Annegret Held

 4 Sterne bei 45 Bewertungen
Autor von Das Zimmermädchen, Fliegende Koffer und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Annegret Held

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Das Zimmermädchen

Das Zimmermädchen

 (10)
Erschienen am 01.12.2004
Die letzten Dinge

Die letzten Dinge

 (8)
Erschienen am 25.07.2005
Fliegende Koffer

Fliegende Koffer

 (8)
Erschienen am 01.01.2009
Die Baumfresserin

Die Baumfresserin

 (4)
Erschienen am 01.06.2002
Apollonia

Apollonia

 (3)
Erschienen am 21.09.2012
Armut ist ein brennend Hemd

Armut ist ein brennend Hemd

 (3)
Erschienen am 10.09.2015
Apollonia: Roman

Apollonia: Roman

 (0)
Erschienen am 21.09.2012
Fliegende Koffer: Roman

Fliegende Koffer: Roman

 (0)
Erschienen am 22.11.2013

Neue Rezensionen zu Annegret Held

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Rezension zu "Die letzten Dinge" von Annegret Held

Pflegealltag in deutschen Altersheimen
uli123vor 2 Jahren

Die Autorin hat ja schon in anderen Romanen Arbeitswelten beschrieben. Jetzt vermittelt sie uns Lesern einen guten Eindruck der für Pfleger sehr belastenden Arbeit in einem Altersheim. Wenngleich das Buch bereits im Jahr 2005 erschienen ist, ist die Thematik so aktuell wie nie. Sowohl Personal als auch Bewohner des (fiktiven) Altersheims „Abendruh“ sind Opfer des Pflegenotstands. Egal, welche berufliche Qualifikation die Mitarbeiter aufweisen, ob examiniert oder „nur“ Stationshilfe, - alle stellen sich  täglich aufs Neue bis zur Selbstaufgabe den Anforderungen der zeitintensiven und nervenaufreibenden Pflege betagter, verwirrter Alter. Umso schöner ist es zu erfahren, dass die meisten ihren Job gerne machen, sei es der schwule Pfleger Ivy, der die Nacht zum Tag macht und Mühe mit pünktlichem Erscheinen auf der Arbeit hat, die aus Sibirien stammende Pflegerin Nadjeschda, für die die Zustände in den Heimen in ihrer Heimat sogar noch schlimmer sind, oder die kurz vor der Rente stehende Stationsleiterin Rosalinde, die bis an ihre eigenen gesundheitlichen Grenzen geht. Sehr schön zu lesen sind die (übrigens äußerlich nicht kenntlich gemachten) wörtlichen Reden der Mitarbeiter mit ihren unterschiedlichen Dialekten. Die Bewohner bilden ebenfalls ein buntes Potpourri und geben einen guten Ausblick darauf, wie es ist, alt zu werden. Da ist etwa die demente 96jährige, die immer noch täglich zu ihrer gehobenen Arbeitsstelle will, die ebenfalls verwirrte Alte, die sämtliche Gebisse auf der Station stiehlt, oder der ewig nur die gleichen Worte lallende alte Mann.

 

Wer irgendeine Beziehung zu Altersheimen hat – sei es, weil dort Angehörige leben, sei es, weil er dort arbeitet -, wird dieses Buch mögen. Bestimmt aber auch andere.

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Rezension zu "Armut ist ein brennend Hemd" von Annegret Held

Wunderbar
Saralondevor 3 Jahren

Im Westerwald, 1806. Finchen ist elf Jahre alt und die älteste Tochter ihrer großen Familie. Somit ist sie für die Betreuung ihrer jüngeren Geschwister zuständig und harte Arbeit gewohnt. Es herrscht große Armut im Dorf und so sind große Träume sehr bescheiden: ein Paar Schuhe, das wäre das Größte für Finchen. Als Erwachsene hat sie selbst eine große Familie, doch die Zeiten sind schlecht: Die Landwirtschaftstechniken sind noch unausgereift und die Kartoffelfäule sorgt für Hungersnöte mit vielen Toten. Und manch ein Einwohner des Dorfes sieht keinen anderen Ausweg, als manche seiner Kinder gegen Bezahlung fahrenden Händlern mitzugeben, damit sie Geld verdienen können.

