Anne Thomas

 4,3 Sterne bei 77 Bewertungen

Lebenslauf

Anne Thomas wurde 1988 in Karl-Marx-Stadt geboren und wuchs nach geglückter Republikflucht 1989 in Flensburg auf. Seit 2013 lebt und arbeitet sie als freie Übersetzerin in Paris und Berlin, zeitweise auch in London. Sie ist überwiegend im kulturellen Bereich tätig, spielt selbst Theater und übersetzt am liebsten Literatur. Ein willkommener Ausgleich zur einsamen Arbeit am Schreibtisch sind Einsätze als Dolmetscherin bei Lesungen und Tagungen sowie das Organisieren von Übersetzungsworkshops an Schulen. Seit Februar 2025 ist sie ehrenamtlich im Vorstand des VdÜ tätig.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Tödliche Transparenz (ISBN: 9783857878534)

Tödliche Transparenz

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Erscheint am 31.01.2026 als Taschenbuch bei Lenos Verlag.

Alle Bücher von Anne Thomas

Cover des Buches Lamaleicht Lesen Pferde (ISBN: 9783867517850)

Lamaleicht Lesen Pferde

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Erschienen am 01.11.2024

Neue Rezensionen zu Anne Thomas

Cover des Buches Unter Raubtieren (ISBN: 9783857878305)
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Rezension zu "Unter Raubtieren" von Colin Niel

Hubertus_Feldmann
Hinein ins Archaische

Das Erstaunlichste an diesem Buch ist die „Trendumkehr“, die den Leser im Verlauf der Lektüre erfasst. Wendet er (oder sie) sich zunächst angewidert ab, ob der Praxis einer Großwildjagt (oder überhaupt der Jagd), so sind die (Lese-)Fährten doch so geschickt ausgelegt, dass man sich schließlich verwundert die Augen reibt, feststellend, dass man sich wider Erwarten im Jagdfiebermodus befindet. Dabei ist der blutige Part nicht der entscheidende, sondern die Heranführung an ein sensibles Thema und dessen gekonnte Umsetzung, indem sowohl die handelnden Personen als auch das gejagte Großwild zu Wort kommen (jeweils in der Ich-Perspektive). Ein geschickter Zug, um beide Tierarten (Löwe und Mensch oder wissenschaftlich: Panthera leo und Homo sapiens), später kommt noch ein Braunbär, Ursus arctos, (sprechend) hinzu, einander näher zu bringen, zu verstehen, dass eine Trennung zwischen falsch und richtig nicht ganz einfach ist. Mal ist die eine die Jägerin und der eine der Gejagte, mal ist es die Jägerin, die zur Gejagten wird – allerdings von einem Artgenossen (eben typisch Mensch …). Die Neugier ist geweckt und für Spannung ist gesorgt – entscheidende Kriterien für einen guten Roman: „Heute Abend wird alles anders sein. Heute Abend werde ich einen Löwen erlegt haben.“ Wie es ausgeht? – soll hier nicht verraten werden.

Panthera leo bringt uns als Charles die großartige Welt einer großen Raubkatze näher und Martin, ein Naturparkjäger in der Pyrenäen sowie Cannellito, als Letzter seiner Art (Pyrenäenbär), den kaum zu überwindenden Gegensatz zwischen Natur- bzw. Artenschutz auf der einen sowie den Interessen der Viehbesitzer und einer ängstlichen Bevölkerung (Stichwort: Problembär) auf der anderen Seite. Selbstredend ist dieser Gegensatz noch gewaltiger in den nahrungsknappen Regionen Afrikas (hier: Namibia). Das Ringen um diese Gegensätze steht im Focus diese Buches, eingerahmt von den „lüsternen“ Jägern mit ihren modernen Waffen. Denn auch wenn hier der Löwe mit Pfeil und Bogen gejagt wird, und so der Eindruck erweckt werden könnte, dass es fairer wäre dem Wild gegenüber, so ähnelt diese Waffe doch eher einer Kriegswaffe. Dass ein Foto von dieser Jagd in den sozialen Medien viral geht, sorgt für das notwendige Erregungspotential. Warum es allerdings nicht so einfach oder eindeutig ist, wie es auf den ersten Blick scheint, bedarf einer exakten Analyse – wie so oft im Leben. Wenn Mensch sich nur genug Zeit nähme …

Das Buch bietet aber nicht nur Einblick in das Spannungsfeld von Jagd und Natur, sondern auch in das Leben der indigenen Völker Namibias (Himba, Herero, Damara etc.) oder auch in die Naturschönheiten der Schauplätze der Geschichte: „Ich stand jetzt auf festem Boden, im Bett eines Geisterflusses. Sand und Flusskiesel, einst von altertümlichen Wildwassern vor sich hergetrieben, wurden von Sand-Balsambäumen, Tamarisken und Zahnbürstenbäumen verziert.“, oft von wissenschaftlicher Exaktheit grundiert: „Wir waren von gigantischen Mauern umgeben, ein Amphitheater aus Felswänden, in denen die Geier hausten, der Fels war in Jahrmillionen bei der Orogenese [Gebirgsbildung] in Falten gelegt worden, Steinhänge, an die sich die Tannen wie Akrobaten klammerten.“

