Leinsee

von Anne Reinecke 
4,2 Sterne bei91 Bewertungen
Leinsee
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Positiv (71):
Nimmer_Satts avatar

Ich wurde gefühlsmäßig endlich mal wieder gezwungen, meine Komfortzone zu verlassen. Ein wirklich starkes Debüt!

Kritisch (5):
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Ein schwierig zu lesendes Buch, aber zwischendurch interessant

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Inhaltsangabe zu "Leinsee"

Karl ist noch nicht einmal 30 und hat sich schon als Künstler in Berlin einen Namen gemacht. Er ist der Sohn von August und Ada Stiegenhauer, ›dem‹ Glamourpaar der deutschen Kunstszene. Doch in der symbiotischen Beziehung seiner Eltern war kein Platz für ein Kind. Nun ist der Vater tot, die Mutter schwer erkrankt. Karls Kosmos beginnt zu schwanken und steht plötzlich still. Die einzige Konstante ist ausgerechnet das kleine Mädchen Tanja, das ihn mit kindlicher Unbekümmertheit zurück ins Leben lockt. Und es beginnt ein Roman, wild wie ein Gewitter, zart wie ein Hauch.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257070149
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:368 Seiten
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:28.02.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 28.02.2018 bei Diogenes erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    Abacaxis avatar
    Abacaxivor 5 Tagen
    Kurzmeinung: Schöne Sprache, anstrengende Geschichte
    Kein bleibender Eindruck

    Kann man das hier als Künstlerroman bezeichnen? Vielleicht. Was es auf jeden Fall ist, ist die Geschichte eines jungen Mannes, der Künstler geworden ist und sich im Verlauf dieser Seiten sowohl mit seiner Kunst als auch mit der schwierigen Beziehung zu seinen Eltern auseinandersetzen muss. 
    Ich bin leider bis zum Ende nicht so recht mit dem jungen Mann, Karl heißt er, warm geworden. Vielleicht lag es daran, dass ich mich selbst in so einer Künstlerszene nicht wirklich wohl fühlen würde. Vielleicht daran, dass mir weder er oder sonst jemand in diesem Roman sonderlich ans Herz gewachsen ist. 
    Der Roman ist jedenfalls flott zu lesen. Die Geschichte stockt nicht oder ist unnötig in die Länge gezogen, die Autorin weiß eindeutig mit der deutschen Sprache umzugehen. Nur habe ich bis zum Schluss auf den Punkt gewartet, an dem ich einfach weiterlesen muss, weil ich unbedingt erfahren will, wie es weiter geht…dieser Punkt kam leider nie, beendet habe ich den Roman trotzdem. Einen bleibenden Eindruck hat er allerdings nicht hinterlassen.

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    Nimmer_Satts avatar
    Nimmer_Sattvor 19 Tagen
    Kurzmeinung: Ich wurde gefühlsmäßig endlich mal wieder gezwungen, meine Komfortzone zu verlassen. Ein wirklich starkes Debüt!
    Anne Reinecke blickt über den Tellerrand hinaus


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    leserattebremens avatar
    leserattebremenvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Beeindruckende Geschichte über Eltern und Kinder, Egoismus, Sehnsucht und Liebe.
    Flucht nach "Leinsee"

