Meerzahl

von Annette Freudling 
4,3 Sterne bei8 Bewertungen
Meerzahl
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kruemelmonster798s avatar

Schweres Thema mit großer Leichtigkeit bearbeitet

petrahillebrands avatar

Ein Buch, das sich von anderen abhebt, nicht nur durch seine Sprache.

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Inhaltsangabe zu "Meerzahl"

»An meinem Geburtstag könnte ich im Bett bleiben, als
hielten die Wellen der Nordsee mich dort fest. Ich könnte
Rotwein trinken, heikel und bis über beide Ohren destruktiv.«

Mit Tiefdruckgebieten kennt Hannah sich aus: Schon am Tag ihrer Geburt standen die Zeichen auf Sturm, und daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Zwar hat Viktor, der Tischler, etwas Stabilität in ihr Leben gebracht. Aber die ersehnte Schwangerschaft lässt auf sich warten, die Kinder­wunschbehandlung verschlingt das letzte Geld. Kann aus­gerechnet ein exzentrischer Architekt die Zukunft des Paares retten? Und wohin führt Hannahs sonderbare Affinität zum Meer?

»Meerzahl« ist eine tragikomische Geschichte um Familie, Beziehung und das Gegenteil von guter Hoffnung.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783954941285
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:180 Seiten
Verlag:Edition Falkenberg
Erscheinungsdatum:13.04.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    abetterways avatar
    abetterwayvor einem Jahr
    Meerzahl

    Inhalt:
    "An meinem Geburtstag könnte ich im Bett bleiben, als hielten die Wellen der Nordsee mich dort fest. Ich könnte Rotwein trinken, heikel und bis über beide Ohren destruktiv.« Mit Tiefdruckgebieten kennt Hannah sich aus: Schon am Tag ihrer Geburt standen die Zeichen auf Sturm, und daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Zwar hat Viktor, der Tischler, etwas Stabilität in ihr Leben gebracht. Aber die ersehnte Schwangerschaft lässt auf sich warten, die Kinder­wunschbehandlung verschlingt das letzte Geld. Kann aus­gerechnet ein exzentrischer Architekt die Zukunft des Paares retten? Und wohin führt Hannahs sonderbare Affinität zum Meer? »Meerzahl« ist eine tragikomische Geschichte um Familie, Beziehung und das Gegenteil von guter Hoffnung."

    Meinung:
    Mit gefällt das Buch sehr sehr gut, die Autorin schafft es einen auf der Gefühlsebene zu erwischen und das Buch in einem rutsch zu lesen...dies spricht vor allem für den tollen Schreibstil den die Autorin benutzt.
    Wirklich ein sehr tolles Buch welches ich sehr gerne wieder in die Hand nehme.

    Fazit:
    Ein sehr gefühlvolles Buch welches man einfach lesen musst.

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    kruemelmonster798s avatar
    kruemelmonster798vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Schweres Thema mit großer Leichtigkeit bearbeitet
    Tiefdruckgebiet...und manchmal ist einfach kein Hochdruckgebiet ins Sicht

    Ich habe etwas verspätet mit dem Lesen begonnen, da ich Bücher mit ernstem Hintergrund eigentlich lieber während eines Tiefdruckgebiets lese, damit ich mich bei Schmuddelwetter dem Weltschmerz voll und ganz hingeben kann. Unter einem langanhaltendem Hochdruckgebiet funktioniert das irgendwie nicht.

    Aber einmal angefangen habe ich das Buch tatsächlich in einem Rutsch ausgelesen.

    Das Leben von Hannah und Viktor, das von einem unerfüllten Kinderwunsch dominiert wird, wird gefühlvoll geschildert. Trotz aller Tragik war es leicht zu lesen  und mit einer Brise Humor versehen, das hat mir sehr gefallen (beispielsweise das Sofa Moby Dick oder Wortneuschöpfungen wie Hummeltennis).
    Meine Lieblingsszene war die rund um die TCM Behandlung, wunderbar geschildert!

