Anne Köhler

 4.3 Sterne bei 22 Bewertungen

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Ich bin gleich da

Ich bin gleich da

 (13)
Erschienen am 20.04.2016
Nichts werden macht auch viel Arbeit

Nichts werden macht auch viel Arbeit

 (9)
Erschienen am 16.02.2012

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Rezension zu "Ich bin gleich da" von Anne Köhler

Emotional- aber mit leisen Tönen mit einer fesselnden Atmosphäre.
Buchraettinvor 2 Jahren

Was ist Schuld? Das ist so eine Frage in diesem Buch. Einen Moment nicht da sein, etwas passiert und damit ändert sich das Leben für immer.  Dieses Buch ist etwas melancholisch, aber dennoch hat es einen Sog erzeugt bei mir als Leser und mich gefesselt lesen lassen.

Es ist beim Lesen als blicke ich von außen auf das Geschehen. Die Vater-Tochter Beziehung wird erwähnt. Sie ist distanziert. Zu Beginn liegt die Sicht eher auf dem  Vater, er berichtet. Die Distanz zur Tochter, er beschreibt ihre Frühgeburt, die Wochen im Inkubator, die kaum bestehende emotionale Nähe zum Neugeborenen zugelassen haben und damit diese Distanz auslösten, die immer blieb.

 Auch im Laufe der Geschichte fühle ich diese Distanz zu Elsa, die sie auch zu mir als Leser hat. Da hat mir die Erzählform sehr gut gefallen, es keine Ich- Erzählung und auch so hält sich die Distanz.

 Der Vater versucht Nähe durch Rituale herzustellen. Ein Tochter –Vater –Beziehung aufzubauen. Elas ist 14, es ist der Tag des Maifeuers. Es soll ein letztes Abenteuer der beiden werden, bevor Elsa zu alt dafür ist. Es wird ein tragisches Ende, auch ihrer Kindheit.

Diese Vorgeschichte war sehr intensiv und schon hier spürte ich die Distanz von Elsa. Nun wechselt die Geschichte in die Zukunft. Elsa ist erwachsen, arbeitet als Köchin, zieht immer näher ans Meer mit jedem neuen Job. Sie hält die Distanz zu den Menschen, ihrer Familie. Die Gedanken kreisen  um diese Nacht mit dem Maifeuer, den Verlust des Vaters.  Es gibt immer wieder Rückblenden in die Zeit nach dieser Mainacht. Wie eine Art Omen, sind die Gedanken an die letzten Minuten des Vaters immer wieder Thema und bieten den Ausblick auf das Verhalten der Tochter, die unter Schuldgefühlen zu leiden scheint. Den Mittelpunkt der Geschichte bildet Elsa.  Sie fasziniert mich als Leser, als Figur auch wenn sie mich auf Distanz hält. Sie nimmt mich gefangen in dieser doch auch melancholischen, aber so starken Geschichte.

Die Geschichte ist intensiv, aber nicht aufdringlich. Sie ist eher ruhig, aber nicht langweilig. Emotional- aber mit leisen Tönen. Manchmal liest es sich ein wenig wie eine Art Bericht. Ein Bericht über das Leben von Elsa und den Tod des Vaters und auch das Arbeitsleben als Köchin. Ein Merkmal der Geschichte ist auch, dass es kaum wörtliche Rede gibt. Es ist eine Art atemlose Atmosphäre. Die Erschöpfung nach einem langen Arbeitstag, die Gedanken an den Vater, aufkeimende Schuldgefühle, das war sehr anschaulich und als Leser spürt man diese Emotionen hautnah.

Die Geschichte ist intensiv, aber nicht aufdringlich. Sie ist eher ruhig, aber nicht langweilig. Emotional- aber mit leisen Tönen mit einer fesselnden Atmosphäre.

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Rezension zu "Ich bin gleich da" von Anne Köhler

Elsa ist auf dem Weg
Girl56vor 3 Jahren

Anne Köhler hat mit ihrem ersten Roman „Ich bin gleich da“ ein eigenwilliges, aber sehr beeindruckendes Buch veröffentlicht.