    Carl hat ein schwieriges Verhältnis zu seinen Eltern. Die berühmten Künstler hatten selten Zeit für ihn, früh kam er auf ein Internat und hat sich später in der Kunstszene unter anderem Namen selbst durchgesetzt. Als seine Mutter erkrankt und sein Vater sich das Leben nimmt, kommt Carl zurück nach „Leinsee“ und beginnt, das Refugium seiner Eltern für sich zu entdecken. Dabei lernt er Tanja kennen, ein kleines Mädchen aus der Nachbarschaft, die ihn mit ihrer besonderen Art fasziniert.
    Anne Reineckes erster Roman „Leinsee“ setzt sich intensiv mit Carls Beziehung zu seinen Eltern und deren Aufarbeitung auseinander. Das idyllische Haus am Leinsee, in dem seine erfolgreichen Eltern lebten und arbeiteten, steht dabei fast sinnbildlich für eine Welt, aus der er als Sohn stets ausgeschlossen blieb. Der Kontakt war nur spärlich, die Eltern hatten einfach kein Interesse an dem Sohn, die Kunst war weit wichtiger und ihr Erfolg überragend. Das kritische Kinderauge analysierte schon damals mit bitterem Blick die Oberflächlichkeit, die sich hinter der Inszenierung der Eltern verbarg, doch als Erwachsener sieht sich Carl dennoch in der Pflicht und kann sich nicht von der kranken Mutter abwenden. Anne Reinecke beschreibt Carls Gedanken und Gefühle sehr intensiv und lässt einen als Leser ganz nah heran an die Figur und ihre Auseinandersetzungen. Dabei würde ich Carl keineswegs als uneingeschränkt sympathische Hauptfigur bezeichnen, er ist teilweise sehr egoistisch und verschroben und macht es seinem Umfeld sehr schwer, an ihn heranzukommen. Doch für den Leser ebnet Reinecke diesen Weg, der seiner Freundin Mara beispielsweise versperrt bleibt und so erfährt man mit Carl gemeinsam wie es für ihn ist, das neue Verhältnis zu seiner Mutter aufzubauen, das zunächst seltsam anmutet, dann aber wie eine zweite Chance für die beiden erscheint. Und auch mit Tanja gibt es neue Chancen, ihre faszinierende Beziehung erwachsen werden zu lassen.
    „Leinsee“ ist ein faszinierender Roman, auf den man sich von der ersten Seite an einlassen muss, um sich von Carl bewegen und mitziehen zu lassen in seine Welt am Leinsee, die so anders sein soll als die seiner Eltern. Ein tolles Buch und ein äußerst gelungenes Debüt. 

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    Naburavor 4 Monaten
    Suche nach einem eigenen Platz in der Welt

     In „Leinsee“ von Anne Reinecke begleitet der Leser den Protagonisten Karl von Berlin zurück in die titelgebende Heimat, wo die Mutter schwer krank ist und der Vater sich das Leben genommen hat. Im Leben seiner berühmten Künstler-Eltern war nie wirklich Platz für ihn. Jetzt wird er im leeren Elternhaus von Erinnerungen eingeholt und muss sich entscheiden, wie er weitermachen will. So recht will er noch nicht zurück nach Berlin zu Mara und der städtischen Kunstszene, die ihn für seine Vakuumkunst bewundert. In Leinsee entsteht eine besondere Freundschaft zu einem Mädchen aus der Nachbarschaft, das sich immer wieder in seinen Garten schleicht und dem er bald kleine Geschenke hinterlässt. Besonders gut gefallen hat mir die bildhafte Sprache der Autorin sowie die kreativen Überschriften, die Karls Gefühlsleben farblich wiederspiegeln. Ein absolut gelungener Roman über Entwicklung und Erinnerungen, Erwachsenwerden und Wieder Kind sein wollen sowie der Suche nach einem eigenen Platz in der Welt.

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    YukBookvor 4 Monaten
    Zauberhafter Künstlerroman

    Ein Selbstmord in der Familie ist nur schwer zu verkraften. Bei Karl Stiegenauer, Hauptfigur dieses Romans, ist die Sache jedoch weitaus komplizierter. Sein Vater August hat sich erhängt, weil er ohne seine Frau Ada, die an Krebs erkrankt ist, nicht mehr leben wollte. Er konnte ja nicht ahnen, dass sie die Operation überlebt. Im Leben dieses berühmten Künstlerpaars war für Karl schon als Kind kein Platz. Kein Wunder, dass ihn die Rückkehr in sein Elternhaus in Leinsee überfordert.

    Der einzige Halt für ihn ist die achtjährige Tanja, die eines Tages ganz plötzlich im Kirschbaum seines Gartens sitzt und ihn beim Entrümpeln beobachtet. Gerade weil Karl sein Leben im Moment so absurd und surreal vorkommt, passt die Erscheinung des Mädchens, das lauter verrückte Dinge anstellt wie Steinformationen in seinem Garten zu bilden, so gut ins Bild.

