Anne Tyler Der leuchtend blaue Faden

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Inhaltsangabe zu „Der leuchtend blaue Faden“ von Anne Tyler

Wieder einmal hat es Denny geschafft: ein kurzer Anruf bei den Eltern, »ich bin schwul«, gleich wieder auflegen und nicht mehr erreichbar sein. Abby macht Red Vorwürfe, nicht richtig reagiert zu haben, auch wenn sie selbst nicht weiß, was jetzt zu tun ist. Und die drei Geschwister, sollen die informiert werden? Doch schon bald darauf verkündet Denny, demnächst Vater zu werden und zu heiraten.

Anne Tyler seziert gekonnt und respektvoll das familiäre Beziehungsgeflecht einer ganz normalen amerikanischen Mittelstandsfamilie.

— Barbara62
Barbara62

Geschichte einer scheinbar netten Familie. Einige verkapselt,viele Geheimnisse und Lügen. Scharf skizzierte Figuren. Aber auch Längen.

— franzzi
franzzi

Ein Roman über eine ganz normale Familie, die von sich meint perfekt zu sein. Lesenswert!

— Sikal
Sikal

ein schöner Roman mit tollen Figuren, aber streckenweise sehr langatmig;

— Griek
Griek

Eine kurzweilige, tragikomische Familiengeschichte.

— Lesemanie
Lesemanie

Ich bin auch nach 5 Anläufen nicht in das Buch hineingekommen..Zu fremd blieben mir die Familienmitglieder; zu spröde die Geschichte..

— orchidee25
orchidee25

Eine wunderbare Erzählung über eine Familie mit Ihren Eigentümlichenkeiten und kleine Geheimnissen.

— ANATAL
ANATAL

Ein wunderbares, dramatisches und humorvolles Buch, welches hinter die Kulissen der scheinbar perfekten Familie blickt...

— AgnesM
AgnesM

Hoher Wiedererkennungswert für jeden, der eine Familie hat ;-) Klasse!

— MissErfolg
MissErfolg

Die Geschichte einer Familie zum Mitfühlen und Wiedererkennen.

— nonamed_girl
nonamed_girl

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meine hohen Erwartungen wurden leider vollends enttäuscht - gute Idee, die leider nicht richtig umgesetzt wurde

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  • Eine schrecklich nett Familie

    Der leuchtend blaue Faden
    franzzi

    franzzi

    23. April 2016 um 11:20

    Jeden Sommer fährt diese ganz normale Familie ganz normal in den Urlaub. Mutter, Vater, vier Kinder. Ein bisschen Gezänk, ein bisschen Streit, aber sonst? Aber sonst? Nun, auf den ersten Blick sind die Whitshanks ganz normal. Doch je mehr Anne Tyler in "Ein leuchtend blauer Faden" von ihnen erzählt, desto weniger normal scheint die US-amerikanische Mittelklassefamilie.  Da sind diese beiden seltsamen Familiengeschichten, mit denen die Familie mit dem kurzen Stammbaum die Legendenbildung beginnen will. Da ist der eine Sohn, der irgendwie immer daneben liegt, der sich von hier und von dort meldet, der mal schwul sein will und dann verkündet, dass er Vater wird und heiratet, der mal studiert, mal faulenzt, mal jobbt. Da ist der andere Sohn, der so scheinbar perfekt nach seinem Vater kommt, dass da natürlich auch etwas verkehrt sein muss.  Mit einem "Häh?"-Stirnrunzeln wirft Anne Tyler die Leser in die Geschichte der Whitshanks. Dann wird es besser, man meint sich einkuscheln zu können in den Alltag dieser Familie. Doch immer, wenn es gerade gemütlich wird, lässt Tyler ein neues Geheimnis platzen, für die Familie sichtbar oder nur für den Leser. Lässt die Familienmitglieder einander fremd werden oder dem Leser ungeschriebene Gewissheiten abhanden kommen. Das ist klug gemacht, doch mitunter lässt Tyler zuviel Zeit verstreichen, bei der nicht klar ist, was sie soll. Erst rasen wir durch die Jahre, dann kriechen wir, dann springen wir - und erfahren nicht immer nur Spannendes.  Ein bisschen mehr Stringenz hätte der überraschenden, deprimierenden wie schnörkellos erzählten Familiengeschichte gut getan.

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  • Eine ganz normale Familie

    Der leuchtend blaue Faden
    Barbara62

    Barbara62

    Anne Tyler, geboren 1941, lebt in Baltimore, dem Handlungsort ihres 20. Romans, Der leuchtend blaue Faden, der 2015 auf der Bestenliste für den Man Booker Preis stand. Auch er handelt von ihrem bevorzugten Sujet: der Familie. Drei Generationen der Familie Whitshank bevölkern den Roman, der von den 1920er-Jahren bis ins Jahr 2012 reicht. Junior Whitshank, ältestes Familienmitglied, gründete trotz Wirtschaftskrise mit großer Willenskraft und Fleiß ein Bauunternehmen. Der penible Handwerker konnte sich schließlich seinen Lebenstraum erfüllen und in das von ihm für eine andere Familie gebaute Haus in einer besseren Gegend von Baltimore selber einziehen, zusammen mit seiner linkischen, anhänglichen aber ungeliebten Frau Linnie Mae und den beiden Kindern Merrick und Red. Nach seinem und Linnie Maes Tod bezieht Red, der auch die Firma übernimmt, das Haus mit seiner Frau Abby und den Kindern Amanda, Jeannie, Denny und Stem, letzterer ein Adoptivsohn. Während die beiden Töchter beruflich reüssieren und Stem in die Firma einsteigt, bleibt Denny das schwarze Schaf. Er kommt und geht wann er will und beansprucht laut Meinung seiner Schwestern die gesamte Aufmerksamkeit der Eltern. Als Red herzkrank und fast taub ist und Abby erste Anzeichen einer Demenz zeigt, stehen die Zeichen auf Veränderung und die Kinder versammeln sich, um die Zukunft zu planen. Anne Tylers Roman erzählt ohne Klischees und in nicht-chronologischer Art und Weise von einer ganz normalen amerikanischen Mittelstandsfamilie, die auf den ersten Blick glücklich scheint, deren Verwerfungen und kleine Katastrophen sich erst beim genaueren Hinschauen offenbaren. Sie zeigt aber auch, dass es immer weitergeht, und schafft es, aus einer an und für sich unspektakulären Familiengeschichte einen interessanten Roman zu machen, den man trotz einiger Längen nicht mehr aus der Hand legen kann und dessen Personal einem schnell vertraut wird. Sie seziert gekonnt und respektvoll das familiäre Beziehungsgeflecht, ohne dabei jemals eine ihrer mit viel Empathie geschilderten Figuren bloßzustellen.

