Annette Mingels

 3,7 Sterne bei 65 Bewertungen
Autor*in von Was alles war, Dieses entsetzliche Glück und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Annette Mingels, geboren 1971, studierte Germanistik und promovierte über Dürrenmatt und Kierkegaard. Danach arbeitete sie als Dozentin und Journalistin. 2003 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, dem fünf weitere und ein Erzählband folgten. Für ihren Roman »Was alles war« erhielt sie 2017 den Buchpreis Familienroman der Stiftung Ravensburger Verlag. Annette Mingels lebt, nach einigen Jahren in San Francisco, mit ihrer Familie bei Berlin.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Evas Tochter (ISBN: 9783328604808)

Evas Tochter

Neu erschienen am 19.08.2026 als Gebundenes Buch bei Penguin.

Alle Bücher von Annette Mingels

Cover des Buches Dieses entsetzliche Glück (ISBN: 9783328107149)

Dieses entsetzliche Glück

(23)
Erschienen am 08.03.2022
Cover des Buches Was alles war (ISBN: 9783328102571)

Was alles war

(25)
Erschienen am 13.08.2018
Cover des Buches Tontauben (ISBN: 9783832196110)

Tontauben

(7)
Erschienen am 01.10.2010
Cover des Buches Der letzte Liebende (ISBN: 9783328602958)

Der letzte Liebende

(4)
Erschienen am 30.08.2023
Cover des Buches Die Liebe der Matrosen (ISBN: 9783832161019)

Die Liebe der Matrosen

(4)
Erschienen am 18.02.2010
Cover des Buches Romantiker (ISBN: 9783832180140)

Romantiker

(1)
Erschienen am 26.02.2007
Cover des Buches Evas Tochter (ISBN: 9783328604808)

Evas Tochter

(0)
Erschienen am 19.08.2026
Cover des Buches Tontauben (ISBN: 9783328106142)

Tontauben

(0)
Erschienen am 09.11.2020

Neue Rezensionen zu Annette Mingels

Cover des Buches Der letzte Liebende (ISBN: 9783328602958)
B

Rezension zu "Der letzte Liebende" von Annette Mingels

Betty_Literatur
Die Poesie des Alterns

„Vielleicht war das überhaupt eines der Kennzeichen des Alters: dass es kein Gleichgewicht mehr gab. Alles war entweder zu viel oder zu wenig.“

Carl, emeritierter Professor in den USA, begleitet den Sterbeprozess seiner Frau Helen. „Im nächsten Jahr würde er achtzig, er wusste das natürlich, konnte es aber nicht empfinden.“

Die Ehe der beiden war nur noch ein Arrangement gewesen: „Fast sechzig Jahre und was hatten sie daraus gemacht? Die Wahrheit war: nicht viel. Sie hatten beide immer so getan, als gäbe es eine zweite Chance.“

Carl hat durch seine zahlreichen Affären die Ehe belastet, Helen hat sich zurückgezogen, die Adoptivtochter auf ihrer Seite. Als Helen stirbt, verliert sich Carl in alten Erinnerungen und Gewohnheiten und fragt sich, ob er noch ein besserer Mensch werden kann. Aber vor allem hadert er mit dem Altern, seiner Untätigkeit sowie seiner Unbrauchbarkeit. „Schon seit etlichen Jahren hatte er das Gefühl, dass er kaum noch gesehen wurde.“

Carl fühlt sich sehr zu Frauen hingezogen, er sieht sich selber jedoch nicht als „Verführer“. „In seiner Wahrnehmung waren es die Frauen, diese unergründlichen, liebesbegabten Wesen, die sich ihm immer wieder überraschend freigebig zuwandten, während ihm keine andere Wahl blieb, als sich von ihnen in jede gewünschte Richtung lenken zu lassen.“ Es fällt ihm sehr schwer, zu verstehen, dass diese Jahre vorbei sind.

Nun leidet er vor allem unter der Einsamkeit

„Manchmal war ihm die Brust so eng, dass er kaum atmen konnte.“

Nach dem Tod seiner Frau besucht Carl mit seiner Tochter und seinem Enkel die Orte seiner Kindheit in Polen und der ehemaligen DDR.

Seine Familie ist ohne „Geschichte“, zumindest keine über die gesprochen wurde.

Die Mutter vertrieben, Carl verließ die DDR, die Brüder hatten Repressalien des Staates zu ertragen. Zumindest mit einem Bruder kann Carl sich versöhnen. „Es war, als ob sich ein kleines Fenster öffnete, durch das er in einen längst verlasseneren Raum seines Lebens blicken konnte.“

Aber nach der Reise holt die Einsamkeit ihn wieder ein.

