Sommer in Super 8

von Anne Müller 
4,4 Sterne bei8 Bewertungen
Sommer in Super 8
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Corsicanas avatar

Eine Zeitreise in die 70er. Mit unerwartet viel Tiefgang.

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Eine Reise zurück in die quietschbunten 70er, eine Reise zurück in die Kindheit - feinsinnig erzählt.

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Inhaltsangabe zu "Sommer in Super 8"

Ein Roman wie ein heißer Tag am Meer ... bis das Gewitter beginnt
In Claras Leben passiert alles Wichtige an einem Mittwoch. An einem Mittwoch im Jahr 1963 wird sie als mittleres von bald fünf Kindern in eine Landarztfamilie hineingeboren. Die Mutter schön, elegant und klug, der Vater von seinen Patienten geschätzt, weltmännisch und witzig. Die Partys, zu denen die Königs einladen, sind legendär. Clara bewundert ihren Vater, doch zunehmend spricht er dem Alkohol zu und zunehmend erschüttern seine Eskapaden das Leben der Familie. Lange versucht Clara das zu überspielen, bis sich an einem Mittwoch alles zuspitzt …
Mit feinem Humor erzählt Anne Müller vom Aufwachsen in einer scheinbar perfekten Familie – und lässt die 70er-Jahre mit Tritop, Apfelshampoo und Super-8-Filmen wieder auferstehen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783328600152
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:280 Seiten
Verlag:Penguin
Erscheinungsdatum:27.08.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    KirstenWilczeks avatar
    KirstenWilczekvor 10 Tagen
    Kurzmeinung: Eine Reise zurück in die quietschbunten 70er, eine Reise zurück in die Kindheit - feinsinnig erzählt.
    Ein Reiseticket in die eigene Kindheit

    Die Drehbuchautorin Anne Müller hat sich mit ihrem ersten literarischen Roman „Sommer in Super 8“ eine passgenaue Vorlage für eine Adaption und Verfilmung geschneidert. Ich sitze im Kino, futtere meine Nachos mit dem versalzenen, lauwarmen Cheese-Dip, der die Konsistenz von Plastikfäden hat, trinke dazu in meiner konsequenten Inkonsequenz eine Cola Zero und sehe den Vorspann: mittelalter Mann mit Rücken zum Betrachter sitzt an Schreibtisch, Kameraschwenk zoomt ran, Blick über die Schulter, Mann legt Super-8-Film in Filmbetrachter von Porst ein und bewegt Film von Hand vor und zurück. Es erscheinen bunte Bilder von Kindern auf Schirm. Szene wird untermalt von ABBA, „Knowing me, knowing you“, 2. Strophe: „Memories, good days, bad days. They'll be with me always“. Mit Markiervorrichtung stanzt Mann Kerbe in Film. Kamera zieht auf. Mann wird von der Seite gezeigt: Thomas Sarbacher … `Tschuldigung, den sehe ich halt. Es ist ja mein Film, der beim Lesen von „Sommer in Super 8“ in mir abläuft. Und immer wieder sehe ich mich als kleine Zeitzeugin durch die gelungenen Miniaturen streifen, die Anne Müller geschickt aneinanderreiht, um das Aufwachsen und die Pubertät von Clara König zu erzählen. Ein Sandwich-Kind, als drittes Kind hineingeboren in eine Landarztfamilie von fünf Babyboomern, das als fünftes Rad am Wagen so mitläuft. Eine schöne, junge Mutter, die etwas auf sich hält. Ein witziger, lebhafter Vater, der seine Kinder wahrnimmt und nicht als Alleinverdiener durch Abwesenheit glänzt. Er kompensiert Claras Sandwich-Dasein, denn er vermittelt Clara das Gefühl „Königs Tochter“ zu sein. Es wird musiziert und gesungen, Ausflüge an die nahe Ostsee unternommen, kurzum eine Hochglanzidylle in den quietschbunten 70ern, deren Zeitgeist, so will es heute scheinen, Mode und Musik (abgesehen von ABBA natürlich – *Frau W. lacht*) in eine kolossale Geschmacksverirrung geführt hatte.

