Anne Krüger Allee der Kosmonauten

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Inhaltsangabe zu „Allee der Kosmonauten“ von Anne Krüger

In ihrer Kindheit träumte Mathilda unter anderem von einer Karriere als Osterhase, aber am liebsten wollte sie Kosmonautin werden. Als sie ihrer besten Freundin während einer Riesenradfahrt auf die Bluse kotzte, zerbrach ihr Herzenswunsch jedoch an der schnöden Realität – sie war nicht schwindelfrei. Zurück blieb eine unbändige Begeisterung für Juri Gagarin und den Weltraum. Heute Ende zwanzig, ist Mathilda immer noch auf der Suche nach einem erfüllten Leben. Kosmonautin steht als Beruf nicht mehr zur Diskussion, aber was dann? Und was das erfüllte Privatleben angeht: Welcher Mann kann schon neben Juri Gagarin bestehen? „Allee der Kosmonauten“ ist ein Roman über die erste schwierige Phase im Leben junger Erwachsener (Quarterlife Crisis), in der neue Entscheidungen getroffen werden müssen und sich alte Bindungen verändern. Anne Krüger setzt sich mit dieser Thematik authentisch auseinander und verleiht ihren Figuren wie im Vorbeigehen Tiefe.

Alles in allem eine nette Geschichte, aber mich hat es nicht umgehauen...

— Mary26_87

Vielschichtiger und nachdenklicher Roman über die 1. Lebenssinnkrise einer Ende20erin, in dem ich mich wiederfand.

— Kerstin-Scheuer

Hat mich leider nicht komplett überzeugt. Schade 😕

— MelE

Für ein Jugendbuch fast schon zu bedrückend.

— smayrhofer

'Allee der Kosmonauten' ist ein wahrlich EIGENartiges Buch, schön und traurig zugleich.

— Bröselchen

Ein realistisches und melanchonisches Bild einer Generation, die in ihrer Jugend nochmal neu anfangen musste.

— Ein LovelyBooks-Nutzer

Mathilda Unterwasser steckt mit Ende zwanzig fest. Diese Frau ist so anstrengend, dass ich manches Mal im Kopf nach dem Notausgang suchte.

— Nightingale78

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  • Ganz nett...

    Allee der Kosmonauten

    Mary26_87

    08. May 2015 um 07:38

    Mathilda ist Ende Zwanzig und weiß noch immer nicht was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Sie weiß nur, dass sie nicht mehr als Kassiererin im Supermarkt arbeiten will und dass sie einen Mann in ihrem Leben braucht. Sie hat einen sehr schwachen Charakter und ist von einem Mann abhängig, zumindest ist das für mich so rübergekommen, daher konnte ich mich überhaupt nicht mir der Hauptfigur identifizieren. Und dieses ständige Rauchen und Trinken ist mir auch auf die Nerven gegangen. Der Schreibstil ist zwar super, aber irgendwie passiert in den ersten zwei Drittel des Buches rein gar nichts... Erst als Daniel auftaucht nimmt die Geschichte ihren Lauf und Mathilda nimmt auch endlich ihr Leben in die Hand. Ich glaube, dass der Laden für verlorene Dinge und sein Besitzer ihr den Anstoß gegeben haben. Ich habe mich richtig für sie gefreut, dass sie endlich was gefunden hat, was sie glücklich macht. Alles in allem eine nette Geschichte, aber kein Buch, dass ich zu Ende gelesen hätte, hätte ich es nicht in Rahmen einer Leserunde gelesen.            

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  • Naja...

    Allee der Kosmonauten

    Kerime

    16. April 2015 um 19:53

    Inhalt: Mathildas Leben läuft nicht gerade so, wie sie es sich vorgestellt hat. Als Kind war ihr größter Traum Kosmonautin zu werden. Dieser wurde jedoch zerstört als ihr auf einem Riesenrad klar wurde, dass sie Höhenangst hat. Jetzt mit Ende Zwanzig hat sie einen Job als Kassiererin, wobei sie mit diesem alles andere als zufrieden ist. Hinzu kommt auch noch, dass es in ihrem Liebesleben nicht gerade rosig aussieht. Kurz gesagt, ihr Leben ist eine einzige Katastrophe.  Meine Meinung: Ich muss sagen, ich finde das Cover einfach niedlich. Die Raketen passen gut zum Inhalt des Buches. Mathilda träumt nämlich sehr oft von Raketen. Auch die Schriftart des Titels find ich gut gelungen. Es ist auf jeden Fall ein Blickfang! Als ich den Klappentext gelesen habe, habe ich gedacht, dass ich eine Geschichte von einer Frau bekomme, die in ihrem Leben alles falsch gemacht hat, dann ihr Leben jedoch in die Hand nimmt und das Beste draus macht. Diese habe ich auch zum Teil bekommen, aber irgendwie hat mich das Ganze nicht ganz überzeugen können. Kommen wir erst einmal zu Mathilda. Ich konnte mit ihr nicht warm werden und sympathisch war sie mir auch nicht. Sie ist total demotiviert und ist unzufrieden mit ihrem Leben, aber dagegen tut sie auch nicht gerade viel. Ihre Freundin Nina sucht ihr immer Stellenanzeigen für eine neue Arbeit raus. Nicht mal das bekommt sie auf die Reihe. Durch die vielen Rückblenden in ihre Kindheit, kann ich jedoch irgendwie nachvollziehen, warum sie so ist, wie sie ist.   Die reichlich vielen Nebencharaktere haben bei mir manchmal zu Verwirrung geführt, weil die Charaktere teilweise Spitznamen haben, wie Hase oder Kartoffel. Ich konnte mir das alles einfach nicht merken. Über den einen oder anderen Nebencharakter hätte ich gerne mehr erfahren, weil diese echt interessant waren.  Die Geschichte an sich hat mir dennoch recht gut gefallen, da sie sehr realistisch ist. Anne Krüger beschreibt den Berliner Alltag und mitten drin eine Mathilda Unterwasser, die total orientierungslos und verloren ist.  Einen Spannungsbogen gibt es nicht, aber das hat die Geschichte auch nicht nötig.  Der Schreibstil der Autorin ist sehr eigen. Sie beschreibt alles in kurzen und knappen Sätzen. Am Anfang kam mir das alles eigenartig vor, aber der Schreibstil passt einfach perfekt zur Stimmung des Buches. Die Stimmung ist nämlich sehr bedrückend und düster.  Die Dialoge zwischen den Charakteren haben mir leider dagegen nicht so gut gefallen. Diese wirken eher kalt und lieblos, weil sie teilweise sehr abgehackt sind.  Fazit: Wer eine realistische Geschichte mit ungewöhnlichen Charakteren lesen möchte, ist hier genau richtig! Jeder von uns wird irgendwann mal in einer Situation stecken, in der wir nicht wissen, was wir als nächstes machen sollen um aus dem Schlamassel rauszukommen und wer wissen möchte, wie Mathilda Unterwasser sich dabei schlägt, sollte das Buch lesen! (Mein Tipp vor dem Kauf:  Ihr solltet jedoch kurz in der Leseprobe rein lesen und gucken, ob der Schreibstil euch zusagt. ) Ich vergebe 3 von 5 Sternen!

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  • Nicht ganz so kosmonautisch wie gedacht...