„Wenn er die Augen schloss, war es, als stürzte er in einen vollkommen leeren Raum, mit nichts drin, das ihm Auftrieb gab. So würde er also ab jetzt leben müssen: ohne Hoffnung und Hingabe, dem unausweichlichen Ende zu. So weit, so klar. Aber wie um alles in der Welt sollte das gehen?“

Annette Mingels bildet „das Leben“ sehr authentisch in den Personen und ihren Dialogen ab, in liebevoller Ironie begleitet sie diesen alten Mann, der obwohl eigentlich unsympathisch, irgendwie berührt. Das ist die Kunst der Autorin eine Poesie des Alters zu schaffen.

Ein wunderbares Buch.

Cover des Buches Dieses entsetzliche Glück (ISBN: 9783328601005)
krimielses avatar

Rezension zu "Dieses entsetzliche Glück" von Annette Mingels

krimielse
Glückssuchende

Eine literarische Anhäufung unglücklicher und versehrter Menschen findet sich im Episodenroman von Annette Mingels „Dieses entsetzliche Glück“. Figuren und ihre Schicksale sind kunstvoll miteinander verwoben und fügen sich dabei zu einem eher traurigem als glücklichem Roman. 


Eine Amerikanische Kleinstadt ist der Drehpunkt des Romans, der von dort lebenden Menachen und ihren Geschichten handelt, es sind unaufgeregt erzählte Lebensepisoden vom Suchen und Finden, Fortgehen und Heimkehren, Familiengeschichten und Geschichten über Freundschaften. Anfangs nur ganz lose verknüpft fügen sich die einzelnen Schicksale auf wunderbare Weise wie die Teilchen eines Puzzles ineinander und erlauben dem Leser Einsichten aus verschiedenen Blickwinkeln. Es sind Geschichten aus der heutigen USA ohne Politisierung und Verwerfungen, modern und angenehm bodenständig zugleich.


Was die Figuren miteinander verbindet ist außer der Kleinstadt Hollyhock das Scheitern auf der Suche nach dem Glück. Oder das Übersehen der Tatsache, dass Glück bereits da war. Manche sind aus dem Ort weggezogen, um den Kleinstadtmief hinter sich lassen zu können. Andere haben genau davor Angst, in der Ferne unterzugehen und sind deshalb geblieben. Banalität bildet den Hintergrund für große Lebensfragen, und mit ihren treffsicheren Beschreibungen der Figuren ohne großen Schnickschnack , den tiefen kurzen Blicken in die Seelen und den offenen Enden liest sich das Buch trotz aller Traurigkeit durchaus vergnüglich, auch wenn es zunächst anders erscheint.


Voller Melancholie, mit genauem beobachtenden Blick und mit viel Liebe für ihre Figuren erzählt Annette Mingels die Geschichten, und am Ende ist man sich als Leser ziemlich sicher, dass die Suche nach dem Glück wohl überbewertet wird, dass man in vielen Situationen schon sehr genau hinsehen muss, um ein sicheres Urteil fällen zu können und dass man oft glücklich ist mit dem, was gerade passiert und es aber leider nicht bemerkt.


Das Buch ist ein schönes Stück Literatur, das ich gerne gelesen habe, auch wenn ich gar kein Fan von Kurzgeschichten und Episodenromanen bin.


Cover des Buches Dieses entsetzliche Glück (ISBN: 9783328601005)

Rezension zu "Dieses entsetzliche Glück" von Annette Mingels

Ein LovelyBooks-Nutzer
"Dieses entsetzliche Glück" - Annette Mingels

>>Hollyhock, eine Kleinstadt irgendwo in Virginia: von hier kommen sie, von hier fliehen sie, hierhin kehren sie zurück,...<<
„Dieses entsetzliche Leben“ von Annette Mingels – eine Geschichte, die sich aus vielen verschiedenen Lebensgeschichten, Lebensabschnitten zusammensetzt. Es ist ein Buch, das in all seinen Facetten das für jeden einzelnen schwierige aber auch schöne Leben zeigt.
Mich lässt dieses Buch eher gespalten zurück. Einerseits hat mir der Schreibstil, die Art der Autorin die verschiedenen Geschichten zu erzählen und zu verknüpfen gut gefallen. Die Charaktere waren für mich greifbar und doch habe ich das Buch einfach immer wieder zur Seite gelegt und irgendwie ist alles, sei es die jeweilige Geschichte oder aber die Charaktere schnell in Vergessenheit geraten. Es hat mich nichts so gefesselt, dass es nachhaltig für mich präsent war, was ich einfach unheimlich schade fand, weil das Buch insgesamt absolut nicht schlecht war!
Fazit: Ein wunderschönes Buch, das toll erzählt mir jedoch nicht ganz zugänglich war... 

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