Die Judenbuche

von Annette von Droste-Hülshoff 
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Die Judenbuche
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Westfalen ganz besonders

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Ich musste es von der Schule aus lesen und habe es noch nicht mal zu Ende gelesen.

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Inhaltsangabe zu "Die Judenbuche"

Die Judenbuche. Die Novelle mit dem Untertitel "ein Sittengemälde aus dem gebirgigen Westfalen" erzählt von einem nicht aufgeklärten Mord, der schließlich dem Hauptdarsteller Friedrich Mergel, einem jungen Mann aus dem Dorf, in die Schuhe geschoben wird. Wegen des Verdachts flieht Friedrich, kehrt aber später zurück. Ort des Geschehens ist das abgelegene Dorf B., in dessen Abgeschiedenheit manches anders ist als anderswo.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746042916
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:52 Seiten
Verlag:Books on Demand
Erscheinungsdatum:20.02.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.10.2004 bei HörGut! Verlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Schluffs avatar
    Schluffvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Westfalen ganz besonders
    die Judenbuche

    Westfalen, Engern, Ostfalen. Besondere Gegenden mit besonderen Geschichten. Im Münsterland gibt es noch eine Bezeichnung für alteingesessene Bürger sie nennen sich Pfalbürger abgeleitet von den Pfählen der Hütten zur Bronzzeit als das gesamte Terrain noch sumpfig war. Ein besonderer Menschenschlag den Anette von Droste-Hülshoff trefflich beschreibt. Die Handlung der Judenbuche basiert auf einer wahren Begebenheit die von ihr in einen Rahmen gefasst wurde ohne das Wesen der Protagonisten zu verändern.
    Was da passiert ist ein typisches Szenario für Verbrechen. Habgier, Verrat und Mord. Anette wertet nicht, doch dass der Getötete ein Jude ist spiegelt den Zeitgeist den sie gewiss nicht ohne Absicht aufzeigen wollte. Dass zum Ende der Novelle  ein "Schuldiger" am Ast der Buche hängt, die auch Ort des Verbrechens war, ist unserem Glauben an eine ausgleichende Macht geschuldet.

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    cosima73s avatar
    cosima73vor einem Jahr
    Mörderjagd auf dem Dorfe

    Friedrich Mergel startet alles andere als gut ins Leben: Der Vater ein Säufer, die Mutter zwar herzensgut, nach dem Tod ihres Mannes aber mit allem überfordert und mausarm, lernt er schon früh die Härte des Lebens kennen. Durch seinen Onkel wird er zudem in unlautere Machenschaften verwickelt. Bei dieser Vorgeschichte ist es kaum verwunderlich, dass der Verdacht auf ihn fällt, als die Leiche des ermordeten Juden Aaron gefunden wird, zumal dieser ihn kurz zuvor auf einer öffentlichen Feier blossgestellt hat.

    Die Novelle von Annette von Droste-Hülshoff ist 1842 im Cotta’schen Morgenblatt für gebildete Leser erschienen und porträtiert eindrücklich das Leben auf dem Lande im 19. Jahrhundert.

    Unter höchst einfachen und häufig unzulänglichen Gesetzen waren die Begriffe der Einwohner von Recht und Unrecht einigermassen in Verwirrung geraten, oder vielmehr, es hatte sich neben dem gesetzlichen ein zweites Recht gebildet, ein Recht der öffentlichen Meinung, der Gewohnheit und der durch Vernachlässigung entstandenen Verjährung.

    Auf anschauliche Weise erfährt man von den Intrigen und Machenschaften der kleinen Ganoven sowie von den Verurteilungen derer, die den allgemeinen Ansprüchen nach einem guten und richtigen Leben nicht genügen.

    Die hier vorliegende Ausgabe aus dem Dörlemann Verlag ist durch ein Nachwort der Autorin Droste-Hülshoff sowie einen kleinen Lebenslauf derselben ergänzt und besticht durch seine liebevolle und hochwertige Gestaltung.

