Annette Köwerich

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Annette KöwerichBriefe von Ophelia und Jan
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Briefe von Ophelia und Jan
Briefe von Ophelia und Jan
 (1)
Erschienen am 08.08.2017
Annette KöwerichGeniessen wie die Römer
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Geniessen wie die Römer
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Erschienen am 06.11.2007
Annette KöwerichMosel. Eine Hommage von der Quelle zur Mündung
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Mosel. Eine Hommage von der Quelle zur Mündung

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Rezension zu "Briefe von Ophelia und Jan" von Annette Köwerich

Wie klingt die Mosel
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Monaten

Die Eifeler Bauerntochter und Agraringenieurin Annette Köwerich, Ehefrau des bekannten Winzers und Weinbauingenieurs Nick Köwerich aus Leiwen an der Mosel, legt mit „Briefe von Ophelia und Jan“ ein bemerkenswertes Romandebüt vor, in dem der Wein so viel mehr ist als ein Getränk.

Es fängt mit einem Missverständnis an. Jan Hermann, Redakteur einer Zeitschrift für Landtechnik im westfälischen Münster, brennt danach, für seine Tante einen ganz bestimmten 1959er Mosel-Riesling aufzutreiben. Hoffnungsfroh richtet er eine E-Mail an das vermeintliche Weingut Benz-Lay im (fiktiven) Ort Sommerath an der Mosel. Jedoch landet die Mail bei Ophelia Lay, die ein Bed and Breakfast am Flussufer betreibt, aber mit dem inzwischen untergegangenen Weingut nur über tausend Ecken zu tun hat.

Freundlich und verbindlich wie sie ist, bietet sie dem Fremden ihre Hilfe bei der Suche nach einer Flasche des edlen Tropfens an. Wie sich herausstellt, hütet ihr Onkel Theo, Moselwinzer mit Leib und Seele, noch ein paar Flaschen des Jahrhundertjahrgangs. Theo indes will sich nicht ohne weiteres und erst recht nicht für Geld von einer Flasche des selten gewordenen Tropfens trennen. Stattdessen verlangt er einen ungewöhnlichen Preis. 

Ophelia berichtet in einem immer intensiver werdenden E-Mail Austausch mit Jan von ihren Treffen mit dem Onkel und seinen Bedingungen. Sie schildert erst zögerlich, dann immer umfassender vom einzigartigen Lebensgefühl an der Mosel, von ihren uralten Geschichten und Weisheiten. All das saugt Jan begierig in sich auf. Durch gezieltes Nachfragen knüpft er den Gesprächsfaden weiter, und immer mehr verzahnen sich die Gedanken, Träume und Biographien zweier empfindsamer Menschen bis eine gänzlich unerwartete Wendung in der Geschichte eintritt.

Annette Köwerich spricht in ihrem Briefroman die Sinne an. Man kann ihre Beschreibungen regelrecht sehen, riechen und schmecken. Wie die sphärischen Moselbilder William Turners wirken manche Schilderungen der Autorin, wenn sie Ophelia mit Hingabe von den Dörfern am Fluss schreiben lässt, von den übereinander gestapelten Häusern, den verschmelzenden Mauern in den Gassen und den Silhouetten der Kirchtürme. Und dann das blaue Band der Mosel hinter dem Haus, „beinahe still wie ein See.“ Stolzes römisches Erbe wird hier weiter gegeben - in Namen, Bauwerken und Wörtern. Vieles wirkt wie am Mittelmeer, etwa die Kübel vor den Häusern mit ihren immergrünen Pflanzen.

„Wie klingt die Mosel?“, ist ein zentrales Thema im Frage-Antwort-Spiel der Schreibenden. Für Ophelia klingt die Mosel überall anders, oft nach Beethovens Pastorale, in den Markthallen von Metz kommt ihr Tschaikowskys Nocturne in den Sinn, in Koblenz, „dort wo sich die Mosel dem Rhein hingibt, in ihm verliert und dann von ihm zum Ozean geströmt wird“, klingt es nach ‚O Salutaris‘ von Gabriel Fauré und André Messager.

Natürlich würdigt Annette Köwerich auch die Menschen der Mosel, die Dickköpfigen und Geduldigen, die Weisen und Witzigen.  Die Winzer, die keine „Produzenten“ sind, sind für sie „Erzeuger mit einer fast körperlichen Verbundenheit zu ihrem Erzeugnis“, zum Wein, der wie personifiziert  ein Eigenleben zu führen scheint. Und das schon als Pflanze: „Wissen Sie, wie schön die Sommermorgen an der Mosel sind“, fragt Ophelia, „wenn sich die Reben in den Himmel stürzen als ob es da oben irgendeinen Halt gäbe?“ Auch Jan spricht  über den von ihm so begehrten reifen Wein von einem Wesen, das „einen ganzen Sommer mit all seinen Geschichten in sich trägt und fast 46 Jahre in einem kühlen Keller geträumt hat.“

Selten habe ich poetischer vom Wein gelesen wie in diesem Roman - mit viel Sentiment und ehrfurchtsvoller Bewunderung. Wie der Wein imstande ist, ein Gespräch zu befeuern, die Phantasie zu beflügeln und die Lust zu wecken.

Dabei gelingt es der Autorin, federleicht die Kulturgeschichte des Moselraums klug und voller Bilder, Querverweise und Assoziationen angenehm unakademisch zusammen zu fassen.

Doch es herrscht nicht nur Harmonie in diesem Buch. Bei aller Nähe, die durch den Briefwechsel zwischen Jan und Ophelia entsteht, fallen nicht sämtliche Schranken. Ophelia behält ihren eigenen Kopf, und sie beherrscht das alte Spiel zwischen Locken und Verweigern perfekt. Jans stetes Ersuchen um ein Treffen lässt sie schroff unbeantwortet. Jan wiederum erzählt über lange Strecken nicht die ganze Wahrheit. Einmal reißt die Konversation zwischen beiden sogar über Monate ab. Es ist das zwischen Männern und Frauen so oft zu beobachtende Aneinandervorbeireden respektive Auslassen von entscheidenden Details, das hier im Roman die Spannung aufrecht erhält und den Reiz der Dynamik der Geschichte ausmacht.

Ob sich Ophelia und Jan finden, soll hier nicht verraten werden. Bei aller Unterschiedlichkeit eint sie auf jeden Fall ihre Fähigkeit, Momente, Musik und Landschaften unglaublich tief zu empfinden und zu beschreiben, sie sinnlich wahrzunehmen und einzuordnen in eine Welt, die nur mit offenen Augen und Herzen wirklich verstanden werden kann. Ophelia beschreibt in wunderschönen Sprachbildern das Moseltal, seine Kultur, seine Landschaft und seinen Wein und lässt es wie ein irdisches Paradies erscheinen. Das Paradiesische bzw. Jans Suche danach wird zum bestimmenden Leitmotiv des Romans. Über die benachbarte Eifel hat kein geringerer als Martin Walser einmal geschrieben: „Sie ist das Paradies, in das ich gerne vertrieben werden möchte.“

Für die Mosel scheint dieser Satz noch eine viel größere Gültigkeit zu besitzen.

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