    Aber beim Vorführen dieses hübschen, herzerwärmenden Films, Samstagsabendunterhaltung „für die ganze Familie“, zeigen sich alsbald auf der Leinwand Markierkerben, die beim Schneiden und Kleben des Films scheinbar übersehen worden sind. So schleichen sich Szenen ein, die nicht überliefert werden sollten: der Vater, der sich schon vormittags einen Cognac genehmigt; der mit Clara Patientinnen besucht und sie in deren Garten einen Seitensprung lang warten lässt; ausgelassene Partys im Haus der Königs, deren Alkoholexzesse im Zigarettenqualm kaum vernebelt werden; ausbleibende Patienten; ausgestelltes Familienglück bei der jährliches Kirmes als Marketing; Familienfotos, die einer Familienaufstellung gleichkommen und die größer werdenden Abstände zwischen den Eltern, aber auch den älterwerdenden Kinder dokumentieren etc. Und wie im Kleinen so im Großen: Die Vorzeigerepublik wird von der RAF herausgefordert. Die Fahndungsplakate dringen bis ins kleine Schallerup vor. Die Gesichter werden von Clara und ihrer Clique taxiert. Hinter hässlichen, wirr dreinschauenden Fratzen scheinen sich nicht minder hässliche, wirre Gedanken zu verbergen, die sich in hässlichen, wirren Taten Bahn brechen. Clara nimmt das am Rande zu Kenntnis. Doch das Flanieren mit ihren Freundinnen über die Einkaufsmeile des Dörfchens (die Hauptstraße rauf und wieder runter), erste Schminkexperimente, die Dorfdisco und der erste Kuss stehen im Vordergrund. Die Anzeichen für das Auseinanderleben ihrer Eltern, den Niedergang der Praxis, das Versinken ihres Vaters in Alkohol und Melancholie bemerkt sie durchaus, auch, dass Risse übertüncht  werden. Die Kinder handeln wie Co-Alkoholiker. Sie holen den Cognac für den Vater beim Apotheker und entwickeln ein System, die Flaschen verschwinden zu lassen. Sie wissen, dass etwas grandios schiefläuft. Und dann passiert es: der Vater unternimmt einen Selbstmordversuch, der scheitert. Er kommt wieder auf die Füße, wie es scheint, und funktioniert weiter. Bis zu jenem Mittwoch. Es ist immer mittwochs, wenn in Claras Leben etwas Einschneidendes passiert …

    Anne Müller hat einen sehr feinsinnigen Roman geschrieben, mit dem man lacht und weint. „Sommer in Super 8“ hat mich zurückgeführt in meine Kindheit und Teenie-Zeit, mit all den schönen, kuriosen Bildern, aber auch Brüchen und Verlusten.

    Ihr Roman wirkt auf mich wie ein Super-8-Film, der aus vielen Spulen geschnitten ist. Es sind exemplarische Videoclips, Erinnerungssprengsel, die zusammen ein Bild, eine Biografie ausmachen. Die Charaktere, insbesondere der Vater, werden lebendig ins Bild gesetzt. Blass bleibt Claras Mutter, die im Verlaufe des Romans immer weiter in den Hintergrund tritt. Aber bei Licht besehen: was habe ich eigentlich von meiner Mutter in dieser Zeit wahrgenommen? Nicht sehr viel, was sicher auch mit dem in der Pubertät einsetzenden Abnabelungsprozess zu tun hatte. Vermutlich ging es Clara ähnlich. Gerne hätte ich mehr erfahren über das Leben der Familie König nach jenem Mittwoch, aber dies ist sicher eine andere Geschichte, die Anne Müller uns hoffentlich ein anderes Mal erzählt. So schaue ich also den Abspann. Wieder sehe ich das Meer. Es verschwimmt mit dem Horizont und ich höre „Eagle“ von ABBA: „High, high, what a feeling to fly / Over mountains and forests and seas / And to go anywhere that I please“ In meiner Erinnerung kann ich das.

    Danke an Anne Müller für das Ticket zur Reise.

    Kommentare: 5
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    Maddinliests avatar
    Maddinliestvor 12 Tagen
    Eine gefühlvolle Reise in die 70er Jahre

    Die scheinbar perfekte Landarztfamilie lebt in Schallerup, einem kleinen Ort nahe der Ostsee. In den 70er Jahren wächst Clara als mittleres Kind von fünf Geschwistern in der Familie auf. Alles scheint perfekt, der Vater ein Arzt und die Mutter kümmert sich um das Heim und die Kinder. Hinter den Fassaden sieht die Welt aber ein wenig anders aus und das glänzende und glückliche Familienleben trübt sich immer weiter ein...