Das Buch spannt einen Bogen zwischen hirnloser Großwildjagd (um einer Trophäe willen) und der Auseinandersetzung: „Er oder wir, das wird mir in dem Moment klar, es gibt keinen Ausweg.“

Cover des Buches Der Freund (ISBN: 9783039250400)
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Rezension zu "Der Freund" von Tiffany Tavernier

Gwhynwhyfar
Guter Anfang - aber ich war schnell raus aus der Geschichte

«Und nun sitzt Elisabeth wie gebrochen im Wohnzimmer. Elisabeth, die beim kleinsten Wehwehchen von Chantal angelaufen kam und dir jedes Mal, wenn sie Nachtisch gemacht hatte, etwas rüberbrachte, dir, Guy, weil du ihren Nachtisch so gern mochtest und weil ihr bei deinen Komplimenten das Herz aufging. Wichser! Als wäre es nicht schon schlimm genug, kleine Mädchen zu zerstückeln! Nein, du musstest obendrein noch den grössten Trottel, der dir je untergekommen ist, veräppeln. Musstest ihn zum Zeugen machen. Musstest ihn manipulieren und zu deinem Komplizen machen! ‹Kannst du mir deine Säge leihen? Ich bräuchte mal deinen Hammer.› Wofür, Guy? Um sie damit umzubringen? Und ich immer mächtig froh, dir helfen zu können! Währenddessen hast du eine nach der anderen vergewaltigt und verscharrt, aber wo? Wo, du verdammtes Schwein? Wenn ich daran denke, welche Sorgen ich mir jedes Mal um dich gemacht habe, wenn ich dich nachts im Lieferwagen davonfahren sah, wie ich hoffte, dass es zwischen dir und Chantal wieder besser würde.»


Mit dem Haus im Grünen hat sich Thierry einen Traum erfüllt. Zusammen mit Élisabeth genießt er die Ruhe und Abgeschiedenheit des Wohnens nahe einem Wald. Die einzigen Nachbarn weit und breit, gleich nebenan, Guy und Chantal. Eins Tages im Morgengrauen stürmt die Polizei das Gelände. Die GIGN umstellen das Nachbarhaus, Polizei und Krankenwagen fahren auf den Hof. Der Polizist bittet Thierry und Elisabeth, sich auf den Boden zu legen, sich nicht zu rühren. Die Nachbarn und gute Freunde, werden in Handschellen abgeführt. Was haben sie getan? Journalisten belagern das Gelände.


Tavernier schreibt aus der Ich-Perspektive von Thierry. In den vier Jahren ihrer Nachbarschaft haben sich die Paare angefreundet. Die Männer pflegen gemeinsame Interessen, gehen angeln, züchten Insekten. Die Frauen tauschen Rezepte, immer wieder verbringen sie zusammen gemütliche Abende. Akribisch werden von der Polizei die Gärten und der nahe gelegene Wald durchkämmt. Thierry und Élisabeth erfahren, dass der freundliche Nachbar seit Jahren als Serienmörder gesucht wurde, seine Frau eine Handlangerin. Eine Welt bricht für sie zusammen, ihr gemeinsames Leben zerfällt. Von seiner Frau verlassen, sieht Thierry sich gezwungen, sich seiner eigenen verdrängten Lebensgeschichte zu stellen.


«‹Ich pflanze Bambus an. Dann sieht man nichts mehr›, sagt er. 

‹Bambus! Liebe Güte, ich glaube nicht, dass du es verstanden hast. Selbst wenn ihr Haus abgerissen werden sollte, würde ich jedes Mal wenn ich aus diesem Fenster sehe, daran erinnert werden!›»


Élisabeth will nur noch weg von diesem schrecklichen Ort, wo man eine Reihe von Leichen ausgräbt. Die beiden erinnern sich, Kleinigkeiten ergeben winzige Puzzleteile zum Ganzen. Die kleine Hütte im Wald, die Schreie in der einen Nacht … Thierry allerdings trauert dem Freund hinterher, zeigt sich als unzuverlässiger Erzähler. Ein Eigenbrötler, der gar nicht merkt, dass andere Menschen mit ihm nicht klarkommen. Er arbeitet in der Wartung und Reparatur von Maschinen verantwortlich, aber niemand von seinen Arbeitskollegen will mehr im Team mit ihm arbeiten. Und so wird er entlassen. 


