Anne Lise Marstrand-Jørgensen Das indiskrete Leben der Alice Horn

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Inhaltsangabe zu „Das indiskrete Leben der Alice Horn“ von Anne Lise Marstrand-Jørgensen

Es ist das Jahr 1969. Getrimmte Hecken, akkurat gestutzte Vorgärten und penibel vorgezogene Gardinen bestimmen das Leben der Vororte. Doch die Verheißung einer neuen Zeit liegt in der Luft: Revolutionäre Ideen verbreiten sich wie Lauffeuer, Kommunen und Swingerclubs schießen aus dem Boden, und in der Sommerhitze lassen immer mehr Menschen ihre Hüllen fallen: Freie Entfaltung! Freie Liebe! Freie Sexualität! Während Eric sich den neuen Idealen mit Haut und Haar verschreibt, stürzt seine zurückhaltende Frau Alice in einen zermürbenden Konflikt: Kann sie eine offene Beziehung führen, mit anderen Männern schlafen? Was wird aus ihrer Ehe, ihrer Familie, ihren Töchtern? Zwischen sexueller Experimentierlust und Prüderie, Emanzipation und Selbstaufgabe verliert Alice zunehmend den Halt in ihrem Leben und sich selbst aus den Augen. Und steuert auf eine Katastrophe zu, die ihre ganze Familie zu verschlingen droht … Mit emotionaler Kraft und psychologischem Feingefühl erzählt dieser Roman von einer Frau, die im Schatten der revolutionären 1970er dem Treibsand des Selbstverrats zu entgehen versucht, von Töchtern, die sich und ihre Weiblichkeit neu erfinden müssen, von einer Familie, deren Grundfeste sich auflösen. Und stellt die wichtigste aller Fragen: Wie frei ist der Mensch?

Guter Einblick in die Siebziger

— Estrelas
Estrelas

Für alle, die gerne Geschichten aus dem wahren Leben lesen und sich für die Zeit zw. 1969-1972 interessieren. Sehr facettenreiche Protas!

— Sick
Sick

Anne Lise Marstrand-Jörgensen formte zum Teil intensive und verstörte Charaktere, wobei ihr ein epochales Literaturwerk gelungen ist.

— BookfantasyXY
BookfantasyXY

Für das Buch vergebe ich 3,5 Sterne. Der Inhalt konnte mich nicht überzeugen - der Schreibstil schon.

— Corsicana
Corsicana

Der Inhalt ist Geschmackssache, aber das Buch lohnt sich alleine wegen des genialen Schreibstils!!!

— Grappa
Grappa

Ein epochaler Roman über eine Generation im Umbruch - Selbstverwirklichung, Gleichberechtigung und freie Liebe. - äußerst feinfühlig ezählt

— miro76
miro76

Die Swinging Sixties mit allem Zipp und Zapp - sie konnten die Menschen, die in der Zeit lebten, ganz schön kaputtmachen!

— TochterAlice
TochterAlice

Epochales Werk über die 60er und 70er Jahre, mit all ihren Umbrüchen und gesellschaftlichen Neuordnungen. Wundervoll & ganz besonders!!

— kalligraphin
kalligraphin

Ein sehr besonders Buch, welches uns höhen und tiefen zur Zeiten der Sexuellen Revolution zeigt.

— beccy
beccy

Dieses Buch öffnet den Blick hinter die Fassade einer Vorstadt-Familie um 1970 mit Fokus auf die Rolle der Frau.

— Gruenente
Gruenente

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Unterhaltsam und gut geschrieben, aber teilweise auch recht vorhersehbar.

ConnyKathsBooks

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  • Ein Leben in den 70er Jahren in Dänemark

    Das indiskrete Leben der Alice Horn
    schafswolke

    schafswolke

    20. April 2015 um 13:16

    Das Buch spielt in den 70er Jahren in einer Kleinstadt in Dänemark. Alice und Eric Horn haben drei Kinder und scheinen eine perfekte Ehe zu führen. Aber irgendwann erscheint alles so eintönig und auch sie wollen sich der sexuellen Revolution anschließen. Obwohl auch Alice davon fasziniert ist, verliert sie sich selbst immer mehr aus den Augen und trifft dann eine Entscheidung, die keiner erwartet hat. Das Buch dreht sich nicht nur um Alice, denn im Laufe der Geschichte wird die mittlere Tochter Flora zur Hauptperson, von daher finde ich den deutschen Titel schon etwas irreführend. Ich habe mich mit dem Buch sehr geschleppt. Am Schreibstil lag es nicht, eher an der Geschichte selbst. Das Buch plätschert so dahin und immer wenn es mal ein wenig in Schwung kommt, wird dieser Schwung nicht über einen längeren Zeitraum mitgenommen: ich musste mich immer dazu aufraffen in dem Buch weiterzulesen. Abbrechen wollte ich das Buch auch nicht, dafür war ich zu neugierig und wollte dann doch wissen, worauf das Ganze noch hinausläuft. Bei diesem Buch bin ich sehr zwiegespalten. Es ist nicht schlecht, aber durch die vielen langatmigen Stellen konnte ich mich nicht für die Geschichte der Familie Horn erwärmen. Ich mag gerne dicke Wälzer lesen, aber in diesem Fall, wäre für mich weniger mehr gewesen. Als Einblick in eine eher nach außen spießig wirkende Gesellschaft, die sich im Umbruch befindet, ist das Buch gut geeignet.

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  • Leserunde zu "Wir sind nicht wir" von Matthew Thomas

    Wir sind nicht wir
    Berlin_Verlag

    Berlin_Verlag

    »Herzzerreißend und vollkommen glaubwürdig, wunderbar konstruiert, ein reiches und mächtiges Buch. Und einer der ehrlichsten Romane, die je über die Liebe geschrieben wurden.« The New York Times Ein besonderes Buch erfordert besondere Maßnahmen. Deshalb verdoppeln wir für das 900 Seiten lange Epos WIR SIND NICHT WIR unsere übliche Anzahl an Freiexemplaren und gehen mit 40 LeserInnen an den Start. Ob in dem kleinen Apartment in Queens, in dem Eileen in den 1940er- und 50er-Jahren aufwächst, gelacht oder geweint wird, kommt ganz darauf an, wer gerade zu Besuch ist oder wieviel getrunken wird. Nicht ihre Eltern möchten, dass sie es einmal besser hat – sie selbst will dieser Enge unbedingt entfliehen. Als sie Ed Leary begegnet, einem jungen Wissenschaftler voller Sanftmut, scheint das Ersehnte so nah: ein schönes Haus, eine kleine Karriere, eine glückliche Familie. Doch was, wenn Träume in Erfüllung gehen, das Glück sich aber nicht hinzugesellt? Thomas erzählt nicht von Tellerwäschern und Millionären, sondern von ganz gewöhnlichen Menschen. Denn sie – die Mittelschicht – sind es, die Amerika zu einem mythischen Ort der Freiheit und Selbstverwirklichung gemacht haben. Aber so, wie wir längst wissen, dass dieser Mythos nur eine Chimäre war, erfahren auch Eileen, Ed und ihr Sohn Connell, wie schnell Sichergeglaubtes ins Wanken gerät. Dann stellen sich die drängenden Fragen: Was ist wirklich wichtig im Leben? Hat man ein Recht auf Glück? Und wer sind wir, wenn wir nicht mehr wir selbst sind? Hier im Berlin Verlag fiebern wir schon alle dem Erscheinungstermin entgegen und wir sind natürlich sehr gespannt, wie Matthew Thomas' Debütroman beim Publikum ankommen wird. Deshalb bitten wir alle, die sich für diese Leserunde bewerben wollen, um eine erste Einschätzung – auf Grundlage der Leseprobe (Anfang – S. 49). Wir freuen uns auf viele Bewerbungen! Einsendschluss ist der 11. Februar. Wenn die Post mitspielt, sollten die 40 Glücklichen also noch kurz vor dem offiziellen Verkaufsstart je ein Exemplar in Händen halten. Euer Berlin Verlag »Durch das Schreiben lernte ich, was es bedeutet, überhaupt ein Mensch zu sein.« Matthew Thomas

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  • Leserunde zu "Das indiskrete Leben der Alice Horn" von Anne Lise Marstrand-Jørgensen