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    • 2
  • Es war ein wunderschöner gelb und grüner Nachmittag…

    Der leuchtend blaue Faden
    Sikal

    Sikal

    20. January 2016 um 10:15

    Der Roman von Anne Tyler rund um die Whitshanks schildert eine ganz normale Mittelstands-Familie, die alles andere als perfekt ist – doch, die von sich glaubt mehr oder weniger perfekt zu sein. „Sie besaßen das Talent, so zu tun, als ob alles bestens wäre. Vielleicht war es gar keine Marotte. Vielleicht war es nur ein weiterer Beweis, dass die Whitshanks in keinster Weise bemerkenswert waren.“ Die Geschichte baut sich rund um das Paar Abby und Red auf, die – mittlerweile älter geworden – als Sozialarbeiterin und Bauunternehmer ihre Brötchen verdienten. Ihre vier Kinder sind mittlerweile erwachsen und leben ihr eigenes Leben, mit Ausnahme von Denny, der seinen Platz im Leben noch nicht gefunden hat, immer wieder spurlos verschwindet und die Aufmerksamkeit seiner Eltern gehäuft auf sich zieht. Als Abby kleine Aussetzer und Red einen Herzinfarkt haben, beginnen die Kinder die beiden zu bemuttern und ihre Entscheidungen anzuzweifeln. Spätestens an diesem Punkt merkt man als Leser, dass es einen weiteren wichtigen Teil im Leben der Familie gibt: das Haus, das von Großvater Junior mit viel Liebe zum Detail gebaut wurde und als Lebensmittelpunkt anzusehen ist. „Verschwendete denn nie jemand einen Gedanken daran, dass die sogenannten Alten von heute früher Marihuana rauchten, Herrgott noch mal, und sich Tücher um den Kopf banden und vor dem Weißen Haus demonstrierten?“ Die Autorin beschreibt ihre Charaktere mit einer tiefen Ehrfurcht, man merkt ihre Empathie, die sie ihren Figuren entgegenbringt. Sie erzählt in einer ruhigen Sprache – ohne Dramatik – über banale Dinge, einen Familienalltag, der in einzelnen Punkten sicherlich jedem bekannt erscheint. Geschickt wechselt sie zwischen Perspektiven und Zeiten, lenkt zwischen Gegenwart und Vergangenem und schafft ein Netzwerk an Beziehungen. Als Leser wird man nicht umhin können, Verständnis – zumindest zum Teil – für Handlungsweisen aufzubringen, sobald aus Sicht der jeweiligen Person von Träumen und Sehnsüchten erzählt wird. Die Whitshanks sind einfach eine ganz normale Familie, mit Konflikten und Schicksalsschlägen, mit Gemeinschaft und Zusammenhalt, mit Vertrauen und Geheimnissen. Bewundernswert schafft es die Autorin ein klares Bild der familiären Strukturen darzustellen, ohne den Finger in eine Richtung zu lenken.

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  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria
    Ginevra

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • Von blauen Fäden und Familiengeweben ...