    Die Autorin Anne Müller hat einen bewegenden und aus meiner Sicht sehr authentischen Roman über ein Familienleben in den 70er Jahren geschrieben. Sie erzählt die Geschichte in einem lebendigen und sehr flüssig zu lesenden Schreibstil, mit dem es ihr vortrefflich gelungen ist, mich in die damalige Zeit zu versetzen. Durch die vielen eigenen Kindheitserinnerungen, die im Buch anhand vieler liebevoller Details, wie einem Apfel-Shampoo, Rudi Carrells Show "Am laufenden Band" oder dem legendären Tri-Top-Saft hervor-gerufen wurden, erhält das Buch für mich eine persönliche Note. So konnte ich immer wieder schmunzeln und fühlte mich sehr gut unterhalten. Aber das beschriebene Familienleben war nicht wirklich glücklich. Es wurde mit aller Gewalt eine äußere Fassade aufrecht gehalten,wohl in erster Linie aus den damaligen gesellschaftlichen Verpflichtungen. So wird die Geschichte zunehmend emotionaler, verliert ihre Leichtigkeit und erhält eine zusätzliche Tiefe, was sie aus meiner Sicht noch interessanter macht. Ein gelungenes Debüt in der Welt der literarischen Romane, das Hoffnung auf mehr macht.

    "Sommer in Super8" war für mich eine gelungene Reise in die Zeit meiner eigenen Kindheit. Ein sehr interessanter und auch unterhaltsamer Blick zurück. der es mir zunehmend schwerer machte, das Buch zur Seite zu legen. Ich halte den Roman für sehr lesenswert, empfehle ihn daher gerne weiter und bewerte ihn mit den vollen fünf von fünf Sternen.

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    Minijanevor 17 Tagen
    Ein Leben wie ein Super 8 Film, eine gelungene Zeitreise in die 70er!

    Das Buch „Sommer in Super 8“von Anne Müller geht mit dem Leser auf Zeitreise in die 70er Jahre. Als Steißgeburt erblickt Clara1963 als 3. von 5 Kindern das Licht der Welt. Die Autorin lässt Clara ihre Familiengeschichte erzählen, zunächst als Kind mit ihrer kindlichen Sicht auf die Welt und später als Teenager mit einem differenzierterem Weltbild. Dabei zieht sich ein feiner Humor durch das ganze Buch immer wieder garniert mit Rückblicken in eine Zeit, in der ich selber groß geworden bin. Vom Apfelshampoo bis zur angesagten Jugendbande den „ Bay City Rollers“ werden sehr charmant immer wieder kleine Erinnerungsschnipsel eingestreut, was mir beim Lesen große Freude gemacht hat. Clara‘s Familie scheint nach außen hin perfekt zu sein, doch der Schein trügt. Die Autorin schafft es gekonnt mit zunehmender Reife ihrer Protagonistin einen Stimmungswechsel einzuleiten. In der Pubertät, in der Clara eigentlich mit ihrem Eintritt in die Erwachsenenwelt genug zu tun hat, ist ihre Kindheit dann schlagartig vorbei. Diese Stellen im Buch machen wirklich betroffen, nicht immer sind die Reaktionen einzelner Familienmitglieder nachvollziehbar. Ich war froh das es nach dem Schlusssatz noch einen Epilog gab, der das heftige Ende etwas abgefedert hat. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, der lockere Schreibstil, der feinsinnige Humor, die nostalgischen Rückblenden fand ich großartig. Clara war eine sehr sympathische Protagonistin, Ihr Vater wurde in seiner vielschichtigen Persönlichkeit gut porträtiert. Über die Mutter hätte man gerne mehr erfahren um ihre Motive besser einordnen zu können. Für mich ist das Buch auf jeden Fall eine Empfehlung.

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    Viv29s avatar
    Viv29vor 17 Tagen
    Sehr schön geschriebene Geschichte einer Jugend in einer tragischen Familie

    Schon am Titelbild sieht man, daß Anne Müller ihre Leser in die späten 60er bis 70er Jahre führt, und dies tut sie ganz hervorragend und lebendig. Wir begleiten Clara durch ihre Kindheit und Jugend in einem norddeutschen Dorf; lernen nach und nach die dunklen Seiten hinter der auf den ersten Blick so perfekten Landarztfamilie kennen.

