Anne Enright

 3.3 Sterne bei 204 Bewertungen
Autorin von Anatomie einer Affäre, Das Familientreffen und weiteren Büchern.
Anne Enright

Lebenslauf von Anne Enright

Anne Enright wird am 11.Oktober 1962 in Dublin, Irland geboren. Nach dem Besuch an einem College in Vancouver studiert sie am Dubliner Trinity College Philosophie. Danach geht sie mit Stipendium an die University of East Anglia und belegte dort "Kreatives Schreiben". Insgesamt war sie mehr als 12 Jahre als Programmdirektorin, Produzentin und Regisseurin für ein Kinderprogramm tätig. 1991 erscheint "The Portable Virgin"- ihre ersten publizierten Erzählungen. 2007 erhält ihr Roman "The Gathering" den Booker Prize. Die wichtigste literarische Auszeichnung für ein englischsprachiges Werk.

Alle Bücher von Anne Enright

Sortieren:
Buchformat:
Anatomie einer Affäre

Anatomie einer Affäre

 (74)
Erschienen am 08.07.2013
Das Familientreffen

Das Familientreffen

 (63)
Erschienen am 13.11.2017
Rosaleens Fest

Rosaleens Fest

 (22)
Erschienen am 22.08.2016
Alles, was du wünschst

Alles, was du wünschst

 (5)
Erschienen am 12.09.2011
Elisas Gelüste

Elisas Gelüste

 (1)
Erschienen am 12.03.2012
Ein Geschenk des Himmels

Ein Geschenk des Himmels

 (1)
Erschienen am 04.11.2010

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Anne Enright

Neu
E

Rezension zu "The Forgotten Waltz" von Anne Enright

Anatomie einer Affaire
Eoliennevor 4 Monaten

Ich war auf das Buch neugierig geworden durch die begeisterte Empfehlung einer belesenen Begegnung und bin nicht enttäuscht worden. Die irische Schriftstellerin hat bereits für den Vorläufer The Gathering/Das Familientreffen den begehrten Booker-Preis gewonnen und fällt mit diesem hervorragend geschriebenen Roman wieder angenehm auf. Den deutschen Titel "Anatomie einer Affaire" finde ich übrigens - und das ist selten genug - viel gelungener als den O-Titel, denn es geht in der Tat um das unerschrockene Sezieren einer Liebesbeziehung, bei der man sich am Ende des Buches die Frage stellt, ob sich all der Aufwand,  die Zerstörung und die Neuordnung, denn nun gelohnt haben.

Die Geschichte einer Affaire der verheirateten Gina Moynihan mit dem Familienvater Séan Vallely ist so alt ist wie die Menschheit: Ein Mann und eine Frau begegnen sich, verbringen während einer Fortbildung eine Nacht miteinander. Nichts besonders, alles schon mal dagewesen - der raffinierte Kunstgriff mit den Songtiteln als Kapitelüberschriften unterstreicht das Gewöhnliche der Situation. 

So weit, so gut. Bei der "Sex in the City"-Nummer hätte es bleiben können, doch Gier und Fleischeslust aufeinander lassen die beiden ihre Affaire aufrecht erhalten. Schließlich fliegen sie auf. Evie, Séans Tochter, entdeckt sie beim Neujahrskuss, ohne das Gesehene zunächst richtig einordnen zu können. Peu à peu dämmert es auch den betrogenen Ehepartnern, Familienmitgliedern und Nachbarn... von deren Beziehungsgeflecht Gina, die Spezialistin für IT-Kommunikation, abrupt abgetrennt wird. Während ihr Lover längst wieder auf Freiersfüßen wandelt, sitzt sie allein - manchmal mit Evie, wenn niemand anderes Zeit hat, die Kleine abzuholen - im unverkäuflich gewordenen Haus ihrer kürzlich verstorbenen Mutter und puzzelt ihr Leben neu zusammen.  

Puzzeln müssen auch die LeserInnen, denn die durcheinandergewirbelte Chronologie des Lebens, das Gina um die Ohren fliegt, macht einem das Textverständnis manchmal nicht leicht. 

