedoch gefiel mir die Sprache nicht, teilweise zu trivial, für mich nicht passend zu der Zeit in Paris. Die Handlung zog sich für mich leider teilweise auch in die Länge, ja ich fand sie zwar stellenweise spannend und teilweise schockiert, wie es Lucia erging, aber teilweise empfand ich den Roman recht langatmig. **************************************************************** Keine unbedingt Leseempfehlung, schade, denn andere Romane der Reihe gefielen mir besser.

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    • 3
  • Tanz um Selbstbestimmung

    Die Tänzerin von Paris

    SinjeB

    18. August 2017 um 16:28

    Zum Inhalt: 1928 ist Lucia Joyce auf dem besten Weg eine gefragte Tänzerin zu werden. Der moderne Tanz ist ihr Ausdruck, ihr Lebensinhalt. Allerdings ist es alles andere als einfach, die Tochter von James Joyce zu sein. Als Samuel Beckett in das Leben des erblindenden Schriftstellers tritt und bald als Vorleser tagtäglich in der Pariser Wohnung der Joyces anzutreffen ist, verliebt sich Lucia und beginnt, sich ein Leben mit dem wortkargen Iren zu ersinnen. Doch als Muse ihres Vaters ist sie geradezu an ihn gefesselt ...Meine Meinung: Nach Caroline Bernards "Rendezvous im Café de Flore", das Ende 2016 erschienen war und in der Künstlerromanreihe von atb gewissermaßen aus der Reihe tanzt, weil es sich mit fiktiven Figuren auseinandersetzt, bietet Annabel Abbs nun ihre Version eines Ausschnitts aus dem Leben der real existierenden Lucia Joyce. Kein leichtes Unterfangen ist diese Auseinandersetzung mit Joyces Tochter, die als psychotisch galt und nach verschiedensten psychiatrischen Diagnosen den Rest ihres Lebens in Anstalten verbrachte. In der Ich-Perspektive versucht die Autorin in ihrem Debüt nun, die junge Lucia mit all ihrer Leidenschaft für den Tanz und ihren Kampf um Selbstbestimmung einnehmend wie auch unterhaltsam zu beleuchten. Sie wechselt zwischen zwei Erzählebenen: einmal in der Vergangenheit und einmal in der Gegenwart, als die junge Frau mit gerade 27 Jahren bei Jung eine Psychoanalyse durchläuft. Entstanden ist ein Roman, der Lucia nicht von vornherein als geisteskrank brandmarkt, sondern ihren Tanz und ihre Talente in lebhaften, mitunter allerdings kitschigen Bildern zeigt, aber auch eine geradezu naive, unreflektierte Versessenheit auf Samuel Beckett in den Vordergrund stellt, die zu Wiederholungen und Längen führt. Im Gegenzug steht ihr gesamtes Umfeld in nicht nuanciertem schlechtem Licht da. Es entsteht trotz der nach Identifikation heischenden Ich-Erzählung eine merkwürdig abweisende Distanz, die durch die Unterbrechung des Spannungsbogens durch die Sitzungen bei Jung noch verstärkt wird, sodass "Die Tänzerin von Paris" (warum auch immer der Originaltitel "The Joyce Girl" im Deutschen so stiefmüttlerlich missachtet wurde) einen ebenso bedrückenden wie schalen Eindruck hinterlässt und die Frage aufwirft, ob Abbs die zeitlebens missachtete Lucia auf ihre Weise rehabilitieren oder Wasser auf die Spekulationsmühlen gießen wollte. Meines Erachtens ist "Die Tänzerin von Paris" eher ein Roman für Leser, die ihr Bild von James Joyce ergänzen möchten. Ein Roman "nach der wahren Geschichte von Lucia Joyce", von dem vom Klappentext irregeführte Happy-End-Liebhaber besser die Finger lassen sollten.Nachtrag: Im Übrigen störe ich mich hier sehr am Cover. Auf Wiedererkennung getrimmt, passt es - bis auf Paris - überhaupt nicht. Lucia Joyce ist als reale Figur von Fotografien nicht unbekannt und hatte keine blonde Bürofräuleinfrisur. Auch das obligatorische blaue Gewand hat so gar nichts mit der Geschichte zu tun. Gern hätte ich mir hier mehr Bezug zum Roman gewünscht.