    Ich war ganz fasziniert von der ungewöhnlichen Beziehung, die sich langsam zwischen ihnen aufbaut. Es bedarf keiner Worte – allein die Präsenz des anderen in der Nähe zu spüren macht die beiden glücklich. Die Rückkehr in seine Heimat und die Begegnung mit Tanja bringt Karl nicht nur dazu, sich den Erinnerungen an eine einsame Kindheit zu stellen, sondern entfacht auch sein künstlerisches Schaffen.

    Der Roman hat mich auf der ganzen Linie begeistert: die gut ausgearbeiteten, teils skurrilen Figuren, allen voran der eigenbrötlerische und doch sympathische Karl, der seinen Lebenssinn und seine Heimat neuentdeckt, die Seitenhiebe auf die sich wichtig nehmende Kunstszene und den Promikult, der schwarze Humor (selten wurde ein Polizeibesuch so ungemein witzig beschrieben), Reineckes prägnante und der Situation angepassten Sprache, aber vor allem die bezaubernde Poesie, die sich in der abstrusen und tragikomischen Handlung entfaltet.

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    Gwendolyn22s avatar
    Gwendolyn22vor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Zarte Erzählweise, sprachliche Bilder, die mitreißen, Skurrilität und am Ende zu Tränen rührend! Ich bin beeindruckt!
    Diese Charaktere möchte ich kennenlernen!

    Anne Reinecke hat hier ein - wie ich finde - grandioses Debüt vorgelegt.

    Die Story ist mitunter skurril, zieht sich für meinen Geschmack im Mittelteil etwas, ist aber durch die Sprache und die Erzählgewalt (-anders kann man es nicht nennen-) so wunderschön und einzigartig und dabei doch so zart, dass man keine Sekunde der Lektüre bereut und sich ständig neue Bilder vor dem inneren Auge des Lesers ergeben.

    Das Ende hat mich stark berührt, die  - für mich- durchaus zu Beginn schon zarte Andeutung bzw. Ahnung bekam Konturen und daher lässt mich diese Buch sehr beeindruckt zurück.

    Empfehlenswert!

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    schokokaramells avatar
    schokokaramellvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Eine ganz besondere Beziehung zwischen den Jahren. Wunderschön geschrieben und macht nachdenklich
    Eine einzigartige Freundschaft

    Diesmal war es ein einzelnes Kind. Es saß im Kirschbaum und sah ihn an. Karl schloss die Augen und öffnete sie wieder. Es war wirklich da, und es schaute immer noch.


    Die erste Begegnung von Karl und Tanja ist so ungewöhnlich, wie es die weiterer Beziehung der beiden bleibt. Nachdem Karls Vater verstorben ist kehrt er in seinen Heimatort Leinsee zurück und findet dort in der 8jährigen Tanja ein Freundin die ihm und dem Leser einen wichtigen Grund gibt um in Leinsee zu verweilen.

    Bücher in denen ungewöhnliche Freundschaften zwischen Kindern und Erwachsenen thematisiert werden, gibt es viele. Doch so recht überzeugen konnte mich bisher noch keines. Meist lief es auf eine Auflösung hinaus, in der das Kind nur in der Fantasie des Protagonisten entstanden war oder gar sein früheres ich verkörperte. Die Beziehung zwischen Tanja und Karl hingegen ist echt und auf eine wunderschöne Art magisch. Durch sie wird Karl zu einer besseren Version seiner selbst. Zumindest scheint es mir so.

    Die Charaktere, die Kulissen. Alles wirkt irgendwie skurril und doch so stimmig, dass man sich fühlt, als würde man mit Tanja und Karl an einem Tisch sitzen und Kirschkuchen essen. Anne Reinicke führt uns in eine Welt, die man so schnell nicht wieder verlassen mag. Teilweise sehr melancholisch, habe ich etwas gebraucht um das Buch zu lesen. Es ist keines, dass man an einem Tag verschlingt, dafür denkt man später aber umso länger darüber nach.

    Ob mir die Entwicklung ab dem zweiten Teil des Buches gefällt kann ich nach wie vor noch immer nicht so recht sagen. Ich war geschockt, dass so viel Zeit verstrichen ist, in der Karl nicht in Leinsee ist und etwas sehr verwundert über die Wendungen, als er zurückkehrt. 

