Gefangen
von Irisblatt
Kurzmeinung: spannend und gefühlvoll mit Einblick in die brutale Welt organisierter Bandenkriminalität
Rezension
Joshuas Vater gehört zu einer straff organisierten kriminellen Diebesbande. Von klein auf bringt er seinem Sohn das Stehlen bei. Joshua wird gezwungen, kriminelle Aufträge auszuführen. Mehrmals versucht er sich zu befreien. Dabei ist er der Gewalt seines alkoholkranken Vaters ebenso ausgesetzt wie der Brutalität des obersten Anführers, der vor nichts zurückschreckt. Als Joshua Isabelle kennenlernt und sich in sie verliebt, ist er 20 Jahre alt. Das erste Mal in seinem Leben erfährt er Zuneigung, Vertrauen und Liebe. Er ist glücklich und die Hoffnung auf ein besseres Leben keimt in ihm auf.
Ein Tag - ein Ereignis - steht am Anfang der Geschichte und während die Handlung fortschreitet, erfahren die Leser*innen durch regelmäßige Rückblenden die Hintergründe. Dabei kommen sowohl Isabelle als auch Joshua mit ihren persönlichen Erlebnissen und Sichtweisen zu Wort.
Annemarie Bruhns ist ein spannender, teils schockierender, sehr gefühlvoller Debütroman gelungen. Das Buch lässt sich leicht und flüssig lesen. Joshua und Isabelle sind starke Charaktere, die mir mit ihrer Verletzlichkeit und ihrem Mut ans Herz gewachsen sind. Darüber hinaus bin ich der festen Überzeugung, dass Joshuas Erfahrungen beispielhaft sind für reale Gewalt und Demütigung, denen Kinder und Jugendliche in einem kriminellen Umfeld ausgesetzt sind. Die Autorin gibt diesen Heranwachsenden eine Stimme. Ihre und Joshuas desolate Lebenswirklichkeit lässt mich wütend, traurig und sehr nachdenklich zurück.
