Die Tänzerin von Paris

von Annabel Abbs 
3,9 Sterne bei54 Bewertungen
Die Tänzerin von Paris
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Positiv (34):
Lovelydreams avatar

Das Leben der Tänzerin Lucia Joyce auf der Suche nach Freiheit und Liebe. Gefühlsvoll und anschaulich beschrieben.

Kritisch (5):
LadyOfTheBookss avatar

Abgebrochen! Wurde leider mit der Geschichte nicht warm und fand die ersten 75 Seiten doch sehr langatmig und unspannend...

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Inhaltsangabe zu "Die Tänzerin von Paris"

Tanz war meine Antwort – auf alles, was das Leben mir abverlangte

Paris, 1928: Lucia ist jung, begabt und wird in der Bohème als Tänzerin gefeiert. Aber ihr Vater ist der große James Joyce, und so modern seine Werke auch sein mögen, so argwöhnisch beobachtet er das Streben seiner Tochter nach einem selbstbestimmten Leben. Dann begegnet Lucia dem Schriftsteller Samuel Beckett, der ihre große Liebe wird. Doch ihre Hoffnungen, sich aus dem Schatten des übermächtigen Vaters zu befreien und ihren eigenen Weg gehen zu können, drohen schon bald zu scheitern.

Das tragische Schicksal einer jungen Frau auf der Suche nach Freiheit und Liebe – nach der wahren Geschichte von Lucia Joyce.

»Das starke Portrait einer jungen Frau, die sich danach sehnt, als Künstlerin zu leben, und deren Lust am Leben einem entgegenleuchtet.« The Guardian

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746633169
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:512 Seiten
Verlag:Aufbau TB
Erscheinungsdatum:14.07.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    HEIDIZs avatar
    HEIDIZvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Hervorragende Biografie einer Künstlerfamilie !!!!
    Lucia Joyces Leben - ein Schicksal

    Wer kennt nicht James Joyce, aber wer kennt schon sein Leben und seine Familie und vor allem seine Tochter Lucia, die 1928 ein junges Mädchen ist? Der Leser begleitet die junge Frau bis zum Erwachsensein - lernt die Familie kennen, die augenkranken Vater, die Mutter, die sie nicht liebt und erfährt erst zum Schluss, warum die Familie so dargestellt wird, wie sie Autorin Annabel Abbs beschreibt.

    Lucia will endlich eigenständig sein, sie möchte heiraten, hat einige Männer auserkoren, die aber allesamt das Weite suchen, warum nur ???
    Sie ist auf ihren Vater fokussiert  - scheint seine Muse zu sein .... aber ist das normal?
    Sie möchte eigentlich Tänzerin werden, oder auch eine Tanzschule eröffnen, aber immer wieder steckt sie wegen des Vaters zurück. Die Eltern brauchen sie - ja, aber sollten sie ihrer Tochter nicht ein eigenes Leben ein eigenes ICH gönnen. Der Bruder nabelt sich ab, geht mit einer viel älteren Frau weg. Lucias Männer allerdings bleiben nicht, so auch Samuel Beckett, der zwar immer in ihrem Leben sein wird, aber nicht als ihr Mann, sondern unerreichbar. Kann ein Mensch so ein Leben aushalten, kann sie gesund bleiben? Schicksalhaft ist ihr Leben und die Romanbiografie ist wahrhaft spannend und wundervoll geschrieben.

    Auf der wahren Geschichte der Lucia Joyce beruhend erzählt die Autorin eine Geschichte einer jungen einst aufstrebenden Frau, die hätte zu einer großen Tänzerin werden können, aber .... Das verrate ich euch nicht - lest selbst.

    Etwas nach der Hälfte des Buches springen wir vom Paris des Jahres 1928 - der eigentlichen Handlung in das Zürich des Jahres 1934, als Lucia seelisch zusammengebrochen war.