Finchen ist keine fiktive Figur, sondern die Ur-Ur-Ur-Großmutter der Autorin Annegret Held. Um ihre Lebensdaten und die ihrer Familie konstruiert Annegret Held eine plausible Lebensgeschichte, die von harter Arbeit und Armut, aber auch Glück angesichts bescheidener Erfolge geprägt ist. Es ist kein Bauernidyll, das wir vorfinden, viele Kinder überleben nicht, der Adel reißt Wälder an sich, die die Dörfler zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts dringend brauchen und die, die es ganz übel trifft, sind sogar noch Leibeigene. Eine Frau, die mit 45 stirbt und viele Kinder geboren hat, hat ein schönes Alter erreicht. Man möchte so manchen heutigen Jugendlichen, die bei Primark einen „Haul“ nach dem anderen tätigen, dieses Buch zu lesen geben: So eine Westerwälder Tracht, das war etwas ganz Wertvolles, das man nur zu den größten Anlässen trug, denn sie musste schließlich 30 Jahre halten! Bis zum Tod also. Fine ist ein aufgewecktes Kind, das etwas über die Welt erfahren möchte, aber sie hat keine Chance, denn Bildung für Frauen ist absolut verpönt und Lehrer ein unangesehener Beruf. Die Geschichte von Fines Kindheit und Jugend habe ich aufgesogen wie ein Schwamm, parallel bei Wikipedia recherchiert, „Nervenfieber“, „welche Krankheit ist denn das?“, aha, Typhus, eine gängige Seuche zu dieser Zeit im Westen Deutschlands. Ich habe es schon oft gesagt und sage es wieder: Solche Geschichten fesseln mich am meisten, das Leben einfacher Leute in vergangenen Zeiten. Als Fine älter wird und ihre eigenen Kinder heranwachsen, steht die jüngste Tochter Bettchen im Vordergrund. Dies ist die Zeit der besonders großen Hungersnöte durch die Kartoffelfäule. Viele Kinder gehen wie bereits erwähnt mit fahrenden Händlern auf Reise. Diese Geschichten haben mich nicht ganz so stark gefesselt wie die reine Dorfgeschichte, jedoch fand ich auch diesen Teil des Buchs noch sehr interessant. Finchen ist für mich als Charakter stärker als Bettchen, daran mag meine etwas nachlassende Begeisterung gelesen haben.

Die Sprache des Buchs ist schnörkellos, den Lebensumständen angepasst, Dialoge werden im Westerwälder Dialekt wiedergegeben, der sich jedoch recht einfach liest. Ich hatte hierbei natürlich den Vorteil, als Saarländerin den moselfränkischen Dialekt recht gut zu kennen (den ich selbst allerdings nicht spreche), von dem der Westerwälder Dialekt eine Spielart ist.

An manchen Stellen des Buches blitzt ein trockener Humor auf, der mir sehr gefallen hat.

Fazit: Ein Buch nach meinem Geschmack. Ich freue mich schon darauf, „Apollonia“ zu lesen, einem weiteren Heimatroman der Autorin, in dem es um ihre Großmutter geht.

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Rezension zu "Armut ist ein brennend Hemd" von Annegret Held

Außergewöhnlich, knorrig, erschreckend.
Bücherfüllhorn-Blogvor 3 Jahren

Als ich das Buch in den Händen hielt war ich etwas misstrauisch. Konnte mir das gefallen? Ich war nicht sicher und fing an zu lesen und meine Befürchtungen schienen sich zu Bewahrheiten: Altmodisch und Dialekt, ich dachte, das geht nicht. Aber – es ging doch! Ich möchte zukünftige Leser hier ganz eindrücklich bitten, sich erst in das Buch einzulesen, einzufühlen und es auf sich einwirken zu lassen. Das ist nicht ganz einfach, aber es wird sich auf alle Fälle lohnen. Eine ausführliche Beschreibung findet ihr in meinem Bücherfüllhorn.

 

Fazit:

Ein Heimatroman, das hörte sich für mich zunächst „na ja“ an; ich bin ganz und gar nicht der typische Leser für dieses Genre. Hier wurden ganze Passagen mit wörtlicher Rede in Dialekt geschrieben, das war für mich am Anfang schwierig, oder eher gewöhnungsbedürftig zu Lesen. Aber am Schluss, nach dem Lesen, da klang mir dieser O-Ton noch lange in den Ohren. Die „alten“ Namen, oft noch abgekürzt oder verniedlicht („Bettchen“ leitet sich von Elisabeth ab), auch hier tat ich mich stellenweise schwer. Es wäre auch schön gewesen, die Autorin hätte in einem Nachwort ein paar der Wörter aus dem Dialekt übersetzt.

Aber es mich dann gepackt, und was einen dann in diesem Buch erwartet, lässt sich mit den Worten auf dem Klappentext des Deutschlandfunkes zitieren „ Knorrig, Eigensinnig, Wunderbar“.  Das trifft es ganz genau. Ich kann es nicht gut in Worte fassen, was der Autorin allzu gut mit ihrem wirklich außergewöhnlichen Schreib- und Erzählstil gelungen ist. Man muss es gelesen haben, der Geschichte entwickelt einen Sog, den ich nicht erklären lässt. Den Dialekt kann man nach dem Lesen fast schon ein wenig vermissen. Ein ganz und gar außergewöhnliches Buch, das ich vielen ans Herz legen möchte. Wer den Film „Heimat“ mag, muss auch dieses Buch lesen!

Empfehlenswert !

 

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