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  • Wahre Geschichte, Cover thematisch irreführend

    Die Tänzerin von Paris

    nicekingandqueen

    18. August 2017 um 10:48

    In "Die Tänzerin von Paris" geht es um die wahre Geschichte Lucia Joyce, die versucht sich als Tänzerin in Paris zu etablieren und aus dem Schatten des berühmten Vaters zu steigen.  Der Text ist ein Fließtext, der chronologisch von 1928 an beginnt und bis in das Jahr 1934 endet. Jedoch gibt es während dem Fließtext immer wieder kapitel aus den Therapiesitzungen Lucias aus dem Jahr 1934, in der Dr. Jung, ein Psychoanalytiker, versucht Lucia zu heilen, wobei erst im Schluss herauskommt, warum sie diese Therapie benötigt.  Inhaltlich haben sich leider ein paar stilistische Fehler eingeschlichen. Was mich aber etwas mehr störte war der Fakt, dass sich die Geschichte wie ein Kaugummi in die Länge zog. Die ersten hundert Seiten fand ich erträglich, da man da am Anfang der Geschichte mehr Erwartungen hat, die sich dann mit jeder folgenden der weiteren 400 Seiten in alle Winde zerstreut haben... Hin und wieder bin ich über einige Abschnitte "geflogen".  Zusammengefasst bin ich schwer enttäuscht. Die Inhaltsangabe finde ich ein wenig zu blass geraten, etwas irreführend. Das Thema wurde hierbei und beim Cover etwas verfehlt. Man sollte sich vom wunderschönen Cover nicht blenden lassen. Das Buch werde ich wohl kein zweites Mal lesen. Empfehlenswert finde ich das Buch nur für Menschen, die sich für die Familiengeschichte der Joyce interessieren. 

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  • Leserunde zu "Die Tänzerin von Paris" von Annabel Abbs

    Die Tänzerin von Paris

    aufbauverlag

    Tanz war meine Antwort – auf alles, was das Leben mir abverlangteParis, 1928: Lucia ist jung, begabt und wird in der Bohème als Tänzerin gefeiert. Aber ihr Vater ist der große James Joyce, und so modern seine Werke auch sein mögen, so argwöhnisch beobachtet er das Streben seiner Tochter nach einem selbstbestimmten Leben. Dann begegnet Lucia dem Schriftsteller Samuel Beckett, der ihre große Liebe wird. Doch ihre Hoffnungen, sich aus dem Schatten des übermächtigen Vaters zu befreien und ihren eigenen Weg gehen zu können, drohen schon bald zu scheitern.Das tragische Schicksal einer jungen Frau auf der Suche nach Freiheit und Liebe – nach der wahren Geschichte von Lucia Joyce.»Das starke Portrait einer jungen Frau, die sich danach sehnt, als Künstlerin zu leben, und deren Lust am Leben einem entgegenleuchtet.« The GuardianZur Leseprobe Über Annabel Abbs Annabel Abbs studierte Englische Literatur und leitete eine große Marketing Consulting Agency, bevor sie zu schreiben begann. Ihre Kurzgeschichten wurden hochgelobt, und ihr Debütroman „Die Tänzerin von Paris“ wurde mehrfach ausgezeichnet. Mit ihrem Mann und ihren vier Kindern lebt Annabel Abbs in London und Sussex. Jetzt bewerben! Um eines der 25 Freiexemplare zu ergattern, bewerbt euch bitte mit Klick auf den "Bewerben"-Button und beantwortet folgende Frage: Welches Buch habt ihr zuletzt gelesen?Wir freuen uns auf euch und einen regen Austausch!Euer Team vom Aufbau Verlag* Im Gewinnfall verpflichtet ihr euch zur zeitnahen und aktiven Teilnahme am Austausch in allen Leseabschnitten der Leserunde sowie zum Schreiben einer Rezension, nachdem ihr das Buch gelesen habt. Bestenfalls solltet ihr vor eurer Bewerbung für eine Leserunde schon mindestens eine Rezension auf LovelyBooks veröffentlich haben.

