Anne Bezzel

 4,4 Sterne bei 9 Bewertungen

Lebenslauf

Anne Bezzel, Jahrgang 1976, evangelische Theologin und freie Autorin, promovierte zu mittelalterlicher Kirchengeschichte. 2013 erschien im Wartburg Verlag ihr historischer Roman "Jenseits der Mauern die Freiheit".

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Anne Bezzel

Cover des Buches Wenn ich dich je vergesse ... (ISBN: 9783861605867)

Wenn ich dich je vergesse ...

(9)
Erschienen am 01.09.2021

Neue Rezensionen zu Anne Bezzel

Cover des Buches Wenn ich dich je vergesse ... (ISBN: 9783861605867)
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Rezension zu "Wenn ich dich je vergesse ..." von Anne Bezzel

JakobMatthiessen
Ein äußerst lesenswerter Roman über die Judenverfolgungen in Erfurt im Jahre 1349

Am 21. März 1349 wurde die jüdische Gemeinde von Erfurt innerhalb eines Tages ausgelöscht, 900 Menschen wurden vom Mob ermordet. Die Pest wütete in jener Zeit in Europa und den Juden wurde daran die Schuld gegeben: Sie hätten Brunnen vergiftet und so die fürchterliche Seuche ausgelöst, dies der vollkommen absurde Vorwurf, der jedoch durch ständiges Wiederholen bei immer mehr Christen Glauben gefunden hat. Fake News im Mittelalter mit für die jüdische Minderheit tödlichen Konsequenzen.

Anne Bezzels Roman „Wenn ich Dich je vergesse …“ beschreibt die Ereignisse aus Sicht dreier junger Erwachsenen: Jakob und Naomi, Sohn und Tochter des jüdischen Schlachters in Erfurt, und dem gehbehinderten Merten, Sohn eines der christlichen Schlachter. Die drei Freunde müssen erleben, wie die Angst vor der Pest und bösartig gestreute Gerüchte eine fatale Dynamik entfalten. Merten wird sogar Zeuge, wie in seiner eigenen Familie Menschen zu Mörder werden. Und der Rat, der eigentlich Gesetz und Ordnung in der Stadt sichern sollte, schaut den Verbrechen tatenlos zu. Merten, der ein großes Talent für das Zeichnen und Malen hat, kann seine Freunde nicht beschützen, aber am Ende findet er einen Weg, im Rahmen seiner Möglichkeiten der Gerechtigkeit ein kleines Stück weit Geltung zu verschaffen.

Anne Bezzels Roman ist unbedingt lesenswert. Die Autorin gelingt es, das mittelalterliche Leben in Erfurt und die tragische Entwicklung der Ereignisse plastisch darzustellen. Dabei beruht der Plot auf sorgfältigen Recherchen unter anderem in den Erfurter Stadtarchiven, in dessen dort aufbewahrten Dokumenten der Gerichtsprozess gegen die Mörder nach den Pogromen dokumentiert wurde. Viele der Romanfiguren sind daher Erfurter Bürger, die wirklich gelebt haben. Die Hauptschuldigen an den Morden wurden jedoch – wie so oft – am Ende nicht verurteilt. 

In ihrem Nachwort gibt Anne Bezzel der Frage der Realität bzw. Fiktionalität der Figuren und Handlung ausreichend Raum. Karten von Erfurt und seiner Umgebung unterstützen den Lesefluss, schnell wird der Leser in die Geschichte hineingesogen. Dabei erfährt man interessante Details, sowohl zu städtebaulichen Aspekten des mittelalterlichen Erfurts als auch zu speziellen Themen wie der mühevollen Farbherstellung aus pflanzlichen und tierischen Stoffen und der Buchmalerei im Allgemeinen.           

Eine besondere Stärke von Anna Bezzels Roman ist das Eintauchen in die religiösen Aspekte des Judentums und Christentum. So wird eine jüdische Hochzeit als Motiv des Lebens liebevoll dargestellt. Die vielen und ausführlichen religiösen Zitate – Segenssprüche wie auch Bibeltexte – und eine detaillierte Beschreibung von insbesondere jüdischen Bräuchen lassen die Wärme und Tiefe, die mit einem religiösen Leben einhergehen können, fühlbar werden. Auf christlicher Seite sind es insbesondere Zitate des Mystikers Meister Eckhart, der lange Zeit in Erfurt gewirkt hat und gut zwanzig Jahre vor den Ereignissen während eines Inquisitionsprozesses gestorben ist, die einer humanistischen Stimme Geltung verschaffen. Gegenüber der zerstörerischen Kraft des Mobs, der auf Basis des etablierten christlichen Antijudaismus durch einige Rädelsführer aufgestachelt wurde, konnten sich Eckharts Gedanken jedoch nicht durchsetzen.

