Anne Ameri-Siemens

 3.8 Sterne bei 21 Bewertungen

Alle Bücher von Anne Ameri-Siemens

Ein Tag im Herbst

Ein Tag im Herbst

 (3)
Erschienen am 10.03.2017
Auf bald, Teheran

Auf bald, Teheran

 (0)
Erschienen am 27.02.2017
Das wirklich wahre Leben

Das wirklich wahre Leben

 (1)
Erschienen am 14.03.2011

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Rezension zu "Ein Tag im Herbst" von Anne Ameri-Siemens

Der Fall Schleyer
DasBuecherregalvor 2 Jahren

Darf ein Staat Menschenleben gegeneinander aufwiegen? Wie geht man mit Terrorismus um und was ist für einen starken Rechtsstaat wichtig?

In ihrem Buch „Ein Tag im Herbst“ beleuchtet die Autorin den „deutschen Herbst“ (vornehmlich September-Oktober 1977) und im Besonderen den Fall Schleyer.
Das Buch behandelt weniger die Taten der RAF allgemein, sondern fokussiert sich auf die Entführung von Hanns Martin Schleyer, der damals Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) war und im Dritten Reich SS-Untersturmführer (heute in etwa Leutnant).
Inhaltlich besteht das Buch aus den O-Tönen diverserer Zeitzeugen und Berichte, beispielsweise Briefe von Helmut Kohl an Schleyers Familie und Äußerungen von jenen, die direkt an den Entscheidungen im Schleyer Fall beteiligt oder von ihnen betroffen waren.
Das Buch beleuchtet die moralische Frage des Wertes eines einzelnen Menschenlebens, das direkt und absehbar gegen eine unbestimmte Zahl anderer Menschenleben abgewogen wird.
Die zu Wort kommenden Positionen, darunter auch der Sohn Hanns Martin Schleyers, Hanns Eberhard Schleyer, sind sehr konträr, vor allem in ihrer Haltung zu den Handlungen der sogenannten Kleinen Lage, jenen Politiker, die die direkte Verantwortung und Entscheidungsgewalt im Fall Schleyer und den zeitgleich stattfindenden Taten der RAF hatten.

Bevor man „Ein Tag im Herbst“ liest, empfiehlt es sich, zumindest ein Grundwissen über die RAF und den deutschen Herbst mitzubringen. Hierzu bietet die Autorin im Anhang einen Überblick über die Geschichte der RAF an, der diesbezüglich einen guten Überblick verschaftt.
Da das Buch nicht chronologisch erzählt, entsteht mit der Zeit das Gefühl, sich ein wenig im Kreis zu drehen. Immerhin wird mit fast jedem der eingebrachten Zitate auch eine neue Facette des Falls beleuchtet und der Leserhorizont erweitert.
Über die RAF an und für sich wird in dem Buch nicht allzu viel geschrieben, im Mittelpunkt steht klar der Fall Schleyer, über den damals wohl aufgrund einer freiwilligen Selbstzensur der Medien nicht allzu viel berichtet wurde.
Für mich persönlich war das Buch vor allem in moralischer und auch ein wenig philosophischer Sicht besonders interessant, wer mehr über die RAF Zeit im klassisch historischen Sinne lernen möchte, ist mit dem Anhang oder einer anderen Literatur besser beraten.
Ich fand es sehr spannend, die verschiedenen mal mehr, mal weniger direkt involvierten Zeitzeugen zu hören, beziehungsweise zu lesen und so nicht nur den typisch analytischen Blick auf die Dinge werfen zu können, der bei Büchern mit historischem Inhalt sonst üblich ist.

Mein Fazit: Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und dessen Fragen damals wie heute aktuell sind. Mit den zahlreichen O-Tönen gibt die Autorin verschiedenen Menschen die Möglichkeit, zu Wort zu kommen und bringt so dem Leser auch die Innenwelt wichtiger historischer Persönlichkeiten ein wenig näher, ohne diese selber zu bewerten.
In meinen Augen ein lohnenswertes Buch, dass neue Einblicke in eine wichtige Zeit der deutschen Geschichte erlaubt.

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V

Rezension zu "Ein Tag im Herbst" von Anne Ameri-Siemens

Ein Tag im Herbst
Vielhaber_Juergenvor 2 Jahren

Anne Siemens legt rechtzeitig zum 40jährigen Jubiläum der sogenannten Offensive 77 ein Buch zum Fall Schleyer vor. Bereits vor zehn Jahren hatte sie eine wichtige Sichtweise der RAF-Geschichte etabliert, die bis dahin beim Thema RAF vernachlässigt worden war.

Die Perspektive der Opfer, stellvertretend von Angehörigen wie Mirbach, Ponto, Schleyer, Hillegart von Braunmühl sowie Geiseln der Landshut-Entführung erzählt, von Staatsseite tat Schmidt seine Sicht kund.