    Der leuchtend blaue Faden
    Bri

    Bri

    Oscar Wilde soll einmal gesagt haben: "Freunde sind Gottes Entschuldigung für Familie" - ein Ausspruch, den man sogar als irisches Sprichwort verzeichnet findet. Das lässt mehr als tief blicken. Denn egal, wie sehr sich alle bemühen, eine glückliche Familie zu sein, egal, wie glücklich die Kinder tatsächlich sind, das was man an der Oberfläche familiärer Beziehungen sehen kann, ist immer nur ein Bruchteil des tatsächlich vorhandenen Geflechtes. Die Verbindungen zwischen den einzelnen Mitgliedern einer Familie variieren. Nie werden sie einander komplett gleichen, denn jede Beziehung hat ihre Schattenseiten und / oder Geheimnisse. Eltern versuchen immer, das Beste für Ihre Kinder zu tun, soweit möglich und mit den hehrsten Absichten - davon ist Anne Tyler zutiefst überzeugt. Dass dabei Fehler gemacht werden und Verletzungen passieren, verschweigt sie nicht. Im Gegenteil: Liebevoll, mit größtmöglicher Empathie und trotzdem schonungslos schildert sie in ihrem jüngsten Roman Der leuchtend blaue Faden, was genau es heißt, Mitglied einer Familie zu sein. Denny - scheinbarer Dreh- und Angelpunkt der Familie Whitshank - wartet überraschend mit der Nachricht auf, er sei schwul. Mitten in der Nacht offenbart er diese Erkenntnis seinem verdutzten Vater, nur um den Telefonhörer gleich darauf aufzulegen und wieder - wie schon des Öfteren in seinem erst 19-jährigen Leben - unerreichbar für seine überrumpelten Eltern zu sein. Was sich im Anschluss an dieses Telefonat zwischen Dennys Eltern Red und Abby abspielt, könnte weder treffender formuliert noch genauer beobachtet sein: Abby will das Gespräch haargenau wiedergegeben haben, was Red aber aufgrund seiner Überraschung nicht leisten kann. Aber er bemüht sich redlich. Absurd wird die Szene - von außen unbeteiligt betrachtet sogar äußerst witzig - am Schluss, als Abby, endlich ruhiger, in den Armen ihres Mannes einschläft, der jedoch (obwohl er doch der männlich-pragmatische Typ zu sein scheint) noch lange vor sich hin murmelnd versucht, sich an den genauen Wortlaut von Dennys Offenbarung zu erinnern. Schon diese Anfangsszene zeigt die großen Stärken Anne Tylers: unglaublich genaue Beobachtung, treffsicherer Stil und Sprache, höchste Empathie und die Fähigkeit, Situationen absolut authentisch zu zeigen. Und als Leser hat man damit das Glück, nach sieben sehr kurzweiligen Seiten mitten in der Geschichte eingetaucht zu sein. Ohne die Chance eines Entkommens. Das, was Abby und Red nicht nur eine Nacht beschäftigt, was sie ihren anderen Kindern nicht erzählen, weil sie finden, ihr Sohn solle das selbst tun, wird im Übrigen nie wieder Thema sein. Weder sie noch Denny sprechen jemals wieder darüber. Viel Lärm um nichts also? Eltern machen sich häufig zu schnell und zu viele Gedanken über ihre Sprösslinge, jeder der Kinder hat, weiß um diese Falle. Doch nun stellt sich die Frage, ist das, was wir als Leser über die Familie Whitshank mit absoluter Klarheit zu wissen glauben, auch tatsächlich die ganze Geschichte? Natürlich nicht. Anne Tyler wäre nicht Anne Tyler, beleuchtete sie ihre Figuren nur von einer Seite. Denn so ist es doch im (wahren) Leben. Die verschiedenen Rollen, in die jede Person schlüpft, schlüpfen muss, ergeben schließlich ein besseres, weil abgerundeteres Bild - Vollständigkeit jedoch wird es nie geben. Und die gut gehüteten Familiengeheimnisse tragen das Ihre dazu bei. Als meine Großmutter starb, vermachte sie mir ihre Tagebücher und Briefe. Briefe und Postkarten, die sie von meinem Großvater (ihrem zweiten Mann) während seiner Montagetätigkeiten aus den verschiedensten Ländern erhalten hatte und die mir, der Enkelin, die immer großen Respekt, ja etwas Angst, vor diesem meist mürrisch dreinblickenden, hochgewachsenen, stattlichen Mann hatte, einen anderen, liebevollen Menschen zeigten, der die Liebe einer der großherzigsten und liebevollsten Frauen, die ich bisher kennenlernen durfte, durchaus schätzte und verdiente. Genau das ist auch, was Anne Tyler uns in Bezug auf ihre Figuren schenkt: Sie lotet sie nach allen Seiten aus, um uns eines zu sagen: Wage nie, etwas zu bewerten oder zu beurteilen, bevor Du alle Seiten kennst. Beziehungen entstehen und entwickeln sich, zerbrechen oder werden vertieft, können aber immer nur beurteilt werden, wenn man selbst ein Teil davon ist. Innerhalb von Familien wird das noch schwieriger - ist man doch wie durch ein unsichtbares Band aneinander gebunden, ob man möchte oder nicht. Lösen lässt es sich nur sehr schwer und meist unter Schmerzen - häufig nicht komplett. Es gibt eine Theorie, die besagt, dass es innerhalb einer Familie immer eine Person geben muss, die aus dem Gefüge ausschert, damit die anderen mit sich und untereinander in Balance bleiben können. Ein durchaus tröstlicher Gedanke, wie ich finde. Bei den Witshanks fällt diese Rolle also Denny zu, der das selbst auch erkennt. Gebeten, dass er sich in Zukunft doch öfter melden und nicht wieder komplett von der Bildfläche verschwinden solle, antwortet er: "Geht klar. Ich kann doch nicht einfach verschwinden; die brauchen mich, weil ich für Dramatik sorge." Mit Der leuchtend blaue Faden ist Anne Tyler ein großartiger Roman gelungen, dessen Konzeption so leichtfüßig daherkommt, dass man sie glatt übersehen könnte. Man sollte diesen Roman nicht verpassen, zeigt er doch, dass Familie sein nicht immer leicht ist und man gerade deshalb seine Schwierigkeiten damit haben DARF.

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    • 5
  • Kurzweilig, tragikomisch und voller Familiengeheimnisse

    Der leuchtend blaue Faden
    Lesemanie

    Lesemanie

    25. October 2015 um 06:39

    Abby und Red Whitshank leben alleine in dem großen Haus, das Reds Vater mit seinen eigenen Händen erbaut hat. Die vier Kinder sind erwachsen und gehen ihren eigenen Weg. Die beiden Töchter und einer der Söhne sind verheiratet und kommen sonntags zum Mittagessen. Die eine Tochter ist Anwältin, die andere arbeitet gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrem Vater in der familiengeführten Baufirma. Einzig der zweite Sohn, Denny, macht den Eltern Sorgen. Wo genau Denny sich gerade aufhält, was er macht, ob er eine Frau, Freundin oder Kinder hat, wissen weder seine Eltern noch seine Geschwister. Sporadisch ruft er an, manchmal erscheint er zu Weihnachtsfesten oder Sommerferien am Strand, immer mal wieder aber auch nicht. Als klar wird, dass Abby und Red in ihrem Alter nicht mehr alleine zurechtkommen, ist die Überraschung bei allen Beteiligten daher groß, als Denny plötzlich wie selbstverständlich vor der Tür steht und anbietet, sich um die gealterten, zunehmend vergesslichen, Eltern zu kümmern. Nun knubbelt sich die Familie in dem Haus - völlig zu unrecht, finden Abby und Red. Sie sind nämlich davon überzeugt, das tägliche Leben problemlos zu meistern. Zwar wird Red zunehmend schwerhörig und Abby ist auch schon bewusst geworden, dass ihre Gedanken teils zu sehr in der Vergangenheit weilen und aktuelle Geschehnisse somit in Vergessenheit geraten, aber Babysitter benötigen sie nicht. Ihre Einwände finden allerdings kein Gehör und nicht nur Denny ist zur Stelle, auch der andere Sohn, Stem, mit seiner Frau und drei kleinen Söhnen zieht zurück ins Elternhaus. Tyler nutzt diese Situation als Ausgangspunkt für ihre Familiengeschichte in Baltimore, die einen Großteil des zwanzigsten Jahrhunderts umfasst, sich jedoch vordergründig der Familie Whitshank anstatt mit historischen Irrungen und Wirrungen widmet. Jeder der drei Generationen, die sich in diesem Roman tummeln, gesteht Tyler eigene Herausforderungen, Ziele und Träume zu, ohne dass die Geschichte jemals überladen wirkt. Leichtfüßig beschreibt Tyler die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Junior und Linnie, Reds Eltern, die sich im Baltimore der 1920er Jahre schrittweise eine Existenz aufbauen. Mit Humor und einer guten Prise Sarkasmus ermöglicht sie dem Leser kurze Einblicke in den Lebensweg von Reds Schwester um dann Abby als junge Frau zu präsentieren und den Nachmittag zu beschreiben, an dem sie sich in den 50er Jahren in Red verliebt. Einfühlsam und fast zärtlich breitet sie in Episoden das Familienleben vor dem Leser aus, erzählt von Red und Abbys vier Kindern und deren Kindern, deren aller Lebensmittelpunkt durch die Jahrzehnte hindurch das Haus ist, das Junior als aufstrebender Bauunternehmer in den 1930er Jahren für einen anderen Mann gebaut hat, und das er kurze Zeit später in einem großen Kraftakt, der ihn an den Rand des finanziellen Ruins treibt, für sich und seine Nachfahren erworben hat.