    Das Ende ist dann aber genau so, wie es sein sollte. Jedes andere hätte nicht gepasst und machte meine Zweifel die ich zwischenzeitlich hatte zunichte. 

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    Blausterns avatar
    Blausternvor 4 Monaten
    Leinsee

    Karl ist der Sohn des berühmtesten Künstlerpaares in Deutschland. August und Ada Stiegenhauser. Doch er hat seine Eltern ewig nicht gesehen und ist selbst zum guten Künstler geworden und steht kurz vor dem großen Durchbruch. Ohne die Hilfe seiner Eltern oder ihren Namen. Vor dem wollten sie ihn sowieso Zeit seines Lebens schützen. Angeblich wurde er deshalb ins Internat abgeschoben. Doch seine Eltern wollten sich ganz einfach von ihm erlösen, da sie sich immer selbst genug waren und ihr Sohn dabei nur störte. Das merkte Karl bei jedem der Besuche, die immer seltener wurden, bis es Karl dann genug war. Und nun erhält er die Nachricht vom Tod seines Vaters, der sich erhängt hat, weil die Mutter gerade eine Hirn-OP hat und diese wahrscheinlich nicht überleben wird. Doch sie hat überlebt, und Karl reist zu ihr. Dann hält sie Karl für ihren geliebten Mann August, und Karl spielt mit. Endlich erhält er die Liebe seiner Mutter, wenn auch auf ungewöhnliche Weise. Wie gut, dass es für Karl noch die 8jährige unbefangene Tanja gibt, die ihm in seinem Gefühlschaos auf andere Gedanken bringt.
    Eine merkwürdige Geschichte eines Mannes, der zwar schon Ende zwanzig ist, aber sich immer noch benimmt und fühlt wie ein kleiner Junge und dessen Handlungen man trotz seiner traurigen Familiengeschichte nicht immer nachvollziehen kann. Verstehen kann man allerdings sein Verhältnis zu seinen Eltern nachdem sie ihn so im Stich gelassen haben und alle Verantwortung von sich schoben. Allerdings macht die Geschichte trotzdem nachdenklich. Was, wenn Eltern mit einem Kind nichts anfangen können, wenn es ihre Beziehung stört. Lieber Adoption? An dem Abschiedsbrief des Vaters ist zu erkennen, dass er nie was begriffen hat. Karl ist dadurch geprägt und nicht zu ändern. Das muss auch seine Freundin feststellen. Die Sprache ist anders, aber schön. Passt zu der Künstlerszene. Schon allein die genialen Kapitelüberschriften. Kirschviolett … Eine gefühlsbetonte Geschichte mit viel Tiefe.

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    Antonellas avatar
    Antonellavor 5 Monaten
    Zweimal Erwachsenwerden - ein bisschen skurril und sprachlich grandios

    Karl ist Ende zwanzig und steht als Künstler vor seiner ersten großen Ausstellung in Berlin. Da erhält er die Nachricht vom Suizid seines  Vaters und dem bevorstehenden Tod seiner Mutter. Er reist nach Leinsee, dem Ort, an dem er nur wenige, unglückliche Kindheitsjahre verbracht hat. Seine berühmten Künstlereltern haben wenig Raum für ein Kind in ihrer Beziehung gehabt und  ihn sehr früh unter fremdem Namen in einem  Internat untergebracht, angeblich um ihn vor der Öffentlichkeit zu schützen. Doch Karl fühlte sich nur abgeschoben und hat mit zwanzig Jahren den Kontakt zu Ada und August Stiegenhauer abgebrochen.

    Allein an dem Ort, der einst sein Zuhause war, spürt er noch stärker seine Einsamkeit. Bestätigt wird die Beziehungslosigkeit zwischen Sohn und Eltern noch durch einen ausgesprochen brutalen Abschiedsbrief, den sein Vater vor seinem Suizid an Karl geschrieben hat. Karl hat zwar keine Möglichkeit mehr, die Beziehung zu seinem Vater zu verändern, doch völlig unerwartet bietet sich  diese Gelegenheit bei seiner Mutter Ada. Entgegen aller Prognosen hat sie eine Gehirn-OP überstanden und freut sich sehr, als Karl sie besucht.