    Die Charaktere der Familie und der Wegbegleiter werden sehr gut beschrieben, man wird bis zum Schluss an die Handlung gefesselt und kann sich einfühlen, man fühlt sich in die Familie und ihre Probleme involviert.

    Hervorragende Biografie einer Künstlerfamilie !!!!

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    Angelika123s avatar
    Angelika123vor 10 Monaten
    Bewegende Geschichte

    Lucia Joyce ist die Tochter und Muse des großen James Joyce. Sie liebt das Tanzen und träumt davon als Tänzerin Karriere zu machen. Ihr Traum ist kurz davor wahr zu werden, doch Lucias dominante Eltern haben andere Erwartungen an sie und durchkreuzen ihre Lebensplanung. Als sie sich schließlich Hals über Kopf in Samuel Beckett, einen Zögling ihres Vaters, verliebt, wird sie auch von diesem bitter enttäuscht. Die Enttäuschung treibt Lucia in den Wahnsinn und endet auf dem Behandlungsstuhl des berühmten Schweizer Psychoanalytikers Dr. Jung. Während Lucias Therapiesitzungen wird schließlich ein schreckliches Geheimnis zutage gefördert.


    Die Geschichte, die zwischen 1928 und 1934 spielt, wird auf zwei verschiedenen Zeitebenen erzählt. So spielt ein Teil bei Familie Joyce daheim in Paris Ende der Zwanziger-Jahre und einer im Zürich der Dreißiger-Jahre während der Therapiesitzungen bei Dr. Jung.

    Trotz seines Umfangs von über 500 Seiten schafft es das Buch, niemals zäh und langatmig zu wirken. Im Gegenteil: Es entwickelt vielmehr einen gewaltigen Sog, dem zumindest ich mich bald nicht mehr entziehen konnte und einfach nur noch mitgerissen wurde. Intensiv, bewegend und spannend – Die Tänzerin von Paris ist eine Lektüre wie man sie sich als Leser/in nur wünschen kann. 

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    TeleTabi1s avatar
    TeleTabi1vor 10 Monaten
    Tragische Biografie in Romanform

    Annabel Abbs erzählt in „Die Tänzerin von Paris“ die tragische Lebensgeschichte von Lucia Joyce, Tochter des berühmten irischen Schriftstellers James Joyce, im Paris der 20er Jahre. Die talentierte junge Tänzerin steht kurz vor ihrem Durchbruch, doch ihre Familie sieht Lucias Karriere sowie ihr Streben nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung kritisch. Auch Lucias Liebe zu dem Schriftsteller Samuel Beckett macht ihr kompliziertes Leben nicht gerade einfacher. Ihre Hoffnungen drohen zu platzen und stellen Lucia auf eine harte Probe, als auch noch ein lang verborgenes Familiengeheimnis ans Licht kommt...

    Die Autorin Abbs hat in ihrem Debütroman, der im Juli dieses Jahres erschien, Lucia Joyces wahres Schicksal in einen historischen Roman verpackt, der sich mehr wie ein packender Thriller als eine trockene Biografie liest. Von Anfang an wird der Leser dadurch in die hochinteressante Welt von Familie Joyce, Samuel Beckett, Dr. Carl Jung und anderen berühmten Persönlichkeiten dieser Zeit katapultiert, die durch ihre gut recherchierte und detailreich beschriebene Art sehr authentisch wirkt. Der mitreißende Schreibstil der Autorin und die ausdrucksstark geschilderten Charaktere machen das Lesevergnügen perfekt.

