Manchmal muss es mal was anderes sein als ein Rezensionsexemplar und auch ältere Romane haben ihren Reiz. Im Zug der Neuverfilmung der Reihe „Chroniken der Vampire“ als Serie von Anne Rice wollte ich den 2.Band der Reihe „Der Fürst der Finsternis“ vorab lesen (zur Information gibt es anscheinend nicht als E-Book, habe nur Band 1 von 2021 als E-Book gefunden) also habe ich ein gebrauchtes Taschenbuch erstanden, naja eigentlich noch weitere 7 Bände für echt wenig Geld, Zustand ganz verschieden, dieser wurde wohl eingebunden aber hat einen kleinen Wasserschaden erlitten - es kommt aber auf den Inhalt an. Die „Mayfair Hexen“ sind als gebundene Bücher schon lange in meiner Hausbibliothek zuhause und gelesen.
Wer die Romane von Anne Rice schon gelesen hat kennt ihren Schreibstil: ab und an ein wenig langatmig dann geht es spannend weiter. Aber man kann sich trotzdem gut in die Gefühle und Handlungen hineinversetzen auch in das Setting – sie ist aber auch ein Kind ihrer Zeit wie viele andere Autoren/innen auch.
Über das Cover verliere ich jetzt lieber kein Wort, in der Zeit vor 35 Jahren bestimmt angesagt oder auch nicht.
Und um wenn geht es im 2.Band der Reihe, richtig um Lestat de Lioncourt, den wir alle aus ein „Interview mit einem Vampir“ kennen an der Seite von Louis der einem Reporter aus seinem Leben als Vampir berichtet (viel mehr Louis).
Wir erfahren etwas über die Vergangenheit von Lestat, wo und wie er aufgewachsen ist in der Auvergne in Frankreich als verarmter 7.Sohn einer Adelsfamilie im späten 17.Jahrhundert, seinem Umzug nach Paris und sein Leben dort anfangs als Mensch. Und dann wird er verwandelt in einer eher barbarischen Tat von Magnus zu einem Geschöpf der Nacht, der sich kurz danach verbrennt und Lestat als „frischen“ Vampir allein lässt. Er erlebt Schmerz, Verzweiflung und auch Wut auf seinen Schöpfer. Allerdings besitzt er jetzt dessen Reichtum (Geld und Diamanten). Er kauft das Theater, unterstützt seien Freund Nicholas und auch seine Familie. Dann kommt seine Mutter schwerkrank nach Paris und Nicholas wird von einem Vampirorden entführt. Lestat muss schwerwiegende Entscheidungen treffen als Vampir.
Auch kann man in diesem Band mehr über die Vorgeschichte des Coven um Armand und dessen Schöpfer Magnus erfahren, wir begegnen dem Herrscherpaar Akasha und Enkil. Was mich auch fasziniert hat ist die Geschichte von Lestats Mutter Gabriela, die nach ihrer Wandlung gänzlich aufblüht und eigentlich kaum noch eine mütterliche Rolle einnimmt, sondern eher die einer Gefährtin. Anhand der Tatsache, dass Lestat seien Mutter wandelt und sich davor so wegen deren Krankheit quält zeigt, welch enges Band die beiden miteinander verbindet und sie zeigt auch, dass Lestat gar nicht so ein Monster ist, wie in "Interview mit einem Vampir" dargestellt.
Lestat als Mann ist schön wie ein gefallener Engel, für seine Zeit mit 1,80 m groß und staatlich, wenn er lacht, bersten die Spiegel, doch seine Tränen sind bitter, und sein Lebenselixier ist – Blut. Ruhelos durchstreift der Gentleman-Vampir die Welt, bis er schließlich in New Orleans in einen todesgleichen Schlaf fällt, aus dem er erst in unserer Zeit wieder erwacht und ab hier taucht ihr selbst in die Welt von Lestat ein und erlebt ihn als Rockstar und Lebemann.
In diesem Roman werden nicht die heutigen Aspekte wie Glitzerhaut und mehr bedient, sondern die klassischen Anteile. Es geht darum Blut zu trinken, Vampir werden, sich in die Vampirgesellschaft zu integrieren, Vampir bleiben und das über Jahrzehnte und Jahrhunderte. Sich immer wieder neu zu erfinden, anzupassen an die neue Welt und seinen Platz in ihr finden.
Von mir 5 Sterne für diesen Roman der mehr oder weniger meine Lieblingsfigur der Reihe ins Rampenlicht holt.