    Der Schreibstil ist angenehm, man ist sofort mitten in der Geschichte, nimmt gleich teil am Leben der Familie König, welches aus Claras Sicht erzählt wird. Man merkt schon im ersten Kapitel, daß Clara ein tiefgründiges Kind mit teils traurigen Gedanken ist. Ebenso schnell wird deutlich, daß hinter der respektablen Front der Familie - mit attraktiven, eleganten Eltern, der alten Villa, den Ausflügen - nicht alles so perfekt ist, wie es scheint. Sowohl das Wesen Claras und ihrer Familie wie auch die Risse in der Fassade werden uns auf sehr gekonnte Weise vermittelt, durch kleine Bemerkungen, Beobachtungen, Nebensätze. Hier werden keine Fakten plump serviert, das Gesamtbild entfaltet sich nach und nach, die Hinweise sind gut eingesetzt und man möchte gleich weiter lesen und alles erfahren.

    Vordergründig berichtet Clara harmlose kleine Episoden, in denen man die 70er Jahre richtig vor sich sieht, die leuchtenden Farben, Riesensonnenbrillen, die Super 8-Filme. Auch das Zeitgeschehen wird immer wieder eingeflochten, so die Angst vor den Russen, die Mondlandung, der Terroranschlag bei den olympischen Spielen. Es werden viele solche interessanten Details erwähnt und dadurch ersteht dieses Jahrzehnt auf den Seiten des Buches auf.

    Während sich in Claras Grundschulzeit die Abgründe der Familie noch gut vertuschen lassen und von einem solch kleinen Kind auch eher nur in Nuancen wahrgenommen werden (können), ändert sich sowohl für Clara wie auch für den Leser einiges, als Clara zum Teenager geworden ist. Die Familienprobleme werden deutlicher, zugleich aber rückt die Familie leider in der Erzählung in den Hintergrund. Wir lesen detailreich über die typischen Teenagererfahrungen - Schminken, Tanzstunde, erster Kuß, Discobesuch, Konfirmation. Dies ist immer noch gut (manchmal etwas zu ausführlich) erzählt (abgesehen von einigen kleinen Wiederholungen), aber für meinen Geschmack verlor sich die Geschichte zu sehr in diesen Dingen und ließ die für mich viel interessantere Familiendynamik zurückstehen.

    Während man im ganzen Buch Claras Vater vielseitig erlebt und kennenlernt, bleibt ihre Mutter fast die ganze Zeit über blaß. Im ersten Teil hat sie noch Persönlichkeit und man möchte mehr über sie erfahren, dieser Wunsch wird nicht erfüllt, im Gegenteil. Die Beziehung zwischen Claras Eltern ist sehr interessant, ist auch das, was zur Besonderheit dieses Buches beiträgt, sie hätte neben den Teenageralltagserfahrungen meiner Meinung nach viel mehr Raum verdient.

    Der letzte Teil des Buches ist sowohl berührend, wie auch ein wenig verstörend, letzteres auch wegen der für mich nicht ganz nachvollziehenden Reaktionen (oder teils fehlenden Reaktionen) der Familie.

    "Sommer in Super 8" ist ein Buch, das von Anfang an berührt,  Emotionen weckt, in einem angenehmen Stil geschrieben ist und auch nach dem Lesen noch nachwirkt.

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    AndreasKueckvor 19 Tagen
    Kurzmeinung: Ein äußerst gelungener Erstlings-Roman...
    Kindheitserinnerungen mit Witz und Wehmut...

    Eine scheinbar perfekte Kindheit in den 70er Jahren, festgehalten auf etlichen Super 8-Filmchen, in einer scheinbar perfekten Familie, in einer scheinbar perfekten Idylle,…

    …aber schon ab dem ersten Kapitel durchzieht den Roman einen Hauch des Vergänglichen: Dieses filigrane, familiäre Konstrukt droht in jedem Moment in sich zusammen bzw. auseinander zu brechen.

    Zwischen den Eltern gibt es wenig Zärtlichkeit, umso mehr Unausgesprochenes – sie, die Nachkriegsgeneration, die durch eine Kriegsgeneration erzogen wurde: Der Vater, angesehener Arzt mit eigener Landpraxis; die Mutter, ehemalige Sportstudentin, die für die Familie die eigenen Karrierewünsche verdrängt; 5 Kinder, von dem das Mittlere, das sogenannte „Sandwichkind“, unsere Ich-Erzählerin ist.

