Mit „Der Dorfladen – Wie das Schicksal spielt“ führt Anne Jacobs ihre Saga um Dingelbach, ein kleines fiktives Dorf im Taunus, fort und versetzt uns ins Jahr 1927. Im Mittelpunkt steht erneut der namensgebende Dorfladen von Marthe Haller sowie deren drei Töchter – Herta, Frieda und Ida –, die unterschiedlicher kaum sein könnten und jede auf ihre eigene Weise mit den Erwartungen der Zeit und ihrem persönlichen Schicksal ringen. Nachdem mir die ersten beiden Bände so gut gefallen haben, war ich gespannt, wie es in Dingelbach weitergeht!
Frieda versucht fernab der Heimat als Schauspielerin in Bochum Fuß zu fassen, Ida pendelt zwischen Dingelbach und Frankfurt, arbeitet ehrgeizig auf ihr Abitur hin und gerät durch ihre politische Haltung und ihren Freund zunehmend in Konflikte. Herta hingegen bleibt im Dorf – und sorgt dort ausgerechnet durch eine uneheliche Schwangerschaft für erheblichen Wirbel. Um sie herum entfaltet sich das pralle Dorfleben: Klatsch, Zusammenhalt, Missgunst, Fortschritt und Stillstand liegen hier oft nur einen Atemzug auseinander. Die gesellschaftliche Situation der damaligen Zeit wird sowohl politisch als auch moralisch auf bedrückende Weise spürbar.
Ich habe die ersten beiden Bände erst vor kurzem gelesen, was sich als sehr gut herausgestellt hat. Die Komplexität der Handlung lässt sich mit dem entsprechenden Vorwissen um die Charaktere definitiv besser einordnen und begleiten. Dementsprechend empfehle ich vorab: Beginnt mit Band eins und lasst zwischen den Büchern nicht zu viel Zeit vergehen.
Auch im dritten Band fühlte sich die Rückkehr nach Dingelbach wie Heimkehren an. Die Atmosphäre wirkt lebendig und authentisch, nicht zuletzt durch den gezielten Einsatz von Dialekt und regionalen Redewendungen. Das mag nicht jedermanns Sache sein, für mich hatte es aber Charme und das Gefühl, als würden mir die Dorfbewohner ihre Geschichte selbst erzählen. Besonders wer einen Bezug zu der Gegend hat, wird daran Gefallen finden.
Mit über 600 Seiten nimmt sich der Roman viel Zeit. Vieles wird detailliert und stimmungsvoll geschildert, nicht jeder Handlungsstrang konnte mich gleichermaßen fesseln. Meine persönlichen Favoriten waren die Fabrikbesitzerin Ilse Goldstein, deren Haltung, Stärke und innere Ruhe ich sehr bewundert habe und Ida als junge, selbstbewusste Frau, die ihrer Zeit voraus ist – selbst wenn sie sich mit ihrer direkten Art nicht nur Freunde macht.
Für mich war dieser Band mindestens genau so gut wie seine Vorgänger. Je besser ich die Charaktere kenne, desto mehr fühle ich mich mit ihnen und dem Dorf Dingelbach verwoben – und möchte gar nicht mehr mit dem Lesen aufhören.
Insgesamt war „Wie das Schicksal spielt“ also wieder ein richtiger Volltreffer – das Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite super unterhalten und wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Von mir gibt es eine ausgesprochene Leseempfehlung und die vollen fünf Sterne.