Anne Gauß

 5 Sterne bei 2 Bewertungen

Alle Bücher von Anne Gauß

Cover des Buches Der Junge in der Nussschale (ISBN: 9783894033675)

Der Junge in der Nussschale

 (1)
Erschienen am 01.12.2013
Cover des Buches Wolkentag (ISBN: 9783894033767)

Wolkentag

 (1)
Erschienen am 01.11.2018

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Rezension zu "Wolkentag" von Anne Gauß

Kinderbuch zum Thema Mutismus
Osillavor 8 Monaten

Die Autorin:
Anne Gauß beschäftigt sich seit ihr Sohn an Mutismus erkrankte mit dem Thema. Dazu besucht sie die jährlich stattfindenden Tagungen des Mutismus-Selbsthilfe e.V. Mit ihrem Buch Der Junge in der Nussschale ist sie bereits für ängstliche, schüchterne und mutistische Kinder, deren Eltern und auch anderen Kindern und Erwachsenen, die mit der Krankheit Mutismus in Kontakt kommen, eine große Hilfe gewesen.

Inhalt:
„[…] Lea, die Heldin der Geschichte, ist fünf Jahre alt, als ihr kleiner Bruder stirbt, und sie reagiert darauf mit Verstummen. Psychologen nennen das Symptom selektiver Mutismus. […] Anne Gauß erzählt einfühlsam und ohne Sentimentalität, wie es Lea gelingt, Schritt für Schritt in die Welt der Worte zurückzufinden. Dabei bleibt Lea dem kleinen Bruder treu. Die lebendige Erinnerung hilft ihr, ihr Trauma zu überwinden.“ (Klappentext)

Kritik und Fazit:
Das Cover von Wolkentag ähnelt sehr dem von Der Junge in der Nussschale, nur dass die Hauptfarben grün und blau vertauscht sind und natürlich der jeweilige Hauptprotagonist in einem kleineren Bild dargestellt wird. Wieder erinnern die Zeichnungen an Bilder, die von Kinderhand stammen. Die Farben sind oft dunkel gehalten und fangen so die traurige Stimmung gut ein.

„Es war ein Wolkentag. Diese Tage hatte Max so gern gemocht. Und Lea war sich vollkommen sicher, dass er genau jetzt auf einer dieser riesigen, flauschigen Wolken saß, die Beine baumeln ließ und ihr zuschaute.“ (Seite 39)

Lea erinnert sich an all die Sachen, die ihr Bruder Max mit ihr gemacht hat. Er war ihr Fels in der Brandung, ohne Ängste wagte er jedes Abendteuer. Doch auf einmal ist er weg, gestorben und Lea fehlt sein Mut um ihren Alltag zu bestreiten. Sie stellt sich vor, wie ihr Bruder, der schon immer fliegen konnte, nun im Himmel fliegt und glücklich ist. Lediglich drei Buchstaben sind Lea geblieben, die sie sicher unter ihrem Bett verwahrt und nur abends benutzt: M, A, X.
Doch es gibt auch Momente, in denen Lea wütend auf ihren Bruder ist. Weil er weg gegangen ist und die Buchstaben mitgenommen hat. Den Mut könne er behalten, aber die Buchstaben braucht sie so sehr, um mit anderen Kindern sprechen zu können. Doch auch die Leute, zu denen Leas Mutter mit ihr geht, können ihr nicht dabei helfen, die Buchstaben wieder zu finden.

Nach und nach bekommt Lea dann aber Buchstaben geschenkt oder findet sie unterwegs. Noch verwahrt sie die Buchstaben in einer Schatzkiste unter ihrem Bett. Doch an einem Wolkentag, nimmt sie die Buchstaben in ihrer Tasche mit in den Kindergarten, und dort geht ihr das erste Wort seit dem Tod ihres Bruders über die Lippen: HALLO!

Anne Gauß beschreibt hier ganz behutsam, wie es Lea nach dem Tod ihres Bruders geht. Manchmal ist sie froh, denn sie weiß, dass es ihrem Bruder im Himmel gut geht. Aber manchmal ist sie eben auch wütend auf ihn, weil er sie alleine gelassen hat.
Dann, aus einer Richtung aus der die Eltern es wohl nie kommen gesehen hätten, erreicht Lea der erste Buchstabe. Ist der Anfang erst einmal gemacht, schafft es Lea Stück für Stück, sich ihre Sprache wieder neu zusammenzusetzen. Es geht nicht von jetzt auf gleich, aber mit etwas Geduld wird die Trauer um den Bruder verarbeitet und Lea kehrt ins Leben zurück.

Im Anhang schreibt Tanja Gethöffer, eine betroffene Mutter, einen Brief an die Eltern. Sie erzählt von ihrem Erlebnis mit ihrer Tochter Lea nach dem Tod des Bruders. Es wird deutlich, dass die Erkrankung keine Seltenheit ist, dass die Eltern aber zum Teil zu spät vom Schweigen des Kindes erfahren und sich dann auf die Suche nach einer geeigneten Therapie machen.
Außerdem befindet sich am Ende ein Infotext zum Selektiven Mutismus, der aufklärt, worum es sich da genau handelt und dass es eben keine einfache Schüchternheit ist.
Auch Adressen und Buchtipps – sowohl Sekundärliteratur, als auch Kinderbücher – sind hier zu finden.