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    tardyvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Berührend und unfassbar traurig
    Die Tänzerin von Paris

    Die "Tänzerin von Paris" von Annabel Abbs erzählt die traurige Geschichte von Lucia Joyce, Tochter des berühmten Schriftstellers. Das eher heiter wirkende Cover täuscht ein wenig, denn das Buch ist sehr traurig und düster. Passend zur Zeit, in der die Handlung spielt, verliert sich die Autorin in ausführlichen Beschreibungen, verwendet lange Schachtelsätze, wirkt gestelzt in ihren Formulierungen, Dinge, die mich anfangs irritierten, aber nach einiger Zeit war ich völlig gefangen von dem Roman. Man wird mitgerissen, ob man will oder nicht. Für mich ist das hohe Schriftstellerkunst! Das grausame Schicksal der jungen Frau ist äußerst tragisch und hätte im richtigen Umfeld durchaus vermieden werden können. Aber in einem Elternhaus, in dem jeder nur seine eigenen Interessen verfolgt, ist dies von Beginn an zum Scheitern verurteilt. So wird das große Talent von Lucia, das Tanzen, nur als lapidare Freizeitbeschäftigung angesehen und ihre verzweifelte Suche nach Liebe und Anerkennung schon im Keim erstickt. Sicher spielen auch die damals herrschenden Konventionen eine sehr große Rolle, dass sich alles so entwickelt. Als Frau hatte man nur schön und nett zu sein, Karriere war nicht vorgesehen. Mir ist das Buch noch lange im Kopf herumgeschwirrt. Es ist sehr berührend und keine einfache Lektüre. Wer sich jedoch darauf einlassen mag, wird mit einer wunderbaren Geschichte belohnt, die hilft, auch James Joyce besser zu verstehen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

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    Isaoperas avatar
    Isaoperavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Wenn ein berühmter Vater zum Fluch wird - toll geschrieben!
    Wenn ein berühmter Vater zum Fluch wird

    "Die Tänzerin von Paris" ist vor einiger Zeit im Rahmen der Künstlerinnen-Reihe im Aufbau-Verlag erschienen, in der jedes einzelne Buch einen Blick wert ist. Die Geschichte der jungen Lucia Joyce ist unheimlich spannend, aber auch tragisch - das Schicksal einer jungen Frau, die selbst große Ziele im Leben hat, aber zwischen einem berühmten Vater und kaum weniger berühmten Liebhaberin schließlich den Wahnsinn findet.
    Ich selbst bin mit dem Werk von James Joyce nicht wirklich vertraut, interessiere mich aber seit der Lektüre dieses Buches noch mehr dafür. Toll finde ich es, dass man im Internet selbst Fotos und Zusammenhänge dieser Geschichte recherchieren kann - dabei hilft auch das ausführliche Nachwort.
    Besonders hervorzuheben ist für mich der wunderbare Schreibstil von Annabel Abbs. Ich war wirklich sofort von der Geschichte gefangen - von dieser Autorin würde ich alles lesen!
    Obwohl die Geschichte zunehmend düsterer wurde und mir der fröhlichere Anfang vielleicht tatsächlich noch ein wenig mehr zugesagt hat, ist es unglaublich, wie intensiv man die Handlungsentwicklungen mitfühlt und was für eine Wut ich als Leserin auf meine Mitglieder von Lucias Familie entwickelt habe. Wirklich ein emotional intensives und authentisches Buch vor einer spannenden historischen Kulisse - Leseempfehlung!

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    Sturmherzs avatar
    Sturmherzvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Lucia Joyce, Tocher einer Legende der Literatur, Geliebte eines legendären Autoren, selbst aber niemals das was sie wirklich will
    Ich will richtig tanzen, nicht nur so als ob

