Anne Helene Bubenzer

 4.5 Sterne bei 179 Bewertungen

Lebenslauf von Anne Helene Bubenzer

Anne Helene Bubenzer (geboren 1973 in Hüttental/Siegen) studierte in Freiburg i. Br. und Oslo Skandinavistik, Anglistik und Germanistik und war mehrere Jahre als Lektorin in Publikumsverlagen tätig. Sie lebt heute in einem Städtchen an der Mosel und in Hamburg, wo sie als freie Autorin, Lektorin und Übersetzerin sowie als Moderatorin von literarischen Veranstaltungen arbeitet. Im Thiele Verlag ist 2008 mit großem Erfolg ihr Buch Die unglaubliche Geschichte des -Henry N. Brown erschienen, das auch in Italien und Spanien begeisterte Leserinnen und Leser fand. Besuchen Sie unsere Autorin auf ihrer Website: www.anne-bubenzer.de

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Rezension zu "Das Weihnachtswunder des Henry N. Brown" von Anne Helene Bubenzer

Henry N. Brown öffnete mein Herz für Weihnachten
Wortmagievor 23 Tagen

Bereits als Kind waren Kuscheltiere für mich sehr wichtig. Ich sammelte sie. Ich liebte sie. Und natürlich kannte ich jeden einzelnen Namen auswendig. Aber es gab immer DAS eine Kuschel, das ich mehr als alle anderen liebte. Seit meinem achten Lebensjahr ist das eine Bärendame namens Dickie. Das Dickchen. Ich rettete sie vor einem würdelosen Ende auf dem Müll, als mein Grundschul-Klassenzimmer ausgemistet wurde. Ihr Fell ist eher kurz, trotzdem ganz weich und hat diese seltsame beige Farbe. Sie ist älter als ich. Ich weiß nicht, woher sie kam und was sie schon alles erlebte, doch seit diesem denkwürdigen Tag sind wir unzertrennlich. Wir reisten, spielten, weinten und lachten zusammen. Als ich älter wurde, begleitete sie mich klaglos ins Leben einer Erwachsenen. Bis heute schlafe ich besser, wenn sie bei mir ist. Mein Ehemann berichtet, dass ich im Schlaf sogar zufriedene Geräusche von mir gebe, wenn er sie mir in den Arm legt und wir manchmal in exakt derselben Position daliegen. Ziemlich verrückt?

Auch nicht verrückter, als einen ganzen Roman über die Weltgeschichte aus der Perspektive eines Teddybären zu schreiben, wie Anne Helene Bubenzer es mit „Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown“ getan hat.  Das N. steht für „Nearly“, weil Henry eben nur fast braun ist. Wie Dickie. Für diese Rezension ist es entscheidend, dass ihr versteht, wie abgöttisch ich das Buch ihretwegen liebe, deshalb erzähle ich euch von ihr. Die Lektüre fühlte sich an, als hätte Bubenzer direkt in mein Herz geschaut und die Geschichte aufgeschrieben, die ich mir so dringend für Dickie wünschte. Das bedeutet mir mehr, als ich ausdrücken kann. Einige Jahre nach Henrys Biografie erschien „Das Weihnachtswunder des Henry N. Brown“, eine schmale, lockere Fortsetzung, die ich 2018 endlich passend zur Weihnachtszeit las.

In seinem 91-jährigen Teddybärenleben durfte Henry N. Brown bereits eine Menge Erfahrungen sammeln: er bereiste die Welt, erlebte Liebe und Verlust, sah Kriege entflammen und den Frieden siegen. Er kann zweifellos behaupten, mit allen Wassern gewaschen zu sein. Seinen Ruhestand als stiller Mitbewohner der Schriftstellerin Flora Sommer verdiente er sich redlich. Doch dieses Weihnachtsfest weckt erneut die Lebensgeister des alten Bären. Alle sorgfältigen Pläne, die Flora und Henry für einen ruhigen Heiligabend schmiedeten, werden vom Chaos unerwarteter Familienbesuche und uneingeladener Gäste über den Haufen geworfen. Die beiden haben alle Hände und Pfoten voll zu tun, um das Tohuwabohu unter Kontrolle zu halten, aber der Magie von Weihnachten kann niemand entfliehen. Trotz vieler Überraschungen wird es am Ende das schönste Fest, das sich Flora und Henry wünschen konnten.