Das hatte sehr berührende Momente, daraus erwuchs auch Corinna Pontos vielbeachtetes Buch "Patentöchter". Nun erzählen Schleyer und von Mirbach ihre Sichtweise auf die Tage im September, Oktober des Jahres 1977.

Aber auch Politiker und Autoren wie Stefan Aust(der an der vierten Ausgabe des Baader-Meinhof-Komplex sitzt),Gerhart Baum, Patricia Clough, Delius. Eschen, Hirsch, Monika Hohlmeier, Peter Jesse, Kraushaar, Reemtsma, Heribert Prantl, Wegener erzählen eindringlich und mit teils unbekannten Details vom Deutschen Herbst 1977, als zwanzig junge Leute den Rechtsstaat mit Morden dazu zwingen wollte, ihre Idole und Mittäter aus der Haft zu entlassen.

besonders interessant für mich die Kapitel von Aust,Kraushaar und Reemtsma. Selbstverständlich ist die menschliche Tragik kaum nachvollziehbar. Durch ein Panorama verschiedenster Sichtweisen wird das Klima des Ausnahmezustands-zum Glück-nicht wieder lebendig, aber gut spürbar. Auch die Aussagen des Stammheimer  Bediensteten Jesse sind sehr interessant und ergänzen einige noch bestehende Lücken in der Stammheim-Geschichte.

Zur Geschichte der RAF wiederholt Frau Siemens den Ablauf, den sie auch schon vor zehn Jahren beschrieben hat.

Da wünscht man sich mehr, aber ihr Schwerpunkt liegt eindeutig bei den Angehörigen, den Opfern. Und so ist ihr ein gut lesbares, wichtiges Stück Zeitgeschichte gelungen.

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L

Rezension zu "Für die RAF war er das System, für mich der Vater" von Anne Ameri-Siemens

RAF aus der Sicht der Opfer
Liebes_Buchvor 3 Jahren

Nachdem ich die Erinnerungen von Peter Schneider, einem 68er, gelesen hatte, las ich zum Kontrast dieses Buch, in dem die Familien einiger Ermordeter zu Wort kommen.
Es berichten Angehörige oder Überlebende von den Fällen: Botschaft in Stockholm, Jürgen Ponto, Hans Martin Schleyer, die Landshut,  von Braunmühl und Eckhardt. Dieses Buch ist sehr bedrückend und geht tief unter die Haut. Die Opfer müssen sich ein Leben lang mit dem Mord auseinandersetzen und zudem oft mit der Freilassung der Täter. Sich anzuhören, wie die Opfer mit diesen sinnlosen Taten leben und versuchen, den Tätern zu vergeben, ist sehr beeindruckend. Ich wusste nicht, dass Opfer sogar die Verteidigung der Terroristen finanzierten... dieser Glaube an die Demokratie der BRD steht in krassem Gegensatz zum Weltbild der RAF, die starre Feindbilder hat. Besonders gut an diesem Buch ist, dass auch die Lebensläufe der Täter geschildert werden. So kann man Verschwörungstheorien entgegentreten, die im Internet kursieren, denn die Täter geben bis heute Interviews und verbreiten ihre Sichtweise z B von einer Verschwörung Israels... Ich habe begleitend zu diesen Büchern einige Videos im Netz angeschaut und kann verstehen, dass die Familien von der Einstellung der Terroristen enttäuscht sind, die sich meistens als Opfer darstellen. Darum finde ich dieses Buch sehr wichtig, um auch den echten Opfern eine Stimme zu geben. Traurig ist, dass viele Opfer sogar Sympathien für die Studentenbewegung hatten. Das schütze sie jedoch nicht davor, von der RAF hingerichtet oder als Geisel genommen zu werden. Es hat mich betroffen gemacht zu lesen, dass sogar persönliche Freunde an Attentaten mitgewirkt haben. Enttäuschend ist natürlich das Interview von Helmut Schmidt am Ende des Buches. Er erklärt seinen Leitsatz, dass der Staat sich nicht erpressen lassen will. Zum Glück können die Opfer auch dazu ihre Meinung sagen. Als Anfangspunkt der RAF wird immer gesehen, dass die Nachkriegsgeneration einen Dialog über die Schuld der Tätergeneration forderte. Dafür spricht, dass auch Herr Schmidt hier behauptet, kein Nazi gewesen zu sein, weil er Juden in der Familie hat. Trotzdem wurde inzwischen von Akten berichtet, die ihm eine nationalsozialistische Gesinnung bescheinigen. Vielleicht wollte die sogenannte Tätergeneration wirklich nicht auspacken. Aber wie ein Betroffener richtig feststellt: Warum haben die Terroristen nicht ihre eigenen Eltern ermordet? Die RAF hat ihre Feinde selbst ausgesucht und in Selbstjustiz ermordet, aus Gründen, die nur sie kennen. Dabei töteten sie auch Menschen ihres Alters oder Angestellte.  Dieses Buch wurde mit der Corine für das beste Sachbuch ausgezeichnet. 

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