    Das indiskrete Leben der Alice Horn
    Insel_Verlag

    Insel_Verlag

    Frauen, Familie und freie Liebe – wie frei ist der Mensch? Ein freies, selbstbestimmtes Leben führen zu können, war lange nicht – und ist noch längst nicht überall auf der Welt – selbstverständlich. Mit der sexuellen Revolution in den 1970er Jahren nahm die Entwicklung dieser Freiheiten ihren Anfang. In Das indiskrete Leben der Alice Horn nimmt uns die Autorin Anne Lise Marstrand-Jørgensen mit zurück in diese turbulente Zeit. Mit emotionaler Kraft und psychologischem Feingefühl erzählt sie von einer Frau, die dem Treibsand des Selbstverrats zu entgehen versucht, von Töchtern, die sich und ihre Weiblichkeit neu erfinden müssen und von einer Familie, deren Grundfeste sich auflösen ... Mehr über das Buch: Es ist das Jahr 1969. Getrimmte Hecken, akkurat gestutzte Vorgärten und penibel vorgezogene Gardinen bestimmen das Leben der Vororte. Doch die Verheißung einer neuen Zeit liegt in der Luft: Revolutionäre Ideen verbreiten sich wie Lauffeuer, Kommunen und Swingerclubs schießen aus dem Boden, und in der Sommerhitze lassen immer mehr Menschen ihre Hüllen fallen: Freie Entfaltung! Freie Liebe! Freie Sexualität! Während Eric sich den neuen Idealen mit Haut und Haar verschreibt, stürzt seine zurückhaltende Frau Alice in einen zermürbenden Konflikt: Kann sie eine offene Beziehung führen, mit anderen Männern schlafen? Was wird aus ihrer Ehe, ihrer Familie, ihren Töchtern? Zwischen sexueller Experimentierlust und Prüderie, Emanzipation und Selbstaufgabe verliert Alice zunehmend den Halt in ihrem Leben und sich selbst aus den Augen. Und steuert auf eine Katastrophe zu, die ihre ganze Familie zu verschlingen droht … Hier geht’s zur Leseprobe » Die Zeitschrift Elle schreibt über Anne Lise Marstrand-Jørgensens Roman: »Mad Men trifft auf Desperate Housewives.« Wenn Ihr Lust habt, Euch in den fesselnden Roman dieser beeindruckenden dänischen Gegenwartsautorinnen zu stürzen, dann bewerbt Euch um eines von 25 Exemplaren von Das indiskrete Leben der Alice Horn, indem Ihr uns bis zum 06. Oktober 2014 folgende Frage beantwortet*: Was bedeutet für Dich, ein freies Leben zu führen? Mehr über die Autorin: Anne Lise Marstrand-Jørgensen wurde 1971 in Frederiksberg/Dänemark geboren. Sie studierte Literaturwissenschaft und arbeitet als Literaturkritikerin für die Zeitung Berlingske Tidende. Sie veröffentlichte bereits mehrere Gedichtsammlungen und Romane. 2013 wurde sie mit dem Otto-Gelsted-Preis der Dänischen Akademie ausgezeichnet. Anne Lise Marstrand-Jørgensen lebt mit ihrer Familie in Kopenhagen. *Bitte beachtet, dass ihr euch im Gewinnfall zur aktiven Teilnahme an der Diskussion in allen Leseabschnitten und zum Verfassen einer abschließenden Rezension verpflichtet.

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    • 553
  • Leben in den Siebzigern

    Das indiskrete Leben der Alice Horn
    Estrelas

    Estrelas

    11. January 2015 um 11:26

    "Das indiskrete Leben der Alice Horn" ist das Leben einer dänischen Familie mit drei Kindern Anfang der Siebzigerjahre. Trotz ihrer Versuche, neue Lebenskonzepte wie die freie Liebe auszuprobieren, sind sie gefangen im Rollendenken und den gesellschaftlichen Zwängen der Zeit. Gut sind die Beschreibungen im Buch, die vielen Situationen, in denen Alice doch ganz anders reagiert als Frauen heute und auch die vielen Zeitebenen, die mühelos in die Handlung eingeflochten werden, ohne dass sie den Leser durcheinanderbringen. Der deutsche Titel, ganz anders als der Originaltitel, ist nicht ganz passend, denn weder ist sie indiskret noch liegt der Fokus alleine auf Alice. Die Geschichte plätschert dahin, nimmt im letzten Teil kurz Fahrt auf und kommt doch zu keinem richtigen Höhepunkt. Kürzer (als 672 Seiten) wäre der Roman besser gewesen, denn eigentlich ist nicht richtig viel passiert. Der Einblick in die Zeit und die Gedankenwelt der Figuren war aber gut gemacht.

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  • Die Unglücklichen ketten sich so gern aneinander.

    Das indiskrete Leben der Alice Horn
    Sick

    Sick

    02. January 2015 um 14:26

    Dänemark, Ende der Sechziger Jahre. Alice Horn lebt mit ihrem Mann Eric und ihren drei gemeinsamen Kindern Marie-Louise, Flora und Martin in einer hübschen Vorort-Siedlung. Nach der harten, entbehrungsreichen Kindheit der Nachkriegszeit ist Alice mit dem Eigenheim und Erics gesichertem Einkommen sehr zufrieden. Doch ihr Mann fühlt eine innere Unruhe. In einem konservativen Umfeld aufgewachsen, kommt er während der Studienzeit erstmals mit alternativen Lebensformen in Berührung. Auch die neuen Freiheiten, die sich die jungen Leute herausnehmen, findet er anziehend und so überredet er Alice dazu Neues auszuprobieren. Eric möchte nicht ausschließlich an seine Frau gebunden sein und auch sie soll nicht den alten Konventionen ausgeliefert sein. So schleift er Alice in Swingerclubs und ermutigt sie zu Affären mit anderen Männern, nicht bemerkend, dass die zarte, scheue Alice mehr und mehr mit der Situation hadert...   "Das indiskrete Leben der Alice Horn", wie der deutsche Titel heißt, beschreibt nur teilweise, wovon das Buch handelt. Denn es wird nicht ausschließlich Alices Leben beleuchtet, sondern genauso intensiv das von Eric und ihren drei Kindern, allen voran der mittleren Tochter Flora. Der auktoriale Erzählstil erlaubt es der Autorin dabei zwischen den verschiedenen Figuren hin und her zu springen und auch einen Abstecher in Alices Kindheit und Jugend zu machen. So lernt der Leser sie und ihre Familie sehr gut kennen, bekommt alle Stärken und Schwächen vor Augen geführt und nimmt Teil an ihrem komplizierten Leben. Dieses ist geprägt von Umbrüchen und neuen Erfahrungen, mit denen die Charaktere klarkommen müssen. Die Vorort-Atmosphäre ist trügerisch, lullt sie und auch den Leser ein, doch draußen wartet die wirkliche Welt. Die, in der Studenten auf die Straße gehen um für Frieden und Gleichheit zwischen den Geschlechtern zu demonstrieren. Die Welt, in der die jungen Leute alle sozialen Regeln über Bord werfen und ohne Privatsphäre in Wohngemeinschaften leben. Die Welt, in der es mittels neuer Verhütungsmethoden möglich ist, mehrere Sexualpartner zu haben und auch schon vor der Hochzeit miteinander zu schlafen. Alice schafft es weitestgehend, diese Veränderungen auszublenden. Nicht, weil sie sie nicht gutheißen würde, sondern schlicht und ergreifend, weil sie nichts mit ihrem Leben zu tun haben. Doch Eric möchte unbedingt ein Stück von dem leckeren Kuchen namens Freiheit und pickt sich die in seinen Augen schmackhafteste Rosine heraus, nämlich die sexuelle Selbstbestimmung. Dabei ist er so sehr auf sich fixiert, dass er nicht merkt, wie unglücklich Alice mit dieser neuen Lebensform ist. Auch dass seine Kinder nicht mehr so genau wissen, was richtig und falsch ist, in welche Richtung sie ihren Lebensweg einschlagen sollen, all das geht an ihm vorbei. Für dieses Buch sollte man sich unbedingt Zeit nehmen, denn es spiegelt das Leben der Beteiligten facettenreich und eindringlich wider. Es werden viele Bilder und Andeutungen benutzt und die verschiedensten Themen angeschnitten, von Kindererziehung über Hausfrauenpflichten und Diäten bis hin zu revolutionären Sommercamps. Außerdem werden unterschiedliche Formen des Zusammenlebens vorgestellt, die für damalige Verhältnisse neu und zunächst gewöhnungsbedürftig waren. Die Einbindung zeitgenössischer Themen und Ereignisse trägt ungemein zur Authentizität bei, sodass ich mich beim Lesen tatsächlich in jener Zeit wiedergefunden habe.   Ich kann "Das indiskrete Leben der Alice Horn" allen empfehlen, die gerne Geschichten aus dem wahren Leben lesen und sich für die Zeit zwischen 1969-1972 interessieren. Zwar sind die knapp 700 Seiten nicht immer leicht und flüssig zu lesen, aber die durchdachte Handlung und die Tiefe der Protagonisten sind es allemal wert.

