Anne Flock Suchlauf

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Inhaltsangabe zu „Suchlauf“ von Anne Flock

Bis zum heutigen Tag ertappt sich Sophie dabei, sich zu schämen. Nicht ihrer Herkunft oder ihres Lebenswegs wegen, sondern ihrer Gefühle. Die Gefühle der Treue zu ihrer leiblichen Mutter. Es war Sophie nicht gelungen, die gesellschaftlichen Erwartungen zu erfüllen. Die Erwartung, ihre Mutter dort zu lassen, wo sie nach Ansicht Vieler hingehöre: Ins Abseits. Sie hatte ihre Mutter Margret in einem Alten- und Plegeheim „Schloss Merten“ gefunden, wo sie ein von Medikamenten beruhigtes Leben führte. Sophies leibliche Mutter Margret war schizophren. Brutale Lebenseinlüsse in ihrer Jugendzeit und ihrem Erwachsenenleben hatten sie dazu gebracht, ihr wahres Ich in eine andere Welt zu retten. Sophies Mutter glaubte, eine „Blaublütige“ zu sein, die auf dem kleinen Jagdschloss Clemenswerth, in ihrem Geburtsort, geboren wurde. Im norddeutschen Emsland, dort wo nach dem Anschein Vieler die Welt noch in Ordnung zu sein schien. Margret hatte zwei gescheiterte Ehen hinter sich. Von ihren 4 Kindern aus erster Ehe waren die zwei Ältesten, Heinz-Dieter und Matthias, zuerst den Großeltern anvertraut worden und dann im Kinderheim Don- Bosco in Osnabrück gelandet. Die zwei Jüngsten, Sophie und Robert, wurden von Margrets kinderlosem Cousin „an Kindesstatt“ angenommen. Ihre Tochter aus zweiter Ehe war im Alter von 13 Jahren in die Betreuung der Jugendfürsorge gekommen. Das Leben war Margret aus den Händen geglitten und jetzt war sie im Altenplegeheim „Schloss Merten“ sicher aufgehoben. Oft hatte Sophie sich nach dem Sinn oder nach dem Auftrag ihres eigenen Lebens gefragt. Falls es ihr Auftrag sein sollte, das Leben ihrer leiblichen Mutter ins „rechte Licht“ zu rücken, dann musste sie das Licht auf alle richten. Auf alle Mitglieder ihrer Familie, die, jeder für sich im Leid ihres eigenen Lebens standen und stehen. Dann tauchten sie alle vor Sophie auf. Jeder für sich. Jeder einzeln mit seiner unheilvollen Vergangenheit. Jeder mit seinem persönlichen Schicksal. Bei der Geburt waren sie alle gleich gewesen. Alle nackt. Alle schutz- und hillos. Alle dem Wohlwollen der Mitmenschen ihrer unmittelbaren Umgebung ausgesetzt. Die wiederum mit dem Befolgen und Einhalten der bestehenden rechtlichen und kirchlichen Gesetze ihr „Bestes“ getan hatten. Alle diejenigen, die der persönlichen Geschichte ihrer eigenen Herkunft, dem Nährboden ihrer Vergangenheit, ihrer Gegenwart und dem unberechenbaren Verlauf der Zukunft ausgeliefert waren und sind. So wie diese und viele Geschichten des Leben uns lehrten und lehren, ist nicht auf allen Böden „gutes Gedeihen“. Inge, Sophies Adoptivmutter, hatte versucht, der kleinen Sophie zu erklären, wovon es abhing, im Leben Glück zu haben: „Alles fängt damit an, wo die Liebe hinfällt. Auf ein Kleeblatt oder auf einen Kuhladen“.

Viel mehr als eine Suche, tiefgründig und emotional

— Buchdaisy
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    Suchlauf

    Buchdaisy

    11. July 2014 um 18:29

    Anne Flocks zweiter Band ist viel mehr als die Fortsetzung von "Die blaue Spur". Es ist auch viel mehr als die Suche nach Sophies Herkunft, denn die hat sie ja bereits gefunden. Doch je tiefer sie in diese Familie eindringt, umso mehr ist sie auch auf der Suche nach den Ursachen der Entwicklung. Das Buch beginnt mit Sophies Reise in die USA zum New York Marathon. Insofern ist der Titel Programm. Doch mit dem Lauf beginnt erst die erneute Suche nach ihrer Familie, ausgelöst durch das Treffen mit ihrer Tante in Amerika. Auch deren Söhne wurden adoptiert, genau wie Sophie und ihre Brüder, welch eine schicksalhafte Fügung. Mit unermüdlicher Ausdauer fügt sie Stück für Stück ihrer Ursprungsfamilie zusammen. Die Handlung ist nicht immer chronologisch. Durch die häufigen Rückblicke aus verschiedenen Perspektiven bekommt der Leser auch Einblicke in das soziale und politische Geschehen der jeweiligen Zeit, was das Buch sehr tiefgründig macht. Ich habe das Buch direkt von der Autorin erhalten und danke ihr auf diesem Wege noch einmal! 

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