Das kleine Mädchen und die kleine Gans haben sich unendlich lieb. Sie sind die allerbesten Freunde und haben jede Menge Spaß zusammen. Am allerliebsten gehen sie jede Woche in die Bibliothek, um sich neue Bücher auszusuchen, die sie zu Hause mit in ihr Baumhaus nehmen. Dort schmökern sie dann gemeinsam und erleben die fantastischsten Abenteuer. Doch dann lesen sie eines Tages ein Buch mit einer Gans auf dem Cover. Ehe das Gänseküken hineinschauen kann, klappt das Mädchen das Buch schnell wieder zu und möchte etwas anderes machen. Am Abend würde sich die kleine Gans das Buch sehr gerne noch einmal ansehen, aber es ist merkwürdigerweise wie vom Erdboden verschluckt. Eines Nachts taucht es plötzlich wieder auf und die Gans liest heimlich darin. Am nächsten Tag ist sie verschwunden und das Mädchen ist todunglücklich. Sie merkt, wie schwer ist, einen geliebten Freund ziehen zu lassen. Da ertönt plötzlich lautes Geschnatter am Himmel. Es ist ihre kleine Gans, die ihr fest verspricht, wiederzukommen.
Als großer David-Litchfield-Fan habe ich mich gefreut wie ein Schneekönig als ich das hier vorliegende Bilderbuch in der Verlagsvorschau entdeckte (übersetzt von Mechthild Schroeter-Rupieper). Schon beim Cover war es bei mir Liebe auf den ersten Blick und ich konnte es kaum erwarten, in die Geschichte dahinter einzutauchen.
Nach „Ein Ort für meine Traurigkeit“ und „Mut tut gut“ präsentieren Anne Booth und David Litchfield ein weiteres wundervolles Bilderbuch, das berührt, verzaubert und viele tolle Gesprächsanlässe bietet. Sanft und warmherzig erzählt Anne Booth von der Bedeutung von Freundschaft und Liebe zur Büchern, vom Großwerden, Abschiednehmen und Wiedersehen. Manchmal wünschen wir uns, dass alles so bleibt, wie es ist. Dass sich nichts verändert und die, die wir lieben, für immer bei uns bleiben. So wie das Mädchen in diesem Buch, die ihren kleinen gefiederten Freund nicht ziehen lassen möchte, aus Angst, ihn für immer zu verlieren. Veränderungen zuzulassen ist oft nicht leicht, doch sie gehören zum Leben dazu. Nur so können wir selbst und unsere Liebsten wachsen. Es ist wichtig, dass jeder die Freiheit erhält, seinen eigenen Weg zu gehen. Freiraum, Ehrlichkeit und Vertrauen – das zeichnet wahre, starke Freundschaft aus. Darüber hinaus weckt die Geschichte auch das Interesse für Bücher und regt dazu an, mehr über Gänse herauszufinden. Vielleicht wird nicht jedes Kind auf Anhieb verstehen, warum das Mädchen der kleinen Gans das Buch vorenthält. Dies sollte dem Vorlesevergnügen jedoch keinen Abbruch tun. Es macht einfach richtig Freude, dieses Buch zu lesen, vor allem optisch ist es ein Genuss.
Die Illustrationen des preisgekrönten Künstlers David Litchfield sind wie gewohnt ein leuchtend buntes Farbfeuerwerk und voller Magie und Wärme. Man großflächig, mal in comicartigen Panels setzen sie das Erzählte perfekt in Szene und laden zum Verweilen und Betrachten ein. Es gibt hier einfach so viele liebevolle Details zu entdecken. Vor allem bei den Büchern, die unsere zwei Freunde zusammen lesen, lohnt es sich, ganz genau hinzuschauen.
Fazit: „Flieg nicht so weit, kleiner Freund“ ist eine einfühlsame und berührende Geschichte über Freundschaft, Vertrauen und den Mut, loszulassen. Ein wunderschön illustriertes Bilderbuch ab 4 Jahren für mehr Empathie und innere Stärke. Ich bin begeistert von diesem Buch, besonders die Illustrationen von David Litchfield konnten mich mal wieder komplett verzaubern. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen.
Anne Booth
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Anne Booth
Kleine Wunder
Ein Ort für meine Traurigkeit
Mut tut gut
Flieg nicht so weit, kleiner Freund
Kleine Wunder: Roman | Eine englische Kleinstadt und drei Nonnen auf Mission
Neue Rezensionen zu Anne Booth
Alle Kinder kennen ihn - den Grummel. Er lebt in einer Höhle und ist groß und wild, und er kommt niemals heraus. Obwohl er immer alle, die seinem Unterschlupf zu nahe kommen vertreibt, lässt der Junge sich davon kaum beeindrucken und bringt eines Tages seine bunten Kreiden mit. Doch der Grummel vertreibt ihn, bevor er mit seiner blauen Blüte fertig ist und ein Blütenblatt noch nicht angemalt ist. Am nächsten Tag kann der Junge aber sehen, dass der Grummel wohl herausgekommen ist, um die Blume fertig zu malen. Deshalb lässt er auch seine folgenden Kunstwerke unvollendet und immer malt der Grummel sie fertig. Der Junge weiß, dass der Grummel gar kein Ungeheuer ist und schafft es schließlich, auch ihn davon zu überzeugen, dass er seine Höhle doch verlassen kann. Nun hat er einen neuen Freund gefunden, der gar nicht mehr so zornig und grummelig ist, sondern voller Vergnügen ein Kunstwerk nach dem anderen auf den Boden zaubert. So vergessen auch die anderen Kinder, dass es jemals einen Grummel gab.
Anne Booth erzählt in diesem Buch für Kinder ab drei Jahren über Schüchternheit, Vertrauen und Freundschaft. Sie zeigt, wie wichtig es ist, geduldig zu sein und Menschen Zeit zu lassen, um mit ihrem inneren Grummel fertig zu werden - man darf sie nur niemals alleine lassen. Die Autorin hat eine sehr gefühlvolle und berührende Art zu erzählen und erreicht so auch kleinere Kinder, denn einen Grummel kann sich jeder vorstellen. Zusammen mit den einzigartigen, ganz besonderen und wunderschönen Illustrationen von David Litchfield wird das Bilderbuch zu einem wahren Buchschatz.
Dieses Kinderbuch hat auch mich sehr berührt, denn ich glaube, jeder kennt einen Grummel, der nichts und niemanden an sich heranlassen möchte und weiß auch, wie wichtig es ist, trotzdem da zu sein. Auch meine Tochter ist berührt von dieser Geschichte und dem Mut des kleinen Jungen. Ein rundum gelungenes Kinderbuch, das von uns uneingeschränkt weiterempfohlen wird.
Eine zauberhafte, sehr einfühlsame, empathische Geschichte
über Schüchternheit, Hilfsbereitschaft, Mut und Freundschaft.
Über jemanden, der nicht aufgibt, einen anderen
aus seiner Höhle zu locken und ins Leben und Miteinander zu führen und über den Mut sich hinauszutrauen.
Für Kinder ab 4 Jahren
Vorab:
Oft startet man ein Buch erst mit dem Geschichtenbeginn, doch hier lege ich euch ans Herz auch die Vorab-Botschaften der Übersetzerin Mechthild Schroeter-Rupieper und der Autorin Anne Booth zu lesen.
Anne Booth erzählt hier die Geschichte eines Jungen, der sich völlig zurückgezogen hat und niemanden und nichts an sich heranlässt, bis ein anderer Junge sich nicht entmutigen lässt und immer wieder und wieder etwas macht, das letztendlich den Schüchternen aus seiner Höhle herauskommen lässt. Er findet langsam den Weg ins Leben (zurück) und entdeckt Lebensfreude.
Was so simpel klingt, ist ein langer Prozess, den Anne Booth einfühlsam und anschaulich beschreibt und David Litchfield wieder einmal fantastisch in wundervollen, oft magisch wirkenden, gefühlvollen Bildern einfängt.
"Alle Kinder wussten, dass in der Höhle ein großer wilder Grummel hauste."
"Lasst mich alle in Ruhe! hörte man ihn brüllen". (Zitat)
So beginnt die Geschichte vom Grummel.
Wir sehen eine kleine Höhle, aus der zuweilen Knurren und Murren zu hören ist.
Kinder spielen in der Nähe, nehmen das Knurren und Murren zwar wahr, aber stören sich schon lange nicht mehr daran und so wird der Grummel mit der Zeit einfach vergessen.
Nur ein kleiner Junge vergisst ihn nicht. Er möchte wissen, wieso das Grummel nicht aus der Höhle herauskommt und noch besser, er traut sich an den Eingang, traut sich Fragen zu stellen und lässt sich vom Gebrüll des Grummels nicht abschrecken, auch wenn der immer wieder brüllt, dass der Junge verschwinden soll.
Es scheint, als hätte er sich vorgenommen, das grummelige Wesen aus seiner Höhle zu locken und so in etwa ist es auch. Er kniet sich vor die Höhle und beginnt auf der Erde mit seinen Malkreiden zu malen.
Er malt eine Blume aber vollendet sein Werk nicht. Das Schimpfen aus der Höhle ignoriert er. Er lässt seine Kreide neben seinem kleinen Kunstwerk liegen und geht. Als er am nächsten Tag zurückkommt, ist die Blume fertig gemalt.
Wieder versucht er den Grummel dazu zu bewegen hinauszukommen, doch ohne Erfolg. Und wieder beginnt er zu malen, vollendet seine Bilder aber nicht. Und ihr ahnt es schon auch am nächsten Tag sind die Bilder fertig gemalt. Er lässt das Grummel wissen, dass er seine Malereien mag, doch der glaubt ihm nicht. Aus diesen zaghaften Versuchen wird viel mehr. Über das Malen schafft der Junge eine Verbindung zum Grummel. Aus Blumen- und Tiermalereien werden Selbstportraits. Und hier wird deutlich, wie das Grummel sich selbst sieht. Als grimmiges Monster.
Doch der Junge sieht ihn nicht als grummeliges Monster. Er realisiert, dass sich in der Höhle ein Kind versteckt, dass gar nicht anders als er selbst ist und genau das lässt er das grummelige Höhlenwesen auch wissen. Ganz langsam verändert sich mithilfe des Jungen die Selbstwahrnehmung des Grummelwesens.
Doch seht selbst, wie die Geschichte genau verläuft und wie sie endet.
Es ist ein langer Weg, den beide miteinander gehen.
Der Junge hat viel Geduld, ist sehr einfühlsam, empathisch und gibt nicht auf. Erst streckt er seine Hand nur symbolisch aus, doch dann auch real.
Wie gut, dass er so hartnäckig bleibt und sich nicht verscheuchen lässt. Wie gut, dass ihm das Grummelwesen nicht egal ist, wie den anderen.
Wer sich abkapselt, der Außenwelt verschließt und alles tut, damit niemand mit ihm etwas zu tun haben möchte, der braucht in Wirklichkeit Hilfe. Viele Kinder leben in abgeschwächter Form in ihrer selbst gewählten Isolation und sind dabei in Wahrheit todunglücklich.
Deshalb ist die Geschichte auch so wichtig und wertvoll.
Sie macht Schüchternen Mut und sensibilisiert Außenstehende mehr auf die Zeichen Einsamer, Schüchterner, Unsicherer zu achten und die Hand zu reichen. Der Junge hat über das Malen Zugang zu dem schüchternen Jungen gefunden.
Wir erfahren nicht, wieso sich der Junge in seine Höhle verkrochen hat, doch das ist auch nicht so wichtig. Angst kann ein Grund sein, fehlendes Selbstbewusstsein, eine schlechte Eigenwahrnehmung (mich kann doch keiner mögen) sind vielfach Gründe für die Selbstisolation. Es kann aber auch Trauer oder eine schlechte Erfahrung sein, die Kinder (und auch Erwachsene) dazu bewegen, sich abzukapseln. Hier braucht es Mutige wie den Jungen in dieser Geschichte, die immer wieder Mut machen, sich herauszutrauen und am Leben teilzuhaben.
Die Welt ist bunt und jeder kann sie etwas bunter machen.
Du machst die Welt bunt und schön.
Du bist wertvoll.
All das sind Botschaften dieser Geschichte, die David Lichfield mit seinen Bildern nahbar und miterlebbar macht.
Mit seinen einfühlsamen Zeichnungen nimmt er uns Leser mit in beide Welten. Die des einsamen Jungen, der langsam wieder ins Leben findet und die des Jungen, der nicht lockerlässt, den Jungen aus seiner Höhle zu locken und dabei über das Malen einen wundervollen Weg findet, Zugang zu ihm zu finden.
Diese Verbindung von Illustration und der Kraft von kreativen Aktionen, die verbinden, ist einfach wundervoll ausgearbeitet.
Es gibt nur sehr wenige Illustrator: innen, die es schaffen, so intensive Gefühle wie Traurigkeit, Einsamkeit etc. in fühlbaren Bildern zu transportieren. David Litchfield schafft genau das mit seinem einzigartigen Illustrationsstil, bei dem er viel mit Licht und Schatten spielt und dabei Bilder entstehen lässt, die einerseits voller Magie sind und das Auge fesseln und andererseits in dieser Magie so intensive Gefühle wie tiefe Traurigkeit fühlbar/ erlebbar machen.
"Mut tut gut" ist nicht das erste Buch, bei dem er diesen Spagat geschafft hat und ich hoffe sehr, er wagt sich auch an weitere Projekte, die nicht so Mainstream Themen behandeln.
Seine Bilder und Anne Booths wundervoller Erzählstil bilden hier eine wundervolle Einheit, die ein Buch haben entstehen lassen, von denen wir mehr brauchen.
Von hier eine absolute Herzensempfehlung.
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