Annet Schaap

 4.8 Sterne bei 9 Bewertungen

Alle Bücher von Annet Schaap

Cover des Buches Emilia und der Junge aus dem Meer (ISBN:9783522184922)

Emilia und der Junge aus dem Meer

 (6)
Erschienen am 11.02.2019
Cover des Buches Emilia und der Junge aus dem Meer (ISBN:9783742409423)

Emilia und der Junge aus dem Meer

 (3)
Erschienen am 28.02.2019

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Rezension zu "Emilia und der Junge aus dem Meer" von Annet Schaap

Großartiges Debüt der Autorin!
Paperboatvor 2 Monaten

Die kleine Emilia, genannt Lämpchen, lebt mit ihrem Vater Augustus zusammen im Leuchtturm. Die beiden führen ein entbehrliches, einsames Leben. Dem Vater fehlt ein halbes Bein, darum geht seit Jahren schon Emilia abends hoch, zündet das Leuchtfeuer an und morgens hoch, um es zu löschen. Den beiden fehlt vor allen Dingen eine Mutter, die auch Emilia hieß, weshalb Lämpchen zu ihrem Spitznamen gekommen ist, denn der Verlust der Mutter für Lämpchen und der Frau für Augustus ist nach wie vor groß. Zwischen Vater und Tochter gibt es keine Zuneigung, dennoch weiß Lämpchen irgendwie, dass ihr Papa sie liebt, auch wenn er ihr das nie zeigt. Darum verliert das Mädchen sich auch häufig in Tagträumen.
So auch eines Tages, als sie sich unbedingt dran erinnern wollte, dass sie dringend noch Streichhölzer kaufen muss – sie hatte es vergessen. Aber das Licht im Leuchtturm muss immer brennen, und so macht sie sich während eines aufkommenden Sturms auf zum Krämerladen, um eine Packung Streichhölzer zu kaufen. Der Sturm entfaltet sich während der Diskussion der Krämersfrau, die für Lämpchen nicht erneut anschreiben will. Durch das Eingreifen des netten Krämers kommt sie dann doch endlich weg, aber draußen tobt der Sturm nun sehr. Lämpchen schafft es gerade so heil nach Hause, die Streichhölzer jedoch sind verloren. Und es kommt wie befürchtet: Das Licht im Turm bleibt aus und ein Schiff läuft auf den Felsen in der Bucht auf. Die Obrigkeiten machen Augustus für den Schaden verantwortlich und sperren ihn im Turm ein, damit er die Schulden abarbeitet. Lämpchen indessen wird in das gefürchtete Schwarze Haus geschickt, von dem Gerüchte besagen, dass ein Monster darin hausen soll.
Traurig lebt Lämpchen sich in dem schmuddeligen Haus ein bei Martha, die den Haushalt führt, ihrem Sohn Lennie und Nick, der sich um den Garten kümmert. Ihre Neugier treibt Lämpchen eines Tages ins Turmzimmer des Schwarzen Hauses, wo sie auf das leibhaftige Monster trifft: Einen Meerjungen. Er ist in einem bedauernswerten Zustand, weil die Bewohner des Hauses sich nicht zu ihm trauen. Edward, wie der Meerjunge heißt, stellt sich als der Sohn des Admirals vor, dem das Schwarze Haus gehört. Marthas Mann, der ihn vorher liebevoll versorgt hat, ihm Lesen und Schreiben, Geografie und vieles andere beigebracht hat, ist kurz vor Lämpchens Ankommen im Schwarzen Haus nämlich verstorben. Martha ist froh, dass Lämpchen von sich aus erklärt sich künftig um Edward, den sie zu seinem Ärgernis nur Fisch nennt, zu kümmern. Die beiden Kinder stellen fest, dass sie beide etwas gemeinsam haben, denn auch Edward hat die Mutter verloren. Die Lämpchen und Fisch werden Freunde.
Eines Tages kehrt von einer langen Seereise der Admiral nach Hause. Er bringt die neu entsandene Harmonie im Hause völlig durcheinander, was Entscheidungen nach sich zieht, die alle betreffen...