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  • Freiheit oder: Versuch und Irrtum

    Das indiskrete Leben der Alice Horn
    alasca

    alasca

    Freiheit oder: Versuch und Irrtum „Was du nicht weißt“: So lautet der Originaltitel des Romans, und Alice Horn wünscht sich, ihr Mann Eric hätte geschwiegen und sie heimlich betrogen. Anfang der 70er Jahre lebt Alice mit ihrer Familie in einem bürgerlichen Vorort. Sie ist Hausfrau und Mutter dreier Kinder und glücklich mit ihrem Leben – bis Eric sich für die aufkommende Idee der sexuellen Freiheit begeistert. Was für ihn das Wahrwerden eines Traums bedeutet, gerät für Alice zum Albtraum. „Eine Frau musste viel tun, damit ihr Mann treu blieb, darüber war sich Alice im Klaren.“ Sie gibt Erics Druck nach - von Kindheit an auf die traditionelle Frauenrolle geprägt und zutiefst altmodisch, will sie dennoch nicht als prüde gelten und muss an der ihr aufgezwungenen Freiheit zerbrechen. Wieviel Freiheit ist möglich? Was ist Freiheit überhaupt? Kann es, der Geschlechterbiologie zum Trotz, sexuelle Freiheit geben? Scheinbar freier als ihre Mutter, beschäftigen sich auch Alices Töchter mit denselben Fragen wie sie. Wie sexy darf man sein? Wie entgegenkommend gegenüber den Wünschen der Jungen nach Klammerblues, Zungenkuss und Petting? Wann darf man „bis zum Äußersten“ gehen? Und ist es nötig, den dafür Auserkorenen zu lieben? Für die Jungen ist es einfacher, aber nicht viel: „Was bildet der sich eigentlich ein?“ Sie müssen ihr eigenes Ranking exakt einschätzen können, wenn sie nicht mit Verachtung gestraft werden wollen. Leider sind die Männerfiguren des Romans eher blass geraten: Nur Eric kommt farbig und konturiert rüber; alle anderen bleiben mehr oder weniger flache Gestalten und lediglich Schatten im Hintergrund farbiger Frauencharaktere. Diese jedoch sind die bis in die Nebenfiguren wunderbar gezeichnet, allen voran die fragile Alice und ihre rebellische jüngere Tochter Flora. Besonders gefiel mir Floras imaginäre Freundin, die wehrhafte Hündin Tutku, die die wilde Seite dieses unbezähmbaren kleinen Mädchens verkörpert. Aber auch Marie-Louise, Alices ältere Tochter, die deren Erbe antritt und sich anschickt, das Leben ihrer Mutter zu wiederholen, ist eine überzeugende Figur, die die Macht von Familienrollen belegt: Ein weiteres Hindernis auf dem Weg in die persönliche Freiheit. Marstrand-Jørgensen erzählt die Geschichte von Alices Familie in klarer Prosa mit ausdrucksvollen Bildern, etwa: „Die Arbeitstage waren die stärksten Knochen in dem Skelett, das ihn aufrecht hielt.“ Oder „… der Wald war dunkel und müde vom Sommer.“ Dazu gewähren die wechselnden Perspektiven (Alice, Eric, Flora…) unterschiedliche Innensichten auf die Ereignisse und verhindern eine schnelle Parteinahme. Nach einem starken ersten und überraschenden zweiten Teil enttäuscht der etwas überkonstruierte dritte Teil dann mit einem Ende, das zu viele Fäden lose lässt und mich an eine Fortsetzung denken ließ. Dennoch: Der Roman lässt den Zeitgeist der 70er plastisch aufleben; komplett mit Batik-T-Shirts, Oben-Ohne-Kultur und dem manchmal bis zur Lächerlichkeit verquasten, wenn auch ehrlich empfundenen Idealismus. Am Zerfall von Alices Familie zeigt der Roman die Sprengkraft des neuen Denkens, das den Weg geebnet hat in eine individuelle Entscheidungsfreiheit bisher ungekannten Ausmaßes – also in die Welt, in der wir heute leben und deren Mangel an Werten und Orientierung wir manchmal beklagen. Wieviel Freiheit bekömmlich ist, erweist sich durch Versuch und Irrtum - Freiheit kann auch schmerzhaft sein. Das galt in den 70ern, und das gilt erst recht heute. Fazit: Lesenswert!

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    • 2
  • Zeit des Umbruchs

    Das indiskrete Leben der Alice Horn
    Wortklauber

    Wortklauber

    20. December 2014 um 10:42

    Im Jahr 1969 scheint das Leben in der dänischen Vorstadt noch in Ordnung: Der Rasen vorm Haus wird akkurat gemäht, die Frisuren der Frauen mit viel Haarspray in Form gezwungen. Mütter kümmern sich um Haushalt und Kinder, Väter fahren ins Büro, um den Familienunterhalt zu verdienen. Aber selbst in die abgeschottete Welt der Vorstadtsiedlung dringen jetzt revolutionäre Töne. Anderswo wachsen Kommunen und Swingerclubs wie Pilze aus dem Boden, der Ruf nach mehr Freiheit, vor allem in der Sexualität, wird immer lauter. Freie Liebe heißt das Schlagwort. Dabei ist mehr Freiheit oft auch mit neuen Zwängen verbunden. Das muss auch Alice feststellen, Mutter von drei Kindern, Ehefrau von Eric. Während der sich mit Begeisterung der neuen Zeit verschreibt, gerät sie in einen zermürbenden Konflikt. Sie muss ihren Mann mit anderen Frauen teilen und soll sich mit anderen Männern ausleben, sich emanzipieren, freimachen von alten gesellschaftlichen Regeln. Das alles natürlich heimlich, denn in der Vorstadt hält man sich noch an das Gebot der Diskretion. Alice ist eine von denen, die an der neuen Zeit zugrunde zu gehen drohen … Mit gut 660 Seiten ist dies kein Roman, der sich auf eine einfache Formel herunterbrechen lässt. Da sich der deutsche Verlag in der Titelwahl und mit dem Klappentext auf die Figur Alice fokussiert, setzt der Leser wahrscheinlich voraus, dass es sich bei Alice tatsächlich um die Hauptfigur des Romans handelt. Mit diesem Vorgehen geht der Verlag bewusst das Risiko ein – zugunsten eines griffigen Titels und Inhaltsbeschreibung – manchen Leser vor den Kopf zu stoßen, wenn der nämlich merkt, dass es so einfach gar nicht ist. Man möchte komplexe Inhalte einfach vermitteln; am krassesten vielleicht, indem man die Zeitschrift Elle zitiert: „Mad Men trifft auf Desperate Housewives.“ Man möchte ein Buch verkaufen – Marketing trifft auf Literatur. Wer sich aber von krassen Wendungen nicht abstoßen lässt, sondern im Gegenteil darauf einlässt, für den hat der Roman viel mehr in petto als das, was Titel und Klappentext in Aussicht stellen. Es geht auch, aber nicht nur um die Nöte einer Frau in einer Zeit, in der alte Werte auf den Kopf gestellt werden. Alice ist eine zentrale Figur, eine, die – zuerst – viel Raum einnimmt und auf die – später – immer wieder rückgegriffen wird, aber sie ist nicht die Hauptfigur. In Anne Lise Marstrand-Jørgensens Roman geht es um ganz elementare Dinge. Dinge, wie Familie, Erwachsenwerden, den Wunsch, sich abzugrenzen und den, dazuzugehören, seinen Platz zu finden in einer sich wandelnden Gesellschaft. Es geht um die Herausforderung, in einer Paarbeziehung zu leben, ohne sich selbst aufzugeben. Um Wünsche und Bedürfnisse. Um verschiedene Lebensentwürfe, das Ringen nach dem für sich selbst richtigen Weg. Um gesellschaftspolitische Umbrüche. Um Beziehungen unter Paaren und von Kindern zu ihren Eltern, Geschwistern und Freunden. Dabei schafft die Autorin es, lebendige, vielschichtige Figuren zu schaffen. Eindimensionalität kann entstehen, wird aber immer durchbrochen, indem sie abwechselnd aus der Sicht der verschiedenen Figuren erzählt. So bleibt Alice nicht nur zerbrechlich, Eric nicht nur egoistisch, Tochter Flora nicht nur rebellisch. Durch diese wechselnden Erzählperspektiven schafft sie Figuren, in die man sich, mal mehr, mal weniger hineinversetzen, für die man aber zumindest Verständnis aufbringen kann. Und sie schafft das in einer Sprache, von der ich mich gerne über 600 Seiten habe mitnehmen lassen. „Das indiskrete Leben der Alice Horn“ ist wahrscheinlich kein Roman fürs breite Publikum, aber einer, dem ich viele geneigte Leser wünsche. Und auf dessen Fortsetzung ich auch für die deutschen Leser hoffe.