    Allee der Kosmonauten

    Fina

    11. April 2015 um 14:24

    Kurzbeschreibung: In ihrer Kindheit träumte Mathilda unter anderem von einer Karriere als Osterhase, aber am liebsten wollte sie Kosmonautin werden. Als sie ihrer besten Freundin während einer Riesenradfahrt auf die Bluse kotzte, zerbrach ihr Herzenswunsch jedoch an der schnöden Realität – sie war nicht schwindelfrei. Zurück blieb eine unbändige Begeisterung für Juri Gagarin und den Weltraum. Heute Ende zwanzig, ist Mathilda immer noch auf der Suche nach einem erfüllten Leben. Kosmonautin steht als Beruf nicht mehr zur Diskussion, aber was dann? Und was das erfüllte Privatleben angeht: Welcher Mann kann schon neben Juri Gagarin bestehen? „Allee der Kosmonauten“ ist ein Roman über die erste schwierige Phase im Leben junger Erwachsener (Quarterlife Crisis), in der neue Entscheidungen getroffen werden müssen und sich alte Bindungen verändern. Anne Krüger setzt sich mit dieser Thematik authentisch auseinander und verleiht ihren Figuren wie im Vorbeigehen Tiefe. Ein literarisches, unterhaltendes Debüt voller Situationskomik und feinem Humor. (Quelle: Amazon.de) Cover: Das Cover besticht vor allem durch seine Schlichtheit. Zuerst erweckt es dein Anschein eines Kinderbuches, doch der Kontrast von Grau und Orange haben es mir wirklich sehr angetan. Die Raketen passen natürlich hervorragend zum Titel des Buches und ich finde das Cover insgesamt wegen seiner tollen, akzentuierten Gestaltung sehr gelungen. Stil: Hier muss ich leider, leider schon etwas anfangen zu nörgeln. Denn der Schreibstil bereitete mir doch so einige Schwierigkeiten. Ich bin ein Fan von vielen Wendungen, Überraschungsmomenten und spannender, unterschwelliger Stimmung. Autorin Anne Krüger hat für mich leider einen zu ruhigen Schreibstil. Sie versteht es, toll zu formulieren und versucht durch Rückblenden und teilweise etwas unschlüssige, verworrene Gedankengänge das Wesen der Protagonistin zu verdeutlichen, doch leider blieb die Atmosphäre für mich sehr oberflächlich und durch die ruhige Erzählweise großteils eher langweilig. Das finde ich sehr schade, weil Charaktere und die Idee durchaus vielversprechend sind, aber mit dem Stil konnte ich als Spannungsliebhaberin eher wenig anfangen. Idee/ Umsetzung: Gerade im jungen Alter von Anfang dreißig ist man im Leben sehr unentschlossen und verwirrt. Umso toller fand ich es, dass Frau Krüger diese Zeit aufgreift und anhand von Protagonistin Mathilda beschreibt. Somit war die Idee für mich schon mal sehr gut gewählt und ich konnte mich gut mit ihr identifizieren. Bei der Umsetzung habe ich allerdings etwas anderes erwartet, weil die Stimmung so gar nicht zukunftsorientiert und positiv war, sondern größtenteils bedrückend und ernüchternd. Deshalb habe ich an der Umsetzung eher zwischen den Zeilen meine Freude gefunden und konnte die Botschaft des Buches doch ganz gut verstehen, auch, wenn ich etwas gänzlich anderes erwartete... Charaktere: Mathilda hat mir als Hauptfigur sehr gut gefallen. Hier zeigt die Autorin, wie komplexe Charaktere ganz realistisch und bildhaft darzustellen sind. Sie definiert sich allerdings eher durch Taten, als durch viele Worte und auch das hat mir sehr gefallen, weil es so gut zu ihrem Charakter passt. Ebenso wie die schon erwähnten Vergangenheitspassagen und Gedankenströme, Mathilda ist eine Denkerin. Auch die anderen Charaktere sind ziemlich gut konstruiert, wobei ich meine Freude eher bei der Protagonistin fand. Insgesamt konnten diese aber leider nicht gänzlich für mehr Spannung in der stillen, wispernden Geschichte sorgen und hätten bei einem höheren Spannungsbogen meiner Meinung nach mehr Raum gehabt, sich zu entfalten. Schade! Ende: Wenn eine Geschichte vor sich hinplätschert, ist auch das Ende meist nicht hochtrabend spannend. Deshalb war ich weder sehr begeistert, noch überrascht. Allerdings brachte es die Geschichte zu einem runden Abschluss und ich konnte dennoch zufrieden das Buch zuklappen. Fazit: Eine tolle Idee leider sehr ruhig umgesetzt. Die Zwischen-den-Zeilen Leser werden hier bestimmt ihre Freude haben, ebenso Liebhaber von Melancholie und trüber, bedrückender Atmosphäre. Mir hat leider ganz arg die Spannung gefehlt. Mathilda ist ein tolles Mädchen, die eine gute Geschichte zu erzählen hat, aber sie erzählt sie eben eher, es gibt in diesem Buch wenig Erleben. Eine schöne Botschaft erwartet einen am Ende, sofern man sie denn für sich annehmen möchte. Das Buch war eine interessante Erfahrung, wenn auch nicht das spannendste Leseerlebnis. Geschmackssache- Diese Art von Geschichten muss man einfach mögen...

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  • Vielschichtig und nachdenklich

    Allee der Kosmonauten

    Kerstin-Scheuer

    29. March 2015 um 22:09

    “Allee der Kosmonauten” ist ein Buch der leisen Töne, das den Moment im Leben eines jungen Erwachsenen thematisiert, in dem er sich fragt, ob das nun schon alles gewesen ist und ob man nicht eigentlich mehr aus seinem Leben machen sollte bzw. wollte. Erstaunlich vielschichtig erzählt Anne Krüger über das Ende von Kindheits- und Jugendfreundschaften, unterschiedliche Lebensentwürfe, den Weg zu sich selbst und das manchmal sehr abrupte Ende der unbeschwerten Zeit als junger Erwachsener und gibt dabei ein nahezu vollständiges Bild des Lebensgefühls jener Zeit Ende der 20er und Anfang der 30er Lebensjahre wieder. Anne Krüger fängt diese Momente mit all ihrer Widersprüchlichkeit aus Melancholie und Traurigkeit aber auch Leichtigkeit und Lebensfreude gekonnt ein. (Ausführliche Rezension: http://kerstin-scheuer.de/?p=2796)

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  • Irritierende Geschichte vom Erwachsenwerden