    An dieser Stelle nimmt die ohnehin schon skurrile Geschichte eine noch bizarrere Wendung. Denn Ada sieht in Karl nicht ihren Sohn, sondern ihren jungen Ehemann. Schwer geschockt und sicher auch verletzt spielt Karl mit und genießt schließlich die gewonnene Zeit mit seiner Mutter…

    Gleich zu Beginn trifft der meist schwer alkoholisierte Karl auf dem Grundstück auf die achtjährige Tanja, mit der ihn bald eine eigenartige Beziehung verbindet. Anders als andere Kinder hat sie keine Scheu vor ihm und hält sich ganz selbstverständlich auf seinem Grundstück auf. Obwohl die Kommunikation zwischen beiden nonverbal  über kleine Geschenke stattfindet, kommen sich die beiden näher und Tanja spielt bald die größte Rolle im Leben des jungen Mannes.

    Leinsee ist ein skurriler Roman über das Erwachsenwerden zweier sehr unterschiedlicher Menschen. Da ist Tanja, das achtjährige Mädchen, das in dieser mindestens zwölf Jahre umfassenden Geschichte zur Frau wird, die sehr bewusst über ihr weiteres Leben entscheiden möchte. Und da ist Karl, der mit fast dreißig Jahren noch weit entfernt davon ist, ein erwachsener Mann zu sein. Erst der dramatische Einschnitt durch den Tod seines Vaters und etliche Jahre der Suche und Standortbestimmung  lassen aus dem extrem passiven Karl einen  erwachsenen Mann werden.

    Anne Reineckes Debut überzeugt durch eine unglaublich schöne Sprache mit ganz besonderen Wortschöpfungen. Passend zum Thema werden die sonst üblichen Kapitelüberschriften durch ungewöhnliche Farbbezeichnungen ersetzt, bei denen unweigerlich Bilder im Kopf entstehen, die ich so aus anderen Romanen nicht kenne. Auch wenn die skurrilen Szenen sicherlich manchmal an die Grenze der üblichen moralischen Vorstellungen gehen, sind sie nie geschmacklos. Nicht alles ist logisch, nicht jede Figur sympathisch, vielleicht auch der Verlauf nicht ganz überzeugend – trotzdem ist Leinsee allein wegen der Sprache und der Bildgewalt ein lesenswertes, schönes Buch.

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    walli007s avatar
    walli007vor 5 Monaten
    Farbenspiel

    Karl ist Sohn und er ist es nicht. Seine Eltern, ein bekanntes Künstlerehepaar, sind sich in der Ausübung ihrer Kunst genug. Karl war da irgendwie über und kam auch bald ins Internat. Später ist er selbst ein anerkannter Künstler. Es hat es aus sich selbst heraus geschafft. Als jedoch seine Mutter schwer erkrankt und sein Vater stirbt, macht sich Karl auf nach Leinsee, den Ort der Kunst, sein Elternhaus. Für Karl ist es keine einfache Heimkehr, zumal die Öffentlichkeit nun hinter sein Geheimnis gekommen ist. Mäßig berühmter Sohn sehr berühmter Eltern. Eltern, die nicht mehr präsent sind. Karl könnte verzweifeln, gäbe es nicht die sporadischen Begegnungen mit der 8jährigen Tanja,


    Wie ist es zwischen Eltern und Kindern, wenn die Lebens- und Beziehungsumstände sagen wir ungewöhnlich sind. Dieser Frage widmet sich Anne Reinecke mit ihrem gefühlvollen Erstlingswerk. Ein junger Mann, der wohl zurecht damit hadert, dass er als Kinde beiseite geschoben wurde. Von Eltern darf man möglicherweise schon etwas mehr erwarten als in relativ jungen Jahren ins Internat abgeschoben zu werden, oder? Und nun kann die Grübelei beginnen. Haben nicht auch die Eltern ein Recht auf Verwirklichung? und was ist, wenn sie sich selbst genug sind? Wäre es dann besser ein Kind wegzugeben oder nicht erst entstehen zu lassen? Wie wirkt es sich aus, wenn später die Eltern alt werden und der Hilfe bedürfen? Sicher können sie sich wünschen, dass ihr Kind sich kümmert. Einen Anspruch haben sie gewiss nicht. Doch Karl kümmert sich und hadert wieder. Der Vater hinterlässt einen kalten Abschiedsbrief, in dem er verzeiht und nicht einemal die Überlegung anstellt, ob er um Verzeihung bitten müsste. Die Mutter übersteht eine schwere Operation, doch sie erkennt Karl nicht, sie seiht nur ihren Mann. Die Begegnungen mit Tanja wirken wie kleine Fluchten. Sucht Karl ein Kind, bei dem er es besser machen kann?