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  • Gewinnt die Lieblingsbücher des LovelyBooks-Teams aus dem Jahr 2014!

    Wurfschatten
    Daniliesing

    Daniliesing

    In diesem Jahr hat das LovelyBooks-Team wieder fleißig gelesen und dabei tolle Bücher entdeckt. Natürlich möchten wir euch auch 2014 nicht vorenthalten, welche Bücher uns am meisten begeistert, berührt und gefesselt haben. Deshalb findet ihr hier nun jeweils das Lieblingsbuch von allen Teammitgliedern aus diesem Jahr. Ein glücklicher Gewinner darf sich später über ein Buchpaket mit allen 12 Büchern freuen und damit eine wunderbare Lesezeit verbringen. Unsere Buchtipps: 1. Jules1988 empfiehlt: "Miss Blackpool" von Nick Hornby Mein Lieblingsbuch 2014 ist Nick Hornbys neuer Roman „Miss Blackpool“. Obwohl es kein typischer Hornby ist, liebe ich das Buch als Fan trotzdem. Hornbys feinsinniger Humor und seine liebevolle und einfühlsame Art, seine Figuren zu beschreiben - sowohl ihre Stärken als auch ihre Schwächen - machen diesen Roman so besonders. Man verliert sich in der Geschichte des Teams rund um Barbara, ihre Höhen und Tiefen, Freundschaft und Liebe und hat dabei das Gefühl, diese Menschen wirklich zu kennen. 2. Daniliesing empfiehlt: "Der Träumer" von Pam Muñoz Ryan und Peter Sis Für mich war "Der Träumer" eine ganz zufällige Entdeckung beim Büchershopping. Nur selten finde ich noch Bücher, die ich nicht zuvor schon irgendwo gesehen habe, doch hier wurde ich überrascht. Einmal aufgeschlagen und die ersten Sätze gelesen, hatte mich dieses wunderbare Buch aus dem Aladin Verlag sofort verzaubert. Als ich dann die großartigen Illustrationen von Peter Sis entdeckte, war es um mich geschehen: dieses Buch musste mir gehören! Schnell stellte sich heraus, dass ich mit meiner Entscheidung absolut richtig lag. Im Urlaub nahm ich das Buch zur Hand und konnte es gar nicht mehr zur Seite legen. Zwar ist das Buch als Kinderbuch ausgezeichnet, doch mit seinen 380 Seiten und einer wunderbar poetischen Sprache ist es für jeden erwachsenen Buchliebhaber ein wahrer Genuss. Pam Muñoz Ryan erzählt tiefgründig und bewegend die Geschichte des kleinen Neftali, dem der Leser beim Erwachsenwerden zuschauen darf. Der Junge hat keine leichte Kindheit - sein Vater macht es ihm mit hohen Erwartungen schwer, er ist häufig krank und lebt lieber in seiner eigenen Phantasie, statt draußen rumzutollen. Neftali ist ein Träumer! Wie der Junge sich trotz aller Schwierigkeiten durchschlägt und die Lebensgeschichte welches bekannten Dichters sich dahinter verbrigt, das solltet ihr am besten selbst herausfinden. Dieses Buch geht zu Herzen und ist mein persönliches Jahreshighlight! 3. TinaLiest empfiehlt: "Wurfschatten" von Simone Lappert Mich hat dieses Jahr besonders der Debütroman von Simone Lappert begeistern können: „Wurfschatten“ ist nicht nur äußerlich ein wunderschönes Buch, sondern es besticht auch durch die beeindruckende Schreibkunst, die die Autorin an den Tag legt. Sie schafft es, die Ängste, die die Protagonistin Ada beherrschen, beklemmend und dunkel zu beschreiben und die Geschichte doch zart wirken zu lassen, einfühlsam und authentisch. Mit dem kleinen, wenn auch vorhersehbaren Hauch Liebe, der Adas Ängste zurückzudrängen versucht, und der Prise Drama am Ende hat "Wurfschatten" mich dann endgültig abgeholt und den Roman für mich zu etwas Besonderem gemacht. Ich hoffe sehr, dass bald ein zweites Buch von Frau Lappert folgen wird und kann in der Zwischenzeit nur jedem ihr Erstlingswerk empfehlen! 4. JohannaE1988 empfiehlt: "Die hellen Tage" von Zsuzsa Bánk In "Die hellen Tage" erzählt Zsuzsa Bánk auf eine besonders schöne und ruhige Art eine Geschichte über Freundschaft, Familie und die schwierige Zeit des Erwachsenwerdens. Beim Lesen begleitet man die drei Freunde Aja, Seri und Karl von der glückvollen und teils auch tragischen Kindheit bis zum Erwachsenenalter und wünscht sich bei einem der so unbeschwerten Tage im zauberhaften Garten, die die drei so oft erlebten, dabei gewesen zu sein. Alle drei, so unterschiedlich sie auch sind, teilen das Schicksal, mehr oder weniger ohne Vater aufzuwachsen. Neben der Geschichte über eine besondere Freundschaft und der innigen Beziehung zwischen den Kindern und ihren Müttern, hat mich vor allem die unaufgeregte Erzählweise Bánks und ihre einfühlsame und warme Sprache beeindruckt und mich richtig entspannen lassen. Auch bei den Zerreißproben und Schwierigkeiten, die die drei im Laufe der Geschichte durchleben müssen, bangt und hofft man mit und fühlte ich mich oft an meine eigene Kindheit und Jugend erinnert. 5. aba empfiehlt: "Unterholz" von Jörg Maurer Ich habe sehr gute Bücher gelesen in diesem Jahr. Manche Bücher haben mich tief berührt, andere haben mich nachdenklich gemacht - aber mit Jörg Maurer habe ich auf hohem Niveau gelacht! Für mich kam dieses Buch im richtigen Moment. Es hat mich amüsiert und abgelenkt. "Unterholz" ist der fünfte Band um den oberbayrischen Kommissar Jennerwein, einer meiner literarischen Lieblingsfiguren überhaupt. Krimis gehören nicht zu meiner Lieblingslektüre, aber nachdem ich den ersten Band dieser Serie gelesen habe, konnte ich nicht anders, als ein Fan von Jörg Maurer und vom ganzen Team um Kommissar Jennerwein zu werden! 6. doceten empfiehlt: "Beginners" von Raymond Carver Raymond Carver gilt neben Hemingway als einer der ganz großen Autoren der American Short Story: mit geschliffener und schnörkelloser Sprache auf den Punkt gebracht sind seine Themen Verlust, Einsamkeit und das Scheitern der amerikanischen Mittelschicht. Seine Geschichten deprimieren, erschüttern mit jeder Zeile. Mit Beginners erscheint seine Buch "Wovon wir reden, wenn wir über Liebe sprechen" erstmalig in der Urfassung, ohne die stark kürzenden Eingriffe seines Lektors Gordon Lish. Nicht ganz so lakonisch und brachial, dadurch aber viel berührender. Ein Buch, um dunkle Wintertage noch dunkler zu machen - manchmal braucht man das ja. 7. clickclackboom empfiehlt: "Das Haus des Windes" von Louise Erdrich Auch wenn Lieblingsbücher zu bestimmen mir schwer fällt, da es immer so viele gute Bücher gibt, kann ich sagen, dass „Das Haus des Windes“ eines meiner liebsten Bücher 2014 ist. Es erzählt die Geschichte vom 13-jährigen Joe, der das unaufgeklärte Verbrechen an seiner Mutter rächen möchte und dabei erwachsen werden muss. Die Protagonisten des Romans sind Nachfahren der nordamerikanischen Indianer und so bekommt man interessante Einblicke in das Leben im Reservat, die Stammesgeschichten und die Gesellschaftsverhältnisse in den USA. Obwohl es um ein ernstes, trauriges Thema geht, ist „Das Haus des Windes“ ebenso ein lustiges Buch über das Leben als Teenager und die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens. Louise Erdrich hat Charakter geschaffen, die vielschichtig sind und die einem beim Lesen ans Herz wachsen. 8. kultfigur empfiehlt: "Die Hyperion-Gesänge Band 1-2" von Dan Simmons Dan Simmons erzählt fantastisch, die Bücher entwickeln einen Sog, den ich bisher sehr selten erlebt habe. Jeder, der gerne Science Fiction liest und philosophisch angehauchte Bücher liebt, wird die insgesamt rund 3.000 Seiten nur so verschlingen. Die beiden Bücher sind nicht nur mein persönliches Highlight 2014, sondern ganz weit oben auf der Liste meiner Herzensbücher. Ich wünschte, ich könnte noch einmal von vorne beginnen! 9. Katha_Luko empfiehlt: "Pfaueninsel" von Thomas Hettche Hettches Buch öffnet die Türen zu einer Welt voller Exotik, Groteske und Kuriositäten aber auch zu der komplexen und zerbrechlichen Architektur der menschlichen Seele. Die Hauptfigur ist Marie, die als Kleinwüchsige auf die preußische Lustinsel verfrachtet wird, um dort zum Vergnügen des Königs als Schlossfräulein ihr Dasein zu verbringen. Neben einem Mohr, einem Riesen, wilden Tieren und geheimnisvollen Pflanzen gilt sie als eine von vielen verqueren Launen der Natur. Damit steht sie im krassen Kontrast zu einer damals weit verbreiteten naturphilosophischen Auffassung, die nur das Wohlgeformte und Regelmäßige für schön und wertvoll erklärt – eine Auffassung, die mit ihren Jahren auf der Insel Maries Menschenwürde und Lebensmut beständig abträgt. Hettches „Pfaueninsel“ fängt Atmosphären ein als wäre er selbst Zeuge des merkwürdigen Lebens auf der Insel gewesen, seine Charakterzeichnungen und Schilderungen seelischer Zustände und schließlich seine authentische Zeichnung der historischen Gegebenheiten ziehen den Leser in ihren Bann: Ich war selten so berührt von einem Buch und seiner Hauptfigur! 10. peckomingo empfiehlt: "Cobra" von Deon Meyer Viel Zeit zu lesen hatte ich leider nicht in diesem Jahr, doch bei meiner Südafrika-Reise wurde natürlich ein Deon Meyer-Buch gelesen. Cobra ist nicht nur ein Thriller, sondern gleichzeitig auch eine Mischung aus Politik und psychologischen Betrachtungen. Das Tempo und die Spannung werden durchgehen hoch gehalten. Schauplätze, Eigenheiten und Sitten des Landes werden authentisch vermittelt. 11. Sophia29 empfiehlt: "Rosen, Tulpen, Nelken" von Heike Wanner Zu meinen Lieblingsbüchern 2014 gehört definitiv „Rosen, Tulpen, Nelken“ von Heike Wanner. Ich habe von der Autorin schon mehrere Bücher gelesen, aber dieses hat mir ganz besonders gut gefallen. Es geht darin um Sophie, die ihre Mutter schon in frühen Jahren verloren hat. Zufällig fällt ihr eines Tages das Poesiealbum ihrer Mutter in die Hände und als sie es durchblättert, stellt sie fest, dass sie keinen der darin enthaltenen Namen kennt. Um mehr über das Leben ihrer Mutter und somit auch mehr über sich selbst zu erfahren, macht sie sich mit ihren zwei besten Freundinnen in einem Wohnmobil auf den Weg und versucht die Personen zu finden, die im Leben ihrer Mutter eine Rolle gespielt haben … Heike Wanner ist es in diesem Buch gelungen, zwei Geschichten – die Geschichte von Sophie und die ihrer Mutter – auf spannende Weise miteinander zu verbinden und gleichzeitig zu verdeutlichen, wie unverzichtbar wirklich gute Freunde in unserem Leben sind. Seid ihr neugierig auf unsere 12 Lieblingsbücher 2014 geworden? Dann habt ihr bis einschließlich 7. Januar Zeit bei der Verlosung eines Buchpakets mit allen 12 Büchern mitzumachen. Jetzt müsst ihr uns nur noch folgendes verraten und dann seid ihr dabei: Da wir immer gerne Bücher verschenken, würden wir von euch gern wissen, welche Bücher ihr dieses Jahr zu Weihnachten verschenkt und wieso ihr euch für genau diese entschieden habt? Wir wünschen euch ein wunderschönes Weihnachtsfest & einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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    • 755
  • Ein intensiver emotionaler Familienroman