    Fazit:
    Eine kurzweilige, kriminalistisch anmutende Novelle aus dem 19. Jahrhundert liebevoll neu aufgelegt. Sehr empfehlenswert!

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    sommerleses avatar
    sommerlesevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Klassische Novelle darüber wie ein Mensch zum Mörder werden kann.
    Stimmungsbild von Schuld und Sühne

    "*Annette von Droste-Hülshoff*" (10.1.1797 - 24.5.1848) sah ihre Berufung als Dichterin, fand aber zu Lebzeiten als schreibende Frau keine Anerkennung. "*Die Judenbuche*" schrieb sie 1842.

    Inhaltlich geht es um Friedrich Mergel, der durch seine Erziehung im Elternhaus und den Druck der Dorfbewohner zum Mörder wird.
    Der Jude Aaron wird ermordet aufgefunden, man verlässt sich auf die Aussagen von der Bevölkerung, einige seiner Schuldner werden verdächtigt. Mergel macht sich durch seine Flucht verdächtig.


    Es geht um Friedrich Mergel, der durch ein schwieriges Elternhaus, einen trinkenden Vater und die intolerante Dorfgemeinschaft zu einem unsicheren Außenseiter wurde, schliesslich sogar zu einem Mörder.

    Wie hier psychologische und soziale Aspekte inhaltlich miteinander verknüpft werden, ist für die damalige Zeit außergewöhnlich. Die Autorin thematisiert in diesem Stück die Problematik von Schuld und Sühne.
    Der überraschende Schluss ist im kriminalistischen Sinne spannend und gibt der Geschichte einen runden Abschluss.

    Was früher als "Sittengemälde aus dem gebirgichten Westphalen" beschrieben wurde, entpuppt sich als kriminalistische Erzählung. Heute würde man dieses Stück wohl eher Psychogram oder Sozialstudie nennen, denn Droste-Hülshoff zeigt in der Judenbuche auf kritische Art und Weise wie sich ein Mensch unter den herrschenden Einflüssen von Erziehung und Gesellschaft entwickeln kann.

    Die Lektüre dieses Klassikers ist häufig Schulthema und trotz der veraltet klingenden Sprache eine interessante Erfahrung. Hier wird realistisch geschildert, wie das gesellschaftliche Bild der Menschen damals aussah, wie sie lebten, arbeiteten und welche Werte sie vertraten. Die Armut, die Klassenunterschiede und das Rollenbild von Mann und Frau wird gut erkennbar.

    Die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten, von denen Annette schon in ihrer Kindheit gehört hatte und diese dann in einer heimatlichen Geschichte verarbeitet hat.

    Auch für die heutige Zeit eine interessante Lektüre, die durch die sprachliche Ausdrucksfähigkeit der Autorin ein klassisches Stück Zeitgeschichte des 18. Jahrhunderts zeigt.

    Auch für die heutige Zeit eine interessante Lektüre, die durch die sprachliche Ausdrucksfähigkeit der Autorin ein klassisches Stück Zeitgeschichte des 18. Jahrhunderts zeigt.
     

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    S
    sophiegoesrawvor 5 Jahren
    Ein kritisches Bild der Gesellschaft...

    Das Buch "Die Judenbuche" erzählt die Geschichte von Friedrich Mergel, den man von der Geburt bis zu seinem Tod begleitet. Es beschreibt, wie sich sein Charakter durch den Einfluss des Onkels prägt und stellt ein kritisches Gesellschaftsbild dar. Das Schicksal rächt sich, und so führt es dazu, dass Friedrich sich einige Zeit, nachdem er den Juden Aron unter einer Buche ermordete Selbstmord begeht, indem er sich unter dieser erhängt. Meiner Meinung nach ein interessantes Buch, das auch zum Nachdenken anregt.

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    SchwarzeRoses avatar
    SchwarzeRosevor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Etwas anders, aber trotzdem gut!!!
    Die etwas andere Art von Lektür

    "Die Judenbuche" ist ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen (Novelle), die erstmals 1842 erschien. Zu der Schreibweise, ich fand sie schon ein wenig konfus. Aber trotzdem gelungen. In der Novelle geht es um einen ungeklärten Mord und die Flucht zweier Knaben, die unschuldig waren, zumindest glaubt man dies.