„Das Weihnachtswunder des Henry N. Brown“ lag lange auf meinem SuB. Weihnachten kam und ging Jahr für Jahr, ohne dass ich mich überwinden konnte, das Buch hervorzuholen. Ich denke, ich fürchtete mich ein bisschen davor, dass es mich enttäuschen könnte, weil mir „Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown“ so viel bedeutet. Meine Sorgen waren unbegründet. Sie wurden im Handumdrehen entkräftet, möglicherweise bereits mit dem ersten Satz, denn meine Liebe zu Henry entbrannte sofort wieder mit alter Kraft. „Das Weihnachtswunder des Henry N. Brown“ ist eine wundervolle Ergänzung seiner Biografie, eine Ergänzung, die er verdiente und die ihm gerecht wird. Meiner Meinung nach ist diese Weihnachtsgeschichte ein Geschenk, das Anne Helene Bubenzer nicht für ihre Leser_innen schrieb, sondern für ihren ungewöhnlichen Protagonisten persönlich. Es ist Bubenzers Geschenk an Henry. Wer könnte das Fest der Liebe intensiver und ehrlicher erleben als ein Teddy, dessen Lebenssinn immer die Liebe selbst war?

Aus seiner einzigartigen Perspektive und mit der ihm eigenen, beruhigenden Stimme erzählt er die Geschichte eines überraschenden, turbulenten Heiligabends, der genau deshalb wunderschön ist, weil nichts nach Plan läuft. Untermalt von seinen nachdenklichen, herzlichen Überlegungen zu Familie, Freundschaft, Zeit und seinen verträumten Erinnerungen an vergangene Tage schildert er, wie befreiend es für Flora und ihre unverhofften Gäste ist, ein Weihnachten zu feiern, das allen Erwartungen trotzt. Anfangs empfinden sie das aufgezwungene Chaos als negativ, doch je weiter der Abend voranschreitet, desto besser arrangieren sie sich mit der Situation und genießen einfach das friedliche, liebevolle Beisammensein ihrer Familie. Sie überwinden das Korsett aus Erwartungen, das an Weihnachten oft besonders eng geschnürt ist und erfahren eine versöhnliche Harmonie, der sie selbst jahrelang im Weg standen, ohne es zu merken.

Henry trägt natürlich diskret, aber essentiell dazu bei, denn als Teddy erinnert er alle Anwesenden an ihre Kindheit und bringt aufrichtige, tiefe Gefühle zum Vorschein. Auch in mir als Leserin berührte er etwas. Ich lächelte während der Lektüre unentwegt und wurde ganz weich. Ich spürte, wie sich in meinem Inneren etwas löste und hätte vor Rührung einige Male beinahe geweint. Vielleicht habe ich an der einen oder anderen Stelle sogar ein Tränchen vergossen. „Das Weihnachtswunder des Henry N. Brown“ ist schlicht bezaubernd; es ist eine zärtliche, warme Geschichte wie sanfter Kerzenschein, die ich fest in meinem Herzen einschließe und in den kommenden Jahren sicherlich immer wieder lesen werde. Anne Helene Bubenzer gelang etwas, was mir als Erwachsene schwerer und schwerer fällt: sie versetzte mich in Weihnachtsstimmung.

Nach der Lektüre dieses herrlichen Weihnachtsbuches hatte ich das Bedürfnis, mich bei meiner eigenen Teddybärendame für alles, was sie jemals für mich getan hat, zu bedanken. Bevor ihr fragt, ja, ich bin diesem Bedürfnis nachgekommen. Ich hoffe, dass ich für sie das Happy End darstelle, das Henry in „Das Weihnachtswunder des Henry N. Brown“ geschenkt wird, denn für ihn erfüllt sich ein Wunsch, von dem er gar nicht wusste, dass er ihn hatte. Vielleicht darf ich ihn eines Tages noch einmal wiedertreffen. Ich lausche ihm einfach so gern und sonne mich in seiner liebenswürdigen, sanftmütigen Ausstrahlung. Er erinnert mich an die Macht der Liebe und lässt mich an Wunder glauben. Er streichelt das Kind in mir. Danke Henry, danke Anne Helene Bubenzer für dieses magische Leseerlebnis, das mein Herz für Weihnachten öffnete.