Was mich aufge- und erschreckt hat, ist die kalte Distanziertheit, mit der Enright die Ich-Erzählerin ihre Beziehungen eingehen und entwirren lässt - fast so, als ob Gina ihr virtuelles Alter Ego im "second life" beschreibt. Es erinnert mich sehr an meinen Ärger über die schultergepolsterte, toughe, gläserne Schreibtisch-"Spaßgesellschaft" (und Rathlin Communications' Aufgabe ist es, die europäischen Unternehmen mit "Spaß" ins englischsprachige Internet zu bringen!) Ende der 80ger/Anfang der 90ger Jahre. 

Ob sich Gina Evies Schuh anziehen sollte, alleinige Verantwortliche für das Scheitern der Ehe ihrer Eltern zu sein, darüber mag man geteilter Meinung sein - schließlich ist der Vorwurf typisch für Töchter, die den Helden Vater niemals vom Thron stürzen (nicht einmal Gina, die unter den z. T. verletzenden Statements ihres Vaters, eines alkoholkranken, dementen Lebemannes, leidet, tut dies). 

Doch jemand, der heiratet, weil es so praktischer ist mit dem Abbezahlen eines Hauses, dessen Wert angeblich stündlich steigt ("Listen to the money"...), der wird nach einer gewissen Zeit sehnsüchtig nach einer gewissen Leichtigkeit Ausschau halten: 

 " It was the luxury of the kiss that held me, the pure pointless, greedy delight. ... After the kiss, the five-minute, ten-minute, two-hour kiss - the actual sex was a bit too actual, if you know what I mean."  

Genau deshalb hat es sich gelohnt. Das Lesen dieses Buches und die Affäre. 

"Es hatte, wieder einmal und wie so oft, das letzte Wort - das kleine Wort Trotzdem" (Erich Kästner).

Kommentieren0
0
Teilen
ullikens avatar

Rezension zu "Das Familientreffen" von Anne Enright

Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht
ullikenvor 7 Monaten

Veronicas Lieblingsbruder Liam, der das schwarze Schaf der Familie war, ist tot; er hat sich im Meer ertränkt. Sie waren zwei von 12 Kindern, bei jeder Niederkunft verbrachten sie mehrere Wochen bei ihrer Großmutter. 

Veronika übernimmt die Identifizierung und alle notwendigen behördlichen Gänge, sucht den Sarg aus und sorgt für die Überführung. Sie informiert ihre Mutter (die sich ihren Namen nie gemerkt hat) und ihre Geschwister. Und während all dieser Zeit und der Monate nach der Beerdigung versucht sie zu ergründen, weshalb es so weit kommen musste. 

Sie erinnert sich den Sommer, als sie acht oder neun war. Sie waren gerne bei den Großeltern, doch es ist ihr erinnerlich, dass es wahrscheinlich dort zu Vorkommnissen kam, aus denen sie folgern kann, weshalb sie und ihre Geschwister nicht so sind wie andere. Nebenbei hat sie auch noch ihre eigene Familie, zwei Kinder und ihren Mann Tom, ich frage mich, ob ihre ehelichen Probleme nicht auch daher rühren. Ein anderer Leser mag das anders beurteilen.

Anne Enright hat ein ganz heißes Eisen angefasst und schreibt über eine total verkorkste irische Großfamlie, die wohl alles durchmachen musste. Der Roman beginnt leise, doch im Weiterlesen beginnt man, sich zu fragen, wo das wohl hinführt. Eine ganz große Autorin hat sich hier die Ehre gegeben. 

Übersetzt hat das Buch Hans-Christian Oeser, es erschien bei PENGUIN VERLAG

Kommentieren0
1
Teilen
Silkchen2909s avatar

Rezension zu "Rosaleens Fest" von Anne Enright

Schwierige Lektüre, Plot kommt zu spät
Silkchen2909vor 2 Jahren

Rosaleen ist kein einfacher Mensch. Ihr Mann ist verstorben und ihre vier Kinder in aller Welt verstreut. Hannah, Constanze, Dan und Emmet haben alle ihre Probleme, alle ihr mehr oder weniger schwieriges Leben. Und doch treffen sie sich Weihnachten bei Rosaleen, weil diese das Elternhaus verkaufen möchte. Dieses Treffen verläuft, wie zu erwarten, nicht konfliktfrei.

