„Immer wieder fehlt Zeit“ – dieser prägnante Satz bringt es inhaltlich auf den Punkt, was Anne Theiss in ihrem Herausgeberwerk an Beiträgen von unterschiedlichen Autor*innen zum Thema zusammengestellt hat. Spannend finde ich den Aufbau der einzelnen Kapitel, in Themen, die von der Kita-Krise über Personalmangel, Wiedereinstieg in den Beruf, über schlechte Arbeitsbedingungen für Frauen und Mütter im Besonderen, ungleiche Verteilung der Care-Arbeit, aber auch über politische Entscheidungen, finanzielle Themen und soziologische Sichtweisen sehr breit gefächert sind. Es ist kurzweilig und abwechslungsreich, teilweise pointiert, wie im Fall des Vaters, der sich nachdem sich seine Frau ausgeklinkt hat, mit Hilfe von Google über die Betreuung seiner Kinder informieren muss, aber auch Geschichten von Betroffenen, wie sie mit der Situation umgehen und wie sie es sich eigentlich vorgestellt hätten, falls sie sich im Vorhinein Gedanken gemacht haben. Der Grundtenor ist ehrlich, viele kratzen an der persönlichen Belastungsgrenze und gleichzeitig kämpfen sie finanziell ums Überleben. Kleine Gedankenanstöße zur Veränderung werden auch aufgezeigt, aber bis sich im Großen etwas verändern wird, wird es dennoch leider noch einige Zeit und viele engagierte Personen benötigen, die sich dafür stark machen.
Anne Theiss
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Anne Theiss
Rethinking Motherhood
Die Abwertung der Mütter
Neue Rezensionen zu Anne Theiss
In der 2025 erschienenen Anthologie "Rethinking Motherhood", herausgegeben von Anne Theiss, finden sich 19 verschiedene Beiträge unterschiedlicher Autor*innen rund ums Thema "Mutterschaft neu denken". Wobei hier nicht nur Mütter, sondern auch Väter sowie ein homosexuelles Väterpaar zu Wort kommen; daher sollte man vielleicht besser „Elternschaft“ statt Mutterschaft sagen.
Zu Wort kommen hier unterschiedliche Personen (die zugegebenermaßen fast alle recht priviligiert sind, was einer meiner wenigen Kritikpunkte hier ist). Es sind Mütter aus Kultur und Politik, Sport und den sozialen Medien. So unterschiedlich wie die Menschen sind auch die Beiträge. Gemeinsam haben sie jedoch, dass sie alle sehr persönlich verfasst sind und damit für mein Empfinden sehr authentisch sind.
Thematisch umfasst das Buch alles, was mit Mutterschaft/Elternschaft zu tun hat: Betreuungsangebote bzw. der bestehende Mangel an Betreuungsplätzen, Gesundheitsvorsorge, Arbeit und Karrierechancen, Elternzeit, Care Arbeit, Rollenbilder und so weiter.
Das Buch startet fulminant mit einem Beitrag von Mareike Fallwickl – allein schon deshalb ist das Buch meiner Meinung nach sehr lesenwert!
Sehr gut gefallen haben mir auch die Beiträge von Martin Speer & Vincent-Immanuel Herr, von Tillman Prüfer sowie von Axel Krüger & Graeme C. Lawrence – denn um das Thema Mutterschaft bzw. Elternschaft neu zu denken und etwas verändern zu können, müssen ALLE Eltern zu Wort kommen und etwas beitragen, unabhängig vom Geschlecht.
Ein Buch, das mich oft aufgeregt und berührt hat.
Ganz klare Leseempfehlung, denn trotz kleiner Einschränkungen regt das Buch definitiv zum Nachdenken an.
Im Sammelband "Rethinking Motherhood", herausgegeben von Anne Theiss, finden sich 19 verschiedene Beiträge unterschiedlicher Autorinnen und Autoren zum Thema "Elternschaft neu denken". Ich nenne es hier bewusst Elternschaft und nicht nur Mutterschaft, denn tatsächlich kommen - entgegen der Erwartung, die der Titel wecken würde - in diesem Buch durchaus auch Väter und sogar ein homosexuelles Väterpaar, das einen kleinen Jungen adoptiert hat, zu Wort.
Es geht um so vielfältige Themen wie Elternschaft und Beruf, die Frage, welche Rolle erziehende Erwachsende, Mütter wie Väter, in einer modernen Gesellschaft einnehmen können, wie wir uns gegenseitig dabei unterstützen können und welche Rahmenbedingungen der Staat schaffen könnte, um Elternschaft weniger anstrengend und damit wieder attraktiver für junge Menschen zu machen - in einer Zeit der historisch niedrigen Geburtenraten.
Die Beiträge sind vielfältig, aber überwiegend sehr persönlich gestaltet: mal geht es um eine erwachsene Tochter und ihre Mutter, die sich schriftlich über das Thema unterhalten, mal erzählen Alleinerziehende, dann Künstlerinnen, die Mütter geworden sind und damit verbundene Diskriminierungen und Herausforderungen erlebt haben, und auch ein Paar, das mit Unfruchtbarkeit gekämpft hat und sich schließlich für eine Leihmutterschaft in den USA entschieden hat, kommt zu Wort. Damit zeigt das Buch insgesamt eine große und vielfältige Bandbreite an Stimmen zum Thema Elternschaft auf.
Zwei Einschränkungen gibt es allerdings: es sind zum einen ausschließlich progressive Stimmen - das konservative Meinungsspektrum wird ausschließlich kritisiert und als veraltet angesehen, aber auf deren Argumente gar nicht wirklich eingegangen. Dadurch kommt in vielen Beiträgen durch, dass es als nicht akzeptabel angesehen wird, wenn eine Frau daheim bei den Kindern bleiben möchte; macht das hingegen der Mann, ist es lobenswert und modern. Hier würde ich mir mehr Dialog zwischen den verschiedenen politischen Richtungen wünschen.
Die zweite Einschränkung ist, dass es, mit wenigen Ausnahmen, überwiegend Menschen aus der sehr privilegierten Bildungsschicht sind, die hier zu Wort kommen, während die Perspektiven von marginalisierten Menschen und solchen aus Arbeitermilieus, wie so oft in solchen Sammelbänden, unterrepräsentiert sind. Wenn man das aber weiß und gerne einen weiteren Sammelband von Künstlerinnen, Schauspielerinnen, Moderatorinnen, Schriftstellerinnen - den klassischen Berufen, die sehr gewandt im Umgang mit Worten sind und sich deshalb oft zu Wort melden - lesen möchte, ist es ein interessantes und lohnenswertes Buch, das zum Nachdenken anregt.
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