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  • Familien und ihre Geheimnisse

    Der leuchtend blaue Faden
    miro76

    miro76

    Jede Familie hat ihre Geschichten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die Familie Whitshank hat nur zwei und in beiden geht es darum, dass jemand etwas unbedingt und mit allen Mitteln wollte und dann doch nicht richtig glücklich damit wurde. Wird eines der vier Whitshank-Kinder diese Tradition fortsetzen? Anne Tyler gibt uns in diesem Roman tiefe Einblicke in die Strukturen einer scheinbar ganz normalen Mittelschichtfamilie. Wie in allen Familien unterscheiden sich die Beziehungen der einzelnen Mitglieder zueinander, wie in allen Familien wird häufig am Kern der Sache vorbei geredet. „Ihr Ton war scherzhaft, aber sie lächelte nicht. Sie musterte die Leute von nebenan ungeniert mit ernster, forschender Miene. (…) Fanden sie die Whitshanks attraktiv? Faszinierend? Bewunderten sie ihre große Familie und ihre enge Verbundenheit? Oder war ihnen irgendwo ein unsichtbarer Riss aufgefallen – ein scharfer Wortwechsel, ein gereiztes Schweigen oder eine gewisse Spannung?“                (S. 182) Es gibt zwei Töchter, beide mehr oder weniger glücklich verheiratet, einen Sohn, der in die Fußstapfen des Vaters tritt und es gibt natürlich auch ein schwarzes Schaf. Ein Schulabbrecher, der nirgends wirklich Fuß zu fassen scheint, von Stadt zu Stadt und von Job zu Job tingelt. Häufig war den Eltern nicht einmal seine Wohnsitz bekannt. „Manchmal kam es ihr vor, als ob ihr vor lauter Sorge um Denny die anderen Kinder unbemerkt entglitten wären. Nicht, dass sie sie vernachlässigt hätte, aber sie hatte sie ganz gewiss nicht derart mit Argusaugen beobachtet wie Denny. Und trotzdem war Denny derjenige, der sich darüber beklagte, zu kurz gekommen zu sein!“                   (S. 202) Was führte zu Dennys Verhalten, wieso sah er sich gezwungen, der Familie immer wieder den Rücken zu kehren? Es sind die kleinen Geheimnisse, manchen bekannt, den meisten nicht, die für Unmut sorgen. Anne Tyler erzählt uns hier in einem recht unaufgeregtem Tonfall die Geschichte dieser Familie und die Geschichte ihres Hauses. Der Teufel steckt hier im Detail. In scheinbar nabensächlichen Szenen spielen sich oft die wirklich wichtigen Dinge ab. Kommunikation unter Geschwistern verläuft eben nach eigenen Regeln. Für uns Außenstehende ist der Subtext dennoch gut zu erkennen, wenn man aufmerksam liest. Der überraschende Perspektivenwechsel im letzten Drittel des Buches hat mich restlos für dieses Werk eingenommen. Ich liebe es, wenn meine Leseerwartungen durchkreuzt werden und Vieles so anders kommt, als ich mir das vorgestellt hätte. Eine absolute Empfehlung für alle Freunde der leisen Töne!

