Annemarie Andre

 5 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor*in von Nacktschnecken.

Lebenslauf

Annemarie Andre, geboren 1994 in Waidhofen / Ybbs, lebt und arbeitet in Wien und Amsterdam. Studium der Kunstgeschichte, anschließend Journalismus und neue Medien in Wien. Journalistische Beiträge in den Tageszeitungen "Der Standard" und "Die Presse" und im Kunstmagazin "Parnass", literarische Veröffentlichungen u. a. in "die Rampe", "etcetera". Preise: Finaleinzug im Teambewerb bei den Deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften 2015; LitArena 2015, 3. Platz; Junges Literaturkarussell Niederösterreich 2014, 1. Platz. "Nacktschnecken" ist ihr erster Roman. Für das Manuskript erhielt sie 2022/23 das Hans-Weigel-Literaturstipendium.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Annemarie Andre

Cover des Buches Nacktschnecken (ISBN: 9783990142615)

Nacktschnecken

(5)
Erschienen am 14.10.2024

Neue Rezensionen zu Annemarie Andre

Cover des Buches Nacktschnecken (ISBN: 9783990142615)
jadis avatar

Rezension zu "Nacktschnecken" von Annemarie Andre

jadi
Grandios!

. Dieser Roman ist ab der ersten bis zur letzten Seite grandios! Er kommt definitiv auf die Liste der Bücher,

die ich einfach jedem empfehlen werde! 

Eine bewegende Geschichte, 

die mich tiefer und anders berührt hat,

als ich mir eingestehen möchte! 5/5 ⭐️ 

. Aber worum geht es genau…

Charlottes Familie ist nicht, wie die anderen Familien und das merkt sie schon früh. Sie hat weniger als andere Kinder und kein Cent wird zu viel ausgegeben. Als eines Tages ein Aneurysma im Gehirn ihrer Mutter platzt ändert sich alles und Charlotte merkt schnell das ihre Familie nun immer weniger in das Wertesystem der konservativen Kleinstadt passt.

. In „Nacktschnecken“ folgen wir der 10 jährigen Charlotte durch die Geschichte. Wir blicken tief in die Gefühlswelt des jungen Mädchens. Die oft vergessenen Gefühle eines Kindes werden von Andre mit einer eindrucksvollen Leichtigkeit in den Fokus gerückt. 

Die klare Sprache dieses Romans hat mich sehr berührt. Sie macht es leicht als Leser voll und ganz in die Geschichte abzutauchen. Mit großem Verständnis, Feingefühl und ohne Wertung beschreibt Andre in „Nacktschnecken“ die Kluft zwischen den sozialen Schichten und wirft dabei ein großes Licht auf die Kleinsten, die still und heimlich darunter leiden. 

Ein Roman, der hoffentlich die richtigen Leute erreicht und sie zum nachdenken anregt. 

Knapp 200 Seiten für die ich eine dicke Leseempfehlung ausspreche! 

Cover des Buches Nacktschnecken (ISBN: 9783990142615)
culejules avatar

Rezension zu "Nacktschnecken" von Annemarie Andre

culejule
Mama war anders als andere Mütter

"Mama", sagte ich, "passt du auf mich auf?" - "Wenn ich es schaffe, bis du groß bist." (Seite 70). 

Charlotte hat eine Mama, eine große Schwester und einen großen Bruder. Sie ist die Nachzüglerin und merkt früh, dass sie weniger hat als andere Kinder. Puppen aus dem Container sind keine Seltenheit. Vor allem hat Charlotte keinen Vater und wird ständig von den anderen Kindern aus der Klasse daran erinnert. Somit hängt alles von der Mutter ab. Eines Tages jedoch platzt ein Aneurysma im Gehirn der Mutter, welche daraufhin in eine Behinderung mit einem Grad von 50 eingestuft wird. Es folgt die Kündigung und das Arbeitsamt. Dann ziehen auch noch die Geschwister nach und nach aus. Nun lebt Charlotte endgültig allein mit ihrer Mutter und dem neuen Freund Manfred, der ein gravierendes Alkoholproblem hat, unter einem Dach. 

Dieser Debütroman hat mich bereits ab den ersten Seiten in den Bann gezogen. Die Handlung wird aus der Sicht des Kindes Charlotte geschrieben und genau hier liegt das Faszinierende. Charlotte wertet nicht, sondern nimmt die Gegebenheiten an. Was soll sie auch machen? Es ist eine kindliche Perspektive, die gut gewählt wurde. Die Mutter ist keine Hilfe und somit muss das Kind allein mit den Sorgen, Ängsten und Träumen leben. 

Ich habe beim Lesen viele Emotionen erleben dürfen: Wut, Schmerz und auch Zorn. Charlotte ist ihrem Schicksal als Kind in Armut ausgeliefert. In unserer heutigen Gesellschaft leider keine Seltenheit mehr. Es geht um familiäre Konflikte, Klassenunterschiede und der Überforderung einer Mutter. Die Autorin hat dabei großes Fingerspitzengefühl bei den Sätzen bewiesen.

Chapeau für dieses Werk - mir hat es sehr gut gefallen. Ich spreche daher gern eine Leseempfehlung aus.

Cover des Buches Nacktschnecken (ISBN: 9783990142615)
G

Rezension zu "Nacktschnecken" von Annemarie Andre

Gerald_Czech
Liebevolle Beschreibung einer gar nicht liebevollen Familie.

Die biographische Erzählung einer komplexen Familienbeziehung im vermeintlich selbst gewählten Außenseiter-Milieu wird aus dem Blickwinkel der kindlichen Tochter erzählt, was der Autorin viele narrative Möglichkeiten eröffnet, die bei anderen Erzählstrukturen so nicht möglich wären oder bei den Leser:innen einfach nur banal oder unangenehm ankämen.

Dialektisch angelegten Figurenkonstellationen ermöglichen der Protagonistin innere Dialoge, um aus ihrem “Kindsein” auszubrechen, oder sogar darüber zu reflektieren. Auch wenn diese Reflexionen manchmal deutlich aus dem altersadäquaten intellektuellen Niveau herausragen wirken sie interessanterweise für die Leser:innen nicht deplatziert.

Ein interessant angelegter Handlungsstrang aus familiären Konflikten, geschwisterlichen Auseinandersetzungen, und altersadäquaten schulischen Problemen bildet den Generalbass des Romans. Das kleinbürgerlich-christliche Milieu ist - wenn man so will - die Tonart in der der Roman sehr authentisch angelegt wurde. Die individuellen Besonderheiten der weiteren Figuren machen das Buch so interessant:  Alle werden sie aufgrund unterschiedlicher Erkrankungen oder Verletzungen sehr vulnerabel beschrieben. Es gelingt Andre diese Personen in ihrer Ohnmacht das Leben ökonomisch aber auch emotional einigermaßen zu meistern, ihrer Unangepasstheit in die regionale Gesellschaft und ihrer empathielosigkeit gegenüber der Protagonistin gleichzeitig liebenswert und fragil zu konstruieren.

Die kindliche bedingungslose Liebe zu ihr nahen Menschen, die diese oft nicht zurückgeben können, ist wohl das schönste an diesem Roman. Ich frage mich, was aus dem Mädchen nach dem Gymnasium wohl geworden ist.

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