„Emilia und der Junge aus dem Meer“ war für mich wirklich eine tolle Geschichte. Es ist nicht nur eine Märchengeschichte, die an Hans Christian Andersens kleine Meerjungfrau denken lässt, sondern es sind ernste Themen in ihr verarbeitet. Unausgesprochene Liebe beherrscht viele der Charaktere, so dass sie zu einem einsamen Leben verdammt sind, weil sie sich nicht trauen ihre Zuneigung den Menschen zu bekunden, die sie innig lieben. Darum, anders zu sein, geht es. Lämpchen hat zwar eine herzliche Art, wird aber durch ihre Armut von den Dorfbewohnern ausgegrenzt und von ihrem Vater, der seinen Schmerz lieber im Schnaps ertränkt, wenig wahrgenommen; innerliche Zwiesprache mit ihrer Mutter offenbart dem Leser, wonach Lämpchen sich sehnt. Fisch wird durch den Willen seines Vaters einen normalen Jungen als Sohn zu haben, in eine Rolle gepresst, die ihn seinen meerischen Ursprung verleugnen lässt. Und Lennie, der Sohn der Haushälterin, wird durch seine geistige Zurückgebliebenheit, ständig unterschätzt, obwohl viel mehr in ihm steckt. Geselligkeit finden die Ausgestoßenen nur untereinander wie die „Freak-Show“ auf dem Jahrmarkt deutlich macht.

Ich kann mir gut vorstellen, dass gerade jüngere Leser (das Buch wird für eine Altersklasse ab 10 Jahren empfohlen) ein bisschen elterliche Begleitung gebrauchen könnten, weil es an manchen Stellen doch ein wenig melanchonisch macht. Aber auch ansonsten ist es eine sehr schöne Geschichte – und das nicht nur dadurch, dass die Rollenverteilung der Meerjungfrau einmal umgedreht wurde.
Ich hoffe, Annet Schaap schreibt auch weiterhin solche schönen Bücher! Ich werde die Autorin auf jeden Fall weiter verfolgen.

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B

Rezension zu "Emilia und der Junge aus dem Meer" von Annet Schaap

Abenteuerlich, zeitlos, lehrreich
brimarvor 3 Monaten

Dies ist ein wunderbares Buch, selbst für Erwachsene.

Die Geschichte von Emilia Wassermann, genannt 'Lämpchen', der Tochter des einbeinigen Leuchtturmwärters, und ihres Freundes, des seltsamen Jungen Edward, den sie 'Fisch' nennt, geht zu Herzen. Sie ist abenteuerlich, ungewöhnlich und spannend. Sie wirkt zeitlos, und ist nicht wirklich realistisch, aber hey, wen kümmert das, wenn es Piraten, Meerjungfrauen, Zirkusleute und ganz große Gefühle gibt.