    Allee der Kosmonauten

    Spatzi79

    01. March 2015 um 21:17

    Mathilda ist Ende 20 und lebt in Berlin. Die junge Frau hat ihr Studium vor Jahren abgebrochen und arbeitet seitdem als Supermarktkassiererin, aber ihr Job macht sie nicht glücklich. Auch ihr Privatleben ist eher trostlos. Ihr Freund trennt sich von ihr, sie klammert ihm zu sehr, er will nicht zusammenziehen und sich zu sehr binden. Mathilda ist auf der Suche, doch wonach scheint sie selbst nicht so recht zu wissen. Immer wieder verliert sie sich in Tagträumen, schwärmt für die Raumfahrthelden der früheren Sowjetunion und wäre selbst gerne Kosmonautin geworden, was aber ein hoffnungsloser Tagtraum geblieben ist. Ihre Freunde machen einen ähnlich desorientierten und planlosen Eindruck, bis auf ein befreundetes Pärchen, die bereits Eltern geworden sind und deren Leben immer bürgerlicher wird, wodurch sich eine immer größere Kluft zu Mathilda und den anderen auftut. Diese Veränderung in Cliquen in dem Alter fand ich gut dargestellt. Die ersten werden "sesshaft", gründen eigene Familien und man lebt sich teilweise auseinander. Die Freunde mit Kindern reden nur noch über Windeln, Babykrankheiten und ähnliches, die Singles sind noch auf der Suche, wollen weggehen und Spaß haben und irgendwie passt das alles nicht mehr zusammen. Mathilda konnte ich leider überhaupt nichts abgewinnen, sie ist unzufrieden, hat aber keine Idee und anscheinend null Motivation, etwas in ihrem Leben zu ändern. Sie bewirbt sich völlig planlos auf andere Stellen und es ist reiner Zufall, dass sie etwas findet, was ihr mehr zusagt als die Arbeit im Supermarkt. Genauso ist es in ihrem Privatleben, erst passiert lange nichts, dann gibt es auf einmal eine große Wende. Neben der eigentlichen Geschichte um Mathilda heute gibt es immer wieder Einschübe, in denen es um die Raumfahrt und Kosmonauten geht. Diese fand ich ziemlich verwirrend und habe sie irgendwann nur noch quergelesen. Außerdem gibt es immer wieder Rückblenden in Mathildas Kindheit, diese fand ich ganz interessant, aber auch sie erklärten für mich nicht wirklich, wie Mathilda zu dem Menschen geworden ist, der sie heute ist. Mir was das alles einerseits zu wenig, andererseits auch wieder zu viel, was parallel in die Geschichte eingeschoben wird, so z.B. noch der Laden der verlorenen Dinge, der in Mathildas Straße aufmacht und mit dessen Besitzer sie sich anfreundet oder die psychischen Probleme einer ihrer Freundinnen. Viele gute Ideen, aber für mich nicht passend zusammengesetzt und so plätscherte die Geschichte vor sich hin und daher konnte mich das Buch leider weder fesseln noch begeistern.

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  • Vom Loslassen und Neuanfangen

    Allee der Kosmonauten

    MacBaylie

    26. February 2015 um 21:18

    Meine Meinung:Die Hauptfigur in Anne Krügers Roman „Allee der Kosmonauten“, Mathilda Unterwasser, kann man nicht gerade als einfachen Charakter bezeichnen. Obwohl sie eigentlich überhaupt nichts Schlimmes macht, erweckt sie doch den Eindruck anders zu sein - nicht in ein klassisches Schema zu passen. Aber ist das wirklich so selten oder gar schlimm? In unserer schnelllebigen, karrieregesteuerten Welt sind Träumer und Menschen, die sich mit Entscheidungen schwer tun nicht gern gesehen, werden belächelt und in die Außenseiterecke gestellt. Schade eigentlich. Mathilda versinkt immer wieder in ihrer kosmischen Traumwelt und in Erinnerungen an ihre Kindheit. Viele Dinge wurden nie ausgesprochen und haben sich in ihrem Inneren, auf vielleicht falsche Weise, festgesetzt und kommen zeitweise an die Oberfläche. Ihr abgebrochenes Studium, die distanzierte Familie, relativ oberflächliche Freundschaften, der Verlust ihres „Traummannes“  und der Job an der Supermarktkasse sind da auch nicht gerade hilfreiche Begleiter. Noch dazu dieser ständige Regen, das trübe Wetter, das sich durch die ganze Geschichte zieht. Wobei hier teilweise der Eindruck entsteht, dass Mathilda sich diese Wetterlage zum Verbündeten macht. —-„Zu Beginn der zweiten Januarwoche taute der Schnee und hinterließ auf den Straßen, Wegen, Fensterbrettern und Balkonbrüstungen eine graue klebrige Suppe. Die Gesichter der Menschen erzählten Geschichten von Trübsinn und Traurigkeit. Ich liebte den Januar“—-Zitat S. 281 Als Leser sollte man sich von jeglichen Erwartungen an dieses Buch verabschieden und sich einfach treiben und überraschen lassen - ansonsten könnte man in Mathildas Welt, in ihrem Grau, verloren gehen. Es ist nicht immer einfach sie zu verstehen und ihre Gefühle und Handlungen nachvollziehen zu können, aber es macht dennoch Spaß sich in ihre Lage zu versetzen und sie auf ihrem Weg, der bisweilen etwas länger ist, zu begleiten. Fazit: Eine melancholische Geschichte um vermeintlich verpasste Chancen, falsche Erwartungen ans Leben die Liebe und sich selbst. Vom Loslassen und Neuanfangen. 

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  • Eine Geschichte mit einer gewissen Traurigkeit, gespickt mit Humor