    Vielleicht sind der Autorin beim Schreiben ganz andere Überlegungen in den Sinn gekommen. vielleicht ist die Art zu lesen von der persönlichen Situation des Lesers bestimmt. Doch obwohl man Karl eine umsorgtere Kindheit gewünscht hätte und ihn in seinen Wunsch, den Eltern gerecht zu werden, respektiert, so kann man nicht jede seiner Handlungen nachvollziehen. Man versucht, nicht allzu sehr zu werten und Karl so zu nehmen wie er ist, doch bei allem Verständnis fällt dies nicht immer leicht. Dennoch hinterlässt das phantasievolle Farbenspiel und die ruhige klare Sprache Anne Reineckes eine eindringliche Spur.


    3,5 Sterne

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    elane_eodains avatar
    Ein neues Jahr, in dem wir gemeinsam deutschsprachige Debütautorinnen und -autoren und ihre Bücher entdecken können!
    Ich bin es wieder, die Debüttante. ;-) und möchte wieder mit Euch gemeinsam Debütautoren entdecken, zusammen ihre Bücher lesen, rezensieren und - wenn sie uns gefallen - weiterempfehlen. Bei den vielen Neuerscheinungen in jedem Jahr haben es deutschsprachige Debütautoren schwer sich zwischen Bestsellerautoren und Übersetzungen durchzusetzen. Wir können uns ganz bewusst gemeinsam daran versuchen das zu ändern und entdecken sicher wieder besondere Buchperlen!

    Ablauf der Debütautorenaktion:

    Es geht darum, möglichst viele Bücher deutschsprachiger Debütautoren zu lesen, also Bücher von Autoren, die erstmalig zwischen 1. Januar 2018 und 31. Dezember 2018 ein Buch/einen Roman (in einem Verlag) veröffentlichen.
    Von Seiten des lovelybooks-Teams werden wieder Leserunden und Buchverlosungen gestartet, die die Kriterien erfüllen, und auch Verlage und Autoren werden sicher wieder aktiv sein. Außerdem dürft Ihr selbst gerne Vorschläge machen.

    Begriffsdefinition: 'Debütautor/in' ist, wer bisher noch kein deutschsprachiges Buch veröffentlicht hat und im Jahr 2018 nun das erste Buch erscheint, dabei zählen sowohl Verlags- als auch Eigenveröffentlichungen.
    Ausnahmen bilden Romandebüts, das erste Buch in einem Verlag sowie das erste Buch unter dem eigenen Namen oder einem neuen Pseudonym, diese zählen ebenfalls. Keine Ausnahme wird gemachen, wenn der Erscheinungstermin vor 2018 lag.
    Wichtig:
    Alle Bücher, die im Debütjahr der Autorin/des Autors erscheinen, sind dabei. Das heißt, es können auch mehrere Bücher einer Autorin/eines Autors zählen, nicht nur das erste Buch. Es zählt also das gesamte Debütjahr der Autorin/des Autors.


    Ziel ist es 15 Bücher von Debütautoren bis spätestens 25. Januar 2019 zu lesen und zu rezensieren.


    Wie kann man mitmachen?

    Schreibt hier im Thread "Sammelbeiträge" einen Beitrag, dass Ihr mitmachen möchtet. Ich verlinke dann Euren Sammelbeitrag unter Eurem Mitgliedsnamen in der Teilnehmerliste. Bitte nutzt dann diesen von mir verlinkten Sammelbeitrag, um Euren Lesefortschritt mit allen Rezensionen von gelesenen Debüts festzuhalten, haltet diesen aktuell, denn nur anhand dessen aktualisiere ich wiederum die Liste. Die Teilnehmer- und die Punkteübersicht werde ich in unregelmäßigen Abständen aktualisiert. Wenn ich eine Aktualisierung durchgeführt habe, weise ich mit einem neuen Beitrag darauf hin.