    Phuuu, wo soll ich nur anfangen, nach langem hin und her habe ich dann das gewonnene Buch trotzdem noch vom Aufbau Verlag bekommen und mich waaaahnsinnig gefreut es beginnen zu lesen.
    Habs immer Abends gelesen, dann wenn ich Ruhe hatte, die Geschichte verlangt das meiner Meinung nach. Jetzt habe ich das Buch beendet und bin noch immer sprachlos, schockiert und höchst irritiert.
    Lucia Joyce, die Tochter des grosses, legendären Autoren James Joyce bekommt in diesem Roman die Möglichkeit dem Leser zu erzählen was ihr in ihrem Leben wiederfahren ist.
    Wohlbehütet im engen Kreis der Joyce-Familie wächst Lucia in den 20er Jahren in Paris auf. Die Familie ist streng katholische und legt viel auf Anstand und Moral. Lucia ist ihres Vaters Augenstern und packt an wo sie nur kann. Ihre eigenen Bedürfnisse stellt sie hinten an, das Wohl der Familie ist wichtiger. Bis zum Tag an dem sie merkt das Tanz ihre grosse Leidenschaft ist. Dieser Leidenschaft möchte sie nachgehen. Begabt wie sie ist stürzt sie sich mit grossem Eifer in ihre neue Leidenschaft, merkt aber bald das diese Leidenschaft nicht von ihren Eltern unterstützt wird. Im Gegenteil, der Wunsch das Lucia gerne öffentlich auftreten möchte als Tänzerin ist ihren Eltern peinlich. Gerade ihr Vater, ein Wegbegleiter der modernen Literatur stellt sich ihr in den Weg und möchte ihr das Tanzen verbieten. Wenn, dann soll sie nur für ihn alleine tanzen, als Inspiration. Die Mutter wiederum versucht Lucia fast zu erpressen, sie soll lieber dem Vater helfen, mit Bücher binden, etc. nicht so sehr auf sich selbst fixiert sein. Die Gesundheit der Mutter wird da gerne als Druckmittel genommen.
    Dann ist da noch Samuel Beckett ein junger, aufstrebender Autor, ebenfalls im illustren Kreis der Joyce-Familie. Zu ihm fühlt sich Lucia hingezogen, verliebt sich Hals über Kopf in ihn und merkt dabei nicht das er nur vordergründig ihre Gefühle erwidert. In Wahrheit sie aber nur benützt.
    Zunehmend leidet Lucias geistige Gesundheit unter der belastenden Situation in der Familie und dem Verbot nach eigener Verwirklichung.
    Es kommt wie es kommen muss und Lucia wird als Schizophren in eine Klinik für geistesgestörte Menschen eingeliefert. Das wahre Gefängnis hat sie also doch noch eingeholt, sie wird bis zu ihrem Tod in Anstalten für geistig beeinträchtige Personen bleiben.
    Ich hab mich wirklich auf die Geschichte gefreut muss aber ehrlich sagen, ich bin nicht zu 100% überzogen von der Geschichte. Die Autorin hat sich zwar redlich Mühe gegeben und mehr oder weniger gut recherchiert, trotzdem ist einiges für mich noch nicht fertig erzählt oder nur kurz gestreift.
    Trotzdem DANKE an den Aufbau Verlag das ich das Buch doch noch bekommen habe! Ich freue mich schon auf andere Bücher aus dem Verlag.

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    LuluCookBakeBooks avatar
    LuluCookBakeBookvor einem Jahr
    Bedrückende Geschichte über Lucia Joyce

    „Tragisches Schicksal“ – ja, so kann man das nennen. Hätte ich vorher gewusst, was mich bei diesem Buch erwartet, hätte ich es vielleicht nicht gelesen. Lucia, die Tochter von James Joyce, ist eine talentierte Tänzerin, wird jedoch von ihrer Familie stark eingeschränkt und geht daran zugrunde.

    Die Gestaltung des Buches finde ich sehr gelungen. Es wird gut erkennbar, dass es sich um einen historischen Roman handelt und das Cover fügt sich schön in die Reihe der anderen „Mutigen Frauen zwischen Liebe und Kunst“ ein. Der Eiffelturm ist natürlich Pflicht, wenn die Geschichte in Paris spielt.

    „Ja, Tanz war meine Antwort. Was immer das Leben mir abverlangte, ich musste weitertanzen.“ (S. 40)

    Annabel Abbs‘ Schreibstil fand ich für einen historischen Roman typisch und passend. Zum Teil eher umständliche Sätze und viele ausschweifende Gedanken der Protagonistin. Nach dem ersten Kapiteln hatte ich mich gut eingelesen und verfolgte gespannt das Geschehen.