Schon allein die Wahl des gesellschaftlichen Milieus, in dem die Geschichte von ihrer Heldin „Elsa“ in der Hauptsache angesiedelt ist, ist für die momentan vorherrschende literarische Wirklichkeit (Großstadt, Szeneviertel, Elendsviertel etc.) recht ungewöhnlich. Elsa ist nämlich Köchin und viele Seiten der Geschichte spielen genau da, an Elsa Arbeitsplätzen, in den Küchen wechselnder Gastronomiebetriebe.

 

Elsa verliert früh ihren Vater und weil sie sich an dessen Herztod die Mitschuld gibt und sie die unendliche Trauer der Mutter und die beständigen stummen Vorwürfe von David, ihrem Bruder, nicht mehr aushält, sucht sie sich kurzerhand eine Lehrstelle als Köchin, die ihr die Möglichkeit gibt, mit knapp fünfzehn Jahren ihre Familie und den Heimatort zu verlassen. Zuvor schon hatte sie sich, zur Trauerbewältigung und zum Strukturieren der endlosen Tage, das Kochen einfacher Gerichte beigebracht und in dieser Tätigkeit Ruhe und Halt gefunden.

Nach dem Abschluss der Ausbildung wechselt Elsa Stelle um Stelle, immer in Richtung von Deutschlands Norden, der Küste entgegen. Sie sucht das ferne Meer als Möglichkeit, dem toten Vater nahe zu kommen, der die See und das Segeln, die Wolken und das Wetter am Meer liebte. Mit der Mutter telefoniert sie nur, denn diese erstickt fast an der Trauer um den früh verstorbenen Mann und kann ihren eigenen Lebensweg nicht mehr neu aufnehmen.

In Hamburg dann, ganz nahe am Meer, lernt Elsa Jan kennen, und mit ihm eine ganz neue Welt. Jan ist gebildet, weitgereister Architekt, Musikfan und leidenschaftlich bei allem, was er tut. Er schaut nicht auf die kleine Köchin herab (Elsa ist wirklich klein bzw. zierlich, nicht klein was Geist und Mut etc. angeht), sondern bestärkt sie darin , ihr Arbeitsglück bei einem Sternekoch zu suchen.

Gerade dieser Teil des Romans hat mir sehr gut gefallen, Elsa zu beobachten, wie sie quasi nochmals in die Lernsituation geht (als junge Frau von knapp 24 Jahren), ihre Freude an der Arbeit in dieser besonderen Küche war sehr spürbar, und manchmal hätte ich gerne auch gerochen und probiert!

Doch bei allem beruflichen Erfolg schwebt über Elsas Leben der ungelöste Familienkonflikt, von dem sie tunlichst nie jemanden erzählt. Wer auf ihren Lebensstationen zu viel Nähe wollte, wurde von ihr verlassen. In Hamburg nun und fast  „gleich da“, wo ihr Herz hinwollte, muss sie sich dem Leben stellen, vor dem sie scheinbar so erfolgreich weggelaufen ist.

 

Mir hat Anne Köhlers Heldin „Elsa“ sehr gut gefallen, ein starke, aber auch verletzliche Heldin, die durch ihr Leben mäandert, weil das gesteckte Ziel zu erreichen möglicherweise das Leben mehr auf den Kopf stellt, als das Unterwegssein.

 

 

 

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Sommermaedchen23s avatar

Rezension zu "Ich bin gleich da" von Anne Köhler

Es schleicht sich mit sanften Töne in das Herz des Lesers
Sommermaedchen23vor 3 Jahren

Inhalt
Für Elsa ist Kochen viel mehr als nur ihr Beruf oder die bloße Zubereitung einer Mahlzeit. Nur in der Küche gelingt es ihr, ihre Sorgen hinter sich zu lassen. Außerdem hat sich Elsa ein Ziel gesetzt, zumindest die grobe Richtung eines Ziels: Sie will nach Norden, ans Meer. Und damit möglichst weit weg von ihrer Familie in Süddeutschland. Jahrelang hat Elsa nur für den Augenblick gelebt. Erst als ein neuer Mann in ihrem Leben auftaucht, beginnt sie, über ihre Zukunft nachzudenken. Als die Vergangenheit sie einholt, muss sie sich entscheiden: Flieht sie weiter oder stellt sie sich ihren Gefühlen?