Anne Bezzel hat mit „Wenn ich Dich je vergesse …“ einen ganz besonderen Roman verfasst, der sich dem Thema des Judenhasses im Allgemeinen und den Pestpogromen in Erfurt im Besonderen mit der gebotenen geschichtlichen Ernsthaftigkeit und Genauigkeit nähert. Mit ihren lebendigen Figuren und einem glaubwürdigen Plot, der der Dynamik der Ereignisse gerecht wird, hat Anne Bezzel zudem ein mitreißendes Leseerlebnis geschaffen. 

Cover des Buches Wenn ich dich je vergesse ... (ISBN: 9783861605867)
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Rezension zu "Wenn ich dich je vergesse ..." von Anne Bezzel

SunshineBaby5
Historischer Roman behandelt Konflikte mit Juden

In diesem historischen Roman geht es um die Betrachtung der Judenverfolgung im 14. Jahrhundert. Der Schauplatz ist diesmal Erfurt, in dem Christen und Juden einst friedlich zusammenlebten. Wie leider so oft in der Geschichte entstehen Neid und Missgunst, aus dem schließlich eine furchtbare Verfolgung der jüdischen Mitbürger resultiert. Die Autorin hat dies in Romanform gebracht und macht so auf die immer noch aktuellen Probleme aufmerksam. Das Buch ist gut geschrieben und sehr interessant. Die Protagonisten haben mir gefallen und zum Thema gepasst.

Cover des Buches Wenn ich dich je vergesse ... (ISBN: 9783861605867)
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Rezension zu "Wenn ich dich je vergesse ..." von Anne Bezzel

Rose75
1348/1349, Erfurt - - Was treibt Menschen zu unfassbaren Gräueltaten?

Bei diesem Buch hat mich das schöne Cover sofort angesprochen und der Klappentext hat eine anspruchsvolle Geschichte versprochen.  Da ich historische Romane, die wahre Begebenheiten mit fiktiven  Elementen verbinden, grundsätzlich sehr gerne lese, ist das ein Buch nach meinem Geschmack. 

Anne Bezzel hat selber einige Zeit im ehemaligen Judenviertel in Erfurt gelebt und da entstand das tiefe Bedürfnis die Gräultaten aus dem Jahr 1349 in Buchform zu verarbeiten. Die Hauptfiguren der Geschichte sind fiktiv. Im Nachwort erklärt Frau Bezzel welche historisch überlieferten Namen real waren.    Die jüdischen Geschwister Jakob und Naomi leben  Tür an Tür mit Merten Schwanring.   Jakob und Merten sind beste Freunde und  Merten hat gegenüber Naomi zarte Gefühle, die von ihr erwidert werden. Was er aber nicht weiß.  Die Autorin hat viel Wert darauf gelegt,  dass wir Leser was über  die jüdische und  die christliche Tradition erfahren.  Da war sehr viel Interessantes dabei.  Wir lernen die jungen Menschen kennen und erfahren welche Träume sie für ihre Zukunft haben. Jakob und Merten sind Söhne von Schlachtern, aber ein Leben an der Schlachtbank ist für beide mehr Pflicht als Erfüllung. Das Thorastudium oder die Kunstmalerei  sind ferne Träume. 

Im Prolog starten wir gleich mit der Progromnacht ( 21.März 1349) und dann geht es in einem Zeitsprung zurück in den Sommer 1348.  Anne Bezzel erzählt aus wechselnden Perspektiven und macht immer wieder Zeitsprünge von ein paar Tagen oder auch Wochen.  Das fand ich etwas anstrengend, weil das den Lesefluss für mich immer wieder gebremst hat. 

Ich fand das Buch sehr interessant. Es ist auch gut geschrieben, aber ich bin nie in einen richtigen Lesefluss gekommen.  Woran es lag, kann ich nicht benennen.   Deshalb einen Stern Abzug.  

Gespräche aus der Community

Der Roman erzählt die Geschichte des Pogroms an den Erfurter Juden im Jahr 1349.Es ist als eines der furchtbarsten Progrome gegen Juden im Mittelalter in die Geschichte eingegangen.

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