    Diese perfekte Idylle bekommt sehr schnell die ersten Risse: Das bemerkt der Leser an einem scheinbar belanglosen Nebensatz, an einer wie zufällig hingeworfenen Beschreibung – Anne Müller kreiert hierfür nicht die großen Szenen sondern lässt die Familientragödie in kleinen Augenblicken ablaufen, die zusammengenommen eine umso zerstörerischere Wucht entwickeln. Ganz langsam aber subversiv tropft das Leben mit seinem alltäglichen Wahnsinn in die Kindheit und raubt ihr die Unbeschwertheit.

    Der Führerscheinentzug des Vaters, das Tuch am Hals der Mutter (obwohl sie nie Tücher trägt), die ausbleibenden Patienten in der Praxis: All dies sind Indizien für eine bröckelnde Fassade der Gutbürgerlichkeit. Unsere Ich-Erzählerin durchlebt Klavier- und Ballettstunden, Konfirmandenunterricht und Tanzschule, raucht die erste Zigarette, bekommt den ersten Kuss und muss sich – auf Drängen der Eltern – gemeinsam mit ihren Geschwistern bei Dorffesten als Vorzeige-Familie präsentieren.

    Es vervollständigt das Bild keiner perfekten Familie aber doch einer sehr normalen Familie: Die Tragödien in der Kindheit hinterlassen in jungen Jahren immer den Eindruck, dass sie alleine nur die eigene Familie treffen. Mit der Zeit kommen wir zu der tröstlichen Erkenntnis, dass sich Tragödien hinter jeder Fassade abspielen. Wir sind nicht allein!

    Diese scheinbare Tristesse der Normalität wird immer wieder humorvoll von der Autorin durchbrochen: Als Leser erlebte ich einige Déjà-vu-Erlebnisse, musste häufig schmunzeln, hin und wieder auch laut lachen!

    Selbst in den 70er groß geworden, kenne ich dieses Gefühl, das Anne Müller in ihrem Erstlingsroman aufleben lässt: Der Zauber der unbeschwerten Kindheit ist noch spürbar, zugleich nimmt man verunsichert die kommende Veränderung wahr und lauert ängstlich auf den Wendepunkt!

    Wie tröstlich wäre das Leben, wenn verloren gegangene Momente wieder hervorgeholt werden könnten, indem wir den Super 8-Film einfach zurückspulen und von vorne beginnen.

    Beim Lesen dieses kraftvollen und zugleich leisen Romans spürte ich die Atmosphäre, die ich auch immer zu dieser Jahreszeit verspüre: Das Licht ist sanft. Die Luft ist mild. Der Sommer ist noch nicht gänzlich verflogen, doch sein Ende lässt sich schon erahnen…

    …Vergänglichkeit! …Wehmut!

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    katikatharinenhofs avatar
    katikatharinenhofvor 21 Tagen
    Kurzmeinung: Ein wunderbarer Roman mit jeder Menge Flashbacks- aber auch ernsten Tönen
    Ein wunderbarer Roman mit jeder Menge Flashbacks- aber auch ernsten Tönen

    Der Mittwoch ist für Clara d e r Tag der Woche, denn alles Wichtige passiert mittwochs. So blickt sie zuück auf legendäre Eriegnisse der Kindheit in den 1970er Jahren und erzählt von den Partys, den Urlauben und einem Vater, den sie anhimmelt. Doch allmählich bekommt das Bild einen Riss und sie muss erkennen, dass ihr geliebter Vater nicht der ist, für den sie ihn gehalten hat. Und dann, ausgerechnet an einem Mittwoch, hat das Kindsein ein plötzliches Ende...