Meinung
Elsas Vater Jost stirbt in der Walpurgisnacht an einem Herzinfarkt. Für Elsa ist dies das absolut einschneidenste Erlebnis in ihrem jungen Leben, denn zu ihrem Vater hat Elsa eine besondere Verbindung. Schon von Geburt an. Da Jost das Meer und das Segel liebt gibt sich Elsa schon als Kind Mühe alles Wesentliche für das Segeln zu lernen, um mit ihrem Vater auch mal auf’s Meer zu fahren. Nach dem Tod des Vaters ist Daheim nichts mehr so wie es sein soll. Elsa fühlt sich zunehmend unwohl, denn ihre Mutter ist in eine Art Lethargie gefallen und kümmert sich um nichts mehr. Aus der Not heraus entdeckt Elsa die Leidenschaft am Kochen. Während des Kochens kann sie all ihre Sorgen, Gefühle und Gedanken verdrängen, sie konzentriert sich auf nichts anders als auf das Rezept und die passenden Zutaten. Als ihr das alles Daheim zu viel wird zieht Elsa mit gerade mal 15 Jahren aus, um in einem Hotel Köchin zu lernen. Mittlerweile sind 9 lange Jahre ins Land gezogen und sie war seither nicht mehr zu Hause, nirgends hält sie es lange aus, kein Ort ist ihr nahe genug am Meer. Denn es zieht sie beständig Richtung Norden, weit weg von ihrer Familie die im Süden Deutschlands lebt. Genauso wenig will sie Routine in ihrem Leben haben und schon gar keine näheren zwischenmenschlichen Beziehungen. Viel zu sehr hat sie Angst davor, dass dieser Mensch einfach verschwindet und eine große Leere hinterlässt, wie der Tod ihres Vaters. Nach dem Elsa im Norden am Meer angekommen ist beginnt sie festzustellen, dass weglaufen überhaupt nichts bringt und sie beginnt sich teilweise ihrer Vergangenheit zu stellen. Als es Elsa nach Hamburg verschlägt begegnet sie dem smarten, lebensbejahenden Architekten Jan, der sie dabei unterstützt ihre Träume zu verwirklichen und dabei steht ihre Welt Kopf. Jetzt heißt es sich entweder dem Leben stellen oder weiter davor zu fliehen.
Elsa ist eine zurückhaltende, schüchterne Persönlichkeit, die ihre Liebe zum Kochen über alles stellt, dabei vermittelt sie dem Leser wie ein Koch zu zum Thema Essen steht und wie viel Liebe in einem selbst zubereitetem Gericht stecken kann. Sie löst beim Leser das Gefühl aus sie beschützen zu müssen, schon nach den ersten Seiten hat der Leser Elsa ins Herz geschlossen und begleitet die junge Frau auf dem Weg für ihre Träume zu kämpfen und sieht die Entwicklung die sich im Laufe der Geschichte durchlebt. Über jeden kleinen Erfolg den Elsa für sich erkämpft hat habe ich mich gefreut und auch die eine oder andere Träne für Elsa vergossen.

Fazit
Mit Ich bin gleich da hat Anne Köhler einen starken Roman geliefert, der einen bis in den hintersten Winkel des Herzens berührt. Sie zeigt auf was das Konsumverhalten aus Menschen machen kann und wie wir manchmal vergessen, dass weniger auch oft mehr ist. Mit leisen, sanften Tönen schleicht sich das Buch in die Herzen des Lesers und lässt ihn auch ein bisschen Nachdenklich zurück, denn oftmals ist weglaufen nicht der richtige Weg.

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