    Allee der Kosmonauten

    MagicAllyPrincess

    08. February 2015 um 20:37

    Mit Liebe rechtfertigen Leute jedes noch so seltsame, ja sogar zerstörerische Verhalten. (Seite 197) Ich ahnte, dass ich mir selbst und meiner Traurigkeit nicht entkommen konnte, auch durch eine Reise nicht. Ich wollte aber auch gar nicht vor mir fliehen. (Seite 237) "Im Alleinsein steckt auch eine ungeheure Kraft" fuhr Gagarin fort. "Wenn du dich selbst nicht kennst, sogar vor dir fliehst, dann kannst du nicht leben. Verstehst du?" (Seite 230) "Manchmal tut eben alles weh und nichts geht. Aber dann geht es doch. Das weißt du bestimmt schon selbst oder?" (Seite 253) Und auch ich selbst war mir noch nie so nahe gewesen wie in diesen Tagen. Ich fühlte mich, als würde ich mich langsam kennenlernen. Als würde die Trennwand, die sich in meiner Seele erhob, Stück für Stück bröckeln. (Seite 380) In ihrer Kindheit wollte Mathilda nichts sehnlicher als Kosmonautin werden, dieser Traum platz leider als sie merkt, dass sie nicht schwindelfrei ist. Dennoch begleitet sie die Begeisterung für Juri Gagarin und den Weltraum ihr Leben lang. Zunächst studiert Mathilda recht erfolgreich, doch als ihr Vater stirbt, stirbt mit ihm auch ihr Antrieb, um das Studium zu beenden. Mathilda die mittlerweile 29 Jahre alt ist, jobbt an der Kasse eines Supermarkts. Doch diese Arbeit erfüllt die junge Frau nicht annähernd, und so macht sich Mathilda auf die Suche nach dem Sinn ihres Lebens, was für sie auch das Finden ihres Mr. Rights beinhaltet. Die Idee, die hinter "Allee der Kosmonauten" von Anne Krüger steckt, hat mich so unglaublich neugierig auf das Buch gemacht, dass ich es unbedingt lesen wollte. Mathildas Faszination für den Weltraum und ihre Begeisterung für ihr Idol Juri Gagarin (er war der erste Mensch im Weltraum) stießen bei mir sofort auf Interesse, da ich mich zugegebenermaßen bisher nur wenig mit Kosmonauten und Co. beschäftigt habe. Mathilda wächst mit ihren Eltern und ihren beiden älteren Geschwistern in der "Allee der Kosmonauten" in Berlin auf. Schon alleine diese Tatsache lässt "klein Mathildas" Herz höher schlagen, und ihr bereits in jungen Jahren entstehendes Hobby erklären. Die Geschichte beginnt damit, dass sich Mathildas Freund, mit dem sie alt werden und Kinder bekommen wollte, von ihr trennt. Sie arbeitet als Kassiererin im Supermarkt, dieser Job sorgt dafür, dass sie finanziell unabhängig ist, bereitet ihr aber keine Freude. Als Magnus, besagter Freund, nichts mehr von ihr wissen will, beschließt Mathilda, dass es an der Zeit ist, ihr Leben zu ändern. Sie macht sich auf die Suche nach der für sie passenden Arbeit und nach dem Mann, der sie so liebt wie sie ist. Der Einstieg in das Buch fiel mir sehr leicht, ich lernte Mathilda, ihr Leben, ihre Freunde und ihre Familie kennen. Ich konnte die Traurigkeit, die ein täglicher Begleiter Mathildas ist, fast körperlich in mir selbst spüren. Diese Tatsache machte es für mich nicht ganz leicht, mich mit Begeisterung auf "Die Allee der Kosmonauten" zu stürzen, denn Mathildas Gefühle nahmen ein Stück weit auch von mir Besitz. Ich kämpfte mit der jungen Frau gemeinsam, beleuchtete mit ihr die unterschiedlichsten Aspekte des Lebens, nahm ihre Freundschaften unter die Lupe und bekam viele Einblicke in ihre Jugend und die nicht immer einfache Beziehung zu ihrer Mutter, ihrer Schwester und ihrem Bruder. Ich hatte eine eher lockere Geschichte erwartet, doch in Anne Krügers Roman steckt so viel mehr, vor allem Tiefgang und eine ordentliche Portion "wahres Leben" mit all seinen unterschiedlichen Facetten. "Allee der Kosmonauten" lies mich selbst auch des Öfteren nachdenken, über die Menschen, die in meinem Leben eine große Rolle spielen, über meine Familie und über das Leben im Allgemeinen. Ich mochte Mathilda sehr gerne und konnte auch viele ihrer Gedanken und Ängste nachempfinden. Dennoch schaffte ich es nur bedingt, mich in sie hineinzuversetzten, was mit Sicherheit zu einem großen Teil daran liegt, das Mathilda ein eher pessimistischer Mensch ist, wohingegen ich ein Optimist bin. Dennoch hat es mir sehr gut gefallen, wie Mathilda letztendlich ihr Leben doch in die Hand nimmt, wie sie beginnt an sich zu glauben, und wie sie Stück für Stück immer mehr erreicht und ihrem "Wunschleben" am Ende doch recht nahe kommt. Ich möchte gar nicht weiter auf die doch recht zahlreich vorhandenen Personen, oder auf die Männer in Mathildas Leben eingehen, denn dann würde ich einfach zu viel verraten, und das möchte ich nicht. Besonders gut hat es mir gefallen, wenn Mathilda ihren "Kosmonauten Fantasien" nachgeht. Denn in diesen Momenten schafft sie das Unmögliche, und bekommt eine andere Sicht auf ihre Welt. Und auch wenn dann nicht alles logisch ist (was es auch nicht sein muss), steckt in diesen Sequenzen eine Menge an Weisheit und Wahrheit. Anne Krügers sehr angenehmer Schreibstil und ihre Art zu erzählen, bereiteten mir schöne und nachdenkliche Lesestunden. Wer sich auf eine Geschichte mit einer gewissen Grundtraurigkeit, die allerdings gespickt mit unterschwelligem Humor ist einlassen kann, der sollte unbedingt zu "Alle der Kosmonauten" von Anne Krüger greifen. Begebt euch gemeinsam mit Mathilda auf eine Reise durch ihren ganz persönlichen Kosmos. Erlebt, wie die junge Frau trotz einiger Tiefschläge ihr Leben in die Hand nimmt, und wie sie für ihre Träume und Ziele kämpft.

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  • Die Suche nach dem persönlichen Glück

    Allee der Kosmonauten

    smayrhofer

    06. February 2015 um 09:01

    Im Alter von vier Jahren zieht Mathilda mit ihren Eltern aus dem Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg in die Neubausiedlung in die Allee der Kosmonauten. Gerne wäre sie selbst Kosmonautin geworden, aber wie wir nach einem Zeitsprung feststellen, sucht Mathilda auch kurz vor ihrem 30. Geburtstag nach Glück und Sinn im Leben. Sie arbeitet als Kassiererin in einem Supermarkt und ihr "Freund" Magnus ist endlich wieder in Berlin, aber nur, um gleich wieder nach Argentinien aufzubrechen. Ist er wirklich der Richtige? Was ist aus ihren Träumen geworden? Und was hält das Leben noch für sie parat? Mit „Allee der Kosmonauten“ legt Anne Krüger ein eher schwermütiges, ja fast schon depressives Buch vor (zur Stimmung des Buches passend regnet es fast die ganze Zeit), bei dem aber hin und wieder ein feiner, subtiler Humor aufblitzt. Die Protagonistin tritt als Ich-Erzählerin auf; ansonsten ist das alles eher dialoglastig, liest sich aber erstaunlich gut. Rückblenden in ihre Kindheit sowie kurze Traumsequenzen lockern das Ganze auf. Nur mit der Geschichte selbst hatte ich mit fortschreitendem Verlauf so meine Probleme: hat man am Anfang noch das Bedürfnis, die vom Schicksal Gebeutelte in den Arm zu nehmen, so hat mich ihr von Lethargie und Selbstmitleid geprägtes Verhalten zunehmend genervt. Teilweise habe ich hier - obwohl es nie ausgesprochen wurde - Symptome einer Depression erkannt, wobei dann schließlich eine andere Romanfigur den Zusammenbruch erleidet. Auch bei den anderen Charakteren bin ich mit niemandem richtig warm geworden bin, weil sie bis auf wenige Ausnahmen zu oberflächlich dargestellt wurden und in der Geschichte auch sind – keiner hat erkannt oder wollte erkennen, wie schlecht es den eigenen Freunden geht… Mit der „Message“ des Buches bin ich mir nicht sicher. Vordergründig ist „Allee der Kosmonauten“ so etwas wie die (vergebene?) Suche nach dem persönlichen Glück; hintergründig zeigt Anne Krüger aber auch den Zwiespalt einer Generation: Freunde, mit denen man etwas unternehmen kann, gibt es zwar einige; aber jemanden, der einem auch zuhört, hilft und unterstützt, ist schwer zu finden und noch schwerer, zu behalten. Auch wenn das Ende etwas versöhnlich gerät, so ist mir „Allee der Kosmonauten“ für ein Jugendbuch schon fast zu bedrückend geraten.