    Das indiskrete Leben der Alice Horn
    BookfantasyXY

    BookfantasyXY

    Der Roman Das indiskrete Leben der Alice Horn von der dänischen Autorin Anne Lise Marstrand-Jörgensen ist nicht ganz einfach zusammen zu fassen. Diese Geschichte beginnt im schwülen Sommer 1969 - die Zeit der Hippies und Emanzipation - in einer kleinen dänischen Kleinstadt namens Vase. Eric und Alice Horn beziehen in der Neubausiedlung "Schmetterlingsquartier"  - das Vorzeigeobjekt der jungen Familien in den 1960er Jahren - ein kleines Familienhaus. Eric ist Immobilienmakler in der Stadt Farring, die weiter entfernt von Vase liegt. Er muss jeden Tag mit dem Zug dorthin fahren. Nach und nach bekommen Alice und Eric Nachwuchs. Die Erstgeborene ist Marie-Louise, dann folgt Flora und das Nesthäkchen Martin. Die Kinder sind zwei beziehungsweise ungefähr vier Jahre altersmäßig auseinander. Alice ist mit der Nachbarin Barbara befreundet, die wiederum mit dem Rechtsanwalt Alan verheiratet ist, und ebenso Kinder in dem Alter von der Familie Horn hat. Der Alltag der Frauen ist geprägt von Kinderbetreuung, Hausarbeit, Einkaufen und Kaffeetrinken. Alice und Barbara sind nicht berufstätig, obwohl zum Beispiel Alice den Beruf der Krankenschwester gelernt hat. Aber nach der Heirat mit Eric Ende der 1950er Jahre blieb ihr die Rolle der Ehefrau und Hausfrau. Alice ist eine stille zurückhaltende Person, was sich später bei ihr psychologisch auswirkt. Man könnte meinen sie hat Depressionen, was sich letztendlich bei dem Unglück vermuten lässt: Alice nimmt sich das Leben. Alice war unglücklich vor ihrem Tod. Eric war ebenso unglücklich, aber eher in sexueller Hinsicht. Beide gingen eine Zeitlang in einen Swingerclub, um ihrer sexuellen Liebe Feuer zu geben. Aber diese Zeit machte Alice nicht glücklicher und offener. Eric trifft eine junge Frau über seinen guten Freund Sufi, der in einer Kommune auf dem Land lebt. Eric beginnt eine Affäre mit Rachel in der Zeit als Alice noch lebt. Ob Alice je etwas geahnt hat; man weiß es es nicht. Sie kommunizierte es zumindest nicht. Nach Alices Tod bricht für Eric zunächst eine schwierige Zeit an; zumal die drei Kinder unterschiedlicher nicht sein können, was ihn manches mal an seine Grenzen bringt. Marie-Louise ist die Vernünftige bis zu dem Zeitpunkt ihrer Teenieschwangerschaft. Flora wirkt von klein auf frech, aufmüfig und bockig und entwickelt sich zu einem Hippie-Teenager. Martin ist noch lieb als er klein ist, aber nach Alices Tod wird er zu einem verschlossenen, bockigen und prügelnden Jungen. Eric Verhältnis zu Rachel hat sich noch vor dem Tod von Alice aufgelöst. Dennoch muss er oft an sie denken. Irgendwann vereinnahmen seine Kinder in so sehr, dass er kaum noch an sie denkt. Es passiert in dieser Familie nicht nur das eine große Unglück, sondern es finden weitere alltägliche Unglücke statt, weil letzendlich allen Familienmitgliedern die Ehefrau und Mutter fehlt, die viele Fragen und ein großes Loch hinterlassen hat. Dem Familienvater wird eine neue Rolle zugeordnet, die er versucht so wie es geht zu erfüllen. Ebenso müssen die Kinder mit dem Tod ihrer Mutter zurecht kommen, was sicherlich bei ihnen Spuren hinterlassen hat. Anne Lise Marstrand-Jörgensen ist ein tiefgründiger, emotionaler und charakterstarker Roman gelungen. Die Zeit der Ende 1960er und die Anfänge der 1970er Jahre umfassen diese Familiengeschichte, die geprägt war von freier Liebe, Drogen, Emanzipation der Frauen, das Leben in der Kommune, Reisen nach Indien und das moderne Vorstadtleben, das sich junge Familien leisten konnten, wenn die Familienväter ein gutes Einkommen nach Hause brachten. Eric ist eher ein konservativer Familienvater, der gerne hin und wieder sein Leben in das der Hippies eintauschen würde, es aber nicht kann, weil er sich davon nicht befreien kann. Alice würde gerne arbeiten wollen, aber sie hat drei Kinder und den Haushalt zu versorgen. Mit diesen beiden Protagonisten schuf die Autorin ein Psychogramm zweiter Charaktere, die in ihren Rollen gefangen waren. Selbst die Kinder haben ihre Charakterstärken und -schwächen, die die Autorin authentisch entwickelt hat. Der Roman ist stellenweise ziemlich ausführlich, wenn nicht sogar langatmig, aber aufgrund der neuen Ereignisse, die immer wieder in dieser Familien und deren Umfeld auftreten, entsteht eine gewisse Spannung in Bezug auf die Personen und deren Entwicklungsprozess. Gerade zum dem Zeitpunkt als Alice sich das Leben genommen hat, entsteht diese Spannung und neue Fragen treten auf. Mir gefielen besonders die Charaktere der Protagonisten und deren Entwicklung im Laufe der Geschichte. Der Schreibstil ist flüssig und nachvollziehbar. Die zum Teil intensive Beschreibung der Ereignisse führen zur Langatmigkeit an bestimmten Stellen im Roman.