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    JuliaBeylounys avatar
    JuliaBeylounyvor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Eine spannende Geschichte à la Hülshoff nach wahrer Begebenheit. Wer ihre Werke liebt, den wird das Buch verzaubern.
    Die Judenbuche

    Anlass, mir das Buch zu kaufen, war eine Hülshoff-Lesung, die ich besucht habe. Ich bin total begeistert von ihrer Poesie und ihren Werken. Und dann habe ich es natürlich gekauft, weil ich selbst aus Westfalen komme und die Orte, von denen sie schreibt, kenne. Es ist spannend, zu erfahren, wie es dort damals ausgesehen, was für Volk dort so gelebt hat und wie die Menschen ihren Alltag bestritten haben.

    Zunächst hatte ich kleine Schwierigkeiten, mich in die Sprache des achtzehnten Jahrhunderts einzufinden, aber nach ein paar Seiten war das kein Thema mehr.
    Irgendwie fängt die Atmosphäre den Leser ganz schnell ein; man kommt sich vor, als würde man im Detmolder Freilichtmuseum leben und alles in Echtzeit mitmachen.
    Ohne Handys, ohne Ipad, ohne TV. Alles selbst anbauen, Wälder abholzen, Tiere versorgen, Kutschfahrten durch den finstren Teutoburger Wald - harte, körperliche Arbeit eben, die unsere Vorfahren noch draufhatten.
    Die Handlung ist spannend. Ein Jude wird ermordet aufgefunden und so ganz ohne die heutige Spurensuche muss man sich auf die Aussagen von Bauern und Dorftrotteln verlassen. Es werden verschiedene Schuldner verdächtigt, die den Juden Aaron nicht bezahlt haben. Die Hauptfigur Friedrich Mergel ist einer von ihnen und seine Flucht macht ihn noch verdächtiger.

    Natürlich kann man den Schreibstil, die Charaktere und alles drum herum nicht mit heutigen Bestsellern vergleichen. Bedenkt man aber die Zeit, in der Anette von Droste-Hülshoff gelebt hat, die Klassenunterschiede der Menschen und die Rolle von Mann und Frau, ist ihr Werk unglaublich!
    Jedem, der Interesse an westfälischer Geschichte hat, der herausfinden möchte, wie viele altdeutsche Wörter sich hergeleitet haben, kann ich dieses Buch empfehlen.
    Es spielt in einer nicht allzu fernen Vergangenheit, in der die Zeit viel langsamer tickt, als sie es heute tut.

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    waizenernses avatar
    waizenernsevor 6 Jahren
    Rezension zu "Die Judenbuche" von Annette von Droste-Hülshoff

    Ganz gutes Buch für Zwischendurch. Nicht zu lang und relativ spannend.

    „Denn wer nach seiner Überzeugung handelt, und sei sie noch so mangelhaft, kann nie ganz zugrunde gehen, wogegen nichts seelentötender wirkt, als gegen das innere Rechtsgefühl das äußere Recht in Anspruch nehmen.“

    „Margret hatte bisher ihren Sohn nur geliebt, jetzt fing sie an stolz auf ihn zu werden und sogar eine Art Hochachtung vor ihm zu fühlen, da sie den jungen Menschen so ganz ohne ihr Zutun sich entwickeln sah.“

    „Wenn die Kinder klein sind, treten sie uns in den Schoß, und wenn sie groß sind, ins Herz!“

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    Shunyas avatar
    Shunyavor 6 Jahren
    Rezension zu "Die Judenbuche" von Annette von Droste-Hülshoff