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  • Allee der Träume

    Allee der Kosmonauten

    Luc

    Mathilda lebt in Berlin, die Mauer ist längst gefallen und die stärkste Erinnerung ihrer Kindheit und Ursprung ihrer Komplexe ist die Allee der Kosmonauten. Eine Straße, die den russischen Weltraumstürmern huldigen sollte. Ein gelebter Traum, der über die Eintönigkeit und Schalheit des DDR-Alltags hinweg trösten musste. Und ihn in diesen Träumen und der wenig erbaulichen West-Realität ist Mathilda gefangen. Wie eine Schallplattennadel früherer Tage scheint die Heldin von Anne Krügers Roman „Allee der Kosmonauten“ in Trägheit, Kummer und Antriebslosigkeit fest zu hängen. Die Gegenwart wirkt auf Mathilda, wie ein fallen gelassenes Puzzle, deren Einzelteile nicht zusammen passen wollen. Zumindest verstehe ich die Ausgangssituation so. Weder die Familie bietet Halt, der Supermarktberuf nach abgebrochenem Germanistikstudium sowieso nicht. Von den Männern ganz zu schweigen, die der Leichtgläubigen permanent zusetzen und Ihr ein Rätsel sind. Mit ihrer Naivität und Lebensuntüchtigkeit setzt Mathilda ohnehin Maßstäbe. Und so streunt Mathilda haltlos durch Berlin, eine Zigarette in der einen, ein Bier in der anderen Hand. An irgendwas muss sich ein Mensch festhalten. Vielleicht ist es die Vaterfigur, die Ihr fehlt, ein Fixstern auf den sich die Möchtegernkosmonautin ausrichten kann. Die Autorin lässt viel Raum für Interpretationsmöglichkeiten, was schon einmal gut ist. Einzig ein Laden für verlorene Dinge scheint in der Trostlosigkeit ihres Alltags für Hoffnung zu sorgen. „Allee der Kosmonauten“ ist ein Entwicklungsroman, der mich nicht völlig überzeugen konnte. Obwohl ich dem puristischen Schreibstil eine Menge abgewinnen konnte-die Autorin ist fürwahr Königin der Verknappung- hat mich die Botschaft nicht ganz erreicht. Was ich auf eine gewisse Unentschlossenheit zurückführe, die vor allem am Ende sichtbar wird. Vielleicht ist das Absicht, vielleicht. Stärkere Fokussierung auf das Wesentliche hätte dem Buch meiner Meinung nach gut zu Gesicht gestanden. Auf mich macht das Buch einen zusammengestoppelten Eindruck. So als wäre die Geschichte erst während des Schreibens entstanden, wie mit einer Machete hackt die Autorin durch die Sätze und reiht Szenen aneinander, die bisweilen ins Nirwana des Vergessens führen. Trotz mancher Schwächen habe ich das Buch gerne gelesen. Ich finde Mathilda originell, wenn auch nicht absolut glaubwürdig. Ich finde den Schreibstil unkonventionell, frech und eigen. Ich habe Freude an dem skurrilen Ambiente. Ich mag die Grundidee, die dem Buch zugrunde liegt. Die Umsetzung ist allerdings etwas lau. So haben die Kosmonauten-Träume wenig Aufklärung geboten und das Buch wirkt auf mich, wie ein beim Fußball über den Spann gerutschter Ball, der den Pfosten streift. Knapp daneben ist leider auch vorbei! Doch wird mir die junge Frau auf so eine irre Art im Gedächtnis bleiben. Wie einem nur Außenseiter und vielschichtige Persönlichkeiten im Gedächtnis bleiben.

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    • 3
  • Bonjour Tristesse

    Allee der Kosmonauten

    Krinkelkroken

    01. February 2015 um 10:12

    Das literarische Debüt von Anne Krüger, "Allee der Kosmonauten", handelt von geplatzten Träumen, verpassten Chancen und verglühten Liebschaften einer Endzwanzigerin. Mit ihr mag sich der Leser verbrüdern und verzanken, wird sich von ihr unterhalten oder abschrecken lassen, begleitet sie mit Freuden oder möchte schreiend davon rennen. Wer sich dazu entschließt, mit Mathilda auf Reisen zu gehen, der sollte sich auf lange Wartezeiten, viel Regen und nostalgische Melancholie einstellen, denn diese Lebensgeschichte ist keine einfache und geht ihren ganz eigenen Weg - ohne Happy End, ohne Bilderbuchkatharsis, ohne Spannungskurven. Das hört sich zunächst äußerst leserunfreundlich an, ist tatsächlich aber faszinierend unkonventionell und dabei vor allem eines: erfrischend individuell. Mathilda Unterwasser hat ihr Germanistikstudium abgebrochen und arbeitet nun seit längerem an der Kasse eines Supermarktes in ihrer Geburtsstadt Berlin. Je mehr sie in der Vergangenheit schwelgt, desto mehr fürchtet sie sich vor Veränderungen. Ihr phlegmatischer Charakter durchdringt all ihre Lebensbereiche und erstickt jede knospende Idee im Keim. Dadurch ist ihr Job trostlos, ihre Freundschaften oberflächlich, ihr Charakter depressiv, ihre Familie distanziert, ihre Liebe unerwidert, ihr Leben trist, ihr Wohnort grau - und es regnet. Anhaltend. Ach, was waren das noch Zeiten, in denen sie mit ihren Freundinnen durch die Heimatstraße gegurkt ist - durch die Allee der Kosmonauten - und der Traum, einmal wie Juri Gagarin duch den Weltraum zu schweben, noch nicht von ihrer Höhenangst zerschmettert worden war… So macht Mathilda ihrem Nachnamen tagein, tagaus alle Ehre und befindet sich im luftleeren Raum, gleichsam unter Wasser, und schwappt, sich selbst bemitleidend am dunklen Meeresgrund vor sich hin. "Die Nässe jedoch kroch überall hin, in Schuhe, Kleidung, und Herzen. [...] Graue Schleier verbargen den Himmel, den es irgendwo geben musste." (S. 29) Was sich unsympathisch und anstrengend anhört, wirkt auf den Leser faszinierend und - das vor allem - aufgrund der schleppenden Handlung und des anhaltenden Regens auf merkwürdige Weise tröstend. In knappen, aneinandergereihten Sätzen, schildert die Erzählerin ihr stagnierendes Leben. Dazwischen finden sich Gedankenfetzen aus Kindertagen oder Traumsequenzen, deren Inhalt immer wieder in kosmonautischen Höhen kreist. Charmante und abstoßende Persönlichkeiten kreuzen ihren Weg und teilen zeitweise ihr Bett. Kaum hat man als Leser Freundschaft geschlossen, kommt das Leben dazwischen - oder der Tod. Scheitern und Verlust, Krankheit und Geldsorgen - wer nach rosa Giltzerstaub oder rasanten Entwicklungen sucht, wartet vergebens. Mathilda ist keine Katniss Everdeen und keine Bella Swan - am Ende möchte niemand ihr Schicksal teilen und doch können alle von ihr etwas lernen: loslassen, innehalten, tagträumen. Banal - aber schwerer umzusetzen als gedacht. Schließlich kriegt Mathilda die Kurve und kommt aus sich heraus - ob mit Erfolg, bleibt allerdings - wie das Ende der Handlung - offen. Bei aller Innovation ist der Roman nicht frei von Schwächen - die gleichzeitig seine größten Stärken sind. Durch eine alternde Antiheldin als Protagonistin (statt einer knackigen Lolita), durch realistische Entwicklungen (statt Happy Endings), durch tristen Alltag (statt magischer Fantasy), durch anhaltendes Scheitern (statt Erfolg) und vor allem durch auf-Konventionen-pfeifende und sich-Zeit-lassende, auch-das-kleinste-Detail-beschreibende Sprache, ist dieses Buch ein besonderes und sticht aus der Menge der ewig gleichen Jugendbücher heraus. Wenn auch nicht immer positiv. Etwas weniger Selbstmitleid hätten der Protagonistin gut getan und etwas weniger Seiten dem Lesevergnügen. Welche Wohnungsgegenstände beim Umzug behalten, welche weggebenen, welche wie aufgeteilt werden, treibt weder die Handlung noch die Leselust voran. Und dass sich wirklich niemand in Mathildas Bekannten- und Familienkreis findet, der glücklich, kommunikativ, geistig gesund oder zupackend ist, könnte auf einige Menschen aus dem Osten Berlins befremdlich wirken. Fazit: Um hundert Seiten gekürzt und etwas Tristesse erleichtert, hätte die "Allee der Kosmonauten" ein nostalgisch-melancholisches Highlight des noch jungen Jahres werden können. Bleibt zu hoffen, dass die junge Autorin ihren unkonventionellen Stil beibehält und demnächst eine regnerische Geschichte mit einem Flair von Behaglichkeit, einem Touch Humor oder einer selbstbewussten Protagonistin schreibt - sie könnte zur Literaturikone der Endzwanziger werden, die alle - mich eingeschlossen - auf eine brauchbare Jugendbuchwelle jenseits der Ersten Male warten.

