Annemarie Weber Roter Winter

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Inhaltsangabe zu „Roter Winter“ von Annemarie Weber

Lili Abelssen hat einen Beruf, zwei Söhne, einen eleganten Ehemann und eine Vorliebe für schlecht gekleidete marxistische Liebhaber. Sie lebt im Westend, verliert sich gerne in verruchte Kneipen und schwelgt mit ihrem Ehemann in den mondänen Kreisen der Modewelt. Durch abendliche Spiele, in denen die verschiedensten dramatischen Szenarien (bis hin zum Tod) imaginiert werden, bekommt ihre Beziehung eine reizvolle Eigendynamik. Mit dem für sie typischen Witz porträtiert Annemarie Weber in ihrem Roman von 1969 die kontrastierenden Welten der wilden Sechziger zwischen Ehe und Apo, linken Demos und schicken Empfängen.

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    Roter Winter

    jamal_tuschick

    18. March 2015 um 10:28

    In „Roter Winter“ schickt Annemarie Weber eine Frau in den besten Jahren auf Berliner Ho Chi Minh-Pfade. Sie liefert Szenen einer Ehe „Roter Winter“ erschien ein Jahr nach „Keiner weiß mehr“. Reich-Ranicki nannte Brinkmanns einzigen Roman 1968 „außerordentlich und obszön“. Der Kritiker begriff „Keiner weiß mehr“ als „Reaktion auf die jahrhundertelange Verketzerung des Eros und der natürlichsten Instinkte des Menschen“. Während Brinkmann Dinge mit wüsten Namen belegt, bleibt Annemarie Weber mondän in den Betrachtungen dieser Dinge. Beide, Weber und Brinkmann, reagieren fast reflexhaft auf die Revolte von Achtundsechzig als Randfiguren. Brinkmann wird von seiner Gegenwart abgestoßen, Weber (1918 - 1991) ist zu alt, um von den Freiheitsgewinnen einer neuen Zeit durchgreifend zu profitieren. Auch sie verweigert der Obszönität nicht ihr Recht.  Die Sechziger sind das Jahrzehnt der Werbung. Im Flow des Konsums formuliert der Westen sein Selbstverständnis. Die Sexualität wird zum Rapport bestellt. Was kann sie mehr leisten? Mehr Leistung muss schließlich alles und jeder bringen. Alles muss schneller werden. Geschwindigkeit gleich Fortschritt. Fortschritt gleich Freiheit. Der Mensch bleibt hinter den Maschinen zurück. Er halluziniert seine Entwicklungsfähigkeit im Maschinentempo. In diesem Furor verlangsamt Annemarie Weber den Lauf der Welt. Ihre Lili Abelssen behält sich einen Ton vor, wie man ihn in den Zwanzigerjahren anschlug. Der Ton macht den Roman geräumig, er lässt Weite, Luft und Wehmut da zu, wo in „Keiner weiß mehr“ Enge, Atemlosigkeit und Hader herrscht. Der Ton macht die Musik, Frau Abelssen ist nicht von schlechten Eltern. Sie ist ein Kind des Feuilletons, von kleiner Form und ziseliertem Betragen. Eine Frau mit Eigenschaften. Von Männern erwartet sie jene Unterhaltung, die sie sich selbst nicht bieten kann. Was sie selbst kann, wird von ihr erledigt. Der Mensch muss wohnen, Lili hat beruflich mit Häusern zu tun. Ehebruch gehört zum Plansoll, deshalb redet man sich den Liebhaber noch lange nicht schön. Schön im Sinne von fähig, ist der Gatte, vormals eben nicht Jungbannführer und im Krieg auch nur Gefreiter; eine bürgerliche Erscheinung. Vorrätig in größeren Formaten, denken Sie an Herrn Huth, Vorgesetzter von Herrn Abelssen von Dreiunddreißig bis Fünfundvierzig. Ihre Boshaftigkeit steckt Lili den Leuten als Visitenkarte zu, Richard heißt der Ehemann. Der Geliebte heißt Losch. Annemarie Weber schlachtet und verwurstet ihre journalistischen Lustpartien, sie war eine Edelfeder der Frontstadt Berlin. Lili schickt sie zu Modenschauen und wo man sonst hingeht. Losch erklärt ihr: „Die Sex-Revolte ist eine Masche der Kapitalisten. Sex lenkt ab von der Revolution.“ Revolution ist der letzte Schrei, da muss man hin. Das muss man gesehen haben. Richard ist schön und gut, wie gesagt. Aber Losch hat die Aktualitätskompetenz einer Zeitung. Nur als „Sünder“ taugt er wenig. „Aus seiner (erotischen) Unterlegenheit vor Lili (bastelt) er sich eine Tugend.“ Es dauert, bis man den vom Zeitgeist mitgerissenen Wicht deutlich sieht. Die Autorin schaufelt dem Handlungsjetzt ein Grab in der Luft einer Verweigerung. Sie verweigert den Jargon im Augenblick. Ihre Sprache filtert die Aufregungen von Achtundsechzig. Typen wie von Zille gezeichnet, reden in den Parolen der Außerparlamentarischen Opposition. Kunst als Kontrast – Lili rennt durch die Straßen „zum Schöneberger Rathaus, wo Wasserwerfer in breiten Kolonnen aufgepflanzt“ sind. „Landsknechte der Revolution“ fahren auf Motorrädern in die Polizei. Nicht Losch, Richard begleitet Lili als Herr mit Stock. Er befindet: „Jetzt sind (die Landsknechte) am Platze.“ Nichts altert schneller als Avantgarde. Ich glaube, Truman Capote hat das gesagt. Eine extrem zeitgebundene Sprache hat gegen die Zeit keine Chance. Annemarie Weber liefert einen Beweis dafür, dass man mit hochgebundenen Sprachzöpfen ganz gut über die Runden kommt. „Roter Winter“ atmet noch. Annemarie Weber, „Roter Winter“, Roman, AvivA, 345 Seiten, 19,90 Euro

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