Annette Kaminsky Kaufrausch. Die Geschichte der ostdeutschen Versandhäuser

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Inhaltsangabe zu „Kaufrausch. Die Geschichte der ostdeutschen Versandhäuser“ von Annette Kaminsky

Versandhäuser -- da denkt der Bundesbürger West zuallererst an Traditionsfirmen wie "Quelle", "Bader" oder "Otto", an dicke bunte Kataloge, die zweimal jährlich das Kaufhaus ins Wohnzimmer bringen, bequem frei Haus und natürlich auf Ratenzahlung. Zu jener tristen Zone der sozialistischen Mangelwirtschaft und des erzwungenen Konsumverzichts namens DDR mag ein Versandhaus dagegen nicht so recht passen.
In ihrem Buch Kaufrausch rekonstruiert Annette Kaminsky die turbulente Geschichte des DDR-Versandhandels. Zwischen 1956 und 1975 belieferten die Versandhäuser "konsument" und "centrum" den Osten Deutschlands, speziell die ländlichen und kleinstädtischen Gebiete, bevor zunehmende Produktionsengpässe und Lieferschwierigkeiten das ehrgeizige Unternehmen scheitern ließen.
In den sechziger Jahren, auf dem Höhepunkt des Versandhandels, hingen die SED-Bürokraten noch visionären Gedanken nach, wie die Projektskizzen für das DDR-Kaufhaus der Zukunft -- inklusive eines Landedecks für kleine Flugzeuge und unterirdischer Versorgungsstraßen -- belegen. Sie zeugen ebenso von der Aufbruchsstimmung und Technikbegeisterung der späten Ulbrichtjahre wie die damaligen Versandhauskataloge, die ihren westdeutschen Vorbildern in nichts nachstanden. Frei nach dem Motto "Überholen ohne Einzuholen" suggerierten sie einer staunenden Bevölkerung die von der SED propagierte Gleichheit der Lebensverhältnisse in Ost und West.
Dabei kam auch die Ideologie nicht zu kurz. Die Kunden sollten zum "sozialistischen Verbraucher" und "neuen Menschen" erzogen werden, und so führte bereits der Versuch, Herrenhosen "westdeutsche" Namen wie "Heino" oder "Jupp" zu geben, zu einem ideologischen Skandal.
Mit Kaufrausch ist Annette Kaminsky ein höchst informatives und zugleich unterhaltsames Buch gelungen, das einen wenig bekannten Aspekt der DDR-Geschichte näher beleuchtet. Der Versandhandel ist dennoch symptomatisch für die Krise des SED-Systems, denn seine Einstellung Mitte der 70er Jahre "nahm im Grunde den Bankrott der gesamten DDR-Wirtschaft vorweg". --Stephan Fingerle
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