    Und wieder ein Buch geschafft. Ebenfalls eines, das mein Bruder mir geschenkt hat. Es ist in dem selben Format wie die Geschichte vom Bahnwärter Thiel. Auf 44 Seiten wird in Heftform die Geschichte erzählt, auch wenn in der Beschreibung 135 Seiten stehen. Mein Heft hat lediglich 48 Seiten. Auf dem Cover sieht man ein paar Bäume. Im Vordergrund steht Margret und sieht ihrem kleinen Sohn Friedrich und Simon hinterher. Das Cover ist in pink gehalten.
    Das Buch beginnt im Jahr 1738 in dem Friedrich Mergel geboren wird. Er wächst in dem Dorf B. auf. Sein Vater Hermann Mergel ist ein Säufer und Tunichtgut. Er nimmt sich Margret Semmler zur Frau, auch wenn sie anfangs noch versucht ihrem Mann zu imponieren, so ist die Ehe nicht sehr glücklich für sie. Friedrich ist neun Jahre alt, als man die Leiche seines Vaters im Wald auffindet. Nur langsam finden die Hinterbliebenen zu ihrem Alltag zurück. Friedrich hütet die Kühe, während seine Mutter sich um den Haushalt kümmert. Der Junge wird von der Dorfjugend oft verprügelt, bis er 12 Jahre alt ist, denn eines Tages kommt der jüngere Bruder von Margret zu Besuch. Simon möchte den Jungen mit sich nehmen und ihn arbeiten lassen. Margret stimmt widerwillig zu. Friedrich wird zusehends reifer und kann sich auch bei den Raufereien zur Wehr setzen. Eines Tages findet Margret einen fremden Jungen in ihrer Küche vor. Er heißt Johannes Niemand. Friedrich hat ihn unter seine Fittiche genommen.
    Mit 18 Jahren hat Friedrich sich ziemlich gewandelt. Ist er auf der einen Seite, der Junge, der sich einen Ruf unter den Jugendlichen erschlichen hat und sich viel aus Kleidung macht, so ist er auf der anderen Seite wieder der Junge, welcher er damals gewesen ist. Der verträumte Kuhhirte. Zu dieser Zeit treiben sich in den Wäldern die sogenannten Blaukittel herum und roden ohne Erlaubnis riesige Waldflächen. Im Juli 1756 befindet Friedrich sich im Wald beim Kühe hüten, als er auf die Förster trifft, welche auf der Suche nach den Blaukitteln sind. Den Letzten von ihnen schickt er allerdings in die falsche Richtung und so wird dieser von den Blaukitteln umgebracht. Spätabends wird Margrets Haus aufgesucht. Sie erfährt von dem Toten und das Friedrich verdächtigt wird. Vor Gericht sagt Friedrich aus, behält einiges allerdings für sich und so wird er freigesprochen. Vier Jahre später 1760 im Oktober scheint vorerst alles vergessen zu sein. Bis ein Jude namens Aaron erschlagen worden sein soll. Der Verdacht fällt auf Friedrich, doch kann man ihm nichts mehr nachweisen, da er mit Johannes geflohen ist und Margret nur noch ein Schatten ihrer Selbst ist. Jahre später kommt Johannes zurück und so werden einige wichtige Fragen aufgeklärt.
    Wie die Geschichte ausgeht verrate ich an dieser Stelle nicht. Die Judenbuche ist sehr gut geschrieben, teilweise musste ich aber doch oft hinten im Glossar nachsehen, was einige Worte bedeutet haben, da die Sprache doch sehr veraltet ist. Einige Stellen im Buch waren schwierig zu verstehen und man muss sich schon auf das Buch konzentrieren, um den Sinn dahinter zu verstehen. Was ich interessant finde, ist, das man Friedrich an seinen wichtigsten Lebensjahren begleitet und erfährt was er für Leid, aber auch manchmal (kaum angedeutet) für schöne Dinge erlebt hat. Seine Mutter hingegen ist anfangs eine recht starke Persönlichkeit, durch ihre Ehe wird sie allerdings ein komplett anderer Mensch. Nach dem Tod ihres Mannes und den Geschehnissen mit Friedrich merkt man sehr genau, wie sie sich verändert und beginnt dahinzuvegetieren. Friedrich erfährt von ihr kaum richtige Mutterliebe, manchmal beim Lesen kam es mir sogar vor, als wäre er ihr eine Last. Erst als Simon den Jungen mitnimmt und sich um ihn kümmert und sie merkt, wie Friedrich aufblüht, ist sie stolz auf ihren Sohn.
    Was ich merkwürdig fand, war, dass einige Namen und Ortsnamen nur mit dem Anfangsbuchstaben benannt wurden. Dabei standen einige wiederum normal ausgeschrieben im Text. Wo da der Sinn sein soll, ist mir schleierhaft.
    Das Ende der Geschichte war zwar vorhersehbar, aber es hat mich dann doch sehr überrascht. Erst am Ende versteht man auch was in die Judenbuche geschnitzt worden war und was es damit auf sich hatte.
    Im Nachwort gibt es noch einen zweiseitigen Bericht über die Autorin Annette von Droste-Hülshoff. Die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten, von denen Annette schon in ihrer Kindheit gehört hatte und diese dann in einer heimatlichen Geschichte verarbeitet hat.
    Die Geschichte hat mir gut gefallen und es hat sich auf jeden Fall gelohnt sie zu lesen. Auch als Schullektüre würde sie sich gut eignen.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren
    Rezension zu "Die Judenbuche" von Annette von Droste-Hülshoff