    Mit Rückblenden erfährt man dann auch noch etwas aus der Vergangenheit der beiden Hauptdarsteller.
    Lange Schachtelsätze, die beim Lesen stören, sind mir nicht aufgefallen, ich fand es sehr flüssig und leicht zu lesen.

    Mein Fazit: Leseempfehlung, auch unter Hochdruckeinfluss!

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    petrahillebrands avatar
    petrahillebrandvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Buch, das sich von anderen abhebt, nicht nur durch seine Sprache.
    Meerzahl - Ein gefühlsbetonter Roman der besonderen Art

    Zum Glück gibt es sie noch; die Bücher, die anders sind und die einem schon allein deshalb in Erinnerung bleiben, weil sie sich abheben durch ihre lyrische Sprache.

    Aber nicht nur deshalb hat "Meerzahl" mich in seinen Bann gezogen. Es ist die Mischung, wie die Autorin Situationen und Dinge beschreibt, die man eigentlich nicht beschreiben kann.

    Mir gefällt, wie sie sich auf die Gefühlsebene der Protagonisten einlässt, wodurch sie auch der Schwere des Themas gerecht wird. Gleichzeitig bewahrt sie ihre Leser und Leserinnen davor, sich überrollt zu fühlen, indem sie zum Ausgleich eine Prise Humor in das Denken der Ich-Erzählerin streut, aber auch mit feinen Dialogen unterhält.

    Ich könnte mehr über das Buch und dessen Inhalt schreiben, will aber nichts vorwegnehmen oder gar zerreden. Hier eine meiner Lieblingsstellen, die vielleicht mehr aussagen, als ich es je könnte.

    "Nach dem Mittagessen setzte ich mich in den Garten und malte die Ansicht unseres Hauses. Der Holunderbusch geriet mir zu groß, die alte Klappliege sah aus, als sei sie in den Rasen eingegraben, das Dach saß schief auf den Mauern und die Schrägfenster im oberen Stock erinnerten an Schießscharten. Das machte nichts. Ich betrachtete mein Bild, und ich wusste, dass in dem Haus aus Aquarellfarbe ein Mädchen lebte, ein Mädchen mit den Haaren ihrer Mutter und den Augen ihres Vaters: ein Mädchen wie ich, nur zufriedener."

    Wem diese Stelle gefällt, der wird noch viele andere finden, die ihn ansprechen. So auch ich. Und deshalb werde ich dieses Buch noch einige Male lesen - und sei es auch nur, um als Autorin davon zu lernen.

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    Amber144s avatar
    Amber144vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein berührendes Buch
    Ein berührendes Buch

    Das Cover hat mich erst verwirrt, aber der Klappentext hat mich neugierig gemacht und ich wurde nicht enttäuscht.

    Das Buch ist wirklich interessant und gut geschrieben. Ich habe am Anfang sehr schlecht ins Buch gefunden, da es immer wieder Rückblicke gibt, die ich nicht einordnen konnte. Ab der Hälfte fiel es mir aber leichter und mir fiel das lesen deutlich leichter.

    Die Autorin schafft es mit dem tollen Schreibstil die Bilder im Kopf des Lesers entstehen zu lassen. Die Beschreibung der Dinge hat mir deswegen sehr gut gefallen.

    Die Thematik ist sehr berührend und wird dem Leser vorsichtig und gut nahe gebracht.

    Was mich im ganzen Buch sehr verwirrt hat sind die Schachtelsätze. Ich fand es sehr umständlich bestimmte Abschnitte zu lesen.

    Auf jeden Fall 4/5 Sterne.

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    Chrummys avatar
    Chrummyvor einem Jahr
    Schicksal unerfüllter Kinderwunsch

    Meerzahl

     

    In „Meerzahl“ erzählt die Autorin Annette Freudling die Geschichte von Hannah und Viktor. Hannah und Viktor sind ein nicht mehr ganz junges Paar, welches seit einiger Zeit vergeblich auf Nachwuchs hofft. Nach verschiedenen Untersuchungen und Therapien bleibt nur noch die künstliche Befruchtung. Diese letzte Hoffnung treibt das Paar nicht nur in den finanziellen Ruin, der unerfüllte Kinderwunsch strapaziert auch die Beziehung und wird zur Zerreissprobe für die Liebenden.