    Anne Müller nimmt mich mit ihrem Roman "Sommer in Super 8" mit auf eine Zeitreise der besonderen Art- Flashbacks am laufenden Band und Erinnerungen, die schon lange vergessen waren. Apfelshampoo, Tritop, Der große Preis - all e Erinnerungen von Clara sind auch meine Erinnerungen  und so liest sich das Buch fast wie ein persönliches Erlebnis und ich bin wirklich in den 1970ern angekommen, habe Harpo und seinen "Moviestar" im Ohr, wenn ich Claras Schilderungen folge. 
    Die Autorin reproduziert ein Familienleben, wie es eigentlich nicht schöner sein könnte - wobei "eigentlich" ja immer ein Wort mit bitterem Nachgeschmack ist. So auch hier. 
    Clara lässt mich tiefe Einblicke in ihr Familienleben genießen und so werde ich Zeuge einer schönen Kindheit, die nach außen in einer intakten Familie stattfindet und nach innen schon auf so wackligen Füßen steht, dass dieses Gerüst nach und nach zu wackeln beginnt. Sie erkennt, dass der von ihr auf einem Sockel stehende Vater nicht der ist, für den sie ihn hält und muss allmählich nicht nur dem Verfall der Familie, sondern auch dem Verfall des Vaters zusehen. Mit leisen eindringlichen Worten gelingt es der Autorin, diese Geschichte zu einem ganz besonderen Leseerlebnis zu machen und mich ein Teil der Familie König werden zu lassen. Die Ereignisse sind lebhaft und sehr bildlich geschildert und geben mir so die Möglichkeit, alles hautnah mitzuerleben. Die Wandlung von einem fröhlichen Buch mit tollen Kindheitserinnerungen zu einem Roman mit ernsten Tönen ist ihr gut gelungen und sie verdeutlicht, mit feinem Humor, dass es gewisse Szene im Leben gibt die es lohnt, für immer im Gedächtnis zu behalten. Denn es gibt nichts schöneres als wundervolle Kindheitserinnerungen - auch wenn sie hier mit Wehmut verbunden sind.

    Ein toller Roman mit jeder Menge Flashbacks, aber auch mit ernsten Tönen, die nachklingen werden.

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    Corsicanas avatar
    Corsicanavor 3 Tagen
    Kurzmeinung: Eine Zeitreise in die 70er. Mit unerwartet viel Tiefgang.
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    Simi159s avatar
    Simi159vor 12 Tagen

    Gespräche aus der Community zum Buch

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    elane_eodains avatar
    Ein neues Jahr, in dem wir gemeinsam deutschsprachige Debütautorinnen und -autoren und ihre Bücher entdecken können!
    Ich bin es wieder, die Debüttante. ;-) und möchte wieder mit Euch gemeinsam Debütautoren entdecken, zusammen ihre Bücher lesen, rezensieren und - wenn sie uns gefallen - weiterempfehlen. Bei den vielen Neuerscheinungen in jedem Jahr haben es deutschsprachige Debütautoren schwer sich zwischen Bestsellerautoren und Übersetzungen durchzusetzen. Wir können uns ganz bewusst gemeinsam daran versuchen das zu ändern und entdecken sicher wieder besondere Buchperlen!

    Ablauf der Debütautorenaktion:

    Es geht darum, möglichst viele Bücher deutschsprachiger Debütautoren zu lesen, also Bücher von Autoren, die erstmalig zwischen 1. Januar 2018 und 31. Dezember 2018 ein Buch/einen Roman (in einem Verlag) veröffentlichen.
    Von Seiten des lovelybooks-Teams werden wieder Leserunden und Buchverlosungen gestartet, die die Kriterien erfüllen, und auch Verlage und Autoren werden sicher wieder aktiv sein. Außerdem dürft Ihr selbst gerne Vorschläge machen.

    Begriffsdefinition: 'Debütautor/in' ist, wer bisher noch kein deutschsprachiges Buch veröffentlicht hat und im Jahr 2018 nun das erste Buch erscheint, dabei zählen sowohl Verlags- als auch Eigenveröffentlichungen.
    Ausnahmen bilden Romandebüts, das erste Buch in einem Verlag sowie das erste Buch unter dem eigenen Namen oder einem neuen Pseudonym, diese zählen ebenfalls. Keine Ausnahme wird gemachen, wenn der Erscheinungstermin vor 2018 lag.
    Wichtig:
    Alle Bücher, die im Debütjahr der Autorin/des Autors erscheinen, sind dabei. Das heißt, es können auch mehrere Bücher einer Autorin/eines Autors zählen, nicht nur das erste Buch. Es zählt also das gesamte Debütjahr der Autorin/des Autors.


    Ziel ist es 15 Bücher von Debütautoren bis spätestens 25. Januar 2019 zu lesen und zu rezensieren.


    Wie kann man mitmachen?