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    • 6
    dieFlo

    dieFlo

    13. October 2015 um 16:12
  • Blaue Fäden und schwedischblaue Schaukeln - Familienaufstellung nach Anne Tyler

    Der leuchtend blaue Faden
    thursdaynext

    thursdaynext

    „Man ist nur so glücklich wie das unglücklichste der eigenen Kinder.“ Große Ohren oder lange Zehen sind vererblich. Wiederholen sich bestimmte Verhaltenweisen in Familien? Wesens- und Charakterzüge werden definitiv weitergegeben. Wie, ob genetisch oder sozial bedingt (Nachahmung, Prägung) ist ungeklärt. Thesen und Theorien dazu gibt es etliche – welche davon nun in eben diesem Menschen zum Tragen kommen bleibt wohl immer ein Rätsel. Die Frage nach dem WARUM - die Suche nach der Wahrheit, die sich auch gerne als Suche nach einem Schuldigen entpuppt ist, wie meist wenn es um menschliches Verhalten geht, ein Finden von unterschiedlichen Möglichkeiten, von denen jede, keine oder eine die man gar nicht gefunden hat zutreffen könnte. „Jedes Ding hat drei Seiten. Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.“ Fügt man hier noch weitere Möglich- und Wahrscheinlichkeiten hinzu passt es. Wie leicht sind wir doch mit Schuldzuweisungen bei der Hand und wie schwer, oft wohl auch unmöglich ist es wirklich alle möglichen Ursachen und Hintergründe auszuloten, wenn man selbst betroffen ist. So einfach macht Anne Tyler es sich und den aufmerksamen Lesern nicht. Sie beschreibt das Leben einer Familie. Großartig, weil empathisch, Sympathie oder zumindest Verständnis weckend für all ihre Charaktere. Diese beleuchtet sie aus unterschiedlichen Perspektiven. Dreh- und Angelpunkt ist der komplizierte, nicht nur für seine Familie schwer zu fassende Sohn Denny, dessen Verhalten die anscheinend heile Familiewelt der Witshanks stört. . „ Ich liebe dieses Gefühl, wenn man seinen Platz in der Welt nicht kennt, nicht festgelegt ist, nicht an diesem immer gleichen alten unverrückbaren Ort angenagelt ist. „ Dabei lässt sie dem Leser die Freiheit sich selbst ein Bild zu machen, gibt ihm Führung, aber gängelt nicht. Schlicht ist ihr Stil und dennoch poetisch, mitreissend. Weil sie Tiefen auslotet ohne wohlfeile (küchen)psychologische Erklärungen zu liefern. Ihre Protagonisten erscheinen authentisch real über die gesamte Zeitspanne hinweg. Entwickeln sich weiter, wachsen, verändern sich und bleiben doch Teil dieses schwer greifbaren Produkts Familie. Selbst wenn sie, wie Denny, das Sorgenkind daraus zu entfliehen zu suchen. Die familiäre Disposition sei es nun sozial oder genetisch bedingt - bindet sie an eben diese eine Gruppe miteinander verquirlter Menschen die einander durch Liebe, Begehren, Hass oder was auch immer zugetan, verbandelt sind. Davon, dass man sich nie ganz davon lösen kann handelt dieser Roman. Vom Auf und Ab in einer Familienkonstellation, die sich immer wieder ändert und doch gleich bleibt, insofern, dass man eben miteinander verbunden ist. Selbstgewählt, wie im Falle der Eltern, oder zwangsrekrutiert wenn man Kind dieser speziellen Eltern ist und somit einer ureigenen Geschwister- , Familienkonstellation unterworfen. Man kann reifen, verarbeiten, verzeihen zu sich selbst finden, dass man sich völlig von seiner Kernfamilie befreien kann glaube ich ebensowenig wie die Autorin. Was hält eine Familie im Innersten zusammen? Ist es ein Mensch, ein Elternteil wie bei den Witshanks Mutter Abby, die diese tragende Rolle innehat. Die nervt, aber auch den gesamten „Kleinkram“ des Kümmerns erledigt. Wie die „Pillepalle Aufgaben“ die ein Leben ausmachen: Haushalt, wie und vor allem wer organisiert ihn hauptsächlich, wie ernähre ich meine Familie, was ist gesund und wird gekocht und serviert, wie wird serviert, welche unausgesprochenen Regeln werden aufgestellt, und erachte ich als wichtig? Wie wird das Haus eingerichtet wo werden Prioritäten gesetzt, der Urlaub verbracht? Was möchte man den Kindern mitgeben auf ihrem Weg in die Welt, welche sozialen Fähigkeiten erlernen sie daheim? Wie schafft man es jeden angemessen individuell zu behandeln und doch alle zusammenzubringen und unter ihnen für eine wohltuende, wachstumsfördernde Atmosphäre zu sorgen. Wie definiert man gute Atmosphäre? Legt man sein Hauptaugenmerk auf Offenheit, Kommunikation, oder steht zuerst Harmonie und Freundlichkeit auf der internen Agenda. Tyler ist nie spöttisch oder überheblich, sie schildert liebevoll, leicht distanziert, zieht den Leser in den Sog dieser Familie und ihrer Problematik. Würzt mit skurrilen Nebenfiguren. Mit sachtem, respektvollem Humor beschreibt sie Wahrheiten die für diese spezielle Gruppierung, die Witshanks, aber tatsächlich auch für alle Familien an sich allgemeingültig sind: „Eines sprachen Eltern von Problemkindern nie laut aus: dass es eine Erleichterung war, wenn aus diesen Kindern am Ende doch etwas wurde, aber wohin dann mit dem Groll, den die Eltern jahrelang gehegt hatten?“ Lotet Gefühle aus, die durch kleinere oder größere Kränkungen , die meisten davon unbeabsichtigt und ungewollt verursacht hervorgerufen wurden. Erzählt von den Bedürfnissen der Menschen, die mit jenen der anderen Familienmitglieder korrelieren oder sich, günstigenfalls ergänzen. Und hier taucht auch immer wieder die Hauptursache für Leid auf. Mangelnde, oder fehlerhafte Kommunikation. Was an „Der leuchtend blaue Faden“ beeindruckte war ,zusätzlich zu den oben aufgezählten Denk- und Nachspüranregungen, die Konsequenz mit welcher Tyler jegliche Schuldzuweisungen vermeidet. Das ist eine ihrer nicht hoch genug zu schätzenden zahlreichen Stärken und sicher auch der langjährigen Lebenserfahrung, gepaart mit aufmerksamer Beobachtungsgabe und viel Feingefühl zu verdanken. Der undramatische, schlicht gehaltene Erzählstil, mit welchem sie durch Zeitsprünge in Vergangenheit und Gegenwart der familiären Entwicklungsgeschichte fesselt. Die kleinen, aber umso bereichernden, weil lebensnäheren Details, liessen keine Ermüdung aufkommen, pushten die Lesefreude und machten den Roman zu einem grandiosen Pageturner über das Leben und das was es bereichert. Was es an Erfahrungen für uns alle bereithält, wenn wir denn bereit und fähig sind uns damit auseinanderzusetzen und versuchen zu erkennen was wirklich wichtig ist. Anne Tyler gibt keine Anworten , aber sie ermöglicht es die richtigen Fragen zu stellen um sie zu finden.

