Anne Michaels

 4 Sterne bei 73 Bewertungen
Autor*in von Fluchtstücke, Wintergewölbe und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Anne Michaels ist eine international ausgezeichnete Autorin. Ihre Werke wurden in mehr als fünfundvierzig Sprachen übersetzt. Von 2015 bis 2019 war Anne Michaels die literarische Botschafterin Torontos. ›Die Abenteuer der Miss Petitfour‹ ist ihr erstes Kinderbuch.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Anne Michaels

Cover des Buches Fluchtstücke (ISBN: 9783827079695)

Fluchtstücke

(40)
Erschienen am 02.11.2017
Cover des Buches Wintergewölbe (ISBN: 9783833306587)

Wintergewölbe

(14)
Erschienen am 24.04.2010
Cover des Buches Die Abenteuer der Miss Petitfour (ISBN: 9783961770632)

Die Abenteuer der Miss Petitfour

(10)
Erschienen am 21.08.2020
Cover des Buches Zeitpfade (ISBN: 9783827014955)

Zeitpfade

(3)
Erschienen am 26.09.2024
Cover des Buches Fluchtstücke (ISBN: 9783499231841)

Fluchtstücke

(3)
Erschienen am 01.01.2001
Cover des Buches Fluchtstücke (SA) (ISBN: 9783827009234)

Fluchtstücke (SA)

(2)
Erschienen am 28.10.2009
Cover des Buches Fugitive Pieces (ISBN: 9780747599258)

Fugitive Pieces

(0)
Erschienen am 26.02.2009

Neue Rezensionen zu Anne Michaels

Cover des Buches Held: Longlisted for the Booker Prize 2024 (ISBN: 9781526659118)
Johanna_Bes avatar

Rezension zu "Held: Longlisted for the Booker Prize 2024" von Anne Michaels

Johanna_Be
Fragmente eines Familienromans

"The shadow of a bird moved across the hill; he could not see the bird." Er kann nur den Schatten sehen, weiß aber, da war mit Sicherheit ein Vogel.  In Michaels‘ Buch geht es um Erkenntnis jenseits des Sichtbaren, innige Verbindungen, Zusammenhalt auch über den Tod hinaus, um Erinnerungen, mystische Erfahrungen, auch solche, die der Naturwissenschaft zu widersprechen scheinen.

Der, von dem zu Beginn die Rede ist, liegt 1917 in einem französischen Schützengraben und kehrt dann versehrt an Leib und Seele zu seiner Frau nach England zurück. Mit ihm beginnt der vielstimmige Generationen-Roman, der später vorwiegend Frauen ins Zentrum rückt.

Von einem Familienroman, der sich über mehr als ein Jahrhundert von 1910 bis 2025 erstreckt, erwartet man epische Breite und farbige Charakterzeichnung. Nichts davon in Anne Michaels‘ Roman „Held“. Sie bricht mit dem Genre. In der deutschen Übersetzung ist der Roman unter dem Titel „Zeitpfade“ im Berlinverlag erschienen. 2024 war er auf der Shortlist für den Booker Prize.

Michaels zerhackt die Chronologie, bietet Bruchstücke, Gedankenfetzen, schöne Bilder, lyrische Träumereien und naturwissenschaftliche Fragmente, Pathetisches und Gewöhnliches, preziöse Sentenzen und poetische Bilder. Kaum Handlung, viel Betrachtung. Zusammengehalten wird das durch die Lebensläufe und Erfahrungen der Figuren, die mehr oder weniger lose miteinander verbunden sind. Am Rand tauchen historische Figuren auf: der Physiker Ernest Rutherford und die Curies, ein spiritistisches Medium.

Einerseits bewunderungswert, wenn Michaels  in Bildern erzählt. Andererseits sperrig und manchmal nicht nachvollziehbar in ihren knappen philosophischen Einlassungen, von denen man oft nicht weiß, wem man sie zuordnen soll: den Figuren oder der Autorin?

Ein gemischtes Vergnügen.

Cover des Buches Zeitpfade (ISBN: 9783827014955)
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Rezension zu "Zeitpfade" von Anne Michaels

HansDurrer
Der Erinnerung auf der Spur

Dieser Roman spielt zwischen 1908 (Rue Gazan, Paris) und 2025 (Finnischer Meerbusen) und ist unter anderen auch John Berger (den ich zu den unabhängigsten und aufmerksamsten Kommentatoren der Fotografie zähle) gewidmet, weswegen ich die Lektüre denn auch ausgesprochen positiv angehe. Gleich zu Beginn stosse ich auf Sätze, die mein Weltverständnis besser ausdrücken als fast alles, was mir gegenwärtig präsent ist. "Er hielt das Geheimnis, das allem innewohnte, nicht für formlos oder vage oder für eine Unstimmigkeit, sondern für das, was in uns Raum liess für etwas klar Umrissenes. Er war nicht der Meinung, dass man diesen Raum mit Religion oder Wissenschaft ausfüllen musste, denn er sollte ganz und gar unberührt bleiben; wie Stille, Sprachlosigkeit oder die Dauer."

Robert ist mit einem lahmen Bein aus dem Krieg zurückgekehrt. Helena überredet ihn, einen Assistenten für das Fotostudio einzustellen, jemand, der sich mit den Chemikalien und Verfahren auskannte, der wusste, wie man Lichter und Requisiten wirkungsvoll einsetzte. Robert Stanley hat zwar keine Erfahrung, doch er lernt schnell.