Wolkentag von Anne Gauß ist ein so wichtiges Kinderbuch. Es beschreibt, was in einem Kind vor sich geht, welches an Mutismus erkrankt ist und es macht Hoffnung. Hoffnung, dass betroffene Kinder ihre Sprache wiederfinden können und ein ganz normales, unbeschwertes Leben führen können.

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Rezension zu "Der Junge in der Nussschale" von Anne Gauß

Ein paar Worte die so schwer über die Lippen gehen
Osillavor 4 Jahren

Der Junge in der Nussschale behandelt auf kindgerechter Ebene das Thema „Mutismus“. Es zeigt dem Leser, dass man es schaffen kann, seine Ängste zu überwinden und dass es sich lohnt immer wieder einen neuen Versuch zu starten, um sein Ziel zu erreichen. Dieses Kinderbuch lebt von seinem umfangreichen Text und den ganz besonderen Illustrationen, die auch von einem Kind hätten stammen können.

Anne Gauß erzählt die Geschichte von Emil, der sein Leben lang in einer Nussschale steckt und dadurch nur schwer mit der Außenwelt in Kontakt treten kann. Doch er findet eine Zauberin, die ihn sanft aber bestimmt auf dem Weg zu einem Leben ohne Nussschale und somit ohne Einschränkungen und ohne Ängste begleitet. Am Ende steht ein starker Junge, der er aus eigenem Antrieb schafft, seine Sprache einzusetzen.

„Er konnte sich doch so schlecht bewegen in seiner Schale. Also blieb er regungslos. Und stumm.“ (Seite 9)

Anne Gauß schafft es in ihrem Vorwort „Ein paar Worte..“ den Eltern mutistischer Kinder Mut zu machen und beschreibt in kurzen aber präzisen Worten das Krankheitsbild und einen möglichen Weg aus der Krankheit heraus. Die Autorin fordert die Eltern auf, sich zu trauen, sich Hilfe zu suchen und gemeinsam mit dem Kind tätig zu werden. Denn ein Leben in Angst ist kein erfülltes Leben.

Die Geschichte des jungen Emil steht dann im Mittelpunkt. Im Vergleich zu meinem zuletzt rezensierten Buch Es wird gut kleine Maus, bekommt der Hauptprotagonist einem Namen und durch die Zeichnungen auch ein Gesicht. Er erhält eine Identität und das Kind kann sich in Emil hinein versetzen. Die Nussschale, in welcher sich der Junge befindet symbolisiert die Eingeschränktheit in Kommunikation und Bewegung und trifft das Problem beim Mutismus so sehr gut. Mutistische Kinder sprechen in gewissen Situationen nicht, sie haben Ängste, die sie nicht immer beschreiben können, die sie aber hindern einfach zu sprechen. Oftmals frieren aufgrund der Unsicherheit dann auch Mimik und Gestik des Kindes ein. Das Kind ist isoliert und verliert den Kontakt zur Außenwelt.
Die betroffenen Kinder wissen selbst nicht, wie sie sich verhalten sollen, was sie tun sollen, um ihre innere Barriere zu überwinden. Und auch der Umwelt fällt es oftmals schwer, darauf zu reagieren.

Anne Gauß lässt eine Zauberin erscheinen. Diese ist eine Person, die Mitgefühlt hat und auf das Kind zugeht. Ihre ruhige und besonnene Art gibt Emil Halt und Sicherheit. Für Emil ist es gut zu erleben, dass er so, wie er im Moment ist, eben mit seiner Nussschale, trotzdem liebenswert ist. Die Zauberin ist vertrauensvoll und nimmt sich Zeit, um Emil auf dem Weg zur Heilung zu begleiten und herauszufordern. Dabei lernt Emil auch den Angsthasi kennen, ein Hase, der einen Knoten in den Ohren hat, weil er so besser mit seiner Angst umgehen kann. Emil lernt, dass er nicht alleine ist und das gibt ihm Kraft, seine Aufgaben zu bewältigen. Die kleinen Erfolgsmomente sind eine wahre Befreiung für Emil und im Lauf der Geschichte ist die Steigerung seiner positiven Gefühle ganz deutlich zu erkennen.

„Das verstand der Junge und fühlte sich sicher.“ (Seite 11)
„Fröhlich rannte er nach Hause.“ (Seite 19)
„Glücklich lief der Junge zurück zur Zauberin.“ (Seite 29)

Im Nachwort macht die Autorin den Eltern nochmals Mut. Ich spreche aus eigener Erfahrung und kann nur betonen, dass nicht nur die Kinder, die von der Krankheit Mutismus betroffen sind, Hilfe brauchen. Auch die Eltern müssen wissen, wie sie in gewissen Situationen reagieren sollten. Manch einer könnte vielleicht der Ansicht sein, dass in der Geschichte Emil zu starkem Druck ausgesetzt ist. Allerdings ist auch zu bedenken, dass ein mutistisches Kind einen gewissen (aber schwachen) Druck braucht, um an seiner Situation etwas ändern zu können.

Dieses Buch ist ein wahrer Schatz für ängstliche, schüchterne und mutistische Kinder, deren Eltern und auch anderen Kindern und Erwachsenen, die mit der Krankheit Mutismus in Kontakt kommen. Meine Tochter hat mit mir das Buch mit großem Interesse gelesen und das Bild mit der Nussschale trifft den Nagel auf den Kopf.

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