Nicht nur Titel und Cover von Annette Hagemanns Lyrikband sind eine Augenweide, auch die Gedichte selbst sind es. Ein bisschen im wahrsten Sinne des Wortes, so scheint es, denn sie wirken auf den ersten Blick beschaulich, auch wegen der Blocksatz-Formen und dem erzählenden Duktus.
Liest man die Geschichte, merkt man aber schnell, dass sie ihre eigene Beschaulichkeit untergraben, entlarven oder sich sogar damit tarnen. Die so sanft wirkenden Kiefer der langen Zeilen, sie können fest zupacken; selbst ein eher klein anmutender existenzieller Gedanke, für die Leser*innen zunächst kaum sichtbar vor dem ähnlich farbenen Hintergrund, entgeht ihnen nicht. Aber auch die großen Themen, die Riesenkalmare der Metaphysik, orten, verfolgen und ergreifen sie erstaunlich geschwind.
Dennoch bleiben sie sehr nahbar, weil sie meist aus dem Leben gegriffen wirken, Kristallisationen persönliche Erfahrungen sind. Die Faszination, die sie enthalten, ist eine aus-, nicht eine den Leser*innen aufgedrückte – und zugleich sind die Schilderungen fein durchzogen von all jenen (Bei-)Gefühlen, die das wiedergegebene Erleben glaubwürdig machen: Angst, Begehren, Ekel, Hunger Verdruss, Leichtsinn, Langeweile, Freude, Müdigkeit, etc.
Nicht zuletzt werfen die Gedichte einen spannenden Blick auf Tiere: subjektiv geschneidert, wissenschaftlich gefüttert, mit viel Sinn für ihren und unseren (menschlichen) Eigensinn. Das Unbedarfte, so oft den Tieren zugesprochen, ist in diesem Band jedenfalls eher bei den Menschen zu finden, während die Tiere ganz eins mit ihrem Bedürfnis sind (außer dort wo sich die Welten kreuzen, in beiden Fällen).
Ein sehr welt- und reichhaltiger Band, lesenswert!!
Lyristix