Das Fotostudio erfreut sich reger Kundschaft, vor allem Familienporträts sind gefragt, man zeigt sich im besten Licht, will einen Beweis dafür, dass man den Krieg überlebt hat. Nicht die Wirklichkeit soll abgebildet werden, sondern wie man sich entschieden hat, diese Wirklichkeit zu sehen.

Eines Tages fotografiert John einen jungen Mann. Er weiss, dass die Kamera oft Dinge sieht, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben, doch dass da plötzlich eine ihm unbekannte Frau auf den Abzügen zu sehen war, widersetzt sich jeder Erklärung. Der junge Mann sagt, es handle sich um seine verstorbene Mutter. Sind die Toten vielleicht unter uns?

"Die Toten zeigen uns auf viele Arten, dass sie bei uns sind. Manchmal bleiben sie absichtlich fern, um sich durch ihre Wiederkehr bemerkbar zu machen. Manchmal bleiben sie an unserer Seite und gehen dann, um zu zeigen, dass sie bei uns waren. Manchmal führen sie einen Hirsch zum Friedhof, setzen einen Rotkardinal auf den Zaun, bringen ein Lied im Radio, sobald wir es anmachen. Manchmal bringen sie Schnee."

Zeitpfade besticht durch Wahrnehmungen, die sich uns dann erschliessen, wenn wir unsere vorgefertigten Gedanken, die das, was wir sehen, beiseitelassen und uns einfach dem hingeben, was ist. "Wie können wir die Existenz all dessen, was ist, infrage stellen? Wie können wir Unsichtbarkeit mit Inexistenz ins eins setzen?" Uns ist die Möglichkeit gegeben, zu lernen, uns dem Zauber des Unbegreiflichen hinzugeben.

1951, in London, entdeckt Helena ihr Maltalent. Und sie nimmt wahr, dass vieles, das sie weiss, nicht in Worten ausgedrückt werden muss. Zudem lernt sie, das Ungewohnte zu schätzen. "... sie wusste, dass gerade etwas passiert war, ohne zu wissen, was es zu bedeuten hatte ...". .

Dieser Roman wird nicht chronologisch erzählt, auch weil das, von dem hier erzählt wird, sich nicht in den uns vertrauten Kategorien von Zeit, Sprache und Raum fassen lässt. "Maras Erfahrung nach war das Übernatürliche nichts anderes als die Präsenz des Guten, die Liebe, die sich vom Leichnam freibrennt; es ist immer die Liebe, die dem Wüten der Menschheit zu entkommen versucht."

Zeitpfade setzt sich auf vielfältige und sehr behutsame Weise mit der Erinnerung auseinander, weshalb denn  auch die Fotografie eine zentrale Rolle spielt. "Man benötigt keine Kamera, um zu sehen oder sich zu erinnern", sagte er, "aber man braucht sie, um das zu belegen, was vergangen ist – damit andere sich erinnern."

Der Fotografie eignet etwas Geheimnisvolles. Fotos können ganz Unterschiedliches auslösen, doch nichts davon ist wirklich fassbar, vor allem nicht die Sehnsucht, die einige Fotografien hervorrufen können. "Es geht ums Besitzen, dachte sie, um die Anerkennung dessen, was uns niemals gehören kann, eigentlich steht uns diese Sehnsucht nicht zu, und trotzdem erzeugt das Sehen eine Erinnerung oder gewährt eine Erinnerung oder bestätigt eine Erinnerung (...) Vielleicht stirbt die Erinnerung, wenn wir sterben. Vielleicht verdunstet sie und hinterlässt ihr Salz. Wenn jemand stirbt, verändert sich sogar die Luft."

Nichts entzieht sich uns mehr als die Erinnerung, nichts ist unerklärlicher und mysteriöser. Selten wurde das poetischer gezeigt als in Zeitpfade.

Cover des Buches Zeitpfade (ISBN: 9783827014955)
yellowdogs avatar

Rezension zu "Zeitpfade" von Anne Michaels

yellowdog
Durch die Zeiten gerauscht

Zeitpfade der kanadischen Schriftstellerin Anne Michaels überzeugt durch einen eleganten Stil, der poetische Momente hat und die schwebende Atmosphäre der Vergangenheit transportieren kann.


Anne Michaels folgt keiner konventionellen Handlung, aber sie zeigt mehrere Generationen einer Familie

Der Roman deckt einen großen Zeitraum ab, beginnend 1917 auf einem Schlachtfeld des ersten Weltkriegs, dann die Rückkehr des verletzten Soldat John zu seiner späteren Frau Helena. Er widmet sich der Fotografie. Ein geheimnisvolles Element kommt hinzu, als in den Fotos, die John macht, verstorbene zu sehen sind. Es sind die Angehörigen der Menschen, die John fotografierte. Ein Element, dass leider nicht komplett verfängt.


Mehrere Generationen werden noch gezeigt. Die Tochter Anna, die Enkelin Mara, ihr Freund Alan und weitere Figuren, die nicht sofort zuordenbar sind. Zudem wird sehr in den Zeiten vor- und zurück gesprungen. Dadurch wird es bald etwas zu fragmentarisch, auch wenn fast alle Passagen stark geschrieben sind.


Zeitpfade ist ein Roman, der abseitig der Lesekonventionen etwas wagt und den Leser dabei fordert.

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