    Diese Novelle liest sich trotz ihres Alters - sie ist zuerst 1842 in Fortsetzungen erschienen - erstaunlich gut. Sie liefert Denkmaterial, ohne den Leser zu erdrücken, bedient sich verständlicher Metaphern und wird auch dadurch nicht langweilig. "Die Judenbuche" wird dem Anspruch der Novelle wirklich gerecht, ist nicht mehr und nicht weniger. Lesenswert.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Judenbuche" von Annette von Droste-Hülshoff

    Wie und weshalb ein Buch zur klassischen deutschen Literatur oder vielleicht sogar zur Weltliteratur wird, lässt sich oft nur schwer nachvollziehen. Oft entscheidet erst die Zukunft darüber, welches Werk es verdient, im Gedächtnis-Kanon konserviert zu werden. Oft erscheint dem einen ein Kriterium für die Einstufung als klassische Literatur als ungeeignet, als unbrauchbar, als banal, als Heiterkeit erregend oder gar als läppisch, während der andere mit aller Ernstlichkeit daran festhält. Eine weitere Frage ist, ob ein Werk, das einmal die Weihen als „große“ Literatur erhalten hat, auf ewig sakrosankt bleiben muss. Gedanken dieser Art beschäftigten mich, als ich nach einigen Jahrzehnten wieder Die Judenbuche von Annette Freiin von Droste-Hülshoff in die Hand bekam. - Eine Sittengeschichte aus dem gebirgigen Westfalen, wie der Untertitel lautet, erhebt nun natürlich nicht den Anspruch, ein Geschichtswerk zu sein, sondern will eine kleine Geschichte wiedergeben, die seinerzeit Aufsehen erregte. Schon aus diesem Grunde war der Novelle daher vermutlich von Anfang an eine ungewöhnliche Aufmerksamkeit (und dem Büchchen, wie anzunehmen ist, auch eine ungewöhnlich große Auflage) beschieden. Dieses Aufsehen hat aber allenfalls einen Anstoß dafür gegeben, dass die Novelle alsbald große Verbreitung fand und von der Fachwelt in den Rang von hoher Literatur erhoben wurde. Schließlich galt damals wie heute schon, dass Ereignisse, die heute Schlagzeile machen, morgen schon wieder vergessen sein können. Wichtiger für die Einordnung als klassische Literatur dürfte für „Die Judenbuche“ eher die Beschreibung der sozialen Situation (Armut und Elend der Unterprivilegierten, die Wilderei und ungenehmigten Holzschlag als gerechtfertigt ansehen) in dem „abgeschlossenen Erdwinkel“ gewesen sein, in dem die Geschichte aus dem 18. Jahrhundert sich ereignet hat. Droste-Hülshoff tut dies nicht anklagend oder aufrührerisch, sondern untendenziös. Zum Teil erreicht sie das sogar auf dem Umweg über die Schilderung positiver Züge ihres „Negativ-Helden“ Friedrich Mergel. An ihm zeigt sie auf, wie ungünstige Umstände (Friedrich Mergel, der im zweiten Jahr einer unglücklichen Ehe eines trunksüchtigen Witwers mit einer Frau, die ihre Stärke überschätzt hatte, geboren wird, ist seit seinem neunten Lebensjahr vaterlos; er leidet unter der Zurücksetzung durch andere und wird zum angeberischen Außenseiter und schließlich zum Kriminellen) und die Unzufriedenheit Friedrichs mit seinem Dasein seinen Lebensweg beeinflussen und schließlich zum tragischen Ende