    Schreibt hier im Thread "Sammelbeiträge" einen Beitrag, dass Ihr mitmachen möchtet. Ich verlinke dann Euren Sammelbeitrag unter Eurem Mitgliedsnamen in der Teilnehmerliste. Bitte nutzt dann diesen von mir verlinkten Sammelbeitrag, um Euren Lesefortschritt mit allen Rezensionen von gelesenen Debüts festzuhalten, haltet diesen aktuell, denn nur anhand dessen aktualisiere ich wiederum die Liste. Die Teilnehmer- und die Punkteübersicht werde ich in unregelmäßigen Abständen aktualisiert. Wenn ich eine Aktualisierung durchgeführt habe, weise ich mit einem neuen Beitrag darauf hin.

    Informationen/Regelungen:

    • Ihr könnt Euch ab sofort hier für die Aktion anmelden, aber auch ein späterer Einstieg ist jederzeit möglich.
    • Es wird über das Jahr verteilt Leserunden und Buchverlosungen geben, bei denen Ihr Bücher gewinnen könnt, die hier zur Debütautorenaktion zählen. Somit kann sich ein Einstieg jederzeit noch lohnen. Natürlich könnt Ihr Euch die Bücher aber auch selbst kaufen oder anderweitig beschaffen, die Teilnahme an Leserunden/Buchverlosungen o. ä. ist nicht verpflichtend.
    • Eine Leserunde/ Buchverlosung o. ä. mit Beteiligung der Autorin/des Autors ist keine Bedingung, das heißt alle deutschsprachigen Debütbücher bzw. alle Bücher im Debütjahr der Autorin/des Autors, die in einem Verlag erschienen sind, zählen
    • Auch Debüts von 'Selfpublishern' zählen dazu. Das heißt, dass auch Debütautoren mit ihren Büchern zählen, die nicht in einem Verlag veröffentlichen. Für mich heißt das in der Organisation mehr Aufwand, da mehr Autoren und Bücher zu berücksichtigen sind, aber ausschließen ist doofer! ;-)
    • Hörbücherversionen der Bücher zählen ebenfalls.
    • Es ist nicht schlimm, solltet Ihr Euch für die Aktion anmelden und am Ende keine 15 Bücher schaffen. Ziel ist es doch vor allem tolle neue Autoren und Bücher kennen zu lernen.
    • Unter allen, die es schaffen 15 Bücher deutschsprachiger Debütautoren im Jahr zu lesen/zu hören und zu rezensieren, wird am Ende eine kleine Überraschung verlost, gesponsert von lovelybooks.
    • Bitte listet wirklich nur Rezensionen zu den an diesen Beitrag angehängten Büchern auf. Wenn Ihr eine/n Debütautor/in entdeckt, der/die hier noch nicht gelistet ist, aber zu den Bedingungen passt, schreibt mir bitte eine Nachricht und ich überprüfe das. Die Rezensionslinks aber bitte erst auflisten, wenn meine Zusage gemacht ist bzw. der/die Autor/in und die entsprechenden Bücher im Startbeitrag angehängt sind.
    • Habt bitte Verständnis dafür, wenn meine Antwort auf eine Anfrage mal etwas länger dauert. Ich betreue diese Aktion in meiner Freizeit und habe dementsprechend nicht jeden Tag ausreichend Zeit, um sofort zu reagieren. Aber ich gebe mir Mühe, versprochen!
    • Und noch einmal: Sollte ich Debütautoren, ihre Bücher, Leserunden oder Buchverlosungen übersehen, die hier eigentlich zählen müssten, dann habt bitte Nachsicht und weist mich einfach im passenden Bereich darauf hin. Wenn es passt, werde ich sie an den Starbeitrag anhängen bzw. die Aktion verlinken. Jede Unterstützung dahingehend ist mir sehr willkomen!
    Ich wünsche uns allen wieder viel Spaß & Freude beim Entdecken neuer Autoren und ihren Büchern, sowie beim gemeinsamen Plaudern & Weiterempfehlen! :-)
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    Aktuelle Leserunden & Buchverlosungen:

    - Leserunde zu "Blaubeeren vergisst man nicht" von Ina Rom (Bewerbung bis 10. September)
    - Buchverlosung zu "Mama hat Recht" von Andrea Matthews (Bewerbung bis 14. September) 
    - Leserunde zu "Tardigrada" von Alexander Meining (Bewerbung bis 16. September)
    - Leserunde zu "Hochsommer für die Liebe" von Jule Fuchs (ebook, Bewerbung bis 23. September)
    - Leserunde zu "Isargrauen" von Max Winter (Bewerbung bis 17. September)
    - Leserunde zu "Der Kreis des Blutes: Die Schatten des Krieges" von Tobias Damaschke (Bewerbung bis 28. September)

    (HINWEISE: Zur besseren Übersicht lösche ich ältere Links nach und nach, alle Bücher bleiben aber unten angehängt, so dass man mit einem Klick auf ein Buch auch leicht die dazugehörige Lese-/Fragerunde/Verlosung finden kann. Die Angaben zur Bewerbungsfrist sind ohne Gewähr.)
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    Es zählen ausschließlich Bücher, die an diesen Beitrag angehängt sind bzw. im Laufe des Jahres angehängt werden, sowie die jeweiligen Hörbuchversionen davon, soweit vorhanden
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    Für Autorinnen & Autoren:

    Du bist Autorin/Autor und veröffentlichst in diesem Jahr dein erstes Buch? Du möchtest dich an der Debütautorenaktion beteiligen?
    Dann schreib bitte eine Mail an Daniela.Moehrke@aboutbooks.de für weitere Informationen!
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    PS: Natürlich darf hier im Thread munter geplaudert werden, dazu sind alle Leserinnen, Leser und (Debüt-)Autoren herzlich eingeladen.  
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    Liebe Lovelybooks-Leserinnen,

    am 27. August ist es soweit und mein Romandebüt „Sommer in Super 8“ erscheint im Penguin Verlag. Ich lade euch herzlich ein, eine literarische Zeitreise in die 70er Jahre zu machen und an den Freuden, Sorgen und Nöten der Landarztfamilie König Anteil zu nehmen. Hauptfigur ist Clara, aus deren Perspektive die Geschehnisse erzählt werden. Ich bin schon sehr gespannt auf eure Leseeindrücke und welche Erinnerungen an eure eigene Kindheit und Jugend das Buch bei euch auslöst. Auf eine anregende Leserunde gemeinsam mit euch freue ich mich!

    Herzlich,

    Anne Müller


    Zum Buch


    In Claras Leben passiert alles Wichtige an einem Mittwoch. An einem Mittwoch im Jahr 1963 wird sie als mittleres von bald fünf Kindern in eine Landarztfamilie hineingeboren. Die Mutter schön, elegant und klug, der Vater von seinen Patienten geschätzt, weltmännisch und witzig. Die Partys, zu denen die Königs einladen, sind legendär. Clara bewundert ihren Vater, doch zunehmend spricht er dem Alkohol zu und zunehmend erschüttern seine Eskapaden das Leben der Familie. Lange versucht Clara das zu überspielen, bis sich an einem Mittwoch alles zuspitzt.


    Mit feinem Humor erzählt Anne Müller vom Aufwachsen in einer scheinbar perfekten Familie - und lässt die 70er-Jahre mit Tritop, Apfelshampoo und Super-8-Filmen wieder auferstehen.


    Hier vorab reinlesen!


    Wie könnt ihr an der Leserunde teilnehmen?


    Wir verlosen 15 Exemplare von »Sommer in Super 8« unter allen, die sich in dieser Leserunde über das Aufwachsen in den 70er Jahren, dem Leben in einer Großfamilie und den vielen anderen Themen, die dieser wunderbare Roman bietet, austauschen wollen. 

    Bewerbt euch jetzt für die Leserunde (Bewerbungsende: Mittwoch, 15. August) und nennt uns drei Dinge, die ihr mit den 70er Jahren verbindet!


    Anne Müller und das Penguin-Team freuen sich auf eure Antworten und wünschen viel Glück!




    tardys avatar
    Letzter Beitrag von  tardyvor 4 Tagen
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    Vorfreude! So freuen sich unsere Leser auf das Buch

    KirstenWilczeks avatar
    KirstenWilczekvor 3 Monaten
    Ich reise ab und zu gerne in meine frühe Kindheit in den 70er Jahren zurück. Eine Super-8-Schmalfilmkamera habe ich sogar noch in dem Koffer, in dem auch die Klick-Klack-Kugeln auf ihre Wiederentdeckung warten.
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