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    • 2
    serendipity3012

    serendipity3012

    12. July 2015 um 23:17
  • Der leuchtend blaue Faden

    Der leuchtend blaue Faden
    ANATAL

    ANATAL

    24. June 2015 um 09:10

    Die Autorin Anne Tyler hat hier einen wirklich wundervollen Familienroman geschrieben. Der Leser lernt vier Generationen der Familie Whitshank kennen. Der Hauptschauplatz ist das Haus der Großeltern Red und Abby, die nun ein gewisses Alter erreicht haben, in dem beide scheinbar ohne fremde Hilfe nicht mehr klar kommen. Ihre vier Kinder versuchen sich, jeder auf seine eigene Art, zu arrangieren. Die Autorin lässt den Leser in die kleinen Geheimnisse und Geschichten der Familie eintauchen. So z.B. auch wie der Urgroßvater Junior überhaupt zu Frau Linnie und dem Haus kam. Machnes bleibt auch offen. Kleinigkeiten werden oft groß diskutiert. Und wiederum andere Geheimnisse werden nur einzelen Mitgliedern der Familie offenbart. Die Autorin hat eine herrlich flüssige und heitere Erzählweise, die selbst alltägliche Gegebenheiten so spannend macht. Ich werde mit Sicherheit noch einen Roman von Anne Tyler lesen, weil mir ihr klarer Schreibstil so gefallen hat.

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  • Hoch differenzierte und flüssig lesbare „Anatomie einer Familie“

    Der leuchtend blaue Faden
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    09. June 2015 um 09:46

    Hoch differenzierte und flüssig lesbare „Anatomie einer Familie“ Fast wie ein Übungsbuch zur Familientherapie und, in diesem Feld, zur Methode der „Familienaufstellung“ kommt dem Leser am Ende der Lektüre dieses neue Werk von Anne Tyler vor. In die feinsten Verästelungen der Personen noch, in die Nuancen der Beziehungen untereinander und in deren Beziehungsgeflecht und äußeres Ergehen folgt sie der Familie Whitshank, an deren Spitze Abby und Red als Vater und Mutter ihre vier Kinder begleiten, erziehen, mit manchmal vielen Fragezeichen betrachten und auch untereinander ihre Beziehung immer wieder in Nähe und Distanz austarieren. Ein inneres Geschehen, das im Buch nicht in Form von Beziehungsgesprächen stattfindet (oft wird lieber mal gar nicht angesprochen, was da irritiert, aus Sorge vor Kontaktverlust). Wobei die „heimliche“ zentrale Figur der Familie der freiheitsbewusste Denny ist. Ältester Sohn und zu verbindlichen Erklärungen und festen Verabredungen genauso wenig bereit, wie zu ausführlichen Erzählungen über sich. Fast das gesamte Buch über rätselt so der Rest der Familie alleine schon über das, was Denny arbeitet. Oder nimmt seinen kurzen Anruf „Ich bin schwul“ ebenso zunächst hin, wie seine bald darauf folgende, dann aber heterosexuelle Hochzeit samt Nachwuchs. Und wiederum nicht lagen danach seine Trennung. „Es war wirklich sehr schwer, sich eine Vorstellung von Dennys Privatleben zu machen“. Was auch für den Leser gilt, der ebenso wie Abby oder Red oder die anderen keine Erklärungen über deren konkretes Verhalten als Form der Metakommunikation der Autorin erhält, sondern durch sein hineingezogen werden, durch sein eigenes, inneres Erleben in sich ein Bild der Familie entstehen sieht. Mit ihren Nähen und Distanzen, den „ganz normalen“ Fragen und Reibereien des Lebens, der Erweiterung der Familie durch Schwiegerkinder und Enkel (auch hier ist Denny der Vorreiter der Familie) und des langsamen Lösens der Bindungen der Kernfamilie in das je eigene Leben hinein. Wobei das „Heim“, das große Haus, lange, lange Zeit eine Form des wichtigen Treffpunktes und Mittelpunktes bleiben wird, ebenso, wie so manche liebgewonnene Familientradition bewahrt werden soll (wiederum bis auf Denny). Das immer wieder Denny im Mittelpunkt der Gefühle steht, des Ärgers, der Sorge, nach einer Weile der Lektüre wird deutlich, dass in Denny die Ankerfigur ihr Wesen treibt. Jene Kraft, die zum einen gerade durch ihre innere Distanz „umgarnt“ wird von den anderen, wichtig ist, eben auch „dasein soll“, und zum anderen, weil an Denny eben auch deutlich wird, wie das gehen kann, dass trotz einem sehr individuell und für sich gestalten des Lebens die familiären Bande tragfähig erhalten bleiben. Der „blaue Faden“ (ein ganz besonderes, wichtiges blau) wird am Ende des Buches dann wie ein Symbol aufzeigen, wie innere Bindungen sich unauflösbar und „flickend“ gestalten, wie da im Hintergrund Denny gewirkt hat und dieser wiederum die größere Kraft der familiären Bindung durch ein kleines „Näh-Ereignis“ am Rande für sich erfasst hat. Denn der feste Glaube in der Familie: „In der Familie Whitshank starb man nicht, davon waren ihre Mitglieder überzeugt“, der wird sich nicht halten lassen in den Jahren der Familiengeschichte, denen Tyler filigran nachgeht. Was das aber heißt, wen es trifft und wie darauf reagiert wird, das muss der Leser schon selbst im Buch nachlesen. Auch wenn auf dem Weg „durch die Familie“ einige Längen zu überbrücken sind, auch wenn sich manche Motive der Beziehungsäußerungen doch hier und da manchmal zu oft wiederholen, insgesamt bietet das Buch eine rege, tiefgehende und die Beziehungen innerhalb einer Familie bis ins Kleinste auslotende Darstellung, die viel an eigenem Erinnern beim Leser freizusetzen versteht.