führen. Damit trifft sie einen Nerv des Zeitgeistes. Gleichzeitig behandelt sie damit ein zeitloses Thema. Zeitlos deshalb, weil sich von seinerzeitigen Verhältnissen zu heutigen durchaus Parallelen ziehen lassen. Wenn sie schreibt, dass nichts seelentötender wirkt, als gegen das innere Rechtsgefühl das äußere Recht in Anspruch zu nehmen, gilt das für jede Zeit, in jeder Gesellschaftsform, und nicht nur in Zeiten eines zu Ende gehenden Feudalismus. - Das wichtigste und wohl entscheidende Kriterium für die Aufnahme der Novelle in den literarischen Olymp dürfte allerdings in der meisterhaften Darstellung der Entwicklung der Unzufriedenheit eines Menschen, dessen „Natur nicht unedel“ war, hin zu kriminellem Verhalten, und vor allem auch in den Unsicherheiten zu suchen sein, mit denen die Autorin nicht nur den oberflächlichen Leser zum Nachdenken anregt. - Diese Unsicherheiten beginnen damit, dass Droste-Hülshoff die erste Begegnung der Mutter des Sohnes Friedrich mit Johannes Niemand wie folgt schildert: „Als sie (die Mutter Friedrichs) wieder in die Küche trat, stand Friedrich am Herde.“ Das ist sozusagen eine Schlüsselstelle für die ganze Novelle, die man genau lesen muss, um sich nicht schon an dieser Stelle verwirren zu lassen. Am Herde stand nämlich nicht Friedrich, sondern dessen „verkümmertes Spiegelbild“ Johannes Niemand, der von Friedrich wenig später als des Ohms Simon Schweinehirt bezeichnet wird und in Wirklichkeit der Sohn dieses Ohms ist. Letzteres muss der Leser aus späteren Äußerungen der Mutter Friedrichs folgern. Nachdem Johannes Niemand gegangen war, stöhnte sie nämlich: „Ein falscher Eid, ein falscher Eid!“ „Simon, Simon, wie willst du vor Gott bestehen?“ Damit sollte offensichtlich zum Ausdruck gebracht werden, ohne dass dies eigens noch gesagt wird, dass ihr Bruder Simon in einem Vaterschaftsverfahren einen Geschlechtsverkehr mit der Mutter des Johannes und somit seine Vaterschaft unter Eid geleugnet hat. Die Erkenntnis, dass sich Friedrich und Johannes täuschend ähnlich sehen, ist für das Verständnis der Geschichte unerlässlich. - Die nächste Unsicherheit schafft die Autorin, indem sie sich darüber ausschweigt, ob Friedrich, als er den Förster Brandes auf den falschen Weg schickte, wusste, dass auf Brandes auf diesem Weg (an der Buche, dem Ding, das zusammen mit Juden der Novelle schließlich den Namen gegeben hat) der Tod wartet. Es bleibt daher in gewisser Weise offen, ob sich Friedrich schon insoweit schuldig gemacht hat. Vieles spricht für seine Schuld (die Autorin lässt ihn sogar sagen “Ich habe schwere Schuld, dass ich ihn den unrechten Weg geschickt …“), zwar nicht als Täter (Droste-Hülshoff schreibt: Sein Alibi zur Zeit des Todes war leicht erwiesen.), wohl aber durch anderweitige Beteiligung, und außerdem hinsichtlich einer Falschaussage in Bezug auf die als Mordwaffe verwendete Axt. Immerhin erfährt der Leser insoweit von der Autorin wenigstens, dass diese Geschichte nie aufgeklärt wurde, sodass dem Leser in diesem Punkt kein zusätzliches