    Informationen/Regelungen:

    • Ihr könnt Euch ab sofort hier für die Aktion anmelden, aber auch ein späterer Einstieg ist jederzeit möglich.
    • Es wird über das Jahr verteilt Leserunden und Buchverlosungen geben, bei denen Ihr Bücher gewinnen könnt, die hier zur Debütautorenaktion zählen. Somit kann sich ein Einstieg jederzeit noch lohnen. Natürlich könnt Ihr Euch die Bücher aber auch selbst kaufen oder anderweitig beschaffen, die Teilnahme an Leserunden/Buchverlosungen o. ä. ist nicht verpflichtend.
    • Eine Leserunde/ Buchverlosung o. ä. mit Beteiligung der Autorin/des Autors ist keine Bedingung, das heißt alle deutschsprachigen Debütbücher bzw. alle Bücher im Debütjahr der Autorin/des Autors, die in einem Verlag erschienen sind, zählen
    • Auch Debüts von 'Selfpublishern' zählen dazu. Das heißt, dass auch Debütautoren mit ihren Büchern zählen, die nicht in einem Verlag veröffentlichen. Für mich heißt das in der Organisation mehr Aufwand, da mehr Autoren und Bücher zu berücksichtigen sind, aber ausschließen ist doofer! ;-)
    • Hörbücherversionen der Bücher zählen ebenfalls.
    • Es ist nicht schlimm, solltet Ihr Euch für die Aktion anmelden und am Ende keine 15 Bücher schaffen. Ziel ist es doch vor allem tolle neue Autoren und Bücher kennen zu lernen.
    • Unter allen, die es schaffen 15 Bücher deutschsprachiger Debütautoren im Jahr zu lesen/zu hören und zu rezensieren, wird am Ende eine kleine Überraschung verlost, gesponsert von lovelybooks.
    • Bitte listet wirklich nur Rezensionen zu den an diesen Beitrag angehängten Büchern auf. Wenn Ihr eine/n Debütautor/in entdeckt, der/die hier noch nicht gelistet ist, aber zu den Bedingungen passt, schreibt mir bitte eine Nachricht und ich überprüfe das. Die Rezensionslinks aber bitte erst auflisten, wenn meine Zusage gemacht ist bzw. der/die Autor/in und die entsprechenden Bücher im Startbeitrag angehängt sind.
    • Habt bitte Verständnis dafür, wenn meine Antwort auf eine Anfrage mal etwas länger dauert. Ich betreue diese Aktion in meiner Freizeit und habe dementsprechend nicht jeden Tag ausreichend Zeit, um sofort zu reagieren. Aber ich gebe mir Mühe, versprochen!
    • Und noch einmal: Sollte ich Debütautoren, ihre Bücher, Leserunden oder Buchverlosungen übersehen, die hier eigentlich zählen müssten, dann habt bitte Nachsicht und weist mich einfach im passenden Bereich darauf hin. Wenn es passt, werde ich sie an den Starbeitrag anhängen bzw. die Aktion verlinken. Jede Unterstützung dahingehend ist mir sehr willkomen!
    Ich wünsche uns allen wieder viel Spaß & Freude beim Entdecken neuer Autoren und ihren Büchern, sowie beim gemeinsamen Plaudern & Weiterempfehlen! :-)
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    Aktuelle Leserunden & Buchverlosungen:

    - Leserunde zu "Gelobtes Land – HOOP" von Christine Heimannsberg (Bewerbung bis 20. September)
    - Leserunde zu "Hochsommer für die Liebe" von Jule Fuchs (ebook, Bewerbung bis 23. September)
    - Leserunde zu "Isargrauen" von Max Winter (Bewerbung bis 17. September)
    - Leserunde zu "Demian Darking" von J.F. Martin (Bewerbung bis 23. September) 
    Buchverlosung zu "Bäume pflanzen am Meeresgrund" von Elias Wittekind (Bewerbung bis 30.September)
    - Leserunde zu "Volle Socke Nick" von Wolf Vierblatt (Bewerbung bis 28. September)

