Anne Meredith

 3.8 Sterne bei 77 Bewertungen

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Das Geheimnis der Grays

Das Geheimnis der Grays

 (77)
Erschienen am 22.09.2018

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Ceciliasophies avatar

Rezension zu "Das Geheimnis der Grays" von Anne Meredith

Kein Whodunit, mehr ein Familienporträt
Ceciliasophievor einem Tag

Es ist Weihnachten im Jahre 1931, als Adrian Gray von einem seiner Gäste ermordet wird. Denn dieses Jahr hat sich ausnahmsweise die gesamte Familie mit ehelichen Anhängen im Hause der Grays versammelt. Motive gibt es in dieser Familie viele, doch wer war nun wirklich der Mörder? 

Um dies einmal schnell vorweg zu nehmen: Der Leser weiß sehr schnell, wer der Mörder von Adrian Gray ist. In diesem Buch geht es nicht darum, mit Finten und Tricks dem Mörder auf die Spur zu kommen, sondern vielmehr hat die Autorin ein Familienporträt gezeichnet, voller Personen, die grausam, durchtrieben und nicht wirklich liebenswert sind. 
Ich hatte mich vor Beginn des Kriminalromans auf eine eher typische Whodunit?-Geschichte eingestellt, da dieser im Klappentext mit Werken von Agatha Christie verglichen wurden. Deswegen war ich sehr erstaunt darüber, dass es sich eben nicht um eine eher klassische Form der Kriminalromane handelte, als der Mörder schon so früh bekannt wurde. Doch nachdem ich so kalt erwischt wurde, gewöhnte ich mich relativ schnell an die Handlung und konnte mit Spannung durch das Buch fliegen. 
Da es kein dicker Schmöker ist, kam ich relativ schnell voran. Ein wenig muss man sich an den Schreibstil gewöhnen, doch auf diesen war ich durch die zeitliche Einordung gleich eingestellt. 
Mir hat eine Übersicht über die Personen jedoch sehr gefehlt. Gerade zu Beginn des Buches war es schwer, alle Charaktere gleich richtig zuordnen zu können. Welcher Partner zu wem gehörte, wer ein Kind des alten Grays war und wer nur Partner eines Kindes und wer welchen Beruf ausübte, konnte ich nicht immer richtig bestimmen. Erst zum Ende des Buches hin gelang mir dies ein wenig besser. 
Die Charaktere sind – von zwei, drei Personen einmal abgesehen – eigentlich alle auf ihre eigene Art und Weise unausstehlich. Dennoch gefiel mir diese Art der Darstellung einer kaputten Familie wirklich gut. 
Wie bereits von anderen Rezensenten angesprochen, finde auch ich es schade, dass nicht der Originaltitel gewählt wurde. „Porträt eines Mörders“ wäre absolut die treffende Wahl für dieses Werk gewesen. 
Und einer Sache, die bereits von einer anderen Rezensentin angesprochen wurde, möchte ich mich ebenfalls anschließen. Etliche der Formulierungen haben mich doch sehr gestört, es wurde ein Bild von Juden gezeichnet, das eventuell im Jahre 1933 Anklang fand, das jedoch zur heutigen Zeit einfach nicht mehr tragbar ist. Ich hätte mir schon zu Beginn des Romans eine klärende Stellungnahme des Verlags gewünscht, beziehungsweise einen deutlichen Hinweis auf die zur Zeit der Veröffentlichung herrschende Fehlgesinnung. Nach Beenden der Geschichte hatte ich erwartet, wenigstens einen solchen Abschnitt im Nachwort zu finden, doch blieben diese antisemitschen und auch rassistischen Äußerungen unkommentiert. 
An sich fand ich die Geschichte ganz unterhaltsam und durchaus spannend, doch über den Tonfall der Autorin ärgerte ich mich zu sehr, um das Buch wirklich genießen zu können.  

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-nicole-s avatar

Rezension zu "Das Geheimnis der Grays" von Anne Meredith

Ein lesenswerter Weihnachtskrimi
-nicole-vor 3 Tagen

Das Porträt eines Mörders…

England, im Jahr 1931: Wie jedes Jahr im Dezember lädt Adrian Gray - das Familienoberhaupt der Grays – seine sechs Kinder samt Anhang in sein abgelegenes Landhaus in King’s Poplar ein. Auch wenn die Verhältnisse zwischen dem Vater und den bereits erwachsenen Kindern etwas angespannt ist und auch durchaus Hass in der Luft liegt, kommen sie alle – denn alle sind auf Adrians Geld aus. Den Heiligabend verbringen noch alle Familienmitglieder zusammen – doch am Weihnachtsmorgen wird das Familienoberhaupt tot aufgefunden – ermordet. Schnell stellt sich die Frage: Wer von seinen Kindern ist zu so einer Tat fähig?