Rätsel aufgegeben wird. - Gleichermaßen ins Unklare versetzt wird der Leser sodann, was den Mord am Juden Aaron anbelangt. Friedrich hatte bei einer Hochzeitsveranstaltung am Mordtag in aller Öffentlichkeit mit einer silbernen Uhr geprahlt und auf die Frage, ob sie auch bezahlt sei, keine Antwort gegeben; plötzlich war der Jude Aaron auf dieser Veranstaltung erschienen und es zu einem Wortwechsel zwischen ihm und Friedrich gekommen, in dem der Jude „ihn laut vor allen Leuten um den Betrag von zehn Talern für eine schon um Ostern gelieferte Uhr gemahnt hatte“; anschließend war Friedrich „wie vernichtet“ fortgegangen und der Jude ihm gefolgt. An einer anderen Stelle heißt es dagegen, dass Friedrich „vielleicht“ unschuldig an diesem Mord war, weil ein Lumpenmoises genanntes Mitglied der Schlemmingschen Bande ausgesagt habe, „dass ihn nichts so sehr gereue, als der Mord eines Glaubensgenossen Aaron, den er im Wald erschlagen und doch nur sechs Groschen bei ihm gefunden habe“. Dies entwertet den Verdacht gegen Friedrich, der sich durch seine Flucht, auf der er Johannes mitgenommen hatte, noch verdächtiger gemacht hatte, als er ohnehin schon war, nahezu, beseitigt ihn aber nicht völlig. - Vollends in die Irre geführt wird der Leser dann dadurch, dass der eine der beiden Geflüchteten, der nach fast einer Hälfte eines Menschenlebens zurückgekehrt war, zunächst als Johannes identifiziert wurde. Dazu lässt einen Droste-Hülshoff wissen: „Der Heimgekehrte ward als Johannes Niemand erkannt, und er selbst bestätigte, dass er derselbe sei …“ sowie „die Alten fanden seine Züge noch ganz wohl heraus, so erbärmlich entstellt er auch war“. Am Schluss der Novelle äußert sich auch der Gutsherr, wie ihm der in der Judenbuche Erhängte gezeigt wird, erst einmal: „Gott, es ist Johannes!“ Erst wie nach Öffnen der Halsbinde eine breite Narbe an der Leiche sichtbar wird, kommt vom Gutsherrn der Satz: „der da war Friedrich Mergel.“- Und selbst an dieser Stelle gibt Droste-Hülshoff mit dem weiteren Satz des Gutsherren: „Es ist nicht recht, dass der Unschuldige für den Schuldigen leide“ noch einmal ein kleines Rätsel auf. Für unsere heutigen Ohren passt in diesem Satz das Wort „leiden“ nicht so recht, weil alles menschliche Leiden ja eigentlich mit dem Tod endet. Gleichwohl will Droste-Hülshoff hier den Gutsherrn wohl sagen lassen, dass für den des Mordes an dem Juden Aaron schuldigen Friedrich Mergel, der sich selbst gerichtet hat und als Selbstmörder anschließend im Schindanger verscharrt wird, nicht der unschuldige Johannes Niemand als der Mörder des Juden Aaron angesehen werden soll. - Rein formal wird "Die Judenbuche" übrigens vermutlich auch deswegen noch heute als Schullektüre empfohlen, weil sie als Überschrift ein für Novellen als charakteristisch angesehenes so genanntes Dingsymbol trägt und weil an ihr der Unterschied zu einer Kurzgeschichte bzw. zu einem Entwicklungsroman verhältnismäßig einfach herausgearbeitet werden kann.

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