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  • durschnittlich, aber dennoch interessant

    Allee der Kosmonauten

    abendsternchen

    29. January 2015 um 20:24

    Kurzbeschreibung: In ihrer Kindheit träumte Mathilda unter anderem von einer Karriere als Osterhase, aber am liebsten wollte sie Kosmonautin werden. Als sie ihrer besten Freundin während einer Riesenradfahrt auf die Bluse kotzte, zerbrach ihr Herzenswunsch jedoch an der schnöden Realität – sie war nicht schwindelfrei. Zurück blieb eine unbändige Begeisterung für Juri Gagarin und den Weltraum. Heute Ende zwanzig, ist Mathilda immer noch auf der Suche nach einem erfüllten Leben. Kosmonautin steht als Beruf nicht mehr zur Diskussion, aber was dann? Und was das erfüllte Privatleben angeht: Welcher Mann kann schon neben Juri Gagarin bestehen? „Allee der Kosmonauten“ ist ein Roman über die erste schwierige Phase im Leben junger Erwachsener (Quarterlife Crisis), in der neue Entscheidungen getroffen werden müssen und sich alte Bindungen verändern. Anne Krüger setzt sich mit dieser Thematik authentisch auseinander und verleiht ihren Figuren wie im Vorbeigehen Tiefe. Ein literarisches, unterhaltendes Debüt voller Situationskomik und feinem Humor. Autor: Anne Krüger wurde 1975 geboren, als mitten im Kalten Krieg eine amerikanische Apollo- und eine sowjetische Sojus-Kapsel im Weltraum aneinander ankoppelten.Die Open-Mike-Finalistin lebt mit ihrer Familie und einer Katze in ihrer Geburtsstadt Berlin, allerdings nicht in der Allee der Kosmonauten. Meine Meinung: Nun ja was soll man über dieses Buch zu schreiben. Es fällt mir nicht leicht. Das Buch an sich war ganz gut, auch wenn ich mit Mathilda nie richtig warm wurde. Mathilda, eine 29 Jährige junge Frau, weiss nicht so genau was sie in Ihrem Leben noch so anstellen soll. Ein Job als Kassiererin, keine Ausbildung und das Studium abgebrochen. Von Marius, ihrem Freund wurde sie verlassen, zumindest denkt sie das sie eine richtige Beziehung hatten. Wenig später stürzt sie sich in die nächste Beziehung mit John. Und auch hier läuft es nicht so wie sie erwartet. Allgemein weiß sie nicht was sie machen soll, ihre Freundschaften aus der Kinderzeit sind auch nicht mehr das was sie einmal waren. Mathilda kommt teilweise oberflächlich rüber, sie hört nicht richtig zu und zeigte teilweise auch kein richtiges Interessen. Immerhin ergriff sie dann doch irgendwann die Initiative um sich einen neuen Job zu suchen, da ihr der als Kassiererin keinen Spaß machte. Und auch ein neuer junger Mann tauchte in ihrem Leben auf. Der Schreibstil war ok, Allee der Kosmonauten ließ sich schnell und einfach lesen. Was mich jedoch ein wenig störte das fast auf jeder Seite sich entweder eine Zigarette angezündet wurde oder man Alkohol zu sich nahm. Auch waren die Dialoge teils abgehakt geschrieben. Störte zwar den Lesefluss nicht, aber man stolperte doch darüber. Mathilda ist ein Mädchen aus der DDR, ihre Kindheit wird nicht ganz so gut beschrieben, auch wenn man nicht so viel davon zu lesen bekam. Da ich nur ein klein wenig älter als Mathilda und ebenfalls ein Kind der DDR bin, konnte ich mich zum Glück nicht mit ihr identifizieren. Das Cover finde ich hier recht witzig mit den gemalten Astronauten.

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  • Rezension | "Allee der Kosmonauten" - Anne Krüger

    Allee der Kosmonauten

    Bröselchen

    20. January 2015 um 19:50

    Als Kind zieht Mathilda Unterwasser mit ihren Eltern und ihrer Schwester Teresa nach Berlin in die Allee der Kosmonauten. Ihr größter Wunsch war es immer Kosmonautin zu werden, was durch einen Schwindelanfall im Riesenrad und die darauf folgende Kotzerei auf die Bluse ihrer Freundin, schnell zunichte gemacht wurde. Sie ist schon immer eine Träumerin und will auch neben ihren häufigen Tag-Träumen den der Kosmonautin nicht aufgeben. Scheinbar alle ihre Freunde leben ein reibungsloses Leben, nur ihres will nicht sie so laufen wie sie es gern hätte. Ungewohnt war zunächst, dass der wichtige Teil, weshalb Mathilda ihren Traum der Kosmonautin nicht ausleben kann, nur im Klappentext und nicht im Buch selbst Erwähnung findet. Zumindest nicht so offensichtlich, dass es mir aufgefallen wäre. Spürbar und deutlich hingegen, ist eine bedrückende, sogar teilweise deprimierende Stimmung, die von Anfang an in der Luft hängt und auch nie ganz verschwindet. Dies unterstreicht passenderweise den Zustand, dass die mittlerweile fast 30-jährige Frau Unterwasser eher widerwillig in einem Supermarkt arbeitet und es auch in der Liebe nicht rosig läuft. Autorin Anne Krüger arbeitet mit zahlreichen Tag-Träumen und dem Umswitchen auf Mathildas Gedanken in der Vergangenheit, bleibt jedoch hauptsächlich in der Gegenwart. Diese Mischung passt perfekt zum Wesen der Protagonistin, ist sie doch tatsächlich sehr oft mit dem Kopf woanders und wirkt für Außenstehende häufiger verwunderlich. In manch wirren, scheinbar irrelevanten Absätzen werden schwierige Familienverhältnisse angedeutet, die Mathilda in der Vergangenheit geprägt haben und noch immer zusetzen. Das macht sich vor allem durch ihr Gefühl der Minderwertigkeit und mangelnden Vertrauen in andere Menschen bemerkbar. Ein ständiger Szenenwechsel unterstützt diese zur Verwirrung führenden Passagen noch zusätzlich, machte mich persönlich aber auch neugierig. Ist es Absicht der Autorin um von etwas Essentiellen abzulenken, in die Irre zu führen um damit auf einen unerwartete Wendung zuzusteuern? Einen wirklichen Spannungsbogen gibt es leider nicht, ist es eher ein ruhiges und, wie bereits erwähnt, bedrückendes Buch, das einem auch gerne das ein oder andere "Hä?" entlockt. Ob ich aufgrund der vielen Negativpunkte bereue dieses Buch gelesen zu haben? Keinesfalls! Die eigentliche Message mag zwischen den Zeilen versteckt und die Geschichte bzw. der Aufbau an sich wahrscheinlich vielen – wie auch mir – suspekt sein, aber ich habe Mathilda mit all ihren irren Macken und Aussagen gern gewonnen und begleitet. Es ist eins dieser Bücher, die sich schwer beschreiben lassen, weil es eigen und teilweise skurril ist, als viele andere Titel für junge Erwachsene. Was ich aber mit bestem Wissen und Gewissen sagen kann: 'Allee der Kosmonauten' ist ein wahrlich EIGENartiges Buch, schön und traurig zugleich.