    Die Autorin erzählt die Geschichte in zwei Zeitebenen: Zum einen befindet sich Lucia 1934 in Zürich bei einem Arzt. Dort erleben wir die gemeinsamen Sitzungen der beiden. Deutlich ausführlicher gibt es Einblicke in Lucias Leben von 1928-1932, hauptsächlich in Paris. Man weiß also von Beginn an, dass sich Lucia am Ende in psychologischer Behandlung befinden wird und erlebt in der zweiten Ebene, wie es dazu kommt.

    Lucia ist ein schwieriger Charakter. Ihre Liebe zum Tanzen spürt man deutlich. Von ihrer Familie bekommt sie jedoch keine Unterstützung dafür. Sie ist die Muse für ihren Vater, der es jedoch lieber hätte, sie würde nur für ihn tanzen. Ihre Mutter begegnet ihr mit viel Verachtung, was ich überhaupt nicht verstehen konnte. In Bezug auf Männer wirkte Lucia sehr naiv auf mich. Stets erträumt sie sich nach wenigen Begegnungen sofort eine glückliche Ehe, in der sie endlich auf eigenen Beinen stehen und dem Tanzen nachgehen kann. Dass sie immer wieder abgewiesen wird, belastet sie natürlich.

    „Sie sollten mehr aus dem Haus gehen. Alle sind hier in Paris, um frei zu sein und sich zu amüsieren, und Sie leben wie eine Nonne im Kloster.“ (S. 313)

    Annabel Abbs hat eine Geschichte über Lucia Joyce geschrieben, die von einer jungen lebensfrohen Frau erzählt, die immer mehr in einen psychischen Abgrund stürzt. Das ist sehr bedrückend und erzeugt viel Mitgefühl. Wäre es eine fiktive Figur gewesen, hätte die Autorin sicherlich einiges anders gemacht und alles zu einem besseren Ende geführt. Was passiert ist, ist aber eben leider passiert. Insgesamt wirkten die Hintergründe und Fakten gut recherchiert.

    Fazit
    Lucia Joyce hatte kein einfaches Leben, was „Die Tänzerin von Paris“ zu einer recht bedrückenden Geschichte macht. Annabel Abbs ist ein guter historischer Roman gelungen, der sicher nicht für jeden etwas ist. Auf diese Geschichte muss man sich mit ein bisschen Zeit einlassen.

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    MalaikaSanddollers avatar
    MalaikaSanddollervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine sehr bewegende Geschichte...
    Eine sehr bewegende Geschichte...

    Die Idee des Buches - um einmal nicht über den Superstar zu schreiben sondern über die Menschen in seinem Umfeld - gefällt mir sehr. Auch die Kapitel, die abwechselnd einmal im Behandlungszimmer von Doktor Jung und dann wieder in Lucias Vergangenheit spielen, finde ich sehr gelungen. Das gibt dem ganzen Buch eine gewisse Tiefe, ohne die das Buch nicht dasselbe wäre.

    Aber leider konnte mich Lucia als Protagonistin nicht überzeugen. Sie wirkte im grössten Teil des Buches irrsinnig naiv und das hat mir das Lesen sehr erschwert. Ich konnte sie nicht als unsympathisch abstempeln, da sie durch ihre Kindheit geprägt und in einem sehr schwierigen Familienverhältnis aufgewachsen ist - im Schatten ihres Vaters, dem berühmten Schriftsteller, im fast schon hassgleichen Verhältnis zu ihrer Mutter und mit einem Bruder, der eigentlich selbst in eine Heilanstalt gehen müsste.

    Für mich war es daher sehr schwer, eine Meinung über Lucia zu bilden, da ihre Geschichte so vielschichtig ist und die Autorin eine historische Figur beschrieben hat und daher ihre schriftstellerische Freiheit begrenzt war.

    Trotzdem empfehle ich das Buch an alle weiter, die in Lucia Joyce interessiert sind und denen es nichts ausmacht, dass sie ziemlich naiv ist und denjenigen, die über ein Mädchen lesen wollen, das durch ihre Eltern in einen Käfig gezwungen wird und nicht mehr hinaus kommt.

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    S
    sagallvor einem Jahr
    Ein Buch mit Stärken und Schwächen

    Teilweise etwas langatmig. Die Geschichte der Lucia Joyce hat mich aber sehr bewegt.

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    Thoronriss avatar
    Thoronrisvor einem Jahr
    Wundervoll bestürzend geschrieben

    Dieser Roman hat aufgrund des Covers und des Titels mein Interesse geweckt. Da ich selbst Tänzerin bin und vor kurzem erst in Paris war, habe ich ohne zu zögern zugegriffen. James Joyce steht zwar in meinem Regal, doch gelesen habe ich ihn nie, entsprechend wusste ich nicht, worauf ich mich bei einem biografischen Roman über seine Tochter einlassen würde. Nach der Lektüre ihres tragischen Schicksals blieb ich mehr als verstört und betroffen zurück. Ich empfehle euch also, eine Decke und eine Tasse heißen Tees zu nehmen, denn auch eine Besprechung dieses Romans wird nicht leicht.

     

    Segen und Fluch der Psychoanalyse

    Die Geschichte eröffnet mit einer Szene im Jahr 1934 in Zürich, also nach den Ereignissen, um die es im Buch größtenteils gehen wird. Wir sehen Lucia Joyce in einer Therapiesitzung bei C. G. Jung, einem ehemaligen Wegbegleiter von Sigmund Freud, der sich jedoch zum Zeitpunkt dieser Therapie bereits von ihm abgewandt hatte. Hier erscheint Lucia verwirrt und merkwürdig fixiert auf Kleinigkeiten, die für den Leser noch rätselhaft bleiben. Dieser Epilog führt auf gelungene Weise dazu, dass man sich während der gesamten Erzählung bewusst ist, dass die junge Frau an tiefgreifenden psychischen Problemen leidet oder leiden wird. Das Lesen geschieht also von Anfang an unter besonderen Vorzeichen.

    Jung ist von Beginn an darauf fokussiert, Lucia von ihrem Vater James Joyce zu lösen. Er nimmt in einer Szene, die es mir kalt den Rücken runter laufen ließ, das Wort der Übertragung in den Mund und erklärte ihr, nur wenn ihr Vater Zürich (und damit sie) verlässt, kann eine Übertragung ihrer Gefühle für den Vater auf ihn, den Therapeuten stattfinden. Aus meinem Verständnis der Psychologie heraus ist eine Übertragung, insbesondere auf den Therapeuten, genau das Gegenteil dessen, was man erreichen will. Die Methoden der frühen Psychoanalyse scheinen mir mehr als ungeeignet für eine Heilung, entsprechend unwohl fühlte ich mich bei jeder Szene zwischen Lucia und Doktor Jung. Sie begleiten das Buch, da die eigentliche Geschichte die Erzählungen Lucias für Jung sind, und sie liefern auch wichtige Einblicke in das, was die tragischen Ereignisse ausgelöst hat. Dennoch wurde mir zunehmend übel, körperlich übel, wann immer eine Therapiesitzung eingebaut wurde.

     

    Der lange Schatten des Vaters

    Die eigentliche Geschichte spielt im Paris Anfang der 1920er Jahre, erzählt aus der Ich-Perspektive von Lucia Joyce. Sie ist eine talentierte Tänzerin, hat ein stabiles, soziales Umfeld und hilft zu Hause aus, wo sie nur kann. Ihr berühmter Vater, James Joyce, hat ein Augenleiden, dass ihn zunehmenden erblinden lässt, so dass er auf die Hilfe seiner Tochter und einiger williger Schmeichler, wie Lucia sie nennt, angewiesen ist. Einer davon ist Samuel Beckett, ein ebenfalls aus Irland stammender Schriftsteller, der auf den ersten Blick ihre Liebe auf sich zieht.

    Obwohl das Paris der zwanziger Jahre eine freie, zügellose Stadt ist, wächst Lucia in einem strengen, irisch-katholischen Elternhaus auf, so dass sie emotional und sexuell völlig unerfahren ist. Während sie im Tanzen immer erfolgreicher wird, steigert sie sich zunehmend in ihre Liebe zu Beckett hinein, der ihr auch das ein oder andere Mal körperlich Nahe kommt. Hier zeigt sich die Macht eines unzuverlässigen Ich-Erzählers: Beinahe mühelos gelingt es Annabel Abbs, dem Leser vorzugaukeln, dass Beckett die Gefühle erwidert, während gleichzeitig stets unterschwellige Zweifel vorhanden sind, da man spürt, wie einseitig die Beobachtungen Lucias sind.

    Gleichzeitig kämpft sie mit ihrem berühmten Vater und der Mutter, die das ganze Leben nur auf das Wohlergehen des Vaters ausrichtet. Wo Lucia tanzen will, schlagen die Eltern vor, sie könnte das Bücherbinden lernen, um dem Vater zu helfen. Wenn sie tanzt, dann wünscht sich ihr Vater, dass sie es nur für ihn tut, nicht öffentlich, damit er von ihr inspiriert werden kann. Wann immer sie eigenständige Entscheidungen treffen will oder unabhängig von der Familie leben möchte, redet insbesondere ihre Mutter ihr ins Gewissen, dass sie den Vater nicht im Stich lassen kann, dass er sie braucht, sowohl pragmatisch als auch als Muse. Verzweifelt sieht man zu, wie sich darüber in Lucia ein immer größerer Hass auf die Mutter aufbaut, wie sie aber gleichzeitig immer wieder nachgibt und den Wünschen des Vaters nachkommt. Sie sieht sich selbst als Sprössling im Schatten einer uralten, mächtigen Platane.

     

    Vergiftete Familienbeziehungen

    Familienbande sind Segen und Fluch zugleich. Nichts kann einem mehr Halt geben als das Wissen, dass die Eltern und die Geschwister immer und vorbehaltlos da sind, wann immer man sie braucht. Sie spenden Geborgenheit, sie kennen die tiefsten seelischen Leiden, sie lieben ohne Vorurteil. Genauso leicht kann die Beziehung zur Familie jedoch umkippen. Das Beispiel von Lucia zeigt tragisch und verstörend, wie diese eigentlich durch Liebe geprägte Beziehung vollkommen vergiftet wird. Wenn die Familienmitglieder nicht ebenbürtig sind, wenn die Wünsche der Kinder den Ambitionen der Eltern geopfert werden, wenn die Kinder ihren Wert beweisen müssen, statt bedingungslose Liebe zu erfahren, dann wird die Familie zum Gefängnis.

    Der Gegensatz zwischen Pariser Bohème und dem strengen Leben der Familie Joyce sind drastisch. Immer wieder muss sich Lucia beispielsweise von ihrer Mutter anhören, dass in Irland nur Schlampen und Huren tanzen. Das Thema der Scham wird subtil immer wieder im Roman aufgegriffen, denn auch wenn Lucia es selbst selten so nennt, entspringt viel ihrer Wut aus einem für sie nicht fassbaren Schamgefühl heraus. Während ihre Eltern sehr daran interessiert sind, die öffentlichen Gesangsauftritte ihres Bruders Giorgio zu besuchen, schämen sie sich beinahe für die Tanzauftritte der Tochter. Es ist Lucia von Beginn an unmöglich, ein gesundes Selbstbewusstsein aufzubauen. Die unterdrückten Kindheitserinnerungen, die Jung auszugraben versucht, tun ihr Übriges, um Lucias Erwachsenenleben ins Dunkel zu werfen.

    Es ist bemerkenswert, wie eindringlich Abbs diesen problematischen Komplex beschreibt, ohne dass man sich von der Psychoanalyse-Keule erschlagen fühlt. Ihr Schreibstil – und die grandiose Übersetzung durch Ulrike Seeberger – sind angemessen glamourös und bildgewaltig, aber auch einfühlsam und leise, wenn es sein muss. Zunächst unbemerkt schleicht sich immer mehr das in Lucias Betrachtungen ein, was in der damaligen Zeit gerne als Neurose bei Frauen beschrieben wurde. Abbs Schreibstil erlaubt es, dass wir uns das lebendige Paris ebenso wie die beklemmende Enge der Joyce’schen Wohnung plastisch vorstellen können.

     

    Ein paar Kritikpunkte zum Schluss

    Das Buch ist mir über 500 Seiten sehr lang, dennoch bekam ich zum Ende hin das Gefühl, dass die Autorin zu schnell vorging. Neue Personen tauchten auf und ehe ich sie einordnen konnte, waren sie schon wieder verschwunden. Das steht in einem deutlichen Kontrast zum Anfang, wo manche Passagen beinahe zu ausführlich wirkten. Zudem wirkte insbesondere eine Figur auf merkwürdige Weise unbeteiligt, obwohl der Charakter zentral war. Hier hätte ich mir zumindest Andeutungen einer Beteiligung gewünscht, damit die Aufklärung, was das Kindheitstrauma war, ein wenig schlüssiger gewirkt hätte. Die Autorin hat gekonnt eine falsche Spur gelegt, doch dabei scheint es beinahe, dass sie sämtliche Beziehungen gekappt hat, auch jene, die notwendig gewesen wären.

    Darüber hinaus finden sich einige kleinere Logikfehler, die leicht vermeidbar gewesen wären oder, falls sie absichtlich vorhanden waren, ein wenig besser erklärt hätten werden sollen. So erfahren wir beispielsweise auf der einen Seite, dass die Mutter kaum Lesen und Schreiben kann, während sie aber andererseits sehr wohl Briefe geschrieben hat – und zwar Briefe, die sie definitiv nicht von einem Schreiber hätte anfertigen lassen. Der Roman ist faszinierend tiefgründig recherchiert, da fallen solche Fehler leider besonders auf. Aber für den Genuss der Geschichte selbst ist es glücklicherweise nicht erheblich.

     

    FAZIT:

    Der Roman „Die Tänzerin von Paris“ von Annabel Abbs ist die verstörende, tragische Lebensgeschichte von Lucia, der Tochter des großen James Joyce. Mit ihrer bildgewaltigen Sprache schafft die Autorin es, uns das wilde Leben im Paris der zwanziger Jahre, aber auch das strenge Leben in dem irisch-katholischen Haushalt der Joyce-Familie näherzubringen. Emotional aufwühlend und eindringlich erleben wir den seelischen Niedergang von Lucia mit. Am Ende dieses Buches war ich völlig verstört, aber auch nachdenklich und interessiert daran, mehr über alle auftretenden Personen zu erfahren. Man muss sich auf dieses Buch einlassen, um es genießen zu können, doch wer offen und interessiert ist, wird definitiv belohnt.


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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    aufbauverlags avatar

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    Über Annabel Abbs

    Annabel Abbs studierte Englische Literatur und leitete eine große Marketing Consulting Agency, bevor sie zu schreiben begann. Ihre Kurzgeschichten wurden hochgelobt, und ihr Debütroman „Die Tänzerin von Paris“ wurde mehrfach ausgezeichnet. Mit ihrem Mann und ihren vier Kindern lebt Annabel Abbs in London und Sussex.

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