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Rezension zu "Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown" von Anne Helene Bubenzer

Eine herzerwärmende, traurig-schöne Reise ♥
Buchperlenblogvor einem Jahr

"Ich habe lange gebraucht, um einzusehen, dass ich kaum einen Ersatz für ihn darstellen konnte: Ich bin eben doch nur ein Bär. Aber einer mit einem großen Herzen." (S.40)

Inhalt

Am 16. Juli 1921 erblickt Henry N. Brown das Licht der Welt. Er ist ein Teddybär, liebevoll von seiner ersten Besitzerin und Freundin Alice zusammengenäht. Er kann fühlen, er kann hören, er kann denken - doch mitteilen kann er sich nicht. Stumm erlebt er an der Seite etlicher Menschen deren Leben mit, liebt, lacht und leidet mit ihnen und versucht ihnen immer ein guter Freund zu sein. Und ganz tief in ihm trägt er das wohl wichtigste auf der Welt: die Liebe.

Rezension

Eine Geschichte, die zu Herzen geht. Der Bär Henry N. Brown (wobei das N. für nearly, also fast steht - eine Unverschämtheit, um es in Henrys Worten auszudrücken!) lebt nicht nur ein Leben. Er lebt viele. So ein Teddybär kann natürlich nicht sterben, wie andere Lebenwesen es früher oder später müssen, aber für ihn beginnen immer neue Lebensabschnitte. Im englischen Bath beginnt sein Leben. Alice, seine erste Besitzerin, näht ihn liebevoll zusammen und findet in ihm einen Freund, einen Trostspender, der ihr über den Verlust ihres Geliebten im ersten Weltkrieg hinweg helfen soll. Doch dann verlieren sich die beiden an einem Bahnhof und so beginnt Henrys Reise quer über den ganzen Globus. Mit ihm zusammen lernen wir die verschiedensten Menschen kennen. So lernt man, dass nicht jede Familie, jeder Mensch, gleich ist, aber das sie doch eines vereint: Das Bedürfnis nach Liebe. Henry wird zum Spielgefährten und zum Freund vieler Kinder in England, Frankreich, Deutschland, Norwegen und der Ukraine.

Seine Geschichte erzählt er uns, als er um sein eigenes Leben bangt. An einem Flughafen in Österreich soll er aufgeschnitten werden, denn in ihm steckt ein höchst ungewöhnlicher Gegenstand. Während er nun auf sein Ende wartet, erzählt er aus seinen über 80 Jahre währendes Leben.

"Ich habe Angst, und ausnahmsweise nicht um jemand anderen, sondern um mich. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass ich es überlebe, wenn man mir die Brust aufschneidet und die Liebe herausnimmt." (S.16)

Wir erleben den großen Umbruch der 20er Jahre mit, wir fürchten uns mit einer französischen Familie vor den Deutschen in den 40ern, wir erleben ungestüme Teenager und gebrochene Kinderherzen. Wir erleben Liebe, Leid und Verlust und das alles durch die Augen eines Teddybären. Nicht selten kam es während der Lektüre vor, dass mir mein eigenes Herz ganz schwer wurde, ich aufstand und meinen eigenen Henry hervorholte, seinen Duft einatmete und ihm liebevoll über den Kopf strich. Dieses Buch hat mich an meine eigene, geborgene Kindheit erinnert, daran, wie liebevoll meine Familie ist. Und wie viel Glück ich hatte, denn dieses Glück teilen nicht alle mit mir. Es kommt darauf an, in welchem Land wir leben, in welcher Zeit und in welcher Familie.

Die Sprache ist wunderschön, voll schlauer Gedanken und Poesie, doch niemals zu aufdringlich. Der kleine Bär und seine verschiedenen Besitzer wachsen einem ans Herz. Die einen mehr, die anderen weniger.

