Anne C. Voorhoeve Unterland

(19)

Lovelybooks Bewertung

  • 25 Bibliotheken
  • 1 Follower
  • 0 Leser
  • 6 Rezensionen
(8)
(7)
(2)
(0)
(2)

Inhaltsangabe zu „Unterland“ von Anne C. Voorhoeve

Deutschland 1945. Kurz vor Kriegsende wird Helgoland von Bomben zerstört. Die zwölfjährige Alice und ihre Familie fliehen von der Insel und lassen alles zurück, was ihnen wichtig ist. In Hamburg finden sie Unterschlupf. Doch die neue Zeit, die sich Frieden nennt, stellt sie vor immer neue Herausforderungen: Hunger und Kälte, Schwarzmarkt und Hamsterfahrten, das Leben unter einer Besatzungsmacht - und mit Menschen, die bleischwere Geheimnisse hüten. Trotz allem behält Alice ihr Ziel fest im Blick. Eines Tages wird sie auf ihre geliebte Insel zurückkehren!

Stöbern in Jugendbücher

Palast der Finsternis

Spannend und gruselig, nicht nur für Jugendliche

buchernarr

Immer diese Herzscheiße

Schönes Jugendbuch, das ein wichtiges Thema anspricht.

Littlemiss_lissie

Ewig - Wenn Liebe entflammt

In einigen Dingen durchaus vorhersehbar

Sternennebel

Wir fliegen, wenn wir fallen

ein ewiges hin und her

Chuckster

Die Chroniken der Verbliebenen - Die Gabe der Auserwählten

Schwächster Band der Reihe aufgrund der Splittung des Verlages. Einfach zu wenig Inhalt für zu viel Geld. Wirklich schade!

Lenneth88

Chosen - Das Erwachen

Eine absolut lesenswerte, in beiderlei Hinsicht fantastische Dilogie, die Jugendbuchfans gelesen haben sollten!

101Elena101

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Unterland" von Anne Ch. Voorhoeve

    Unterland

    hexhex

    05. June 2012 um 09:39

    In dem Jugendbuch geht es um die 12jährige Alice und den 13jährigen Wim, die sich im zerbombten Hamburg kurz nach Kriegsende kennenlernen. Alice, die von der Insel Helgoland kommt, beschreibt sehr genau ihr Leben auf dem Festland. Das Wohnen mit anderen Familien in einem Haus, das Hungern, Hamsterfahrten aufs Land, die Schule mit einem Lehrer, der die Geschehnisse des 2. Weltkrieges nicht wahrhaben will, den Schwarzmarkthandel und und und... Es ist wirklich viel enthalten in diesem Buch. Ich könnte mir vorstellen, dass es für einen Jugendlichen vielleicht zuviel sein könnte, denn wenn man noch nicht viel von den Geschehnisse aus dieser Zeit weiß, könnte es einen auch überfordern. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, es ist flüssig geschrieben und man kann es eigentlich in einem Rutsch durchlesen. Obwohl ich mich für gut informiert hielt, was die Kriegszeiten angehen, so war mir das Schicksal Helgolands doch ziemlich neu. Diese Insel ist interessanter als ich dachte, vielleicht sollte ich mal hinfahren.