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  • Träume, die zerplatzen; Wege, die nie gegangen werden

    Allee der Kosmonauten

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    18. January 2015 um 20:01

    Mathilda ist Ende 20, sitzt an der Kasse und weiß mit ihrem Leben nicht so wirklich etwas anzufangen. Ihr großer Traum als Kind in der DDR war es, Kosmonautin zu werden. Doch ihr schwacher Magen hat ihr da einen Strich durch die Rechnung gemacht. So bleibt ihr nur das Träumen vom Weltraum und die Erkenntnis, dass sie bisher nichts erreicht hat. Ihre Beziehung zerbricht und eine neue Liebe zu finden ist gar nicht so einfach. Mathilda gibt jedoch nicht auf.... "Allee der Kosmonauten" ist das Debüt von Anne Krüger und es hat mir sehr gut gefallen. Die Autorin zeichnet ein realistisches und eher düsteres Bild einer Generation, deren Heimat verschwunden ist und die sich nun mit anderen Standards im Leben zurecht finden muss. Mathilda erzählt selbst aus ihrem Leben und lässt den Leser so an den wenigen Höhen und recht vielen Tiefen teilhaben. Ihre Gedankengänge wirken ab und an abgehackt, jedoch verbirgt sich hinter fast jedem eine Tiefe, die man der Figur zunächst nicht zutraut. Denn Mathilda ist keine Sympathieträgerin. Ich wusste bis zum Schluss nicht, ob ich mehr als Interesse für sie empfinden soll. Und ich denke, dass dies auch von der Autorin beabsichtigt ist. Denn es zeigt, dass man nicht zwingend mit Mathilda warm werden muss um ihre Geschichte spannend finden zu können. Obwohl die Erzählungen selbst großteilig den Alltag in Berlin wiedergeben, hat mich das melanchonische und unmotivierte Dasein Mathildas in seinen Bann geschlagen. Die junge Frau erlebt das Ende ihrer Beziehung, schlägt sich in einem Job rum, den sie nie wollte und weiß auch sonst nicht, was sie mit ihrer Zeit anfangen soll. Sie raucht, trinkt gern Alkohol und verzieht sich, wenn sie nicht zwingend mit Menschen in Kontakt treten muss, in ihr Schneckenhaus. Für mich ist sie damit eines der vielen Gesichter jener Generation, die in der DDR aufgewachsen ist und sich dann mitten in ihrer Jugend in einem neuen Wertesystem zurecht finden musste. Während des Lesens konnte ich mit der Berlinerin mitfühlen, mitdenken und verstand sie sogar in ihrer Lethargie. Allerdings finde ich, dass man für das Buch in der richtigen Stimmung sein muss, da es schon resignierend und traurig auf einen wirkt. Daher ist das Werk von Anne Krüger nichts für zwischendurch oder nebenbei. Man sollte sich schon voll und ganz auf den Roman einlassen können. Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist schnörkellos, manchmal verwirrend, aber in sich logisch und ich konnte Mathildas Gedanken gerade durch das ab und an verworrende sehr gut nachvollziehen. Fazit: ein melancholisches, nachdenkliches Buch, das mir in Erinnerung bleiben wird. Ich kann es empfehlen.

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  • Berlin, wir haben ein Problem!

    Allee der Kosmonauten

    Legeia

    18. January 2015 um 10:54

    Klappentext: In ihrer Kindheit träumte Mathilda unter anderem von einer Karriere als Osterhase, aber am liebsten wollte sie Kosmonautin werden. Als sie ihrer besten Freundin während einer Riesenradfahrt auf die Bluse kotzte, zerbrach ihr Herzenswunsch jedoch an der schnöden Realität – sie war nicht schwindelfrei. Zurück blieb eine unbändige Begeisterung für Juri Gagarin und den Weltraum. Heute Ende zwanzig, ist Mathilda immer noch auf der Suche nach einem erfüllten Leben. Kosmonautin steht als Beruf nicht mehr zur Diskussion, aber was dann? Und was das erfüllte Privatleben angeht: Welcher Mann kann schon neben Juri Gagarin bestehen? „Allee der Kosmonauten“ ist ein Roman über die erste schwierige Phase im Leben junger Erwachsener (Quarterlife Crisis), in der neue Entscheidungen getroffen werden müssen und sich alte Bindungen verändern. Anne Krüger setzt sich mit dieser Thematik authentisch auseinander und verleiht ihren Figuren wie im Vorbeigehen Tiefe. Ein literarisches, unterhaltendes Debüt voller Situationskomik und feinem Humor. Die Autorin: Anne Krüger wurde 1975 geboren, als mitten im Kalten Krieg eine amerikanische Apollo- und eine sowjetische Sojus-Kapsel im Weltraum aneinander ankoppelten. Statt Kosmonautin zu werden, arbeitete sie nach dem Studium in diversen Jobs mit Bodenhaftung, bis sie sich vor einigen Jahren als Hörspielautorin selbstständig machte. Die Open-Mike-Finalistin lebt mit ihrer Familie und einer Katze in ihrer Geburtsstadt Berlin, allerdings nicht in der Allee der Kosmonauten. Meine Meinung: Mathilda Unterwasser ist eine Träumerin. Sie lebt in Berlin und arbeitet an der Supermarktkasse, wird von ihrem Freund Magnus verlassen, mit dem sie gerade zusammenziehen wollte, und weiß nicht, wo sie im Leben genau steht, bzw. stehengeblieben ist. Sie ist fast 30 und begreift, dass sich etwas verändern muss. Die Kindheit in der DDR hat sie geprägt, zu ihrer Familie gibt es kaum einen Bezug - alles verläuft nach Schema F, unherzlich, ohne Wärme, und sie flüchtet vor solchen angesetzten Treffen lieber, als sich diesen zu stellen. Mathilda wirkt antriebslos, desorientiert, in ihrer eigenen Welt lebend, vielleicht sogar im Weltraum schwebend und über die Erde blickend, ohne sich an dem Leben dort unten zu beteiligen. Warum auch? Es geht ja nur um sie und ihr Glück. Und in den Träumen mit Juri Gagarin ist sowieso alles anders, zumal diese nicht real sind und wehtun können. Zwiespältig lasse ich das Lesen und Verarbeiten von Mathildas Geschichte hinter mir. Einerseits verstehe ich sie, weil es eben nicht nur Kämpfer gibt, die sofort oder nach und nach alles schaffen, was sie sich vorgenommen haben, das ist sonnenklar. Und wer viel träumt, trinkt und raucht, nichts anpackt, der hat es nicht leicht, aus der Masse aufzutauchen und auf sich aufmerksam zu machen - im positiven Sinne. Mathilda wurde mir bis zum Ende hin nicht sympathischer, auch wenn es später etwas bergauf ging und sie sich dem Leben stellte. Nicht, weil sie oft so gleichgültig war, kam sie mir nicht nahe, sondern weil selbst eine Frau, die ihr Leben nicht im Griff hat, durchaus liebenswert dargestellt sein kann, aber dies war hier nicht der Fall. Genauso die anderen Figuren, von denen es eine Menge gibt in diesem Buch. Ob Familie, Freunde, oder Männer, die Mathildas Weg kreuzen - sie alle bleiben blass, dafür gibt es einfach zu wenige Informationen über sie. Charaktere werden angeschnitten und bleiben ohne Tiefe. Meistens geht es darum, wohin Mathilda geht, was sie isst, wie sie sich eine Zigarette anzündet - geredet wird kaum, und wenn, dann in sehr abgehackten Sätzen und Szenarien. Selten schaffen es längere Unterhaltungen und Diskussionen an die Oberfläche. Dass ausnahmslos alle so ihren Wortschatz gebrauchen, halte ich für unmöglich. Die Situationskomik und den Humor habe ich gleichermaßen vermisst. Vielleicht heißt Humor aber auch, dass man trotzdem lacht. Als Mathilda zum Beispiel betrunken war, und mit jemandem durch die Straßen zog (ich verrate nicht wer, um das nicht vorauszunehmen), und beide irgendwelchen Quatsch redeten, der wahrscheinlich lustig sein sollte, musste ich nur den Kopf schütteln. An Heiterkeit durch die alkoholgeschwängerten Gehirne war da nicht zu denken. Besonders gefallen haben mir die recht kurzen, aber dennoch spannenden Rückblicke in die DDR-Vergangenheit, sowie die (Alb)-Träume von Mathilda, in denen auch ihr Vorbild Juri Gagarin vorkam. Das waren Abschnitte, in denen die Autorin gezeigt hat, dass man mit so wenigen Sätzen ein Bild erzeugen kann, das man regelrecht vor sich sieht. Davon hätte ich gern mehr gehabt. Abschließend sei zu sagen, dass man mit "Allee der Kosmonauten" ein kleines Stück DDR-Geschichte kennenlernt, aber auch eine Frau mit ihrer Geschichte, die ein größeres Stück von ihrem Leben preisgibt, das zu einfach gezeichnet ist und an der nicht jeder Leser seine Freude haben dürfte, denn das Buch atmet Depression, Mutlosigkeit und Verzweiflung, und wenn Juri Gagarin so antriebslos gewesen wäre, hätte er nicht ins All fliegen können. 3 Sterne.