     

    Der Roman wird aus der Perspektive der Ich-Erzählerin Hannah erzählt. Daher liegt der Fokus vor allem auf ihrer Gefühlslage, ihren Eindrücken, Wünschen und Sehnsüchten. Über Viktors Innenleben erfährt der Leser nur durch die Konversationen und Interaktionen mit Hannah.

    In Hannahs Erzählung kommt es auch immer wieder zu Rückblenden, in welchen sie Ereignisse aus ihrer Kindheit wiedergibt und quasi nochmals erlebt. Da die Rückblenden nicht durch eine andere Schrift oder Übertitel eingeleitet werden, dauert es manchmal eine Weile bis man erkennt, dass es sich um eine Rückblende handelt. Dies hemmt den Lesefluss verschiedentlich, da man sich erst wieder auf den zweiten Erzählstrang einstellen muss. Zudem ist nicht wirklich klar, welchen Sinn die Rückblenden haben respektive warum diese für den momentanen Zeitverlauf von Bedeutung sind. Selbst als Hannah gegenüber ihrer Schwester die Beweggründe für ihr Handeln offenlegt, sind die Episoden aus ihrer Vergangenheit zweitranging.

     

    Die Sprache ist leicht verständlich, die Sätze jedoch öfters sehr lang und verschachtelt. Sätze über mehrere Zeilen – öfters auch acht oder mehr Zeilen lang – fordern den Leser zuweilen heraus. Die Handlung an sich ist nachvollziehbar und folgt, abgesehen von den Rückblenden, einem roten Faden. An manchen Stellen wäre eine übergeordnete, (er)klärende Stimme wünschenswert gewesen. Auch wäre es schön gewesen mehr darüber zu erfahren, was in den anderen Personen vor sich geht.

     

    Alles in allem schafft es Freudling das Porträt einer der Verzweiflung nahen Frau, die ihre innere Uhr immer stärker ticken hört, zu zeichnen. Eine solche Situation ist weder amüsant noch von Leichtigkeit geprägt. Sie ist anstrengend, tragisch und zeitweise kaum ertragbar. Genau dies wird in „Meerzahl“ aufgezeichnet.

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    Xynovias avatar
    Xynoviavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ergreifende Geschichte, bei der man mitfühlt.
    Es geht unter die Haut

    Der Roman „Meerzahl“ von Annette Freudling, erschienen beim Verlag Edition Falkenberg, ist ein sehr emotionales Buch und geht unter die Haut.


    Klappentext:

    »An meinem Geburtstag könnte ich im Bett bleiben, als hielten die Wellen der Nordsee mich dort fest. Ich könnte Rotwein trinken, heikel und bis über beide Ohren destruktiv.« Mit Tiefdruckgebieten kennt Hannah sich aus: Schon am Tag ihrer Geburt standen die Zeichen auf Sturm, und daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Zwar hat Viktor, der Tischler, etwas Stabilität in ihr Leben gebracht. Aber die ersehnte Schwangerschaft lässt auf sich warten, die Kinder­wunschbehandlung verschlingt das letzte Geld. Kann aus­gerechnet ein exzentrischer Architekt die Zukunft des Paares retten? Und wohin führt Hannahs sonderbare Affinität zum Meer? »Meerzahl« ist eine tragikomische Geschichte um Familie, Beziehung und das Gegenteil von guter Hoffnung.


    Meine Meinung:

    Die Autorin Annette Friedling hat mich mit ihrem Buch „Meerzahl“ in den Bann gezogen. Ihr Schreibstil hat sich für mich sehr angenehm und leicht gelesen. Trotzdem fiel es mir anfänglich schwer in die Geschichte einzusteigen, da die Geschichte im Jetzt spielt, aber die Protagonisten auch immer mal an früher denkt. Dieser Wechsel war für mich gewöhnungsbedürftig.

    Nach dem ich in die Geschichte herein gefunden habe hat sie mich aber gefesselt. Der Roman erzählt, einfühlsam und sehr emotional, über Hannah und Viktor und ihren unerfüllten Kinderwunsch.

    Man kann sehr gut die Gedanken, Gefühle und Handlungen der Personen nachvollziehen und teilweise habe ich mit ihnen ihre Geschichte erlebt, mitgefühlt und mit gelitten.


    Nicht nur die Handlung selber hat mir sehr gut gefallen, sondern auch die Beschreibungen der Orte und Umgebungen, so fühlte ich mich noch mehr in den Roman hinein versetzt.

    Ich konnte das Buch gar nicht weglegen, da ich wissen wollte wie alles endet.


    Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auf Grund meiner kleinen Kritik bekommt das Buch von mir 4 Sterne. Es ist eine wunderbare leicht und doch sehr emotionale Lektüre, die ich gern weiterempfehle.

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    Langeweiles avatar
    Langeweilevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sehr emotionale Geschichte
    Hannah und Viktor

    Hannah arbeitet als Mediengestalterin bei einem Bremer Unternehmen.
     So chaotisch wie es in ihren vier Wänden aussieht, verläuft auch teilweise ihr Leben. Die einzige Konstante ist Viktor , Ihr Lebensgefährte.
     Da Hannahs „biologische Uhr“ unaufhaltsam tickt und ihr Kinderwunsch bis jetzt unerfüllt bleibt, unternehmen Sie alles, um
    Eltern zu werden.Obwohl Viktor alles daransetzt, die teuren Behandlungen zu finanzieren, geraten sie emotional und finanziell an ihre Grenzen.
     An einem besonderen Tiefpunkt , zieht sich Hannah , die schon immer einen festen Bezug zum Meer hatte, dorthin zurück. Nun zeigt sich, was wahre Liebe und Rückhalt in der Familie, zu leisten vermögen.

     Meine Meinung:

     
    Zu Beginn der Geschichte hat mir der Schreibstil große Probleme bereitet. Die ständigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, welche übergangslos erfolgen, haben mich ziemlich überfordert.
     Als ich mich daran gewöhnt hatte, wurde mir erst bewusst, wieviel Emotionalität und menschliche Wärme dieses Buch vermittelt.
     Von da an habe ich die beiden Protagonisten sehr gerne auf ihrem Weg begleitet.
     Stand im Mittelpunkt der Geschichte der Kinderwunsch von Hannah und Viktor, wurde jedoch auch ihre Vergangenheit ausgeleuchtet. Was mir ebenfalls sehr gut gefiel, war der feine Humor, welcher immer wieder durchblitzte.
     Laut gelacht habe ich bei folgendem Satz: „Schokolade ist die Entschuldigung Gottes für Rosenkohl“, auf so etwas Geniales muss man erstmal kommen.Über das Ende möchte ich nichts verraten ,um nicht zu spoilern.

     Fazit:
     
    Ein Buch, was mir nach anfänglichen Startschwierigkeiten sehr gut gefiel und welches ich wärmstens weiterempfehlen kann.

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    Captivating_worlds_by_Jens avatar
    Captivating_worlds_by_Jenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Thema zum Mitfühlen,eine Protagonistin zum Liebgewinnen und ein besonderer, großartiger Schreibstil! Sensibel + doch humorvoll erzählt!
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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Annette_Fs avatar

    Verlosungs-Endspurt! Mein Verlag, die Edition Falkenberg, hat zehnmal ein Exemplar meines neuen Romans "Meerzahl" zur Verfügung gestellt. Euch erwartet eine tragikomische Geschichte um Familie und Beziehung, geschildert aus der Perspektive einer erfrischend unvollkommenen Ich-Erzählerin.

    Gewinnfrage: Welcher Meertyp bist Du?

    Ich freue mich auf Eure Posts. Wer bis Freitag, 2. Juni, mitmacht, kommt in den Verlosungstopf.