Emilia ist nicht reich, ihre Mutter ist schon gestorben, ihr Vater ersäuft seinen Frust in Alkohol und sie muss viel Verantwortung übernehmen. Sie versucht alles richtig zu machen und die Aufmerkamkeit und Anerkennung ihres Vaters zu bekommen, was nicht so gut funktioniert. Nach einem Unglück wird sie vom Vater getrennt und muss als Dienstmädchen im 'schwarzen Haus' leben und arbeiten. Das gehört eigentlich einem Admiral, aber der ist so gut wie nie da. Die kratzbürtige Haushälterin Martha sagt ihr was zu tun ist, und mit ihrem geistig behinderten Sohn Lennie, der ein sanftes Riesenbaby mit Schnippelhobby ist, freundet Lämpchen sich an und hat so bald auch keine Angst mehr vor den großen Hunden im Haus, die Lennie ergeben sind.
Das geheimnisvolle und eigentlich verbotene Turmzimmer ist da etwas anderes. Lämpchen hat zunächst Respekt davor, denn man munkelt es hause ein Monster dort. Aber bald wagt sie sich doch hinein.
Mit Mut, Besonnenheit und Durchhaltevermögen setzt sich Lämpchen für das angebliche Monster ein. Mit ihr entdeckt man den verängstigten Jungen, der ebenfalls Sehnsucht nach dem Vater hat und verzweifelt um seine Anerkennung ringt, den weichen Kern der Haushälterin, und die nur oberflächlige Freundlichkeit der Lehrerin. Durch Lämpchens Einsatz geht es fast allen zunächst besser. Nur den Vater, der im Leuchtturm eingesperrt ist, sieht sie nicht und vermisst ihn. Die Worte ihrer toten Mutter, die sie in ihrem Kopf hört, sind manchmal ihr einziger Trost; dennoch gibt sie nie auf. Sie lernt mit Edwards Hilfe sogar lesen und schreiben. Er lernt mit ihrer Hilfe auch viel dazu.

Existentialistische Fragen fallen gar nicht als solche auf und manche durchaus grausamen Stellen können es mit dem ein oder anderen Märchen locker aufnehmen. Man sollte natürlich sein Kind kennen; es sollte sich nicht so leicht gruseln und fürchten - aber ich finde das Buch nicht bedenklich.
Natürlich gibt es auch sehr positive und lehrreiche Momente. Es geht um Mut, um Freundschaft, um den Umgang mit Fehlern, um den Wunsch nach Anerkennung, um Vertrauen, um Vergebung.
Die Geschichte ist facettenreich, konzentriert sich eher auf die Perspektive des Mädchens und ist nicht vorhersehbar. Sie endet mit einer positiven Note. Manche Charaktere sind geheimnisvoll, andere schrullig, fast alle liebenswert. Die Kapitel sind erfreulich kurz und mit kleinen Illustrationen der Autorin versehen; der Schreibstil ist angenehm zu lesen.

Fazit: abenteuerliche, spannende, vergnügliche und sogar lehrreiche Geschichte. Klare Empfehlung!

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Rezension zu "Emilia und der Junge aus dem Meer" von Annet Schaap

Betörend
danielamariaursulavor 3 Monaten

Dieses Hörbuch beginnt mit einem Zitat aus Andersons kleiner Meerjungfrau und Berthold Brechts Drei-Groschen-Oper, das ist durchaus berechtigt, da inhaltliche Ähnlichkeiten sicherlich auch bewußt in Kauf genommen wurden.

Emilia ist 10 Jahre alt und die Tochter des Leuchtturmwächters. Nachdem sie gerade 2 Wochen lang zur Schule ging, wurde sie wieder herausgenommen, da ihre Mutter schwer erkrankte und sie sie pflegen sollte. Nach ihrem Tod, musste sie sich um ihren Vater kümmern. Der ertränkte seinen Kummer über den Verlust seiner Frau und seines Unterschenkels (über diesen Vorfall schweigt er sich aus) in Schnaps. So ist Geld stets knapp und Nahrung auch. Als ein Sturm aufzieht, stellt Emilia fest, daß sie keine Streichhölzer mehr haben. Sie zieht trotz des Unwetters los, doch die Hölzer werden ins Meer geweht und ein Unglück geschieht. Da der Leuchtturmwächter seiner Aufgabe nicht nachkam, muß er für den Schaden aufkommen. Er wird für 7 Jahren im Turm eingesperrt und Emilia muß im Gruselhaus des schwarzen Admirals arbeiten, als Dienstmädchen. Das Haus ist herunter gekommen. Genau zu ihrer Ankunft wird der langjährige Diener Josef zu Grabe getragen und fast alle Dienstboten verlassen fluchtartig das Haus. Denn Josef versorgte seit Jahren das Monster im Turmzimmer. Nun traut sich niemand mehr in dieses Zimmer, nur Emilia, die die Sehnsucht nach dem Leuchtturm in das höchste Zimmer des Hauses zieht. Was sie dort entdeckt, verändert ihr Leben, ihres und das aller Mitglieder des Haushalts.

Die Geschichte beginnt über eine lange Zeit skandinavisch traurig melancholisch. Nur die Stimme von Sascha Icks und die Zusicherung der Bloggerbetreuerin des Verlages, daß es eine wunderschöne Geschichte sei haben mich weiterhören lassen (meine Familie zeigte da mehr Durchhaltevermögen). Geschichten in denen Kinder in großer Armut leben und von den Verantwortlichen rücksichtslos und gemein behandelt werden, sind nicht so mein Fall. Doch nach und nach zog mich diese märchenhafte, merkwürdige, ungewöhnliche Geschichte in ihren Bann. Die Härte und die Kälte, die Emilia, genannt Lämpchen in dem Admiralshaus entgegenschlägt, hat mich schon etwas mitgenommen. Doch nach und nach schafft es das Mädchen mit ihrer Herzensgüte und ihrer Freundlichkeit aus ihren Mitmenschen das Beste heraus zu kitzeln. Immer mehr Menschen, denen sie begegnet lassen sich von ihrer entwaffnenden Art anstecken. Auch das „Monster“ dessen Geheimnis sie nach und nach lüftet und das sie dadurch befreit, vertraut sich ihr an.

Bei dem Titel hatte ich mir etwas völlig anderes vorgestellt. Es ist immerhin ein niederländisches Kinderbuch und die niederländischen Filme auf Kika sind immer echte Mutmacher und spenden Trost. Anfangs spendet niemand Emilia Trost und gerade diese Trostlosigkeit fand ich schwer erträglich. Bei den angekündigten Piraten dachte ich eher an Peter Pan, aber es ist doch eher der eingangs zitierte Anderson der zum Tragen kommt und in eine fantastische Welt voller Abscheu und Liebe entführt. Auch wenn das Cover eher an kleine Kinder denken lässt, ist es für solche nicht geeignet. Bisweilen ist die Geschichte ganz schön gruselig und ab 10 Jahren ist wirklich absolut passend. Die Autorin ist wohl selbst von dem Märchen der kleinen Meerjungfrau fasziniert und der Frage nachgegangen, was wohl so aus einer Meerjungfrau noch hätte werden können, wenn sie nicht das gar zu garstige Ende von Anderson ereilt. Dieses Märchen geht hart aber herzlich aus. Nein, niemand heiratet, aber Freiheit und Wiedersehen sind auch Werte, die keineswegs geringer sind.

Sascha Icks ist absolut faszinierend in ihren sanften gleitenden Übergängen von sanft, über bedrohlich zu verängstigt oder selbstsicher. Ihre Stimme beherrscht die gesamte Klaviatur der Emotionen, aber auch der Charaktere in ihrer Vielschichtigkeit. Auch die russischen siamesischen Zwillinge bekommt sie absolut überzeugend hin, ohne daß es aufgesetzt oder übertrieben klingt. Sie klingt einfach so, wie diese Geschichte klingen muss! Zudem ist ihre Stimme wunderschön warm, weich und wohlklingend. Es ist ein Genuss ihr zuzuhören.

Diese Geschichte ist ganz anders, völlig eigen, einfach unvergleichlich. Die Schönheit von Sascha Icks Vortrag lässt mich fast meine persönlichen Animositäten vergessen, die aber meine persönlichen sind. Meine Große mochte gerade die gruseligen, unheimlichen und spannenden Stellen sehr, während mein Mann vor allem die leisen, sensiblen Stellen mochte. Die Jüngste fand es geheimnisvoll.

Ein Hörbuch das absolut im Gedächtnis bleibt und aus der Masse heraussticht, sowohl stimmlich, als auch inhaltlich.

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