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    • 3
  • Die sexuelle Revolution der Sechziger Jahre

    Das indiskrete Leben der Alice Horn
    Queenelyza

    Queenelyza

    10. December 2014 um 20:01

    Ende der Sechziger Jahre, eine dänische Kleinstadt. Akkurate Vorgärten, perfekte Lebensentwürfe, alles scheint möglich. Die Freiheit ruft, die Freiheit, zu tun, was man will, sein Leben frei zu gestalten - und nicht zuletzt auch freie Liebe und freie Sexualität. Mittendrin in diesem Szenario finden wir das Ehepaar Eric und Alice Horn mit ihren drei Kindern. Auch sie leben ein glückliches, freies Leben. Besonders Eric liebt es, sich und seine Träume zu verwirklichen. Er findet die Idee toll, mit anderen Frauen zu schlafen, in Clubs zu gehen, um Partner zu tauschen - und hofft, dass auch seine Frau das mag und erfüllend finden wird. Die zurückhaltene Alice jedoch ist erst einmal geschockt. Kann sie das, eine offene Beziehung führen? Was sollen die Nachbarn sagen, was wird aus ihrer Familie, aus ihren Kindern? Gefangen zwischen sexueller Freiheit und dem Kleingeist der Vorstadtidylle verliert Alice zunehmend den Halt und sich selbst. Ob das gut gehen kann?    Nein, in diesem Buch geht sehr wenig gut. Die Autorin Anne Lise Marstrand-Jorgensen schafft es mit wunderbarer, kühler Sprache, die zerrissene Welt der Alice Horn zum Leben zu erwecken. Man kann nicht anders, man fühlt Mitleid mit Alice, man ist wütend auf Eric, aber eben auch manchmal auf Alice - die Emotionen schlagen hoch beim Lesen dieses Buches. So manches kann man nachvollziehen, bei anderen Dingen möchte man nur noch mit dem Kopf schütteln. Der Zeitgeist der späten sechziger Jahre wird - auch wenn ich sie selbst nicht erlebt habe - meiner Meinung nach perfekt eingefangen, dieser Zwiespalt zwischen Selbstverwirklichung und dem System wird in diesem Buch erschreckend deutlich. Und auch, was mit den Menschen passiert, die diesen Zwiespalt in ihrem Leben nicht zu bewältigen wissen. Alle Figuren dieses Buches - bis vielleicht auf wenige Randfiguren - haben in mir etwas bewegt, eine Reaktion ausgelöst. Die  durchaus freizügigen sexuellen Schilderungen, die sich im Buch finden, sind immer sehr distanziert und wirken aus diesem Grunde auch nicht peinlich oder unpassend, auch wenn man sich bei der einen oder anderen Geschichte wünschte, sie wäre nicht gerade genau so passiert. Manches in diesem Buch ist unangenehm und unbequem, aber genau das macht dieses Buch auch aus. Wohlfühlen ist anders, aber so passiert etwas im Leser. Man stellt seine eigenen Werte, seine eigenen Gedanken zum Thema Leben und Freiheit auf den Prüfstand.   Das einzige, was an diesem Buch nicht gelungen ist, ist der etwas unpassende deutsche Titel. Er könnte so manchen Interessenten auf die falsche Fährte locken, wirkt er doch sensationsheischend und deutet in eine Richtung, in die das Buch letztendlich nicht wirklich geht. Vielleicht entgehen dem Buch durch den Titel einige Leser, was wirklich schade wäre. Denn das Buch ist, wenngleich unbequem zu lesen und zu verdauen, ein sehr gutes und lesenswertes.  

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  • Sexuelle Revolution als Hobby der Gutsituierten?

    Das indiskrete Leben der Alice Horn
    Corsicana

    Corsicana

    Zunächst einmal hat das Buch "Das indiskrete Leben der Alice Horn" in der deutschen Ausgabe einen irreführenden Titel, im dänischen Original heißt es ungefähr  "Was Du nicht weißt" und dies passt schon besser. Denn tatsächlich geht es darum, dass ein junges Paar (und eine ganze Gesellschaft) die Freiheit und die sexuelle Revolution ausprobieren will - nach außen hin jedoch die bürgerliche Fassade waren will. Es sind die 68er, Alice und Eric wohnen mit ihren drei Kindern in einem spießigen Vorort mit Vorgärten, Hausfrauenmüttern und Männern in bürgerlichen Berufen, die fürs Geldverdienen zuständig sind. Alice gefällt diese Rolle sehr, sie weiß, dass sie nicht "modern" ist und sie empfindet es als Luxus, nicht arbeiten zu müssen. Eric kommt aus gutbürgerlichen Verhältnissen, hat sich  für ein sicheres Studium der Wirtschaft entschieden, verdient gut und ist innerlich zerrissen, er will mehr Freiheit, mehr Alternatives in seinem Leben. Er nimmt den Zeitgeist der 68er wahr und pickt sich - da er nur seine Freizeit hat zum Ausleben seiner Sehnsüchte - das für ihn "praktischste" aus der 68er Zeit heraus, die sexuelle Freiheit. Er überredet Alice zu einer offenen Ehe, zu Besuchen in Swingerclubs, zu sexuellen Abenteuern. Doch mit diesen Freiheiten kommt nicht jeder zurecht - und Alice entscheidet sich für einen tragischen Ausweg. Die gesamte Familie wird von den Auswirkungen dieser Experimente und insgesamt von der sich ändernden Gesellschaft betroffen, vor allem die beiden Töchter des Paares müssen sich mit dem neuen Frauenbild und der Gleichberechtigung auseinandersetzen. Andererseits bleiben viele Lebensumstände so, wie sie immer waren. Es gibt weiterhin spießige Vororte, Männer, die nur an Sex denken, Mädchen, die unsicher sind, wie viel sie zulassen dürfen, ungewollte Schwangerschaften und die Frage, was ein Mensch aus seinem Leben macht. Ich persönlich hatte mit dem Buch so meine Probleme. Diese Darstellung der "Freizeit-Revolutionäre", die tagsüber gut situiert leben und nebenher die sexuelle Freiheit genießen und darüber Bindungen und Familie vernachlässigen - und das alles für Gesellschaftsrelevant halten - das hat mir vom Thema her nicht gefallen. Eine sehr kritische Haltung dazu gab es schon bei Houellebecq - und auch dort fand ich das überzogen. Und ich fand es auch nicht angemessen darzustellen, dass die Menschen an diesem Experiment dann verdient scheitern mussten. Denn so habe ich es in dem Buch empfunden. Das Scheitern war m.E. in den Protagonisten selbst in der Persönlichkeitsstruktur angelegt - und hatte wenig mit den 68ern zu tun. Und damit komme ich zu dem, was gut ist in dem Buch: Die sehr guten Personenbeschreibungen, keiner ist nur gut und keiner nur schlecht. Die Personen waren mir zwar recht selten sympathisch - aber sie waren sehr gut beschrieben. Und die Handlung weist einige überraschende Wendungen auf, die sehr geschickt konstruiert sind. Die Bewertung des Buches fällt mir daher schwer, irgendetwas um die 3,5 Sterne. Denn auch wenn mir die Aussage des Buches nicht gefällt - gut geschrieben ist es. Ob das Buch wirklich einen realistischen Einblick in die 68er bietet? Vielleicht - auf den Aspekt, wie bürgerliche und gut situierte Menschen versucht haben, diese Ideen zu leben. 