Fazit

Dieses Buch ist ein wahrer kleiner Schatz, der ein wärmendes Gefühl in mir zurücklässt. Einfühlsam geschrieben, mit witzigen Anekdoten und dann wieder dem unvermittelten Drang zum Weinen hält es alle Emotionen parat, die sich ein Leser wünschen kann. Ohne Kitsch, dafür aber mit jeder Menge Liebe wird dieses Buch einen Platz in meinem Herzen behalten.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★★ ( 5 / 5 )

Handlung ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Charaktere ★★★★★ ( 5 / 5 )

Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )

Emotionen ★★★★★ ( 5 / 5 )

= 4.8 ★★★★★


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Rezension zu "Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown" von Anne Helene Bubenzer

Die Biografie eines Bären...
BeeLuvor 2 Jahren

Hast du auch noch dein altes Lieblingskuscheltier aus Kindertagen? Vielleicht hat der kleine Freund, der sich mittlerweile im wohlverdienten Kuscheltierruhestand befindet, einen Ehrenplatz auf dem Sofa, in einem Regal oder sogar auf dem Bett bekommen und kann so noch immer ein schützendes Auge auf dich werfen. Diese Geschichte ist eine Hommage an jeden treuen Kinderbegleiter und erzählt aus dem bewegten Leben des Teddybären Henry N. Brown.

Ich erblickte das Licht der Welt, als Alice Sheridan mir das zweite Auge annähte. (S.21).

So fing es also an, das Leben des kleinen Bären. Sofort ist ihm klar, dass er seiner Alice, die ihren Will an der Front des 1. Weltkriegs verloren hat, Trost spenden und für sie da sein muss. Wären da nur nicht der rabiate Kater und die nervtötende Elizabeth, die die traute Zweisamkeit ständig stören. Der Bär bekommt von Alice den Namen Henry N. Brown und er trägt diesen Namen mit Stolz, auch wenn es bei weitem nicht der einzige Name sein wird, den er im Laufe seines Bärenlebens bekommen wird. Henry nimmt uns mit auf (s)eine Reise durch achtzig Jahre Geschichte, Jahre, in denen das Schicksal ihn in viele Familien und Kinderarme führen wird. Henry beobachtet seine Umgebung und die Menschen genau und er weiß sich aus Bärensicht über einiges zu wundern. Doch all seine Gedanken und Gefühle bleiben in seinem Kopf, denn natürlich kann er nicht sprechen oder sich auf andere Weise artikulieren. Henry wundert sich oft über die Menschen. Wie soll ein Bär auch verstehen, was Krieg ist? Oder warum manche Menschen scheinbar keine Liebe in sich tragen? Er als Bär trägt die Liebe in sich und seine Bestimmung verliert er niemals aus den Knopfaugen und unterstützt seine Menschen bedingungslos. Henry erzählt von glücklichen und schrecklichen Zeiten, Verzweiflung und Hoffnung, von den Kindertränen, die in sein Fell geweint wurden und abenteuerlichen Spielstunden. Mal geht es in seinem Leben dramatisch und turbulent zu, mal ruhig aber immer teilt Henry mit uns seine Gedanken. 
Dies ist ein wirklich zauberhaftes Buch! Wie sehr liebe ich noch heute mein kleines pinkes Kuscheltier, der arme Kerl ist mittlerweile an vielen Stellen geflickt worden aber dieses eine Herzenskuscheltier wird immer einen besonderen Platz bei mir haben. Während ich dieses Buch gelesen habe, bin ich mehr als einmal zu meinem alten Kuschelfreund gegangen, habe ihm über den Rücken gestrichen, das trotz aller Abgegriffenheit noch immer weiche Fell gespürt und ihm 'Danke' dafür gesagt, dass er so viel mit mir durchgestanden hat und auch heute noch gut auf mich aufpasst. 
Leseempfehlung für alle, die die besondere Liebe, die man zu einem Kuscheltier haben kann, auch kennen und auch als Erwachsene nicht missen möchten!

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