Anne Enright begleitet sowohl die vier erwachsenen Kinder als auch Mutter Rosaleen bei einzelnen Stationen ihres Lebens, allerdings fehlt der rote Faden. Denn diese Episoden scheinen ohne Bezug zueinander zu verlaufen. Erst nach mehr als der Hälfte trifft die Familie wirklich aufeinander und es entsteht wirklich ein Plot. Und so habe ich mich beim Lesen auch schwer getan, in die Geschichte reinzukommen. Keiner der fünf Protagonisten ist durchweg sympathisch, die Sprache ist zum Teil verwirrend.

Die Kälte der Mutter den Kindern gegebenüber, die Kinder, die sich wenig zu sagen haben sind bisweilen schwer zu ertragen. Diese Kälte wird allerdings gut transportiert, der Autorin gelingt es hervorragend, die schwierigen Mutter-Kind-Beziehungen zu beschreiben und die Ohnmacht zu transportieren.

Was mir gefallen hat war, dass jede Episode vom Stil angepasst ist an den Protagonisten, dem die Episode gewidmet ist. Bei einigen Abschnitten ist dies allerdings anstrengend, denn die Gedanken scheinen nicht immer geordnet, die Sprache ist daher sperrig.

Mir fehlte am Ende der rote Faden und der Stil der Autorin scheint leider auch nicht meiner zu sein.

Kommentieren0
5
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
DVA_Verlags avatar
Liebe LovelyBooker, wir sind zwar schon etwas länger hier, aber bislang noch gar nicht richtig aktiv gewesen. Das wollen wir nun ändern und versuchen es mit unserer ersten Leserunde. Heute erscheint der Roman "Anantomie einer Affäre" von Booker-Preisträgerin Anne Enright. Worum geht s? Es ist nicht Liebe auf den ersten Blick, als Gina den Familienvater Seán Vallely bei einem Gartenfest kennenlernt. Doch Jahre später treffen sie sich zufällig wieder, trinken zu viel, landen im Bett – und verfallen einander. So beginnt eine verhängnisvolle Affäre, anfangs eine Beziehung voller Leidenschaft und Glück, bis langsam das Schweigen Einzug hält, Gewissensbisse, Vorwürfe, Schuld – ist es Liebe? Und darf man für diese Liebe das Seelenheil seines Kindes opfern? Anne Enright ist für die schonungslose Unerbittlichkeit bekannt, mit der sie Beziehungslügen seziert – da reicht eine Geste, ein Blick, ein Einrichtungsdetail in einem tristen Hotelzimmer, und schon ist klar, in welchen Abgrund die Liebenden steuern: in den Abgrund der Alltagsnormalität. Zur Leseprobe geht es hier: http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?edi=382450 Ihr wollt mitmachen? Wenn ihr Lust habt, euch mit uns und anderen über das Buch auszutauschen und abschließend eine Rezension zu schreiben, dann schreibt uns bitte bis zum nächsten Donnerstag (10.11.) mit einem Kommentar, wie weit ihr bereit seid, für die Liebe zu gehen! Wir stellen euch 25 Exemplare des Buches zum Testlesen zur Verfügung. Die Autorin treffen? Anne Enright kommt von 14.11. bis 18.11.2011 nach Deutschland und in die Schweiz. Alle Termine hierzu findet ihr hier: http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?mid=3&serviceAvailable=true&showpdf=false&edi=382450#tabbox Wir wünschen euch viel Lesespaß! Wenn ihr Fragen habt, meldet euch gerne jederzeit bei uns. Und besonders freuen wir uns als Frischlinge natürlich über Tipps von euch alten Leserunden-Hasen! Danke! Viele Grüße Claudia vom DVA_Verlagsteam
Literaturs avatar
Letzter Beitrag von  Literaturvor 7 Jahren
Zur Leserunde

Zusätzliche Informationen

Anne Enright wurde am 11. Oktober 1962 in Dublin (Irland) geboren.

Community-Statistik

in 341 Bibliotheken

auf 31 Wunschlisten

von 7 Lesern aktuell gelesen

von 1 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks