Die Journalistin und Autorin Anne-Kathrin Gerstlauer hat in dieses Hörbuch viel Mühe gesteckt, das merkt man, u.a. an sorgfältig ausgewählten Zitaten aus interessanten Werken der Gegenwartsliteratur zum Thema Liebe, Beziehungen, Dating, Machtverhältnisse und Feminismus - was aber nicht überhand nimmt. Auch die beiden Sprecherinnen (Lisa Hrdina, Corinna Dorenkampmachen) machen ihren Job sehr gut.
...ich glaube (nicht hier gelesene) weniger gute Bewertungen kommen von Männern*, die sich angegriffen fühlen. Absurder Weise scheinen sie bei Sachbüchern von dieser Sorte der Meinung zu sein: 'Wenn ich mich nicht zu mindestens 90% mit dem Inhalt/Gesagten identifizieren kann, ist es nicht gut' während sie diese Messlatte bei anderen Sachbüchern (von Männern*) bestimmt weniger hoch, wenn überhaupt, anlegen.
Ich konnte mich nicht mit jedem Satz, jeder Meinung identifizieren, aber das Meiste war für mich nachvollziehbar - sei es aus persönlicher Erfahrung oder weil ich das so/ähnlich aus meinem Umfeld kenne. Vor allem bei der Erwähnung von #hepeating habe ich innerlich mit "yessss!" aufgestöhnt. Ein Phänomen bei dem ich mich schon mein ganzes Leben immer wieder frage: "Bin ich unsichtbar?" oder "Das habe ich doch gerade gesagt, kommt sich der Typ nicht doof vor, das jetzt einfach (im besten Fall leicht paraphrasiert) nachzuplappern und als seine Idee/Meinung zu verkaufen?!" 😲🙄
Nur wer sein eigenes Verhalten reflektiert, kann erlernter Diskriminierung wirklich etwas entgegensetzen, alles andere ist - leider - nur Show."
In diesem Sinne können Männer* (und Frauen*), die wirklich an insights interessiert sind und sich weiterentwickeln möchten, mit diesem Hörbuch devinitiv etwas lernen.
Einzig den Abschnitt 'optimierter Mann' fand ich anfangs etwas (zu) lang. Und:
Ich empfinde es nicht mehr als Zeichen der Schwäche, wenn jemand eine Therapie macht, aber hätte ich es sogar als Pluspunkt verbucht? Vermutlich nicht. Dabei lerne ich fast jeden Tag von Freundinnen, die eine Therapie gemacht haben..."
Diese Sichtweise versteh ich absolut nicht, sondern seh das auch so wie die Interviewte: reflektierte Menschen sind die besseren Partner:innen. Und Therapie zu machen ist ein Zeichen dafür, dass man an sich arbeitet, weil man erkannt hat, dass es da etwas gibt, das es wert ist genauer hinzuschauen... anstatt immer wegzusehen, es zu vergraben [bis es wie bei einem Vulkan eines Tages explosionsartig ausbricht - und das tut es immer, auf die eine oder andere Weise].


