Anne Berest Traurig bin ich schon lange nicht mehr

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Inhaltsangabe zu „Traurig bin ich schon lange nicht mehr“ von Anne Berest

Drei Schwestern auf der Suche nach ihrer Herkunft
Längst sind die drei Schwestern erwachsen, doch noch immer konkurrieren sie erbittert um die Zuneigung des Vaters. Bis nach einem Eklat der Verdacht im Raum steht, dass eine von ihnen ein Kuckuckskind ist. Wie Gift dringt diese Enthüllung in die Köpfe und Herzen der Schwestern. Denn plötzlich findet jede von ihnen genug Anzeichen dafür, nicht die Tochter ihres Vaters zu sein.

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  • Rezension zu "Traurig bin ich schon lange nicht mehr" von Anne Berest

    Traurig bin ich schon lange nicht mehr

    Orisha

    18. February 2012 um 20:12

    Drei Schwestern – ihr Vater – ein Geheimnis. Zehn Jahre zuvor, an Irénes 38. Geburtstag kommt es raus, ungewollt, impulsiv. Die verstorbene Mutter war nicht die Heilige, die sie immer zu sein schien. Eine Affäre soll sie gehabt haben, ein uneheliches Kind soll dabei entstanden sein. Der Vater beteuert die Unschuld der Mutter, die Schwestern machen sich, jede für sich und dann doch wieder zusammen, auf eine Spurensuche. Eine Suche, die sie über Allerheiligen, Weihnachten und Silvester führt; einige Wendungen mit sich bringt und am Schluss überraschend endet. Mit viel Witz wird die Geschichte aus Sicht der jüngsten Tochter erzählt. Dabei ist der Autorin eine kurzweilige Familiengeschichte mit sympathischen Charakteren gelungen. Originell und doch klassisch gehalten. Die kurzen Kapitel und Zeitsprünge machen das Buch zudem gut lesbar. Fazit: Lesenswert.

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  • Rezension zu "Traurig bin ich schon lange nicht mehr" von Anne Berest

    Traurig bin ich schon lange nicht mehr

    michael_lehmann-pape

    21. September 2011 um 14:40

    Geschwisterkämpfe Eingeladen ist sie nicht. Bei der Beerdigung ihres leiblichen Vaters. Jene Ich-Erzählerin des Romans von Anne Brest, die aus vielen Gründen heraus einst in den Reihen ihrer Schwestern, im Rahmen der Familie einiges an innerer Unruhe erlebte. Seit einem Jahrzehnt bereits liegen diese familiären „Innereien“ hinter ihr. Ihr, die es „nie verstanden hat, die Aufmerksamkeit des Vaters auf sich zu ziehen“. Stellt sie ernüchtert fest. Der Vater, der lange Zeit Dreh- und Angelpunkt der Bemühungen der Töchter war. Seine Aufmerksamkeit zu erlangen, das war das zentrale Anliegen. Drei Töchter, drei Schwestern, die auch Jahre später, erwachsen, die alten Rivalitäten knistern lassen, unterschwellig. Ein Familienzusammenhalt, der sich nur mehr an wenigen, äußeren Ereignissen festmachen lässt, der dennoch im Inneren weiter fortbesteht und das Leben mit prägt. Die Mutter ist bereits seit langem verstorben, ihr Tod ist der „Schatten der Kindheit“ der drei Schwestern, ihr Andenken glorifiziert. Der Vater mit neuer Lebensgefährtin versehen, als dessen Geburtstag eine Heimkehr der Schwestern zu einer weiteren Familienfeier in den Raum setzt. Tage „zwischen dem Ende des Herbstes und dem Beginn des Winters“, die fulminante Folgen haben werden. Eine Grundstimmung, die sich bereits in den ersten Stunden des Besuches andeutet. Catherine, die neue Lebensgefährtin des Vaters, kaum ein wirklich akzeptierter Ersatz der verehrten Mutter, fährt als erstes aus der Haut. Kann die Selbstsucht, den Egoismus der Töchter kaum ertragen und äußerst dies durchaus klar und direkt. Und geht noch einen Schritt weiter. Die fast als Heilige angesehene Mutter hatte zu Zeiten einen Liebhaber, stellt sie den Töchtern gegenüber fest. Und eine der Töchter ist die Frucht dieser Liaison. Einfühlsam und präzise zeichnet Anne Brest nun die Verwirrungen, Anfechtungen und Anwürfe, die durch diese Information in den Töchtern hervorgerufen werden. Jede für sich gerät in tiefste Zweifel, nicht wirklich dazuzugehören, jede sieht aber auch in den anderen Anzeichen für diese „Nicht-Mitgliedschaft“. Ein Geschehen, dass persönliche Krisen mit Tragweite auslöst. Sei es, dass Irene sich mit dem Vater anlegt, weil sie Fotos der Mutter entwendet. Charlotte, die nie ohne Lärm um sich selbst anwesend ist und nun erst Recht keine Ruhe mehr einkehren lässt. Sei es der Vater, der außer autoritären Ansagen wenig Äußerungen seinen Töchtern gegenüber von sich gibt. Und auch die Ich-Erzählerin, als sie das Geheimnis um das „Kuckuckskind“ eher durch Zufall zum Ende des Buches hin aufdeckt, schweigt sich weiter darüber aus. Mit gutem Grund. Und verdrängt lieber, als die Geschehnisse offen zu legen. Fein und eher leise erzählt Anne Berest ihre Geschichte der vielfach inneren Entwicklungen ihrer Figuren. Sprachlich ausgereift trägt die erzählte Geschichte allerdings nicht ganz ohne Längen. Einerseits ist es ganz spannend, die plötzlich ins Wanken geratende Identitäten gerade der drei Schwestern und deren sich änderndes Verhältnis untereinander zu verfolgen, andererseits kreisen doch viele Einzelheiten um Banalitäten, Familienfeste und das in Teilen auch leicht kühl beobachtend, distanziert anmutend.

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