Annemarie Schwarzenbach Ausgewählte Werke von Annemarie Schwarzenbach / An den äussersten Flüssen des Paradieses

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Inhaltsangabe zu „Ausgewählte Werke von Annemarie Schwarzenbach / An den äussersten Flüssen des Paradieses“ von Annemarie Schwarzenbach

Im Zentrum des Schaffens von Annemarie Schwarzenbach steht das Reisen. Erstmals werden in Buchform die eindrücklichsten Passagen zu diesem Thema aus Feuilletons, Reportagen, Erzählungen, Tagebuchnotizen und Briefen präsentiert. Die zum Teil unveröffentlichten Textausschnitte entstanden während der Fahrten durch Europa, nach Asien, Afrika und in die USA von 1933 bis 1942.
Die »Sehnsucht nach dem Absoluten« (Annemarie Schwarzenbach) ist der eigentliche Antrieb für die »unheilbare Reisende«, die Welt zu entdecken. Der Begegnung mit sich selbst im Spannungsfeld archaischer Landschaften widmet sie dichte poetische Beschreibungen. Zum Instrumentarium dieser Zeitzeugin und Reporterin gehören jedoch auch kritische wie hellsichtige Analysen politischer Katastrophen und sozialen Elends. Reflexionen zum Unterwegssein, das Aufbrechen und die Fortbewegung selbst ziehen sich zudem wie ein roter Faden durch diese Sammlung. Von besonderer Aktualität sind die Schilderungen der Schönheit berühmter historischer Orte wie Aleppo und Palmyra in Syrien oder Bamiyan in Afghanistan, die heute teilweise zerstört sind.
Die spezielle Form der Zusammenstellung ergibt ein Textgewebe, das zugleich Anthologie, Lesebuch und Reiseführer ist. Die verschiedenen Fahrten können durch diese Collage als eine Unternehmung, als eigentliche Lebensreise von Annemarie Schwarzenbach erfahren werden.

Eine sehr gelungene Komposition zum Teil unveröffentlichter Textausschnitte

— HansDurrer
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  • Die Lebensreise Annemarie Schwarzenbachs

    Ausgewählte Werke von Annemarie Schwarzenbach / An den äussersten Flüssen des Paradieses

    HansDurrer

    24. September 2017 um 16:36

    Diese zum Teil unveröffentlichten Textausschnitte, erfahre ich aus dem Klappentext, entstanden zwischen 1933 und 1942, während Annemarie Schwarzenbachs Fahrten durch Europa, nach Asien, Afrika und in die USA. Herausgeber Roger Perret erläutert: „In dieser Textcollage können die verschiedenen Fahrten als ein Vorhaben, als eigentliche Lebensreise Annemarie Schwarzenbachs erfahren werden.“  Textcollage trifft es gut, Lebensreise ebenso. Sinnigerweise beginnt das Ganze mit einem Kapitel über die Schweiz, dem dieser ganz wundervolle Satz vorangestellt ist: „Why do we leave this loveliest country in the world?“ Weil damals (1933-1935) zum Beispiel Syrien ein überaus anziehendes Land war. „Syrien stellt sich dem Reisenden vor als ein fruchtbares Küstenland, der Côte d'Azur manchmal verblüffend ähnlich, mit graublauen Olivenbäumen und gelben Felsen, Farbtöne Cézannes, den schönen Abhängen des Libanon, auf seinem höchsten Kamm noch schneegekrönt, und einer belebten, erstrangigen Asphaltstrasse, die dem blauen Meer entlang Fischerdörfer und Kreuzritterstädte miteinander verbindet. Aber, dieses Syrien ist das des ersten Aspekts, vorbehalten den Leuten, die auf Luxusdampfern zur Osterzeit eine Mittelmeerfahrt unternehmen.“ Im weiten Inneren des Landes sieht es jedoch anders aus, das regiert die „Atmosphäre der Wüste, der grossen, unter einer blendenden Sonne liegenden Landstriche ...“.  Schwarzenbachs Schilderungen von Iran (über Teheran notiert sie unter anderem: „Wie in Innsbruck sehen die schneebedeckten Berge überall in die breiten Strassen hinein.“) machen mich nicht nur neugierig auf dieses mir unbekannte Land, sondern sehnsüchtig. Und über die Schiiten lese ich, sie seien „die Feinde jedes Fortschritts und hassen nicht nur die Europäer, sondern alles, was auf Veränderung und Bewegung hinweist, denn ihre Religion verlangt ja den ewigen Rückblick, die fruchtlose Anklage, den Zustand der Feindschaft und Verschliessung.“  „An den äussersten Flüssen des Paradieses“ ist sowohl Reisebericht als auch politische Aufklärung. Doch vor allem ist es reflektierende Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben. „... aber ich gestehe, dass ich geneigt war, angesichts der Wüste, die einmal der Boden der frühesten Kultur gewesen ist, an allen Realitäten der Vergangenheit wie der Zukunft zu zweifeln, denn wir glauben so recht von Herzen doch nur an den Augenblick, den es nicht gibt.“ Es finden sich auch kurze Briefauszüge in diesem schön gestalteten, gut in der Hand liegenden Band, etwa an Klaus Mann, Carl Jacob Burckhardt oder Arnold Kübler. An letzteren mit der Ortszeile Sils-Baselgia (und natürlich taucht dabei vor meinem inneren Auge sofort die Oberengadiner Landschaft auf) zum Beispiel diese Zeilen: „Sie sprechen immer mit so etwas wie Neid von der Freiheit des Reisens, von Ihrem soliden Redaktionstisch aus [...] Muss ich Ihnen sagen, mit was, für gewisse Menschen, die Orient- und Abenteuer-Fahrten erkauft sind?“ „An den äussersten Flüssen des Paradieses“ ist nicht nur ein vielfältig anregendes, sondern ein auch immer wieder zum Schmunzeln einladendes Buch. „Noch eine Stunde bis Baku ... und als ich auf das Deck hinaustrete, sieht man schon eine grosse Bucht, und auf der linken Seite etwas, was ich zuerst für einen Pinienwald halte – und dann erkenne, dass es Öltürme sind, die dicht nebeneinander ein grosses, gelbes Feld bedecken.“  Herausgeber Roger Perret legt mit diesen höchst ansprechenden Texten nicht einfach eine Auswahl, sondern so recht eigentlich eine sehr gelungene Komposition vor. Ergänzt wird sie durch einen hilfreichen Anhang, der auch Quellenhinweise sowie eine Biographie der Reisenden Annemarie Schwarzenbach umfasst. Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der