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    • 2
  • Anatomie einer Vorstadtfamilie

    Das indiskrete Leben der Alice Horn
    miro76

    miro76

    „Es ging etabliert, ordentlich und solide zu, und doch war alles so neu und spannend, dass das Gefühl entstand, am Aufbau von etwas Neuem beteiligt zu sein.“ (S. 19) Familie Horn kauft ein Haus mit Garten in einer neu errichteten Vorortsiedlung und scheint auf den ersten Blick der klassischen Vorortefamilie zu entsprechen. Eric Horn, der Vater, ist ein aufstrebender Wirtschaftsanwalt und Alice hat zwar eine Krankenschwesternschule besucht, diese aber bereits schwanger abgeschlossen und nie in ihrem Beruf zu arbeiten begonnen. Sie ist Hausfrau und Mutter von drei Kindern, Marie-Luise, Flora und Martin. Ihre Tage sind bestimmt von einem festen Ablauf: Frühstück machen, Kinder zu Schule bringen, ein Tratsch mit einer Freundin, Hausarbeit, am Nachmittag einkaufen, weil das alle so machen, vielleicht geht sich da ein Kaffee aus,… Doch wenn man hinter diese Fassade blickt tut sich einiges. Wir schreiben das Jahr 1969 und das Aufkommen von Freiheitsdrang, Selbstverwirklichung und freier Liebe macht auch vor Vororten nicht Halt. Eric fühlte sich schon während des Studiums weniger den Juristen zugehörig, als den Künstlern. Obwohl er seine Berufswahl nie bedauerte, fand er seine Freunde eher unter den Anderen. Und durch so einen Freund kommt er in Berührung mit der Hippieszene. Eric findet sofort Gefallen an der freien Liebe und ist höchst motiviert, etwas auszuprobieren. Selbstverständlich will er seine Frau nicht betrügen, er liebt sie ja. Also drängt er Alice mitzumachen und fürs erste einen Swingerclub auszuprobieren. „Eine Frau musste viel dafür tun, damit der Mann ihr treu blieb, darüber war sich Alice im Klaren. Frauen waren gezwungen, sich Mühe zu geben, denn Männer hatten nun einmal männliche Bedürfnisse, das war ein Naturgesetz, an dem weder Eheversprechen, beglaubigte Urkunden noch der Kinsey-Report etwas ändern konnten.“ (S. 115) Ja, es ist die Zeit des Kinsey-Reports und ich glaube zum ersten Mal wurde überall offen über Sex gesprochen, in den Familien, unter Arbeitskollegen, unter Hausfrauen und sogar in den Schulen. Das Thema war sehr präsent. Als Eric Alice immer mehr in die Ecke drängt mit seinen Gelüsten, willigt sie schließlich ein. Dem ersten Besuch im Swingerclub folgen weitere. Die Beiden werden immer mutiger, lassen sich auf Sex mit mehreren Personen ein und beginnen schließlich andere Männer und Frauen zu daten. Während Eric sein Sexleben in vollen Zügen genießt, beginnt Alice schön langsam sich selbst zu verlieren. „Sie musste sich sehr verbiegen, um mit ihm auf Augenhöhe zu sein, aber es nutzte nichts, wenn man sich selbst automatisch als das schwächere Glied betrachtete.“ (S. 175) Sie versucht eine offene Beziehung zu leben, die mit sexueller Freiheit nichts mehr zu tun hat. Sie trifft ihre Liebhaber, um Erics Wünschen zu entsprechen. Einerseits ist sie dadurch beschämt, andererseits empfindet sich doch Lust dabei, was sie nur noch mehr irritiert. Sie verliert sich selbst und dadurch auch die Kinder aus den Augen. Sie fühlt sich innerlich zerrissen. Kann sie sich aus dieser Abwärtsspirale befreien? Kann sie ihre Ehe retten? Wie entwickeln sich die Kinder in diesem Kontext? Anna Lise Marstrand-Jorgensen hat einen epochalen Roman über sie Swinging Sixties vorgelegt. Äußerst feinfühlig porträtiert sie die Anatomie einer Familie. Die Personen sind wunderbar ausgearbeitet, mit all ihren Ecken und Kanten. Alle machen Fehler, alle versuchen das Beste aus ihrem Leben zu machen, scheitern immer wieder, machen weiter und entwickeln sich. Zusätzlich werden alle relevanten Themen dieser Zeit abgehandelt. Die Protagonisten beschäftigen sich mit Fragen der modernen Kindererziehung, mit der politischen Situation, mit der aufkommenden Forderung nach der Gleichstellung der Frau, mit dem Recht auf Abtreibung und vielem mehr. Aber am Schönsten fand ich, von der persönlichen Entwicklung jedes Einzelnen zu lesen. Wie die Idee der Selbstverwirklichung langsam ein Umdenken bewirkt, wie der Freiheitsdrang langsam im Bewusstsein wurzelt und der Kampf mit den ewigen Rückfällen ins alte Rollenverhalten. Es ist eine Generation im Umbruch, Neues muss geübt werden, Fehler müssen gemacht werden und durch Reflexion kann man weiterkommen. Für mich war dieses Buch eindeutig das Bestes dieses Jahres! Eine klare Leseempehlung!

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    • 2
  • Schreibstil der Autorin ist herausragend

    Das indiskrete Leben der Alice Horn
    Grappa

    Grappa

    25. November 2014 um 10:13

    Mein Name ist Martin Horn und dies ist die Geschichte meiner bekloppten Familie. Wenn ihr mich fragt, war meine Mutter ganz in Ordnung, auch wenn sie manchmal ein wenig spießig war. Bestimmt wäre ich heute weiterhin in Dänemark und nicht mit Papa in Indien, wenn sie uns nicht so früh verlassen hätte. Aber so langsam kann ich sie ein wenig verstehen; der Typ hat manchmal echt nicht alle Latten am Zaun, fast so, als wäre er irgendwie noch gar nicht erwachsen. Ständig faselt er etwas von Freiheit, Revolution und ungezwungener Liebe, dabei ist das echt das Letzte, über was ich mit ihm reden möchte. Wenn er manchmal einfach ein bisschen besser zuhören würde, dann wüsste er, warum meine große Schwester mit ihrem Baby und dem verheirateten Vater am liebsten genauso ein unechtes „Heile-Welt-Familienleben“ führen möchte, wie er und Mama in den 60ern. Und er wüsste auch, dass meine andere ältere Schwester Flora eigentlich gar keine Emanze ist und auch kein Hippie oder eine Lesbe, wie manche behaupten. Eigentlich möchte sie noch nicht einmal in dieser Frauenkommune leben, aber was bleibt ihr schon anderes übrig? Außerdem würde er vielleicht auch verstehen, dass ich mich nicht mit anderen Jungs prügele, weil mir das Spaß macht oder ich mich dabei stark fühle, dass ich manchmal so patzige Antworten gebe, weil ich nicht möchte, dass jemand merkt, was wirklich in mir vorgeht. Wenn er einfach nur mal besser zuhören würde, dann wüsste er bestimmt, dass wir alle eigentlich nur so sind, wie wir sind, weil wir Mama so schrecklich vermissen. Wenn sie noch hier wäre, hätte sich vermutlich alles anders entwickelt. Aber ihr Problem war einfach, dass Papa auch ihr nicht richtig zugehört hat und deshalb ist sie gegangen... Zum Aufbau und Stil: Das Buch ist in 3 Teile untergliedert, die sowohl zeitlich, als auch inhaltlich verschiedene Abschnitte behandeln. Während die ersten beiden Teile ungefähr gleich groß sind, so ist der letzte Teil deutlich kürzer, auch wenn das Buch insgesamt auf stolze 672 Seiten kommt. Dies fällt zunächst gar nicht auf, da es sich um sehr dünnes, glattes Papier handelt, welches dem Buch den Anschein gibt, etwa 400 Seiten zu umfassen. Was den Schreibstil betrifft, so finde ich persönlich, dass die Autorin eine Meisterin von Perspektivwechseln und Zeitsprüngen ist, so dass es einem im Leseverlauf nicht schwer fällt, die Meinungen aller Protagonisten nachzuvollziehen und nicht für jemand Einzelnen Partei zu ergreifen. Die Autorin bedient sich außerdem vieler Metaphern, ausdrucksstarker Vergleiche und tiefgehender Worte, die einen manchen Satz zweimal lesen lässt. Gleichzeitig nimmt sie die Handlung nicht vorweg, der weitere Verlauf der Geschichte ist schwer zu durchschauen, was dazu beiträgt, dass man am Ball bleibt und wissen möchte, wie es ausgeht. Zu meiner Bewertung: Während es der Roman anfangs ziemlich schnell geschafft hat, mich zu fesseln und ich vor allem sehr begeistert war vom Stil der Autorin, Gefühle und Empfindungen zu beschreiben, so muss ich ganz ehrlich sagen, dass es mir im weiteren Leseverlauf (vor allem ab ca. der Hälfte des zweiten Teils) immer schwerer fiel, weiterzulesen. Während im ersten Teil hauptsächlich die Gegenwart beschrieben und mit Anekdoten aus der Vergangenheit untermauert wird, so handeln die Teile 2 und 3 von einer Zeitspanne von 5 Jahren, in denen allerhand passiert, was man als Leser nur schwer greifen kann. Es ist keinesfalls eine Nebenbei-Lektüre, die man in der U-Bahn oder beim Friseur lesen kann. Ich für meinen Teil musste und wollte mich beim Lesen schon arg konzentrieren, damit mir inhaltlich nichts durch die Lappen geht. Dennoch fiel es mir aufgrund der Fülle an Informationen, die meiner Meinung nach manchmal auch überflüssig bzw. einfach zu dicht waren, sehr schwer. Und obwohl so viel passiert, bleiben am Ende noch ziemlich viele Fragen offen, sodass mich der Ausgang der Geschichte leider nicht befriedigt hat. Was die Zeitepoche betrifft, so schafft es die Autorin meiner Meinung nach sehr gut, die Widersprüche, Entwicklungen und Ängste der späten Sechziger und frühen Siebziger einzufangen. Man kann absolut nachvollziehen, was in den Köpfen der Protagonisten vor sich geht und warum wer wie handelt. Allgemein schafft es die Autorin auf sehr schickte Art und Weise, dass man alle Romanfiguren, die besonders häufig auftreten, auf gewisse Art sympathisiert. Dafür vernachlässigt sie einzelne Rollen nach meinem Empfinden ein wenig, vor allem den männlichen Figuren scheint sie bei der Rollenausschmückung nicht allzu viel abzugewinnen, wenn man einmal von Alice´ Ehemann Eric absieht, der als einziger Mann in allen Facetten dargestellt wird. Wie schon angedeutet, bin ich absolut begeistert vom Schreibstil der Autorin, der mich auf jeden Fall ein zweites Mal zu einem Buch von ihr greifen lassen würde – wenn vielleicht auch nicht unbedingt zum zweiten Teil dieses Romans. Mein Fazit: Für Fans der Entwicklungen in den Sechzigern / Siebzigern, die geballte Handlungen mit facettenreichen Charakteren und deren Gefühlsleben interessieren, ein absolutes Muss! Liebhaber der seichten Lektüre oder Gegner von zu viel Detailreichtum und Emotionalität hingegen werden dem Buch vermutlich nicht allzu viel abgewinnen können. Dennoch lohnt sich der Versuch, allein des genialen Schreibstils wegen!