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  • Leserunde zu "Der leuchtend blaue Faden" von Anne Tyler

    Der leuchtend blaue Faden
    KEIN & ABER Verlag

    KEIN & ABER Verlag

    »Niemand bereitet einen auf das Leben so gut vor wie Anne Tyler.« Olga Grjasnowa Zum Buch: Die Whitshanks scheinen eine ganz normale Familie zu sein: Abby und Red sind seit Jahrzehnten miteinander verheiratet, werden zusammen alt und sind mit ihren vier Kindern, einem eigenen Haus, der Firma und dem jährlichen gemeinsamen Urlaub mit der ganzen Familie zufrieden. Doch unter der Oberfläche brodelt es, Sprünge und Risse im vermeintlichen Glück kommen zum Vorschein und offenbaren, dass die scheinbar heile Welt des Ehepaares nur noch als Fassade taugt. Sohn Denny ist mit 16 Jahren von zu Hause verschwunden und taucht immer nur auf, wenn ihm danach ist. Die anderen Kinder leiden darunter, dass Abby und Red ihre Aufmerksamkeit ausschließlich Denny, der Firma oder den vielen »Problemfällen«, mit denen Abby als Sozialarbeiterin zu tun hat, widmen. Und statt endlich den Ruhestand genießen zu können, scheint mit Abby irgendetwas nicht in Ordnung zu sein, denn ständig vergisst sie Dinge oder verläuft sich, was die gesamte Familie in große Sorge und Unruhe versetzt. Anne Tylers neuer Roman Der leuchtend blaue Faden ist das Porträt einer Familie, wie nur sie es zeichnen kann: schonungslos, liebevoll, mit feinem Witz und ungeheurer Empathie. Sie blickt tief in die Seele ihrer Figuren und ist mit ihrem Gespür für die Feinmechanik familiärer Betriebsschäden ganz nah am Leben. Leseprobe Zur Autorin: Anne Tyler, 1941 in Minneapolis, Minnesota, geboren, wuchs in North Carolina auf und studierte an der Duke University und der Columbia University Slawistik. Bevor sie sich als freie Schriftstellerin selbstständig machen konnte, arbeitete sie als Bibliothekarin und Bibliografin. Ihr Roman Atemübungen erhielt 1989 den »Pulitzer-Preis«. Bei Kein & Aber erschienen bereits Verlorene Stunden, Abschied für Anfänger sowie in neuen Ausgaben Dinner im Restaurant Heimweh und Im Krieg und in der Liebe. 2012 wurde sie mit dem »Sunday Times Award for Literary Excellence« ausgezeichnet. Wir suchen neugierige Leserinnen und Leser, die Lust haben, in Anne Tylers neuen Roman einzutauchen und eine Rezension zu schreiben. Hierfür verlosen wir 25 Bücher. Beantwortet uns bis zum 26. Februar 2015 folgende Frage, um in den Lostopf zu springen. »Ehe und Familie gehören zu den wenigen Dingen, aus denen man nicht so einfach rauskommt, man muss sich irgendwie damit arrangieren.«  Anne Tyler Stimmt ihr dem Statement von Anne Tyler zu? Gilt diese Aussage nicht auch für Freundschaften? Inwiefern würdet ihr den Stellenwert einer Familie von einer Freundschaftsbeziehung unterscheiden? Die Gewinner werden per Losverfahren ausgewählt und am 27. Februar an dieser Stelle bekannt gegeben! Wir sind gespannt auf eure Beiträge und freuen uns auf die Leserunde! Euer Kein & Aber Verlag

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  • Der leuchtend blaue Faden

    Der leuchtend blaue Faden
    AgnesM

    AgnesM

    14. May 2015 um 13:15

    In dem Buch „Der leuchtend blaue Faden“ lernt der Leser eine Familie kennen und lieben, die so schön normal, aber auch auf ihre Art außergewöhnlich ist. Schon im ersten Kapitel hat man das Gefühl ein Teil dieser Familie zu sein. Man ist mittendrin in dem Leben der Protagonisten, hört sich ihre Sorgen und Probleme an, fühlt mit, kann vieles nachvollziehen, stellt einiges in Frage und denkt hin und wieder wie herrlich normal die Situationen sind, in denen sich die Familienmitglieder befinden. Die Kommunikation zwischen den Generationen, diverse Gespräche und Streitereien kommen dem ein oder anderen Leser sicherlich aus dem eigenen Umfeld bekannt vor, so dass man noch intensiver nachvollziehen kann wie diese Familie funktioniert. Die Charaktere sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich habe eine „freundschaftliche“ Beziehung beim Lesen zu ihnen aufgebaut. Die Autorin hat es mir als Leserin überlassen selber über die Charaktere zu urteilen und für mich zu entscheiden welche Aussagen und Handlungen ich gutheiße und welche ich abstoßend finde. Sie half mir durch diverse Rückblenden und Ausschnitte aus der Vergangenheit der Familienmitglieder ein Puzzle zusammenzufügen und zu verstehen. Durch gekonnte Hinweise und Einblicke in die Gedankenwelt der Protagonisten, erfuhr ich von einigen Familiengeheimnissen, Sehnsüchten, Träumen und verpassten Möglichkeiten. Je mehr man als Leser erfährt, umso mehr merkt man, dass auch diese Familie nicht perfekt ist und sich mit allerlei Problemen und Schicksalsschlägen rumschlagen muss. Ein wunderbares, dramatisches und humorvolles Buch, welches hinter die Kulissen der scheinbar perfekten Familie blickt und aufzeigt, dass diese perfekte Fassade auch mal bröckeln kann.