    Mehr
  • Rezension zu "Unterland" von Anne Ch. Voorhoeve

    Unterland

    WildWhisper

    11. April 2012 um 14:57

    Grundsätzlich ist Anne C. Voorhoeve eine meiner Lieblingsautorinnen und das hat auch dieses Buch bestätigt, auch wenn es mich längst nicht so beeindruckt hat wie etwa 'Liverpool Street'. Das gewählte Thema - die Nachkriegszeit - fand ich sehr interessant und auch gut umgesetzt. Die Hauptperson Alice, die aus der Ich-Perspektive berichtet, lässt einen schnell in das Geschehen finden und bietet genug Identifiktationspotenzial, auch wenn man über ihre Handlungen und Gedankengänge, ihren Leichtsinn und ihre Naivität manchmal den Kopf schütteln kann. Trotz allem ist sie sympathisch und vor allem hebt sie sich von anderen Protagonistinnen historischer Jugendbücher ab, indem sie ganz persönlich vom Krieg versehrt wurde. Ihre Behinderung ist gegenwärtig genug, um das Grauen des Krieges zu illustrieren und trotzdem bleibt Alice genug Freiheit, um eine interessante Hauptperson zu sein. Manchmal war es schon fast unrealistisch, was sie tatsächlich alles wieder mit ihrem Bein machen kann, aber andererseits war eine besondere Stärke des Buches die Person Alice, die sich nie aufgab, auch wenn sie von allen Hausbewohnern persönlich am stärksten betroffen war. Insgesamt beschreibt das Buch viele unschöne, düstere Szenarien, geht auf so ziemlich jedes Nachkriegsthema - Hunger, Flüchtlinge, Besatzungsmacht, Kriegsverbrecher... - ein und lässt auch jedem Thema die nötige Aufmerksamkeit zukommen. Es ist sehr informativ, aber manchmal ist mir ein bisschen der rote Faden verloren gegangen. Mit 'dem Verräter' bzw. der Sehnsucht nach Helgoland und dem Geheimnis der Wollanks gibt es zwar zwei parallele Stränge, die sich von Anfang bis Ende durchziehen, allerdings gibt es schon mal 50 Seiten, auf denen auf eine dieser beiden Angelegenheiten gar nicht mehr erwähnt wird und man sie fast vergisst. Der Helgoland-Strang war manchmal etwas verwirrend. Zwar wurde im Nachwort erklärt, was genau es mit der Geschichte um 'den Verräter' auf sich hatte, aber während der Lektüre konnte man sich das selbst nach mehrmaligem Lesen der spärlichen Erklärungen kaum erschließen. Auch bei der Sache mit dem Wollanks wirkte nicht immer alles von Anfang bis Ende durchdacht, genau, wie ich das System von Alices Schwarzmarkthandel bis heute nicht verstanden habe. An sich ist es aber ein schönes, interessantes Buch, das jungen Lesern einen guten Einblick in die Zeit nach dem Krieg näherbringt und sich ausnahmslos flüssig lesen lässt.