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  • Diese Rakete zündete nicht komplett, aber wagte zumindest einen gekonnten Aufstieg

    Allee der Kosmonauten

    Nightingale78

    15. January 2015 um 10:20

    Der Plot Als Kind wollte Mathilda Unterwasser vieles werden; Osterhase, Partisanin, Kindergärtnerin, aber am allerliebsten Kosmonautin. Juri Gagarin und Walentina Tereschkowa, die erste Frau im Weltall, waren ihre Helden. Doch während einer Fahrt im Riesenrad, bei der sie ihrer besten Freundin auf die Bluse kotzte, zerbrach der große Traum. Die Realität holte sie auf den Boden der Tatsachen zurück. Jetzt, mit Ende zwanzig, hat Mathilda längst das Gefühl, dass jeder einen Platz in einer schnellen Rakete ergattert hat, nur sie nicht. Alle, selbst ihre alten Freunde aus Kindertagen, rasen ihr davon. Mathilda hingegen fristet tagsüber nicht nur ein trauriges Dasein als Kassiererin, sondern wurde von jetzt auf gleich von ihrem Langzeitfreund abgeschossen. Der Fall in ein schwarzen Loch scheint unausweichlich. Aber die junge Möchtegern-Kosmonautin träumt noch immer vom fliegen und hofft, dass irgendjemand da draußen ihr die Sterne vom Himmel holt.     Meine Meinung Wenn man auf Google >Allee der Kosmonauten< eingibt, spukt die Suchmaschine über 300.000 Ergebnisse aus. Das ist nicht schlecht, für eine schnöde Hauptverkehrsstraße der Berliner Bezirke Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf (Quelle: Wikipedia). Besonders hübsch ist sie auch nicht und für Berliner ist es nur eine ganz normale Schnellstraße, wurde mir gesagt. Doch man findet auch eine christliche Rockband unter den Suchergebnissen, die sich nach der Allee benannt haben und deren Entdecker niemand geringerer ist, als wie Herbert Grönemeyer. Nun denn; in Mathilda Unterwassers (Protagonistin von Anne Krügers gleichnamigen Debüt) Welt ist diese Straße Teil ihrer Kindheit gewesen. Dort lernte sie ihre besten Freunde kennen und beschloss Kosmonautin zu werden.   “Als Kinder waren wir auf unsichtbaren Pferden durch die Straßen gejagt, wiehernd schnaubend, die Zähne gebleckt. Damals hatten wir uns unbesiegbar gefühlt…” Mathilda auf Seite 76 ~ Allee der Kosmonauten   Doch wie jeder von uns im Leben, wurde auch Mathilda erwachsen. Die Träume wurden kleiner und wichen letztendlich komplett der Realität. Kurz vor der großen dreißig sieht die Berlinerin plötzlich rot. Ihr Freund Magnus hat ihr nach drei Jahren Fernbeziehung den Freifahrtsschein gegeben und Mathilda verliert die Balance. Sie strauchelt und beginnt sich zu fragen, wieso sie eigentlich jemals erwachsen werden musste. Und überhaupt findet sie es neuerdings richtig ätzend, dass ihre Freunde so moralisch und pflichtbewusst sind. In einem Anflug von Euphorie will sie ihr Leben komplett umkrempeln. Wenn das aber mal so einfach wäre, denn das Leben zeigt Ellbogen nun mal die kalte Schulter. Für Mathilda beginnt ein reinster Drahtseilakt. Die Autorin Anne Krüger hat sich mit ihrem Debüt ALLEE DER KOSMONAUTEN wagemutig einem Thema gewidmet, welches leider viel zu sehr belächelt und unterschätzt wird. Die erste schwierige Phase im Leben eines jungen Erwachsenen – genannt Quarterlife Crisis – kann schlimme Existenz- und Platzangst mit sich bringen. Unsicherheiten überschatten das tägliche Leben. Fragen wie: “Bin ich wirklich glücklich? Was will ich? Wer bin ich überhaupt? Ich wollte doch dies und das noch erleben.”, kommen auf. Man fühlt sich allein, missverstanden und ist irgendwie sein eigener Stolperstein. Anne Krüger bietet dem Leser Mathilda Unterwasser. Und mein lieber Scholli, mit ihr hat man wirklich einiges zu ertragen. Mathildas Baustelle ist ihr eigenes Leben. Sie stolpert mit stets angezündeter Fluppe durch unsere graue, launische, schöne Hauptstadt Berlin. Sie sucht nach dem großen Glück, macht viel zu oft Halt bei diversen Männern, und hinterfragt dabei alles und jeden. Diese Frau war anstrengend und ja, selbst ich (ü30), suchte so manches mal im Kopf den Notausgang. Der Erzählstil ist, ähnlich wie der aktuelle Gefühlszustand der Hauptfigur, eine Mischung aus wunderbar und verwunderlich. Die Autorin switcht wild zwischen der Gegenwart, galaktischen Tagträumen und Rückblicken ihrer Protagonistin. Manchmal schien mir alles etwas zu wirr, theatralisch, dann wiederum euphorisch, gepaart mit ganz wunderbarer Situationskomik. Man muss eine gewisse Sensibilität für das Thema und dieser äußerst schwierigen Figur mitbringen. Ich wusste bei einigen Szenen nicht, ob ich lachen oder die Hände über den Kopf zusammen schlagen sollte. Aber nichtsdestotrotz musste ich weiterlesen, denn man bekommt immer wieder schöne und auch unglaublich traurige Erinnerungen aus Mathildas Leben serviert.     Fazit ALLEE DER KOSMONAUTEN ist daher, mit all seinen Ecken und Kanten, wahnsinnig authentisch. Anne Krüger zeigt dem Leser, dass nicht nur Mathilda Unterwassers Leben kein Ponyhof ist. Jeder von uns bleibt bisweilen im eigenen Leben stecken, heulend und dabei um sich schlagend. Aber man strampelt sich innerlich frei und wagt sich auf zu neuen Ufern.

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