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  • Am Rande der Bürgerlichkeit

    Das indiskrete Leben der Alice Horn
    Starbucks

    Starbucks

    23. November 2014 um 18:09

    Zuerst muss ich vielleicht anmerken, dass ich zur Zeit der 68er so gerade mal eben noch nicht geboren war und diese Zeit daher nur vom Hörensagen kenne. Man hört ja viel, man weiß auch einiges darüber, aber der Autorin Anne Lise Marstrand-Jörgensen ist mit „Das indiskrete Leben der Alice Horn“ eine andere, tiefere Einsicht in die Zeit der 68er gelungen. Alice ist Hausfrau und Mutter und findet das auch ganz gut so. Sie hat selbst keine einfache Kindheit hinter sich und möchte ihren Kindern alles geben. Sie ist zudem sozial aufgestiegen durch ihre Heirat und ist auch sehr dankbar dafür. Ich denke, für Alice wäre damit alles in Ordnung so, wie es ist. Sie verkörpert eigentlich die Bürgerlichkeit mit Vororthaus, Garten, Familie… Kann Alice die freie Liebe leben? Muss sie es? Will sie es? Und bedeutet eine freie Liebe auch gleich Freiheit, Gleichberechtigung, Selbstverwirklichung? Wer hat damals überhaupt die freie Liebe gelebt? War das nicht eher nur ein Teil der Bevölkerung, der das sich auch leisten konnte? Die Pille macht es den Frauen nun einfach, sich auszutoben. Aber eher gibt sie doch den Männern die Gelegenheit, dies zu tun. Alices Mann Eric steht zwischen den Stühlen. Sein Eheleben gefällt ihm, aber warum nicht auch einmal die freie Liebe ausprobieren? Wäre da nicht noch die Eifersucht im Spiel – die auch zeigt, dass eine offene Beziehung auch nicht oberflächlich, sondern auch mit seelischen Beeinträchtigungen abläuft. Fazit: So einfach ist es nicht, hier von Freiheit zu sprechen. Und auch die Gleichberechtigung ist eher Schein als Sein, die Selbstverwirklichung ein Ego-Trip. Die Autorin zeigt, dass man hier tiefer blicken muss und geht sehr einfühlsam mit diesem schwierigen Thema um. Wenn auch der letzte Teil für mich mit einigen Längen einherging und ich das Buch erstmal weglegen musste, so spricht die Autorin in geübtem, sensiblen und gut lesbarem Schreibstil ein sehr wichtiges Thema an, das hier zum Nachdenken anregt. Nachdem ich alles noch einmal überdacht habe, möchte ich dem Roman hier 4,5 Sterne geben, was ich erst nicht gedacht hätte. Ich fand das Buch aber sehr lesenswert, vielleicht im Nachhinein mehr als während des Lesens. Das kommt eher selten vor, ist aber hier der Fall. „Das indiskrete Leben der Alice Horn“ braucht bei mir vielleicht einen zweiten Durchgang und wandert in mein Behalt-Regal.

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  • Die Swinging Sixties

    Das indiskrete Leben der Alice Horn
    TochterAlice

    TochterAlice

    18. November 2014 um 22:31

    mit all ihrem revolutionären Gedankengut, der Aufbruchstimmung, der Zerrissenheit, der Lebensfreude, der neuen Freiheit, die für manch einen keine war: das ist das Setting, der Ausgangspunkt dieser monumentalen Familiengeschichte, die in die 70er hineinreicht. Doch die Wurzel dessen, fast ist man versucht, zu sagen, die Wurzel allen Übels - die liegt eben in den 1960ern, in denen gerade die jüngere Generation damit begann, freier zu denken, auch in sexueller Hinsicht und in Dänemark, wo dieses Buch spielt, mehr noch als hierzulande. Alice Horn eine junge Frau aus recht einfachen Verhältnissen hat gut geheiratet und muss nach der Geburt der Kinder nicht mehr in ihrem erlernten Beruf als Krankenschwester arbeiten. Im Gegensatz zu ihren Freundinnen, die gern unabhängiger wären, genießt sie es, in einem friedlichen Vorort zu leben, sich nur der Familie zu widmen und sich nicht abrackern zu müssen. Doch an ihrem Mann Eric gehen die Zeichen der Zeit nicht spurlos vorbei - er wittert die neuen Möglichkeiten, gerade auch im Hinblick auf eine offene Ehe, auf Sex ohne Reue. Und Alice folgt ihm  - bis zum bitteren Ende. Es geht nicht nur um Alice, doch wie es in zeitlicher Hinsicht die 1960er sind, ist Alice als Figur der Ausgangspunkt und zunächst auch der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, denn es geht um die Ihrigen: um sie selbst, um Eric, die Töchter Marie-Louise und Flora, um den Sohn Sohn Martin. Ja, die Sixties - eine faszinierende Zeit, die vieles bewirken, aber auch vieles zerstören konnte, wie man bei der Lektüre dieses Buches nach und nach erfährt. Die neue Freiheit, gerade auch die Freiheit der Frau, kam zögerlich und mit Hindernissen und war noch ausgesprochen fragil. Umfangreich und ausführlich ist die Geschichte und auch ihr Stil. Der Leser sollte sich darauf gefasst machen, einige Längen durchstehen zu müssen, doch es lohnt sich! Die Geschichte ist atemberaubend und demaskierend - nicht durchgehend, aber doch immer wieder. Ein Wagnis, das den Lesern Tür und Tor zu einer vergangenen Zeit öffnet, doch man sollte auf der Hut sein: einiges schockiert durchaus, ist aufwühlend und auf eine schonungslose Art und Weise brutal, die mit Kriminalliteratur nichts zu tun hat, sondern vielmehr mit dem wahren Leben - einem Leben, das manchmal so intensiv sein konnte, dass es nicht auszuhalten war. Wie gesagt - ein wenig ausschweifend und umständlich - doch es lohnt sich: dies ist eine Lektüre, die man nicht so schnell vergessen wird!

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