    Mehr
  • Rezension zu "Unterland" von Anne Ch. Voorhoeve

    Unterland

    Fantasie_und_Träumerei

    22. March 2012 um 09:28

    KLAPPENTEXT: Deutschland 1945. Kurz vor Kriegsende wird Helgoland von Bomben zerstört. Die zwölfjährige Alice und ihre Familie fliehen von der Insel und lassen alles zurück, was ihnen wichtig ist. In Hamburg finden sie Unterschlupf. Doch die neue Zeit, die sich Frieden nennt, stellt sie vor immer neue Herausforderungen: Hunger und Kälte, Schwarzmarkt und Hamsterfahrten, das Leben unter einer Besatzungsmacht - und mit Menschen, die bleischwere Geheimnisse hüten. Trotz allem behält Alice ihr Ziel fest im Blick. Eines Tages wird sie auf ihre geliebte Insel zurückkehren! ZUR AUTORIN: Anne C. Voorhoeve, 1963 geboren in Bad Ems, Drehbuchautorin und Schriftstellerin, studierte Politikwissenschaft, Amerikanistik und alte Geschichte. Ihr Debütroman „Lilly unter den Linden“ wurde 2002 verfilmt. Weitere Preisgekrönte Bücher folgten. „Unterland“ ist ihr neuster Roman. EIGENE MEINUNG: Anne C. Voorhoeve ist ein bekannter Name in der Jugendliteratur. Ihre Bücher setzen sich mit politischen Themen, wie z.B. der DDR oder Nationalsozialismus auseinander. Schon seit langem wollte ich endlich mal eines ihrer Bücher lesen, für die sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, doch irgendwie hatte bisher noch keiner ihrer Romane mein Regal erreicht. „Unterland“ hat es nun endlich geschafft und ich bin sehr froh, den tollen Schreibstil der Autorin entdeckt zu haben. Alice und ihre Familie leben in den schrecklichen Jahren des zweiten Weltkriegs. Ihre Heimat war einmal die Insel Helgoland. Dort wurde es wegen der vielen Bombenangriffe zu gefährlich, weswegen Alice, ihre Mutter, ihr Bruder und ihre Großmutter die Insel verlassen und Asyl in Hamburg suchten. Mit der Hoffnung nach dem Krieg wieder auf ihre geliebte Insel zurückkehren zu können. Doch dann soll die Insel gesprengt werden. Ihre Heimat komplett dem Erdboden gleich gemacht werden. Alice und ihre Familie sind am Boden zerstört. „Unterland“ hat mich sehr fasziniert und gefesselt. Meistens spielen Bücher über den zweiten Weltkrieg auch während der Zeit in der dieser noch aktiv wütete. „Unterland“ erzählt vor allem von der Nachkriegszeit. Vom Frieden, der den Menschen eine bessere Zeit, Glück und Wohlbefinden bescheren soll. Doch wie soll man sich wohlfühlen, wenn man mit der ganzen Familie auf engstem Raum lebt? Wenn nie ausreichend Essen da ist und die Küche außerdem noch mit drei anderen Familien geteilt werden muss? Anne C. Voorhoeve schildert sehr eindrücklich und nachhaltig die Schwierigkeiten der Nachkriegszeit. Einer Zeit, in der auch weiterhin unschuldige Menschen das Nachsehen haben mussten. Viele Bürger, die nichts mit dem Krieg zu tun hatten, wurden verantwortlich gemacht, für all die schlimmen Taten, die begangen wurden. Jeder muss helfen die zerbombten Gebiete wieder aufzubauen. Männer werden dafür ins Ausland gebracht. Auch Alice und ihre Familie muss Steine klopfen, damit Deutschland wieder aufgebaut werden kann und damit sie sich dort ein wenig Geld zu verdienen, um sich Lebensmittel leisten zu können. Ich weiß noch von meinen Großeltern, dass sie damals nicht zur Schule gehen durften, weil so viel Arbeit an stand, die wichtiger war, als lernen. Jeder musste mithelfen, egal ob jung oder alt und gebrechlich. Ein weiterer interessanter Aspekt des Buches ist der geschichtliche Hintergrund der Sprengung Helgolands. 1947 wurde Helgoland von den Briten gesprengt, was nicht nur die ursprüngliche Landschaft und geografische Beschaffenheit der Insel total veränderte, sondern die Insel zunächst auch unbewohnbar machte. Erst 1952 wurde die Insel wieder aufgebaut und neu besiedelt. Eine geschichtliche Tatsache, von der ich bisher keine Ahnung hatte. Ich habe so viel von Geschichte geredet, dass es sich so anhört, als wäre „Unterland“ ein staubtrockenes Geschichtsbuch, ähnlich einem Schulbuch. Das ist es keineswegs, denn die Erlebnisse um Alice, ihre Familie, verschollene Väter und britische Soldaten sind spannend und sehr lebendig erzählt. Emotionen werden so gut herüber transportiert, dass ich Gänsehaut bekommen habe. FAZIT: Dies war mein erstes, aber sicher nicht mein letztes Buch von Anne C. Voorhoeve, die mit einer wunderschönen Schreibe und einer spannenden, interessanten und emotionalen Geschichte ihre Leser begeistert.