    Klappentext: Mit Tiefdruckgebieten kennt Hannah sich aus: Schon am Tag ihrer Geburt standen die Zeichen auf Sturm, und daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Zwar hat Viktor, der Tischler, etwas Stabilität in ihr Leben gebracht. Aber die ersehnte Schwangerschaft lässt auf sich warten, die Kinderwunschbehandlung verschlingt das letzte Geld. Kann ausgerechnet ein exzentrischer Architekt die Zukunft des Paares retten? Und wohin führt Hannahs sonderbare Affinität zum Meer?

    Zur Buchverlosung
    Annette_Fs avatar

    In jungen Jahren war mein Vater eine auffällige Erscheinung: eine Art menschlicher Kleiderschrank mit Haaren im Farbton von Strandhafer und ungleichen Augen: eins blauer, eins brauner. Im Alter von 26 Jahren stieg Henry an einem Sonntag in Kiel in den Zug und ergatterte den letzten Platz in einem Sechser-Abteil. So kam er zwischen einer 90-Jährigen und einer jungen Brünetten zu sitzen, die in einem Schnittmuster-Heft blätterte. Die Brünette, die den Fensterplatz innehatte, rückte soweit es ging von meinem Vater ab und konzentrierte sich auf die Nähanleitung für ein Bolero-Jäckchen, wodurch sie meinen Vater derart reizte, dass er aus Boshaftigkeit ein Gespräch mit der alten Dame anfing.

    Wohin sie denn wolle, fragte mein Vater.

    Sie verstehe nicht, schrie diese zurück. Sie sei ein wenig schwerhörig. Ob der junge Mann vielleicht ein bisschen lauter sprechen könne?

    Wohin sie denn wolle, dröhnte mein Vater der Frau ins Ohr. Laut zu sprechen machte ihm nichts aus. Weil er in Schiffsbäuchen arbeitete, war er den Umgang mit hohen Dezibel-Zahlen gewohnt. Und so trompeteten die alte Dame und er sich Informationen über die Wetterlage zu, über Abfahrtsort, Anschlusszüge und Zielbahnhof. Schließlich landeten sie bei der Familie.

    Sieben Enkel und zwei Urenkel, schrie das Mütterchen, aber da werde er sicher auch hinkommen, ein so gutaussehender Junge wie er. Ob er denn schon verheiratet sei?

    „Durchaus“, schrie mein Vater, „aber nicht mit einer Frau.“

    Bis zu diesem Punkt hatten die Reisegenossen noch versucht, über die doch recht öde Unterhaltung hinwegzuhören. Jetzt hatte mein Vater ihre gesammelte Aufmerksamkeit.

    Die Oma schien etwas verunsichert, ging dann aber von einem Hörfehler aus. Verheiratet, das sei gut. Und Kinder?

    Nein, versicherte mein Vater. Keine Frau, keine Kinder.

    Das verstehe sie nicht, befand das Mütterchen, nun deutlich irritiert. Was sei er denn nun? Verheiratet oder nicht?

    „Verheiratet“, schrie mein Vater. „Mit einem Dieselmotor. Ich bin Schiffsmechaniker.“

    Rechts von meinem Vater versuchte die distanzierte Brünette, ihre Atmung zu kontrollieren. Mein Vater schielte auf sie hinunter. Er stellte fest, dass die Zeitschrift, die sie so angestrengt las, falsch herum auf ihrem Schoß lag. Außerdem bemerkte er, dass sie dichte Wimpern hatte und dass ihre Oberlippe sich beim Lächeln an einer ungewöhnlichen Stelle nach oben zog. Er beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen. Das war 1963. 

    Zum Thema
    Annette_Fs avatar
    Willkommen zur Premierenlesung in Bremen: Am Montag, 15. Mai, stellt Annette Freudling ihren neuen Roman "Meerzahl" dem Publikum in der Villa Ichon vor. Beginn: 19.30 Uhr. Moderation: Elke Marion Weiß. Musikalische Begleitung: Franziska Meyer. Der Eintritt ist frei.
    Zum Thema

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