    (HINWEISE: Zur besseren Übersicht lösche ich ältere Links nach und nach, alle Bücher bleiben aber unten angehängt, so dass man mit einem Klick auf ein Buch auch leicht die dazugehörige Lese-/Fragerunde/Verlosung finden kann. Die Angaben zur Bewerbungsfrist sind ohne Gewähr.)
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    Es zählen ausschließlich Bücher, die an diesen Beitrag angehängt sind bzw. im Laufe des Jahres angehängt werden, sowie die jeweiligen Hörbuchversionen davon, soweit vorhanden
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    Für Autorinnen & Autoren:

    Du bist Autorin/Autor und veröffentlichst in diesem Jahr dein erstes Buch? Du möchtest dich an der Debütautorenaktion beteiligen?
    Dann schreib bitte eine Mail an Daniela.Moehrke@aboutbooks.de für weitere Informationen!
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    PS: Natürlich darf hier im Thread munter geplaudert werden, dazu sind alle Leserinnen, Leser und (Debüt-)Autoren herzlich eingeladen.  
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    abas avatar

    "Wenn das Kind da war, ging es ihm am besten."

    Künstler sind etwas Besonderes, sie sind begabt, exzentrisch, oft kann man sie einfach nicht verstehen. Vor allem aber sind Künstler eins: nur Menschen.
    In ihrem Debütroman "Leinsee" porträtiert Anne Reinecke das Leben einer Berliner Künstlerfamilie, gewährt tiefe Einblicke in ihre Seelen und zeigt, was Liebe und Freundschaft bewirken können, wenn ein kleines Mädchen in Erscheinung tritt.
    Der Roman "Leinsee" wurde für den Debütpreis der LitCologne 2018 nominiert, und ihr habt jetzt die Chance, dieses Buch im Rahmen einer Leserunde kennenzulernen.

    Zum Inhalt
    Karl ist noch nicht einmal 30 und hat sich schon als Künstler in Berlin einen Namen gemacht. Er ist der Sohn von August und Ada Stiegenhauer, ›dem‹ Glamourpaar der deutschen Kunstszene. Doch in der symbiotischen Beziehung seiner Eltern war kein Platz für ein Kind. Nun ist der Vater tot, die Mutter schwer erkrankt. Karls Kosmos beginnt zu schwanken und steht plötzlich still. Die einzige Konstante ist ausgerechnet das kleine Mädchen Tanja, das ihn mit kindlicher Unbekümmertheit zurück ins Leben lockt. Und es beginnt ein Roman, wild wie ein Gewitter, zart wie ein Hauch.

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    Zur Autorin
    Anne Reinecke, geboren 1978, hat Kunstgeschichte und Neuere deutsche Literatur studiert und für verschiedene Theater-, Film- und Ausstellungsprojekte sowie als Stadtführerin gearbeitet. "Leinsee" ist ihr erster Roman. Für das Manuskript wurde sie mit einem Stipendium der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Berlin.

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    Noch mehr Videos zu "Leinsee" findet ihr in dieser Playlist.

    Zusammen mit Diogenes vergeben wir 50 Exemplare von "Leinsee" unter allen, die neugierig geworden sind und mit uns an einer Leserunde zu diesem besonderen Roman teilnehmen möchten.
    Habt ihr Lust, euch mit anderen Lesern über Karl und seine Geschichte auszutauschen und eine Rezension zu schreiben? Dann bewerbt euch* über den blauen "Jetzt bewerben"-Button bis zum 04.03., und antwortet auf folgende Frage:

    Das kleine Mädchen Tanja holt Karl ins Leben zurück.
    Wie, glaubt ihr, könnte es diesem Kind gelungen sein, das Leben eines Erwachsenen zu ändern?


    Einige Exemplare haben wir für Blogger reserviert. Gebt also bitte gegebenenfalls eure Blogadressen bei eurer Bewerbung mit!

    Ich freue mich auf eure Antworten und wünsche euch viel Glück!

    * Bitte beachtet vor eurer Bewerbung unsere Richtlinien für Buchverlosungen und Leserunden.

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