Ein psychologischer Kriminalroman, der sich mit den Folgen der «Opfer» befasst, denn letztendlich sind die schockierten Freunde auch Opfer des Massenmörders. Sie machen sich Vorwürfe, weil sie als direkte Nachbarn nichts gemerkt haben. Kann es sein, dass nebenan ein Mann Mädchen entführt, vergewaltigt, direkt vor ihrer Nase verscharrt, ohne dass man etwas mitbekommt. Thierry verleiht seine Schaufel, seinen Hammer, er hilft sogar, ein Grab auszuschachten! Er macht sich Vorwürfe. Elisabeth kann es nicht fassen, ihre beste Freundin hat ihrem Mann Hilfestellung gegeben, junge Frauen derart brutal zu misshandeln. Wieso hat sie ihr das nicht angesehen? 


Bis zur Mitte konnte ich der Story gut folgen, es war interessant, wie verschieden das Ehepaar mit der Situation umgeht. Elisabeth sachlich, sie will alles hinter sich lassen. Thierry kann es nicht fassen, sucht Entschuldigungen für seinen Freund, den er immer noch so nennt. In der Mitte ist Elisabeth ausgezogen, Thierry arbeitslos und für mich als Lesenden wird es langweilig. Er kann sich nicht von seinem Haus trennen, dass er in jahrelanger Arbeit liebevoll eingerichtet hat. Er fährt aber doch in die Heimat, sucht das Haus des Großvaters auf und tastet sich durch seine Vergangenheit. Hier war ich heraus aus der Story. Tiffany Tavernier versucht zu erklären, warum Thierry so geworden ist, wie er ist. Das gelingt für mich nur mäßig und hat mich aus der Geschichte herauskatapultiert, die so gut begonnen hat.

 


Tiffany Tavernier, geboren 1967 als Tochter der Drehbuchautorin Colo Tavernier und des Regisseurs Bertrand Tavernier, ist eine französische Roman - und Drehbuchautorin.

Cover des Buches Nur die Tiere (ISBN: 9783857878275)
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Rezension zu "Nur die Tiere" von Colin Niel

wandablue
Eine Leiche fühlt sich wohl!

Auf dem Land ist es nicht wie auf der Alm, denn auf dem Land gibts die Sünd. Denn das Landleben kann so stupide sein. Jedenfalls, so ein Landwirt hats schwer. Im Causse sind sie oft deprimiert, die Arbeit ist schwer und hört nie auf und viele Tierzüchter gehen bankrott. Wikki schreibt über die Gegend: „Die Causses zählen durch ihre herbe Schönheit und durch die äußerst geringe Besiedelungsdichte zu den beeindruckendsten Landschaften Frankreichs.“ Die Viehzüchter und Landwirte haben dafür freilich keine Zeit. 

Dort, in einem kleinen Dorf leben einige unsere Protagonisten. Die Sozialarbeiterin Alice mit ihrem etwas langweiligen Ehemann Michel, das zugezogene Opfer Evelyne Ducat, verheiratet mit einem Hiesigen, der einstens wegzog, sein Glück machte und wieder herzog mit hochherrschaftlicher Villa, um es allen zu zeigen, dass er es geschafft hat. Ein Kotzbocken fürwahr, der Herr Ducat. Eine Tochter aus bestem Haus zog kurzfristig ins Dorf und wurde mit offenen Armen aufgenommen, eine verlorene Tochter, eine von denen, die ihre Herkunft verleugnen und so tun als ob sie zum gemeinen Volk gehörten. Wem es Spaß macht! Und da wäre noch der eigenbrötlerische Höfler Joseph, den die Sozialarbeiterin belästigt. Eine kleine Kommune hats sich auch noch gemütlich gemacht im Dorf. Und bisschen spooky, weiter weg ein Geisterbeschwörer. Huch! 

 Der Kommentar und das Leseerlebnis:
Ich liebe den Handlungsraum "Dorf". Dorfromane sind meins. Kommt natürlich etwas drauf an, es muss nicht direkt Ganghofer sein! Der vorliegende Dorfroman, der auch Bergroman oder Hofroman sein könnte, lebt von mehreren Erzählstimmen und einem Todesfall. Der Autor und auch die Übersetzerin Anne Thomas transportieren authentische Sprache und Leben der Bewohner. Sie reden halt so. Die Sozialarbeiterin natürlich nicht. Sie ist die eloquenteste! 

Ich mag, wie sich der Roman langsam aufbaut. Wie die Atmosphäre des Heumachens und Stallausmistens in meinen Leseraum schwappt, riecht es hier nicht komisch? – und wie die Gegensätze zwischen Arm und Reich unaufdringlich in den Roman hineinwirken. Hier kämpft man um die Existenz und dort weiß man nicht, wohin mit dem Geld. 

Dass sich der Kreis schließt ohne, dass man als Leser auch nur ein Quäntchen enttäuscht ist über den Ausgang, das ist gute Krimischreiberarbeit. Chapeau. Nicht nur die Nordischen Schreiber, auch die Franzosen können etwas. 

Fazit: In letzter Zeit entdecke ich den guten Krimi wieder. Es gibt nämlich so viele schlechte, dass man die guten wirklich hervorheben muss.

Kategorie: Kriminalroman
SubAbbau 2025
Verlag: Lenos, 2021

 

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