    Mehr
  • Rezension zu "Unterland" von Anne Ch. Voorhoeve

    Unterland

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Wir schreiben das Jahr 1945, das Kriegsende steht kurz bevor. Die zwölfjährige Alice, lebt mit ihrer Familie auf Helgoland. Als die kleine Insel von England bombadiert wird und alles in Schutt und Asche steht, werden sie nach Hamburg verfrachtet. Und auch wenn es heißt der Frieden sei nun ins Land eingekehrt, macht sich der nicht sonderlich bemerktbar. Hass erfüllt das Land und deren Menschen, Alice, die all das nicht versteht beginnt fragen zu stellen, stößt allerdings oftmals vor geschlossene Türen. Und auch der Alltag entpupt sich als ein Kampf ums tägliche überleben, das Essen ist knapp und eisige Kälte schwebt über das Land, um zu überleben muss man zu Mitteln greifen die nicht legal sind. Mit diesem Buch ist der Autorin ein wundervolles und einfühlsames Werk über die Nachkriegszeit gelungen. Dadurch, dass das Buch aus der Sicht eines Kindes erzählt wird, wird dem Buch eine gewisse Unschuld verliehen, dass dem Buch was besonderes gibt. Ich finde auch, dass die Situation von damals sehr gut nachgestellt wurde. Angst, Hass aber auch Hoffnung waren in der Zeit sicherlich weit verbreitet. Und natürlich auch die Frage wie all das passieren konnte? Und in diesem Buch haben wir ein kleines Mädchen, das versucht all das zu verstehen, was haben die Juden getan? Was ist aus ihnen geworden? Doch nur wenige der Erwachsenen sind bereit sich diesen Fragen zu stellen, sie verschließen sich vor dem was geschehen ist und wollen möglichst nicht weiter damit konfrontiert werden. Auch wenn deren Verhalten für mich sehr schwer nachzuvollziehen ist, kann ich darüber nicht negativ urteilen, wer weiß wie ich in deren Situation reagiert hätte? Zu dem hatten sie nach dem der Krieg vorbei war, wohl auch einfach andere Sorgen um die sie sich eher Gedanken machen mussten. Was geschieht nun mit dem Land - mit uns? Ich denke diese Zeit damals war nicht viel einfacher als die Kriegzeit selbst, weswegen ich es sehr interessant und spannend fand auch über diese Zeit mal ein Buch zu lesen. Habe ich bisher nicht, wenn dann spielten die Geschichten mitten im Krieg bis zum Kriegsende, das dann das "Happy End" darstellte, aber das war es ja nun nicht zwangsläufig. Auch die Charaktere sind alle sehr liebevoll herausgearbeitet und verleihen der Geschichte ein gewisses Charme, allen voran ist hier natürlich Alice besonders hevorgestochen. Sie ist einfach ein kluges und weises Mädchen und das mit ihren zwölf Jahren. Ihre Sichtweise auf die Geschehnisse, ihre Gedanken und ihre Neugierde, machen das Buch zu dem Buch was es ist, ein Buch das auf jeden Fall gelesen werden sollte, nicht nur von Menschen die sic für diese Zeit interessieren. :) Für mich ist sie sehr zu bewundern, sie ist mutig und voller Kraft und Lebenswillen diese Zeit der Trostlostigkeit zu überstehen und es ist schön und sehr wunderlich, dass sie nach all dem was sie in ihrem Leben schon erleben musste stets ihren Humor bewahrt, der auch den Lesern zum schmunzeln bringt, wenn er doch eigentlich weinen möchte. Auch der Schreibstil ist sehr schön und ich finde, dass es der Autorin wirklich gut gelungen ist, sich in das kleine und starke Mädchen hineinzufühlen, man hat den Eindruck, dass sie während des schreibens in Alice Leben abgetaucht ist - nein, dass sie zu Alice wurde und das ist für mich immer was ganz besonderes. :) Dieses Buch möchte ich wirklich jedem wärmstens ans Herz legen. :)