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  • Der Leuchtend blaue Faden von Anne Tyler

    Der leuchtend blaue Faden
    bunteschwarzweisswelt

    bunteschwarzweisswelt

    02. May 2015 um 15:42

    "Der leuchtend blaue Faden" von Anne Tyler Inhalt: Gibt es die perfekte Familie? Abby und Red werden immer älter, ihre vier Kinder scheinen immer eigenständigere Leben zu führen, und wer soll sich um das nunmehr viel zu große Haus kümmern? Noch ist es der Mittelpunkt, hier treffen die einzelnen Familienmitglieder aufeinander, hier versuchen sie alle, ihre individuellen Vorstellungen durchzubringen. Inhalt (Meinung): Ich möchte gar nicht viele Worte über dieses Buch verlieren. Ich finde den Inhalt ziemlich gut. Es ist eine tolle, aber auch ausergewöhnliche Familiengeschichte, mit der sich bestimmt einige identifizieren können. Die Kapitel sind meiner Meinung etwas zu lang, dennoch waren sie gut eingeteilt. Immer wieder gab es Zeitsprünge, was ich sehr gut finde, da man dadurch viele Handlungsstränge besser verstehen konnte. Charaktere: In diesem Buch gibt es sehr viele unterschiedliche Charaktere. Jeder ist auf seine Art toll, ich konnte richtig mit ihnen mitfühlen. Man erfährt immer Stückchnweise etwas über die einzelnen Charaktere und das fand ich auch sehr gut, weil ich so auch automatisch immer weiterlesen wollte, weil ich immer mehr erfahren wollte. Schreibstil: Der Schreibstil von Anne Tyler ist großartig! Ich kann ihn gar nicht richtig mit Worten beschreiben. Ich konnte gar nicht aufhören zu lesen, weil mich (u.a.) der Schreibstil so in seinen Bann gezogen hatte. Cover: Das Cover mag ich sehr. Es ist schlicht, aber wirklich schön. Auserdem passt es zur Geschichte. Fazit: Der Leuchtend blaue Faden ist ein schöner, einfühlsamer Familienroman, mit tollen Charakteren und einem noch tolleren Schreibstil. Ich fand das Buch wirklich gut, da es für mich jedoch kein Lieblingsbuchpotential hat, vergebe ich 4 von 5 Sternen. Vielen lieben Dank an den Kein & Aber Verlag für das Rezensionsexemplar. Es hat mich sehr gefreut!

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  • Eine Familiengeschichte..

    Der leuchtend blaue Faden
    Clari

    Clari

    24. April 2015 um 15:59

    Familiengeschichten: wen interessieren die nicht? Gleicht nicht jedes Leben, jede Familiengeschichte einem Roman? Anne Tyler versteht sich darauf, das Panorama menschlichen Glücks und Leids in einer einfachen Mittelschichtfamilie in Amerika zu erfassen und den Leser in ihre Geschichten mitzunehmen, so dass man sich fast wie ein Besuch bei ihren Protagonisten fühlt. Abby und Red Whitshank haben ihr gemeinsames Leben um 1959 in Baltimore begonnen.Sie bilden ein Paar in mittleren Lebensjahren. Eines Abends bekommen sie einen Anruf von ihrem Sohn Denny, der sie mit einer schwer verdaulichen Nachricht konfrontiert. Mitten in dieses Geschehen des Alltags wird man als Leser hineingezogen. Alsbald tun sich die einzelnen Kinder mit ihren Gewohnheiten und ihren Eigenarten hervor. Vier Kinder haben die beiden Whitshanks. Der jüngste Spross, Stem genannt, ist kein unmittelbarer Abkömmling. Red betreibt einen Holzwarenhandel größeren Ausmaßes, und Abby ist Sozialarbeiterin. Sie kümmert sich um alle möglichen Leute, die ihrer Hilfe bedürfen. Ihre Kinder sind mittlerweile flügge geworden und haben schon eigene Kinder. Ein buntes Treiben tut sich auf. Die Geschwister mit ihren Ehepartnern und Kindern sind so unterschiedlich wie das Leben eben ist. Man hört zu, nimmt teil, leidet mit, wenn etwas nicht so gut geht, und fühlt sich in dieser Familie bald schon zu Hause. Fast möchte man sich mit Rat und Tat beteiligen. Und natürlich: niemals ist in Familien alles gut, niemals verlaufen Lebensschicksale ohne Einbrüche. Man muss sich mit jedem Tag und zu jeder Stunde auf gewöhnliche und ungewöhnliche Ereignisse einstellen. Auch Eltern haben ein eigenes Leben, das vor dem ihres Familienlebens mit eigenen Kindern stattgefunden hat. Davon berichtet AT in zwei anschließenden Teilen ihres Romans, so dass man erst spät auf die Ursprünge der Beziehungen von Eltern- und Großeltern aufmerksam wird. Auch hier gab es Glück und Leid, schwierige Aufbrüche ins Leben und nicht immer einfache Lebensbedingungen. Immerhin erlebten die Großeltern die große Wirtschaftskrise mit, die mit dem New Yorker Börsenkrach im Jahr 1929 ihren Ausgang nahm. Gewöhnliche Leben sind nicht immer illuster. Zuweilen finden sich Paare eher zufällig zusammen. Ob die Beziehung dann gut oder schlecht wird, das wird nicht immer durch die Liebe sondern häufig durch Einsicht, Gewöhnung und Beharrungsvermögen entschieden. Über dieses Auf und Ab in Freude und Leid schreibt Anne Tyler so lebendig und mitteilsam, dass man gar nicht möchte, dass die Geschichten in dem Buch irgendwann aufhören. Felicitas von Lovenberg beschrieb in der FAZ ihren Eindruck des Buches in dieser Weise. Ihrer Vorstellung kann ich mich nur anschließen!

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  • Rezension zu "Der leuchtend blaue Faden" von Anne Tyler

    Der leuchtend blaue Faden
    Rosen-Rot

    Rosen-Rot

    Abby und Red sind seit Jahren verheiratet. Sie haben vier Kinder, ein Haus und eine Firma. Sie halten sich für eine glückliche Familie. Doch es gibt auch Konflikte. Besonders Sohn Denny macht ihnen immer wieder Sorgen. Das Buch erzählt eine Familiengeschichte von einer scheinbar ganz normalen Familie. Es gibt Glück und Leid, Sorgen und Geheimnisse. Erzählt wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven. Es gibt verschiedene Erzählstränge und immer wieder Zeitsprünge. Manchmal war mir dies zuviel, weil man immer wieder aus dem Lesefluss kommt. Leider gibt es auch zu wenig Handlung, so dass es stellenweise etwas langatmig wurde. Insgesamt ist dies ein ganz netter Roman, aber ich hatte eigentlich mehr erwartet.

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