„Das Verbrechen geschah aus dem Augenblick heraus, ohne Vorsatz, und der Mörder, noch nicht beunruhigt, geschweige denn verängstigt, stand nur stumm da, starrte ungläubig die Waffe auf dem Tisch an und sah dann zu dem Toten hin, der im Halbdunkel am Fuß der schweren Vorhänge lag.“
– Seite 8, eBook

„Das Geheimnis der Grays“ erschien erstmals im Jahre 1933 und nun, 2018, zum ersten Mal auf Deutsch. Es ist ein klassischer, weihnachtlicher Kriminalroman, der eine ganz besondere Note hat. Der Inhalt ist schnell erzählt: Adrian Gray lädt seine sechs erwachsenen Kinder über die Weihnachtsfeiertage zu sich in sein abgelegenes Landhaus ein – sie alle verstehen sich nicht sonderlich gut mit ihm. Am ersten Weihnachtstag wird er ermordet in seiner Bibliothek aufgefunden. Wer von den Geschwistern hat sich zu einem Mord hinreißen lassen? Zunächst lernt man sowohl den siebzigjährigen Adrian Gray und seine Marotten kennen, danach seine sechs Kinder und deren Anhang. Jeder von ihnen führt ein Leben, in dem nicht alles perfekt ist – nur das nicht gerade freundschaftliche Verhältnis zum Vater haben sie gemeinsam. Der Handlungsverlauf ist besonders: Denn nachdem man alle Charaktere kennen gelernt hat, schildert plötzlich der Täter den Tatverlauf selbst – so ist man als Leser schnell im Bilde und kann nun mit verfolgen, wie die Ermittlungen laufen und ob der Mörder doch noch überführt wird. Dieses ist ungewöhnlich, aber doch spannend geschrieben. Auch im sehr lesenswerten Nachwort findet man noch interessante Fakten über den Roman und seine Autorin. Ab und an gibt es kleinere Längen, besonders im ersten Drittel, doch danach wird es von Seite zu Seite interessanter. Es ist kein rasanter Krimi, aber auf psychologischer Ebene sehr spannend.

„Im Haus waren die beunruhigenden nächtlichen Geräusche alter Häuser zu vernehmen. Türen knarrten, die leeren Flure und die dunkle Treppe schienen von namenlosen Leben erfüllt, und einmal glaubte Miles geisterhafte Schritte zu hören, die vor seiner Tür innehielten, doch das tat er schnell als Einbildung ab.“ – Seite 46, eBook

Mein Fazit: Ein schöner, klassischer Weihnachtskrimi, der mit einer besonderen Note überzeugt. Ganz im Stil von Agatha Christie hat Meredith Anne hier einen Krimi erschaffen, der sich psychologisch spannend und interessant entwickelt. Die Charaktere lernt man sehr gut kennen und bekommt einen detaillierten Einblick in deren Leben. Bis auf Kleinigkeiten hat mir hat dieser Krimi mit seinem nostalgischen Charme gut gefallen. Perfekt für die Vorweihnachtszeit!

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Goch9s avatar

Rezension zu "Das Geheimnis der Grays" von Anne Meredith

Welches Geheimnis?
Goch9vor 3 Tagen

          Weihnachtsabend 1931, Adrian Gray reiches, aber geiziges Oberhaupt der Grays, versammelt seine gesamte Familie bestehend aus 6 Kindern nebst Anhang in seinem verschneiten Landsitz King’s Polar. Alle sind gekommen, zwar heillos zerstritten, aber mit der Hoffnung auf finanzielle Unterstützung bzw. Rettung durch ihren Vater bzw. Schwiegervater.
Am nächsten Morgen wird Adrian Gray ermordet auf gefunden, getötet von einem seiner Söhne. Das Drama der gegenseitigen Schuldzuweisungen und Verdächtigungen kann beginnen.

Selten habe ich mich in der Einschätzung eines Buches aufgrund der Leseprobe so vertan wie dieses Mal. Ich habe einen vielleicht etwas verstaubten englischen Krimi in der Tradition von Agatha Christie und Dorothy L. Sayers erwartet. Vielleicht hätte mir der Originaltitel „Portrait of a Murderer“ geholfen.

Das Geheimnis der Grays habe ich nicht gefunden, wohl aber viele sehr ausführliche Portraits jedes einzelnen Familienmitglieds. Die Not der Bittsteller war groß. Der Mord passierte unvorbereitet und unerwartet. Was folgte war dann eigentlich nur noch ein Portrait des Mörders und eine lange Reflektion aus der Perspektive des Mörders. Für einen Krimi war mir das einfach zu langatmig.

Was mich dagegen im Laufe des Roman immer mehr aufgebrachte, war die klischeehafte Charakterisierung der Kinder und Schwiegersöhne/Töchter. Insbesondere ist mir die Beschreibung von Eustace aufgefallen. Als Jude ist er der Betrüger, der viele seiner Kunden in den Selbstmord getrieben hat. Ihm werden judenverachtende und diskriminierende Eigenschaften zugeschrieben. Und das in einer Art und Weise, die mir ein mulmiges und unwohles Gefühl bereitet haben.

Im Nachwort hätte sich der Verlag, trotz diverser Lobhudeleien, von dieser judenfeindliche Gesinnung der Autorin distanzieren können.

Vielleicht akzeptierte die Leserschaft 1931 judenverachtende Beschreibungen in Romanen, heute bin ich nicht dazu bereit, das kommentarlos hinzunehmen.

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