    Mehr
    • 2
  • Rezension zu "Unterland" von Anne Ch. Voorhoeve

    Unterland

    kathrineverdeen

    16. March 2012 um 10:25

    „Frieden sieht nur auf den ersten Blick aus wie ein kurzes Wort. Ich glaube, es gibt keine zwei Menschen auf der Welt, für die Frieden ganz genau dasselbe bedeutet. Für mich hieß Frieden und wird es vielleicht auch immer heißen, dass sich der graugelbe Dunst verzog, der Himmel blau wurde, dass man wieder atmen konnte und sich erinnerte, was Stille war.“ Seite 42 Inhalt: Deutschland 1945. Kurz vor Kriegsende wird Helgoland von Bomben zerstört. Die zwölfjährige Alice und ihre Familie fliehen von der Insel und lassen alles zurück, was ihnen wichtig ist. In Hamburg finden sie Unterschlupf. Doch die neue Zeit, die sich Frieden nennt, stellt sie vor immer neue Herausforderungen: Hunger und Kälte, Schwarzmarkt und Hamsterfahrten, das Leben unter einer Besatzungsmacht - und mit Menschen, die bleischwere Geheimnisse hüten. Trotz allem behält Alice ihr Ziel fest im Blick. Eines Tages wird sie auf ihre geliebte Insel zurückkehren! „Unterland“ von Anne C. Voorhoeve ist die Geschichte von Alice, einem Mädchen, das mit seiner Mutter, seiner Großmutter und seinem Bruder nach einem großen Bombenangriff von der Heimatinsel Helgoland evakuiert wird. In Hamburg weist man der Familie ein Haus zu, welches von drei weiteren Flüchtlingsfamilien und der Hausherrin bewohnt wird. Doch das Leben dort ist alles andere als Zuckerschlecken. Nicht nur in dieser Gemeinschaft herrschten Hunger, Kälte und Neid, es mangelte auch an den alltäglichsten Dingen. Um sich über Wasser zu halten und nicht zu erfrieren und zu verhungern, musste man sich schon etwas einfallen lassen. Auch wenn es nicht legal war… Die Geschichte wird aus der Sicht von Alice erzählt. Sie ist zwölf Jahre alt und für mich eine kleine Heldin. Ihr kurzes Leben hat schon einige tiefe Narben hinterlassen. Nicht nur seelische, denn sie wurde bei einem Tieffliegerangriff auf ihrem Schulweg schwer verletzt und ist seitdem gehandicapt. Trotz dieser Einschränkungen hat sie ihren Mut, ihr Durchsetzungsvermögen und ihren Humor nicht verloren. Alice erzählt von dem täglichen Lebenskampf, Schwarzmarkthandel, von Hass, von der Hungersnot und dem Einfallsreichtum der Menschen um zu überleben. „In Hamburg wurden Hosen in allen Varianten getragen-kurze und lange Hosen, Hosen aus Stoff, aus Wolle, aus Leder, aus Gummi und sogar Papier.“ Seite 202 Alice erzählt auch von der Sehnsucht nach der Heimat, die sie wohl nie wieder sehen wird und von der Suche nach einem Verräter, der nicht greifbar zu sein scheint und all das zu verantworten hat. Der Leser erlebt die Geschichte wie durch einen Filter, einem Kindermund. Er erfährt dadurch viel über den Umgang der Erwachsenen der damaligen Zeit mit den Geschehnissen. Alice weiß nichts von den Lagern oder dem täglichen Umgang mit Juden auf der Straße. Sie versteht nicht, warum die so genannten „Tommys“ die Leute behandeln, als müssten sie alle bestraft werden. Sie hinterfragt jetzt viele Dinge und bekommt nur selten eine Antwort. „Ootie hatte Recht gehabt. Die Wahrheit über uns musste so grauenvoll sein, dass Eltern ihren Kindern nicht einmal mehr in die Augen sehen konnten. Wenn ich mehr wissen wollte, würde ich Fremde fragen müssen.“ Seite 412 „Unterland“ von Anne C. Voorhoeve ist für mich ein unerwartetes und ganz besonderes Lesererlebnis gewesen, denn eigentlich lese ich nicht so viele geschichtliche Romane. Mit ihrem Schreibstil hat mich Anne C. Voorhoeve begeistert und mir Alice, aber auch alle andere Charaktere sehr nah gebracht. Man spürt körperlich den Kampf der Menschen in dieser schweren Zeit. In vielen Momenten, die ich mit Alice verbracht habe, wusste ich nicht, ob ich aufgrund ihres trockenen Humors und ihrer Erzählweise, lachen oder weinen sollte. Anne C. Voorhoeve spricht viele Themen an, die für mich heutzutage einfach unvorstellbar sind: Allein auf Baumrinde zu kauen, um den Hunger zu besiegen! Erschüttert haben mich einige Erwachsene in diesem Buch mit ihrem Umgang mit der deutschen Geschichte. Ignorieren statt sich damit auseinander zu setzen. Ich durfte auch viele Dinge erfahren, die man in dem normalen Geschichtsunterricht so nicht erfahren hat. Es gab kein Kapitel, in dem ich nicht das Bedürfnis hatte, mit jemandem darüber zu sprechen. Dieses Buch hat mich wirklich tief berührt und sehr bewegt und ich kann es wirklich jedem ans Herz legen. Auch denen, die sich nicht unbedingt für Geschichte interessieren. Ich konnte mich sehr schlecht von dieser Geschichte trennen und muss noch immer grübeln. Trotz dieser doch ernsten Geschichte deprimiert dieses Buch nicht, es macht eher Hoffnung und Mut. Irgendwann werde ich mal nach Helgoland fahren und an Alice denken.

    Mehr
  • Rezension zu "Unterland" von Anne Ch. Voorhoeve

    Unterland

    hproentgen

    17. December 2011 um 10:56

    »Sie standen noch an derselben Stelle, als wir aus der Schule zurückkamen – die Mutter in einen weiten blauen Umhang gehüllt, um sich gegen den Nieselregen zu schützen, der Sohn auf dem Rand des einzigen Koffers sitzend, den sie dabeihatten. So wie der Koffer sich bog, war fast nichts drarin, der Junge hockte keine dreißig Zentimeter über dem Boden. Er hatte die Nase in einem Buch, als ginge ihn das alles nichts an, aber als wir sie aus dem Küchenfenster beobachteten, stellten wir fest, dass er die Seiten nicht umblätterte. Eine dunkle Haartolle hing ihm ins Gesicht. Ich schätzte, dass er etwa in unserem Alter sein musste. [...] Sie hatten einen Quartierschein, alles war vollkommen korrekt. Trotzdem verlangte Frau Kindler immer noch, dass Mem zum Bürgermeister ging, um zu protestieren. „Wie sind zu zwölf, ich habe drei Familien aufgenommen, drei Familien, was wollen die denn noch von mir?“ schallte es aus dem oberen Stock.« Alice ist zwölf, lebt auf Helgoland und es ist Krieg. Helgoland soll wie alle Orten bis zum letzten Mann verteidigt werden. So wollen es die Nazis, obwohl jedem klar ist, dass der Krieg längst verloren ist und auch die Festung Helgoland daran nichts mehr ändern kann. Einige Helgoländer versuchen, die Insel kampflos an die Briten zu übergeben, doch der Versuch scheitert, diejenigen, die es versucht haben, werden erschossen und die Briten bombardieren die Insel. Danach steht kein Stein mehr auf dem anderen, die Helgoländer werden evakuiert und Alice landet mit Mutter, Oma und Bruder Henry in Hamburg. Bald ist Frieden, doch der ist längst nicht so friedlich wie erhofft. In Hamburg steht kaum noch ein Stein auf dem anderen, ganz Europa hungert nach dem Krieg und die Versorgung muss überhaupt erst wieder aufgebaut werden. Essen gibt es auf Karten, aber die Rationen sind knapp und oft gibt es nicht mal die. Der Lehrer ist ein reaktivierter alter Mann, der nicht nur brutal ist, sondern öffentlich vor den Briten, den Tommies buckelt, aber den Schülern von deutscher Größe erzählt und dass die angeblichen Lager alles Erfindungen der Alliierten sind. Sich in dieser Welt zurecht zu finden, ist schwierig. Über so viel wird nicht geredet, was war mit den Juden, will Alice wissen, als sie auf dem Schwarzmarkt einen jüdischen Händler trifft, aber genaues erfährt sie nicht. Und dann wird einer geheimnisvolle, stolze Frau samt Sohn ein Zimmer im Haus zugewiesen. Der Sohn profiliert sich auf dem Schwarzmarkt, Alice hilft mit, aber eigentlich will sie nur wieder zurück nach Helgoland. Doch das ist Sperrgebiet und schließlich wollen die Briten die Insel gar sprengen. Und da ist der geheimnisvolle Verräter, den Henry richten will, weil ... Anne Vorhoeve hat einen Roman über zwei Nachkriegsjahre in Hamburg geschrieben, über Hunger, Schwarzmarkt und den Hass, den der Krieg zurückgelassen hat. Die Tommies, die den Deutschen nicht trauen, aber immerhin Schulspeisungen organisieren, die Deutschen, die die Tommies hassen, ein Jude, der alles verloren hat und alle hasst und die Geheimnisse, die jeder Erwachsene mit sich herumträgt. Nicht einfach für eine Zwölfjährige. Ein Roman, der einfach die Zeit lebendig werden lässt, wie die Menschen damit umgehen und wie die Nazi-Herrschaft nachwirkt, im Hass, im Verbergen und mancher hat Hitler gar nicht gekannt. Ein Jugendbuch aber nicht nur für Jugendliche, spannend und lebendige Geschichte. Ein guter Nachfolger von „Einundzwanzigster Juli“ und „Liverpool Street“, für den die Autorin den angesehenen Buxtehuder Bullen bekam.. Hans Peter Roentgen Leseprobe: http://www.amazon.de/gp/reader/B006J9DFYY/ref=sibdpkd#reader-link Unterland, Jugendbuch, Anne G. Voorhoeve, Ravensburger, Januar 2012 ISBN-13: 978-3473400744, gebunden, 435 Seiten, Euro 16,99

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks