Neue Rezensionen zu Anne Melville

Ein würdiger Abschluss der Familiengeschichte

Als die Geschichte beginnt, scheint das Leben der Familie Lorimer noch in ruhigen Bahnen zu verlaufen. Doch dieses Gefühl hält nicht lange an. Mit dem Krieg verändert sich nach und nach alles. Beim Lesen war sehr gut zu spüren, wie aus Zuversicht Unsicherheit wird und wie jede Entscheidung plötzlich eine viel größere Bedeutung bekommt.

Besonders interessant fand ich, dass nicht nur die Ereignisse des Krieges im Mittelpunkt stehen. Erzählt wird auch, wie sich das Leben der Menschen verändert, die zu Hause bleiben. Margaret kümmert sich um die Verwundeten im Militärkrankenhaus, Kate geht ihren eigenen Weg als Ärztin. Gerade dadurch bekam die Geschichte für mich viele persönliche Seiten, die glaubhaft wirkten.

Immer wieder gab es Szenen, in denen gar nicht viel passierte und die trotzdem lange im Kopf geblieben sind. Ein Gespräch, ein Blick oder das Warten auf Nachrichten haben oft mehr ausgedrückt als große Worte. Solche Momente haben die Figuren für mich greifbar gemacht.

Gut gefallen hat mir auch, dass die Geschichte niemanden zum Helden macht. Jeder trägt seine Sorgen auf seine eigene Weise. Manche geben nicht auf, andere stoßen an ihre Grenzen. Das wirkte ehrlich und hat gut zu der Zeit gepasst, in der die Handlung spielt.

Die Seiten haben sich ruhig lesen lassen, auch wenn immer wieder schwierige Ereignisse ihren Platz haben. Es gibt traurige Augenblicke, aber auch kleine Hoffnungen, die zeigen, dass das Leben selbst in schweren Zeiten weitergeht. Diese Mischung hat die Lektüre für mich getragen.

Für mich ist dieser dritte Band ein gelungener Abschluss der Reihe. Viele Handlungsfäden finden ihren Platz, ohne dass alles zu glatt oder zu einfach wirkt. Am Ende blieb das Gefühl zurück, die Familie über einen langen Abschnitt ihres Lebens begleitet zu haben. Gerade deshalb fiel der Abschied ein wenig schwer.

5 Sterne.


Eine Familie im Wandel

Margaret ist eine Figur, die nicht immer leicht zu verstehen ist. Gerade am Anfang hat manches an ihrem Verhalten überrascht. Sie hat selbst lange für ihren eigenen Weg kämpfen müssen und ausgerechnet bei Alexa fällt es ihr schwer, deren Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben zu akzeptieren. Dieser Gegensatz zieht sich durch die Geschichte und hat mich beim Lesen immer wieder beschäftigt.

Die Geschichte nimmt sich Zeit. Das passt gut zu der Epoche und zu den Menschen, um die es hier geht. Nach und nach wird deutlich, wie sehr Erwartungen, Herkunft und das Erbe einer Familie das Leben der einzelnen Figuren bestimmen. Dabei geht es nicht nur um Besitz, sondern auch um Verantwortung, alte Fehler und die Frage, ob jeder seinen eigenen Weg gehen darf.

Alexa sorgt dafür, dass vieles noch einmal in Bewegung gerät. Ihr Traum, Opernsängerin zu werden, bringt neue Spannungen in die Familie. In den Gesprächen zwischen Alexa und Margaret wird immer deutlicher, wie unterschiedlich beide denken, obwohl sie sich ähnlicher sind, als ihnen selbst bewusst ist. Gerade diese Entwicklung fand ich viel interessanter als große dramatische Ereignisse.

Das England am Ende des neunzehnten Jahrhunderts entsteht ganz nebenbei vor Augen. Das Leben der Menschen, die Stellung der Frauen und die Möglichkeiten, die ihnen offenstanden, fügen sich ganz selbstverständlich in die Geschichte ein. Nichts wirkt aufgesetzt oder wie eine Geschichtsstunde. Vieles ergibt sich einfach aus dem Alltag der Figuren.

Schön war, dass bekannte Personen aus dem ersten Band wieder auftauchen und ihre Entwicklung nachvollziehbar weitergeht. Gleichzeitig bekommen die neuen Ereignisse genügend Raum, sodass keine Wiederholung entsteht. Dadurch bleibt die Geschichte lebendig und macht neugierig auf den weiteren Verlauf der Familiensaga.

Manche Entscheidungen haben erst einmal ratlos gemacht. Verständnis und Kopfschütteln lagen manchmal dicht beieinander. Solche Momente haben die Geschichte für mich noch lebendiger gemacht, weil sie gezeigt haben, dass niemand nur richtig oder falsch handelt.

Für mich ist es eine ruhige Fortsetzung, die den Blick vor allem auf die Menschen richtet. Vieles entwickelt sich langsam, aber genau dadurch bekommen die Figuren genügend Raum. Am Ende bleibt die Neugier, wie die Geschichte der Familie Lorimer weitergehen wird. 4 Sterne.

Der Beginn einer bewegten Familiengeschichte

Margaret wächst in einer Familie auf, in der es an nichts fehlt. Trotzdem wirkt ihr Leben oft enger als erwartet. Früh entsteht der Eindruck, dass sie sich mit der Rolle nicht abfindet, die für sie vorgesehen ist.

Eine junge Frau mit eigenem Kopf steht im Mittelpunkt. Sie ordnet sich nicht einfach unter. Manche Entscheidungen lassen sich schnell verstehen, andere wirken eher sprunghaft, passen aber zu ihrem Drang nach mehr Freiheit. Besonders die Verbindung zu Charles und die familiären Spannungen bringen Bewegung in die Geschichte.

Die Figuren bekommen viel Raum. Es passiert nicht ständig etwas Großes. Oft sind es Gespräche, kleine Entscheidungen oder Reaktionen, die den Verlauf bestimmen. Dadurch entsteht ein recht klares Bild der Familie Lorimer und der Menschen drumherum.

Die Zeit wirkt nicht aufgesetzt, sondern läuft einfach mit. Erwartungen an Frauen ziehen sich durch viele Szenen. Margaret stößt dabei immer wieder an Grenzen, die für sie schwer zu akzeptieren sind. Ihr Wunsch nach einem eigenen Leben wirkt dadurch sehr greifbar.

Das Tempo schwankt. Manche Abschnitte nehmen sich Zeit für Hintergründe und Familiengeschichten. An anderen Stellen hätte etwas mehr Zug gutgetan. Gleichzeitig hilft genau diese Ruhe, die Figuren besser einzuordnen.

Im Mittelpunkt stehen weniger große Ereignisse, eher das Verhalten der Figuren untereinander. Wer viel Spannung von Anfang an erwartet, wird nicht durchgehend abgeholt. Trotzdem bleibt das Ganze stimmig und in sich geschlossen.

Am Ende bleibt der Eindruck eines Auftakts, der vieles anstößt, aber noch nicht alles auflöst. Die Geschichte der Lorimers ist damit nicht abgeschlossen. Margaret bleibt besonders im Kopf, weil sie sich nicht einfach einfügt, sondern versucht, ihren eigenen Weg zu gehen.

4 Sterne und eine Leseempfehlung.


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