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    Ausgewählte Werke von Annemarie Schwarzenbach / An den äussersten Flüssen des Paradieses

    storiesonpaper

    31. January 2017 um 09:41

    Mit „An den äussersten Flüssen des Paradieses“ haben der Lenos Verlag und Roger Perret eine beeindruckende Sammlung von Reiseberichten veröffentlicht, die die Schriftstellerin Annemarie Schwarzenbach von 1933 bis 1942 über ihre Begegnungen und Erfahrungen in Europa, Russland, im Nahen Osten und in den USA verfasst hat. Schwarzenbach spannt den Bogen hierbei in poetischer Sprache von märchenhaften Beschreibungen der Landschaften in Syrien, dem Libanon, dem Iran und Irak bis zur sozialkritischen Studie in den USA und Europa. Schwarzenbachs Sammlung und Reiselust entstand zu einer Zeit, als die Welt kurz vor dem Abgrund stand. Während sich Europa und die USA für den Krieg rüsten und der Antisemitismus den ganzen Kontinent beherrscht, sind auch die Tage des idyllischen Paradieses in Vorderasien gezählt. Durch Schwarzenbachs Texte offenbart sich eine Welt, die es heute nicht mehr gibt, in der die USA so für die Schriftstellerin und Journalistin zu einem düsteren und dreckigen Lebensumfeld werden, während sie voller Sehnsucht Richtung Orient blickt. Immer wieder reflektiert sie in ihren Erzählungen auch den Zustand des Reisens und des „Immerweiterziehens“. „Dies ist […] die größte Gefahr einer langen Reise: Da man beständig aufbricht oder die Zeit möglichst nützlich und ohne allzu große Ermutigungen ausfüllt bis zum nächsten Aufbruch und dann jedesmal wieder abrechnet, als sei es endgültig, so ist man sich ständig bewusst, dass Tage derart vergehen und dann Monate, und dass ganze Leben nur aus einer kleinen Zahl solcher Unternehmungen besteht.“ Mit viel Mut stürzt sich die Autorin in ihre Reisen, zu einer Zeit, als man nicht so einfach in ein Flugzeug stieg, um einen anderen Kontinent zu besuchen. Die Sammlung aus dem Lenos Verlag zeigt Schwarzenbach als eine zerrissene Seele, die immer zwischen dem Zuhause und dem Fernen schwankt, während ihr Heim, die neutrale Schweiz, vom Zweiten Weltkrieg umringt wird. Immer scheint sie auf der Suche zu sein und kommt nicht an ihr Ziel. Zeit nimmt sie sich lediglich für die wunderschönen Beschreibungen von Sonnenuntergängen, kleinen Dörfern und Wanderungen in der Natur, die die erste Hälfte dieses Buches ausmachen und dann relativiert werden, wenn Schwarzenbach über ihre Reisen nach Deutschland, in das Baltikum und die Tschechoslowakei schreibt. „An den äussersten Flüssen des Paradieses“ wird somit zu einer Reportage, die zum Träumen einlädt, aber auch die bittere Realität nicht verschweigt und zum Nachdenken anregt. Mich haben die kurzen Länderstudien sehr begeistert und beeindruckt. Konnte ich mir durch die authentischen Beschreibungen des Orients die Marktplätze in Syrien und Co. bildhaft vorstellen und fast schon den Wüstenwind auf meiner Haut spüren, werden die Berichte auch dadurch besonders interessant, wenn diese von Briefauszügen an Schwarzenbachs Freunde und Tagebuchauszüge begleitet werden. Für „An den äussersten Flüssen des Paradieses“ möchte ich eine große Empfehlung aussprechen!

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