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    • 506
  • Ein steter Bilder- und Gefühlsrausch!

    Die Tänzerin von Paris

    Monika58097

    17. August 2017 um 14:08

    Lucia Joyce ist eine begnadete Tänzerin. Die Welt des Tanzes steht ihr offen. Tanzen ist ihr Leben. Sie braucht den Tanz wie die Luft zum Atmen. Ihr Vater, der berühmte Schriftsteller James Joyce und ihre Mutter halten die Tanzerei jedoch eher für eine Spinnerei der Tochter. Der Vater möchte nicht, dass Lucia öffentlich auf Bühnen vor Publikum auftritt. Lucia soll nur für ihn allein tanzen. Sie ist seine Muse, seine Inspiration. Lucia sehnt sich nach einem selbst bestimmten Leben. Sie möchte so sein wie die anderen jungen Frauen in Paris. Sie möchte zur Bohème gehören. Ihre Eltern unterdrücken jedoch jeden noch so kleinsten Versuch, ein eigenes Leben zu führen. Lucia muss für ihren Vater Briefe schreiben, sie wird als Botin missbraucht. Ihr Vater schreibt seit vielen Jahren an nur einem Werk. Aushalten lässt er sich von diversen Mäzenen, den "Schmeichlern".  Als Samuel Beckett beginnt ihrem Vater vorzulesen, weil dieser zu erblinden droht, verliebt sich Lucia ganz heftig in den jungen Mann, doch die Tänzerin muss eine herbe Enttäuschung hinnehmen. Ihre Liebe wird nicht so erwidert wie erhofft. Lucia verliebt sich ein weiteres Mal, doch auch diesmal ist es nicht der Richtige. Ein Dritter ergreift die Flucht. Ihr Leben lang wird sie Samuel Beckett lieben.  Während ihr Bruder Giorgio von der Mutter vergöttert wird, wird Lucia von ihr mit Hass übersäht. Mutter wie Vater hindern sie immer wieder am Tanzen, so lange, bis sie es schließlich aufgibt. Lucia ist am Ende, wird letztendlich sogar von ihrem eigenen Bruder in eine Heilanstalt gebracht.  Lucia befindet sich in Zürich in Behandlung des Arztes C.G. Jung, der ihr dringend rät, keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater zu haben, doch Lucia kann nicht anders. Sie kann ihren geliebten Babbo doch nicht alleine lassen. Er braucht sie doch. Dr. Jung versucht auf den Grund von Lucias Verhalten und  Zusammenbruch zu kommen, doch lesen Sie selbst... "Die Tänzerin von Paris" - der Autorin gelingt es hervorragend mit ihrer Sprache die Personen zum Leben zu erwecken. Man spürt Lucias Drang zu tanzen. Man spürt ihre Enttäuschung, wenn sie es wieder einmal nicht darf. Es ist die sehr bewegende und tragische Geschichte einer jungen Frau, die doch einfach nur tanzen wollte, deren Leben aus Tanz bestand und die von ihren gefühlskalten und egoistischen Eltern missbraucht und gedemütigt wurde, so lange, bis sie schließlich zusammenbrach. Der Leser befindet sich in einem steten Bilder- und Gefühlsrausch, umso mehr, da es sich um eine wahre Geschichte handelt.  "Die Tänzerin von Paris" - sehr intensiv, sehr berührend, sehr schockierend.

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