Annemarieke Willemsen

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Annemarieke WillemsenWikinger am Rhein
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Wikinger am Rhein
Wikinger am Rhein
 (2)
Erschienen am 01.06.2004
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Erschienen am 01.10.2008

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Rezension zu "Wikinger am Rhein" von Annemarieke Willemsen

Rezension zu "Wikinger am Rhein" von Annemarieke Willemsen
wolfschwerdtvor 8 Jahren

Dass die Wikinger nicht nur die ungehobelten, brutalen räuberischen Horden waren, die plündernd und brandschatzend Europa heimsuchten, das hat sich inzwischen schon herumgesprochen.
Die Wikinger als friedliche und begnadete Kunsthandwerker oder Händler Haitabus, als skandinavische Amerikaentdecker oder wagemutige Waräger auf Russlands Strömen oder als zuverlässige Leibgardisten Byzantinischer Könige stellen aber auch nur einen Teil der historischen Wahrheit dar.
Die ausführliche Einführung in das Thema „Wikinger in den Rheinlanden“ ist eher eine inhaltliche Übersicht des Begleitbuches zur Ausstellung “Wikinger am Rhein 800 – 1000″, aus der der Leser aber gleich etwas sehr wertvolles erfahren kann: der Begriff Wikinger existiert in den europäischen Quellen erst seit 1070, also nach der Zeit der gefürchteten Raub- und Eroberungszüge der skandinavischen Seeräuber. Und es waren zunächst Seeräuber aus Skandinavien oder eben die Nordmänner, die in ihren Heimatländern mit ihren schnellen Schiffen aufgebrochen waren, um auf Wiking zu gehen, wie es im Altnordischen heißt.
Natürlich beschreibt das Buch zur Ausstellung „Wikinger am Rhein“ alle Facetten der norwegischen, dänischen und schwedischen Bauern, die zwischen 800 und 1000 mit ihren Booten zunächst zu saisonalen Plünderfahrten zu den britischen Inseln, an die Küsten und in die Flussläufe des gewaltigen Frankenreiches aber auch zu ihren skandinavischen Nachbarn aufbrachen. Dem Leser werden also nicht nur die bislang öffentlich weitgehend unbekannten Raub- und Plünderungsaktivitäten den Rhein hinauf tief in das nahezu wehrlose Frankenreich hinein vorgestellt. Da eröffnen sich mit den Handelsbeziehungen zwischen Wikingern und Frankenreich oder der Herrschaftsübernahme der Nordmänner in Irland, der Normandie und England auch ganz neue Aspekte, die ein generelles Umdenken bei der Bewertung von geschichtlichen Ereignissen fordern.
Bei dem Buch „Wikinger am Rhein“ wird die Komplexität historischer Entwicklungen sehr deutlich. Krieg und Handel, Brutalität und Feinsinn, Kultur und Barbarei gehen hier Hand in Hand. Die scheinbaren Gegensätze existieren mal parallel, mal nacheinander, mal schließen sich einmal gegenseitig aus, mal bedingen sie einander, mal vereinen sich die Gegensätze in einer Person oder Personengruppe, mal sind es verschiedene Gruppen der gleichen Herkunft, die verschiedene Aspekte der in diesem Fall skandinavischen Kultur verkörpern. Und bei allen Konfrontationen und Gegensätzen zwischen den aufeinanderprallenden Kulturen, es ist der Anpassungsprozess, die gegenseitige Beeinflussung der Kontrahenten, die zu begreifen erst zu einem historischen Verständnis des Phänomens Wikinger führt.
„Wikinger am Rhein“ ist ein Begleitband- Katalog zur gleichnamigen Ausstellung über die Aktivitäten der Nordeuropäer im Gebiet von Rhein und Maas zwischen 800 und 1000, die in Kooperation des Rheinischen Landesmuseums in Bonn mit dem Central Museum in Utrecht und dem Wikingerschiffmuseum in Roskilde entwickelt worden ist. Insofern sind die Texte beispielsweise über Kunst und Kultur der Wikinger, Schiffe und Navigation, Wein und Waffen, Religion und Christianisierung oder über unser heutiges Wikingerbild, reich mit Abbildungen der faszinierenden Exponate illustriert. Jede Abbildung wiederum hat ihren eigenen, oft recht ausführlichen Informationstext.
Manchmal wirkt die Integration der Exponate mit ihren Texten in die inhaltlichen Kapitel ein wenig verwirrend, muss man sich doch immer wieder entscheiden, ob man die Lektüre des aktuellen Kapitels unterbrechen soll, um den spannenden Text zu einem noch spannenderen Exponat zu lesen, oder ob man einfach weiterliest, und seine Neugier bis zum Ende des ja ebenfalls interessanten und gut lesbaren Kapitels unterdrückt. Und die Entscheidung fällt nicht leicht.
So begegnet einem im Kapitel „Wikinger in ihrer Heimat und in der Fremde“ gleich nach den ersten Umblättern der Glättstein. Tatsächlich gehörte zur Ausstattung eines ordentlichen Wikingerhaushaltes so etwas wie Bügeleisen und Bügelbrett. Die eitlen Skandinavier verwendeten nämlich heisse Glaskugeln mit eingetiefter Oberseite, in die ein aufgerolltes Stück Tuch oder ein Holzstück eingesteckt werden konnte, um ihre Woll- oder Leinenstoffe beispielsweise auf Brettern aus Walross-Elfenbein zu glätten. Die folgende Doppelseite mit den Rekonstruktionen prächtiger Gewänder eines Wikingerpaares mag man auch nicht einfach überschlagen. Kehrt man dann auf der nächsten Seite zum Kapiteltext zurück, fällt es schwer, die Lektüre einfach fortzusetzen, zumal bereits der wikingische Gürtelbeschlag, die sogenannte Riemenzunge aus der Wikingerstadt Birka lockt.
Trotz dieser Irritationen ist das Buch ein intellektueller und sinnlicher Genuss. Allein das Coverbild des Schutzumschlages ist ungewöhnlich gut gelungen. Im Grunde drückt das Titelbild, diese Schwärmerei sei dem pflichtgemäß neutralen Rezensenten einmal erlaubt, emotional alles aus, was es zu den Wikingern sachlich zu sagen gibt. Es besticht einerseits durch gekonnte Schlichtheit, andererseits vermittelt der rötliche Himmel im Hintergrund des kunstvoll und aufwändig gearbeiteten Schiffsbugs Untergang und Aufbruch, Ende einer Epoche und Beginn einer Neuen zugleich.

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